Ernährung und Training
Hippokrates, ein berühmter griechischer Arzt in der Antike, empfahl schon damals den Menschen zum Abnehmen von Körpergewicht körperliche Betätigung und eine Ernährungsumstellung bis hin zum Fasten (Swaddling, 2004). Daraus wird deutlich, dass den antiken Griechen die Verbindung zwischen Training und Ernährung bewusst war.Die Athleten der antiken Olympischen Spiele haben nach strengen Regeln gelebt. Die Aussage von Epiktet (um 50-120 n. Chr., Erörterung III 15, 2-4, zit. n. a.a.O., S. 65) spiegelt das Trainings- und Ernährungsverhalten der antiken Athleten wider: "Du musst dich an Anweisungen halten, musst auf Süßigkeiten verzichten, darfst nur zur festgesetzten Zeiten essen, egal, ob bei Hitze oder Kälte. Du darfst kein kaltes Wasser trinken und auch keinen Wein, wann immer du Lust dazu hast. Du musst dich einem Trainer und einem Arzt völlig überlassen."
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Diese Erkenntnisse sind für die damalige Zeit faszinierend. Heutzutage ist vielen Spitzensportlern die Verbindung von Ernährung und körperliche Leistungsfähigkeit kaum bewusst und wird meist unterschätzt. Lediglich Bodybuilder beschäftigen sich mit der Ernährung mindestens genauso intensiv wie mit den Training.
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Die Sporternährung findet heute besonders in Sportarten Anwendung, die durch konditionelle Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit) begrenzt werden und wird beim Bodybuilding weiterhin sehr streng genommen. Bei Sportarten, in denen die Athleten in Gewichtsklassen eingeteilt werden oder bei denen ein niedriges Körpergewicht von Vorteil ist, spielt die optimale Ernährung auch ein Rolle.
Strenge Gewichtsvorgaben gab es in der Antike nicht. Inzwischen sind die Sportarten, bei denen Gewichtsvorgaben vorhanden sind (z.B. Ringen, Boxen), durch eine unterkalorische Ernährung in der Vorbereitungszeit geprägt. Sportarten bei denen eine schlanke Linie aus biomechanischen Gründen von Vorteil sind, führen bei Leistungssportlerinnen nicht selten zu einer "Sportlerinnentriade" (Raschka und Ruf 2012, S. 16). Die optimale Trainingsgestaltung besitzt demnach heute eine bedeutendere Funktion zu Steigerung der sportlichen Leistung, als die optimale Ernährung.
Der Tetradenzyklus, welcher ein Wechsel zwischen Kraftsteigerungs- und Ruhephasen in einem viertätigen Rhythmus darstellte, ist für die damalige Zeit ein beachtenswertes Trainingsmodell (Weiler, 2010). Am ersten Tag erfolgte eine submaximale Belastung, am zweiten Tag eine maximale, der dritte Tag wurde zur Entspannung genutzt und der vierte Tag war von mittleren Belastungen geprägt.
Die gegenwärtige Superkompensationstheorie beinhaltet ähnliche theoretische Aspekte. Auch wenn diese Theorie sehr oberflächlich ist und mehrfach kritisiert wurde, ist die Annahme, dass auf eine Trainingsbelastung eine Minderung der Leistungsfähigkeit und anschließend eine Wiederherstellung bis zur Superkompensation folgt, immer noch aktuell (Zatsiorsky und Kraemer, 2008). Der beschriebene Tetradenzyklus aus der Antike beinhaltet schon ähnliche Annahmen. Er gibt zusätzlich genaue Ruhephasen vor, in denen es zu der zeitgemäß genannten Superkompensation kommen soll.
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Dass Ernährung und Training eine herausragende Bedeutung für einen sportlichen Erfolg hatte, war in der Antike also bereits bekannt und wurde streng eingehalten. Theoretische und methodische Beschäftigungen mit der Agonistik und Gymnastik, sowie der Leistungssteigerung durch spezielles Training und optimierte Diäten waren in der Antike daher nicht selten.
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Der Spitzenathlet Milon von Kroton befolgte die speziellen Ernährungsvorschriften und Trainingsmodelle von seinem Lehrer Pythagoras. Das aktuelle Trainingsprinzip der progressiven Belastung geht angeblich auf Milon von Kroton zurück. Er stemmte regelmäßig ein Kalb. Da das Kalb mit der Zeit schwerer wurde, stieg sein Trainingsgewicht progressiv an. Als das Kalb ein Stier war, konnte er es immer noch stemmen (Thiel und Banzer, 2011).
Das aktuelle Prinzip der progressiven Belastung besagt, dass die Trainingsbelastung in periodischen Abständen progressiv gesteigert werden muss, damit es in jedem Training zu überschwelligen Reizen kommt. Ob Milon von Kroton sich dessen bewusst war, ist nicht belegt.
Herodikos konzipierte anhand seines medizinischen Wissens eine Athletendiät und der Olympia-Athlet Ikkos von Tarent hielt seine Wettkampfvorbereitung schriftlich fest.
Im Folgenden werde ich die Behauptungen der damaligen Ärzte und Trainer (gymnotribai) sowie die Durchführungen der Athleten genauer beschreiben.
Dem kraftvollen Tanzen wurde in der Antike ein ganzheitlicher Trainingseffekt zugesprochen. Auch die Verteilung des Körpergewichts konnte angeblich dadurch beeinflusst werden (Swaggling, 2004). Tanzen wird auch heutzutage noch als ganzheitlicher Sport betrachtet. Das Adjektiv kraftvoll im Zusammenhang mit Tanzen ist heutzutage weniger gebräuchlich und schwer vorstellbar. Athletisches Tanzen wie Gardetanz, Capoeira oder auch Breakdance ist immer noch aktuell und könnte in die Richtung des damaligen kraftvollen Tanzes gehen.
Dass dadurch Muskeln an gewissen Stellen aufgebaut werden und Fett abgebaut wird, ist auch gegenwärtig nicht zu bestreiten. Die Umverteilung des Körpergewichts ist daher möglich. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die damaligen Athleten einen derartig muskulösen Körper, wie er uns über die Statuen vermittelt wird, allein durch kraftvollen Tanzen erreicht haben. Würde der Muskelaufbau in dieser Art und Weise funktionieren, wäre heute athletisches Tanzen ein fester Bestandteil vom Bodybuildingtraining.
Des Weiteren war der Langstreckenlauf in der Antike dafür bekannt, dass er die Schultern schwäche und die Beine hypertrophieren lies. Ein Boxtraining wurde der gegenteilige Effekt zugesprochen – es führt zu dicken Schultern und schwachen Beinen (ebd.).
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Langstreckenläufer haben inzwischen aufgrund von biomechanischen Vorteilen weniger muskulöse Beine. Sie besitzen meist ausdauernde Muskelfasern, die weniger stark hypertrophieren (Zatsiorsky und Kraemer, 2008). Im Vergleich zu untrainierten Personen sind die Beinmuskeln von Läufern aber auch heute noch stärker ausgeprägt. Boxer sind gegenwärtig für ihren massiven Oberkörper bekannt. Zusammenfassend können die damaligen Erkenntnisse mit dem aktuellen Kenntnisstand als richtig eingestuft werden.
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Das Thema Übertraining wurde von Gallen und Hippokrates als gesundheitliches Risiko bewertet (ebd.). Auch an dieser Stelle ist das heutige Prinzip der Superkompensation anwendbar. Wenn die Intervalle zwischen den Trainingsphasen zu kurz gestaltet werden, verringert sich das Niveau der Leistungsfähigkeit infolge der noch vorhandenen Ermüdung (Zatsiorsky und Kraemer, 2008). Eine gesundheitliche Beeinträchtigung ist denkbar. Die allgemeine Leistungsfähigkeit von Arbeitern und Soldaten wurde entsprechend von Galen höher als die von überspezialisierten Athleten eingestuft (Swaggling, 2004).
Genaue Zeiträume der empfohlenen Ernährungsweisen sind in der Literatur leider nicht vorhanden, wodurch lediglich eine geordnete Reihenfolge beschrieben werden kann.

Zunächst war die Ernährung der Athleten von getrockneten Feigen, Käse und Weizen geprägt. Die anschließende Fleisch-Diät des Trainers Pythagoras war damals innovativ. Fisch war von den Athleten verpönt bis die Ärzte ihnen diesen mit Mohnsamen und Brot aus gemahlenen Weizenmehl empfahlen.
Philostrat kritisierte die Ärzte der älteren Zeit, da die ausgefallenen Nahrungsmittel die Athleten zu Vielfraßen entwickeln ließe. Zu der Zeit von Philostrat war die Ernährung einfacher gehalten. Sie bestand hauptsächlich aus Weizen, Olivenöl und Wein. Käse wurde von Hippokrates als schlechtes Nahrungsmittel eingestuft, gekochte Bohnen wurde von Galen als gutes Nahrungsmittel zum Muskelaufbau eingestuft (Swaddling, 2004).
Raschka und Ruf (2012) empfehlen gegenwärtig reichlich Vollkornerzeugnisse, Weizenkleie, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst sowie Joghurt und Quark für einen gesunden Darm. Versteckte Fette (Wurst, Chips, Sahne etc.) sollten reduziert und pflanzliche Fette bevorzugt werden.
Des Weiteren werden magere tierische Produkte empfohlen. Gute Eiweißquellen sind "Milch- und Milchprodukte, mageres Fleisch, Fisch, Eier (besonders gut in Kombination mit Kartoffeln oder Mehl, Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen)" (Raschka und Ruf, 2012, S. 24). Die von Pythagoras empfohlene Fleisch-Diät erinnert dagegen an die zurzeit beliebte Atkins-Diät.
Bilder: Skara kommun | Benjamin Claverie