Thai-Massage und Foam Roller sind ja so 2011! Auf der Suche nach der perfekten Regeneration geht es immer noch verrückter. Dein nächstes Must-Do: Die Kryosauna, auch Kältesauna oder Cryo Therapy genannt. Schockfrosten für die Gesundheit? Lass uns einen Blick drauf werfen.

Was genau ist eine Kryosauna das?

Spätestens der Ex-Nationalspieler Peer Mertesacker hat es uns allen übermittelt: Kälte und Eis mögen uns unangenehm sein, sind aber in Verbindung mit Sport irgendwie doch vorteilhaft. Dabei ist das Bad in der Eistonne längst noch nicht das (untere) Ende auf der Kälteskala – die Kälte-, bzw- Kryosauna führt den Gedanken der therapeutischen Vereisung sehr konsequent weiter.

Die Behandlung findet in einer engen, nach oben offenen Kammer statt, aus der der Kopf des (in Ermangelung eines besseren Wortes) "Saunierenden" herausschauen kann. Durch den Einsatz von flüssigem Stickstoff wird das Kammerinnere sehr schnell extrem heruntergekühlt. Einige Modelle nutzen hierzu elektrische Kälteaggregate, durch die sich Energie einsparen lässt. Beide technische Varianten können die Kammer auf Temperaturen von bis zu -160°C kühlen.

Foto: Ulrike Hacker

Wofür soll die Kryosauna gut sein?

-160°C klingt zugegeben crazy, wenn man bedenkt, wie schwer der Gang vor die Tür schon bei leichtem Bodenfrost fallen kann. Zum Glück kommt uns hierbei die Thermophysik zu Gute: Bei Temperaturen im dreistelligen Minusbereich beträgt die Luftfeuchtigkeit praktisch 0 %. Die Kammer ist damit frei von jenen mikrofeinen Wassertropfen, die dem Körper normalerweise per Verdunstung auf der Haut die Wärme entziehen. Zugegeben: Grade kuschelig ist es in der Kältesauna trotzdem nicht. Aber die Behandlung dauert ja auch nur 1 bis maximal 3 Minuten.

Die Liste möglicher Beschwerden, die sich mithilfe der Cryo Therapy lindern lassen, liest sich mehr als beeindruckend:
  • Rheuma
  • Arthritis
  • Asthma
  • Neurodermitis und sonstige Hauterkrankungen
  • Depressionen, Phobien, Schlafstörungen und sonstige physische Erkrankungen
  • Chronische Schmerzen
  • Herz-Kreislauf-Leiden jeder Art
und viele weitere mehr. Dazu kommen kosmetische Effekte: Die Kryosauna soll beim Kampf gegen Cellulite und ein generell schwaches Bindegewebe, Hautalterung und natürlich auch im Rahmen der Fettverbrennung kräftig unterstützen. Nicht wenige Betreiber haben ihr Marketing ganz offensichtlich speziell auf Frauen ausgerichtet, die für ihre Schönheit einiges auf sich nehmen.
Und wir als Sportler? Uns hilft die Kältekammer angeblich bei Muskelkater und –verspannungen, Muskelverletzungen und allgemeiner Müdigkeit.
Die Therapie soll die Kollagen-Produktion anregen, ein Strukturprorein, aus dem bekanntlich auch Knorpel und Sehnen bestehen. Das bedeutet: Kälte für weniger kraftsporttypische Gelenkbeschwerden und Sehnenentzündung. Generell bessere Regeneration und sogar Leistungsfähigkeit – so soll zum Beispiel die Herzfrequenz bei Ausdauerbelastungen nach der Therapie niedriger und stabiler bleiben. Intensive Belastungen können angeblich länger verkraftet und der Eintritt in den anaeroben Bereich hinaus gezögert werden.

Klingt doch gut soweit – kein Wunder, dass Leistungszeitrenten und sogar Bundesliga-Vereine in die nicht eben günstige Technik investiert haben.

Aber wie funktioniert das denn – oder überhaupt?

In der Kryosauna wird der gesamte Körper buchstäblich kalt erwischt – die Kältetherapie setzt verschiedene Wirkmechanismen in Gange. So zieht sich das Luftvolumen in den eisigen Temperaturen stark zusammen, so dass eine intensivere Atmung und Sauerstoffaufnahme einsetzt. Auch soll die Kälte auf der gesamten Hautoberfläche das Zentralnervensystem stark stimulieren – und beispielsweise die Schmerzrezeptoren (sogenannten Nozizeptoren) deaktivieren können, sowie entzündungshemmende Prozesse anstoßen.

Die Aussagen zur Wirkungsweise erscheinen dir eher global, um nicht zu sagen wage? Das sind sie tatsächlich! Und wie steht es um die wahre Effektivität?

Hier ein genereller Hinweis für das Leben: Wann immer einer Methode eine derart breitgefächerte Wirkungsweise nachgesagt wird, ist Misstrauen gestattet. Erfahrene Leser werden es geahnt haben: Die Studienlage stellt sich bezüglich der tatsächlich nachweisbaren Effekte recht widersprüchlich dar. Zumeist basiert die Erfassung der Wirksamkeit auf das subjektive Empfinden der Anwender.

Und wie es ein britischer Sportmediziner so treffend ausdrückte: Sich nackig in eine beängstigend enge Kapsel zu stellen, in der niedrigere Temperaturen herrschen, als sie jemals auf unserer Erde gemessen wurden, ist ein solides Fundament für einen starken Placebo-Effekt!

Cryo Therapy – der Selbstversuch

Normalerweise bediene ich dieses eine Frauenklischee hervorragend: Kälte ist absolut nicht mein Ding und alles unter Zimmertemperatur erscheint mir recht arktisch. Während eines längeren Aufenthalts im Singapur, wo das Thermometer auch nachts nur sehr knapp unter die 30-Grad-Marke fällt, hatte mich aber doch die Lust auf ein wenig Pause von der Hitze gepackt. Also: Ab in die Kältesaune.

Die Behandlung beginnt mit der üblichen Erfassung des allgemeinen Fitness- und Gesundheitszustand per Fragebogen. Danach erfolgt die vollständige Entkleidung – bis auf ein Paar sehr grobe Handschuhe und geschlossene Kunstpelz-Hausschuhe, wie eure Großmutter sie tragen mag.

So geht es dann in die Kältekammer – zum Einstieg habe ich mich für die 90-Sekunden-Session entschieden. Für anderthalb Minuten drehte ich mich dann, auf Anraten der Servicemitarbeiterin, gemächlich um die eigene Achse, während die Temperatur auf der Digitalanzeige stetig fiel, bis auf -110°C. Ja, es ist kalt, und es ein Psychospiel, bei dem man die Nerven bewahren muss. Dennoch könnte ich schwören, dass sich die nasskalten 5 Grad über Null in meiner norddeutschen Heimat weniger gut aushalten lassen.

Und was hat es gebracht?

Weder bin ich Schmerzpatient noch von Hautkrankheiten oder schlechter Regeneration nach dem Training geplagt. Von daher möchte ich kein Spielverderber sein und der Kryotherapie sämtliche Heileffekte in Abrede stellen. Auch mag es die Regelmäßigkeit und Langfristigkeit sein, die den wahren Mehrwert der Behandlung erst zum Vorschein bringt.

Mein Freund beispielsweise, der ständig unter Verspannung, Verkürzungen und Muskelverletzungen leidet, schwört auf ein wesentlich höheres Trainingspensum, das sich bei stetiger Anwendung aufrechterhalten ließe. Wie auch immer: Ich selber konnte nicht mehr feststellen, als dass ich mich für ein paar Stunden endlich mal erfrischt fühlte – so dicht am Äquator ist auch das nicht gering zu schätzen!

Auch Lust auf die Kälte?

Die Kryotherapie ist eine derart absurde Methode, dass sie eigentlich nur aus Japan stammen konnte. Aber hier auch hierzulande finden sich immer mehr Schönheitssalons, Spa’s, Fitnessstudios und spezialisierte Praxen, die die Kältesauna anbieten.

Einfach mal in der nächsten größeren Stadt umschauen! Eines aber vorweg: Die Kryotherapie ist eher etwas, "was man sich auch mal gönnen muss" – Preise von um die 50 € pro 3 Minuten-Behandlung sind der Standard.