Das Design der Studie lässt sich wie folgt zusammenfassen:
- Es nahmen insgesamt 42 Männer (im Alter von 20 - 40 Jahren) an der Studie teil.
- Die 42 Männer wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Kein Androstendion (13 Männer), 100 mg Androstendion/Tag (15 Männer) und 300 mg Androstendion/Tag (14 Männer).
- Die Einnahme erfolgte jeweils morgens als Einmaldosis (auch für die Gruppe mit 300 mg) und ging über sieben Tage.
- Am ersten und am siebten Tag wurde die kurzfristige Wirkung von Androstendion auf verschiedene Hormone untersucht. Es wurden daher Blutproben im folgenden Rhythmus entnommen: Kurz vor der Einnahme und 15, 30, 45, 60, 90, 120, 180, 240, 360 sowie 480 Minuten nach der Einnahme.
- An den Tagen 2 bis 6 wurde bei jedem Proband nur eine Blutprobe, morgens vor der Einnahme von Androstendion genommen.
In der folgenden Tabelle sind die Resultate der Messungen an Tag 1 und Tag 7, also die kurzfristige Wirkung auf die Hormone, zusammengefasst.
Man beachte dabei, dass als Ergebnis jeweils die Veränderung der sogenannten "Area under the Curve" (AUC) angegeben ist. Unter AUC versteht man z.B. die Fläche unter einer Testosteron-Kurve über einen bestimmten Zeitraum (hier über 480 min).
Etwas vereinfachend kann man auch sagen, dass die Veränderung der AUC angibt, inwieweit sich z.B. die Testosteronkonzentration über den Zeitraum von 480 min durchschnittlich erhöht oder vermindert hat.

In der Gruppe, die kein Androstendion erhielt, tat sich praktisch nichts bei den Hormonen, was ja auch zu erwarten war.
Eine Dosis von 100 mg hat keine Auswirkung auf Testosteron, erhöht jedoch Androstendion, Östron und Östradiol deutlich. Das ist prinzipiell ja auch das, was King et al. festgestellt haben.
Bei 300 mg tut sich dann schließlich doch noch etwas beim Testosteron. Erhöhung um 34 % - eine Umwandlung von Androstendion zu Testosteron findet also statt, wenn auch in eher bescheidenem Umfang. Es tut sich allerdings auch etwas bei den Östrogenen, und das recht ordentlich: Erhöhung Östron um 196 %, Erhöhung Östradiol um 128 %.
Bei einer Dosis von 300 mg ergibt sich also eine bescheidene Testosteronerhöhung, während die Östrogene sehr viel deutlicher ansteigen.
Scheint mir kein besonders guter Deal zu sein.
Über die Größe AUC wird natürlich nur so eine Art Mittelwert über einen Zeitraum ausgedrückt. Interessant sind aber sicher auch die Peaks (also die durchschnittlichen Spitzenwerte) bei der Testosteronkonzentration. Die sind in der folgenden Tabelle, diesmal separat für Tag 1 und Tag 7, angegeben.

Man erkennt, dass der Testosteronwert auch in der Gruppe ohne Androstendion etwas schwankt. Bei 100 mg ist das Bild ähnlich, wobei der Peak evtl. die Tendenz hat, etwas höher auszufallen.
Bei 300 mg wird die Steigerung dann deutlich - an Tag 1 geht der Testosteronwert von 4,93 ng/ml um knapp 90 % auf 9,29 ng/ml rauf.
Je nachdem, wie man den Referenzbereich für Testosteron definieren will, liegt diese Steigerung aber immer noch im normalen Bereich. So geben z.B. Nawroth / Ziegler in "Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel" den Referenzbereich von 3,5 bis 8,6 ng/ml an. Doch es gibt auch andere Mediziner, die alles von 3,0 ng/ml bis 10 ng/ml als normal einstufen.
Doch ist dies ja auch nur ein Peak, der für kurze Zeit besteht. Zum Vergleich: Bei einem Einnahmeschema mit 250 mg Testosteron-Eanantat/4 Tage erreicht man locker einen Wert, der über 30 ng/ml liegt - und das durchgehend.
Für die Östrogene sind in der Studie leider keine Peak-Werte angegeben - schätze mal, die könnten beunruhigende Dimensionen erreichen.
Bleibt noch die Messung der basalen Hormonkonzentrationen, die ja auch an Tag 2 - 6 stattgefunden hat. Basal bedeutet hier wieder morgens vor der Androstendion-Einnahme, weshalb die letzte Einnahme damit ca. 24 Std. zurücklag.
Hier kam man zu ähnlichen Resultaten wie King et al. - Androstendion und Östradiol signifikant erhöht, bei Testosteron, Östron, LH und FSH keine signifikante Änderung.
Fazit aus dieser Studie:
Offensichtlich kann Androstendion, etwas höher dosiert, den Testosteronwert kurzzeitig erhöhen. Eine Umwandlung gibt es also. Die Östrogene steigen aber in ungleich höherem Ausmaß.Die basale Messung zeigt zudem, dass Östradiol durchgehend erhöht ist, während dies bei Testosteron nicht der Fall zu sein scheint.