I love this game ...
... oder wie auch so manch anderer Sport seine Unschuld verliert.
Zunächst sei darauf hingewiesen, dass dieser Text keine Anleitung oder Aufforderung zum Konsum leistungssteigernder Substanzen in jedweder Form sein soll. Im Gegenteil, er sollte eine ausdrückliche Warnung an alle diejenigen sein, die blauäugig großen Versprechen von Trainern, Managern und "Freunden" glauben. Auch so mancher "Sportarzt" hat nicht selten seine Hände in Dingen, bei denen er nichts verloren hat. Vielleicht kurz zu meiner Person, ohne zu weit auszuschweifen. Nach rund 8 Jahren als Basketballer bis zur Basketball-Bundesliga stoppte mich eine Verletzung, zumindest bezüglich einer weiteren Zeit als Aktiver. In diesen 8 Jahren durfte ich vieles erleben und würde diese Erfahrungen gerne mit anderen teilen. Wohl auch, damit nicht jeder meine Fehler für sich selbst noch einmal begehen muss. Heute bin ich dem Sport weiter verbunden und habe unterschiedliche Funktionen, über die ich (aus wohl verständlichen Gründen) nicht berichten kann (und auch nicht möchte).
Dieser Text wird in Form mehrerer Kapitel abgefasst. Dieses Kapitel stellt den ersten Teil dar und wird in Zukunft erweitert werden. Doch jetzt mal "an's Eingemachte". preview
Inhalt:
- 1. Warum wir den Stoff genauso brauchen wie andere auch
2. Medikamente im Mannschaftssport
3. Was darüber noch hinausgeht
4. Die Zukunft spricht Deutsch
1. Warum wir den Stoff genauso brauchen wie andere auch
Es gibt wahrscheinlich viele Sportler, die schon einmal über den Missbrauch von Medikamenten zur Steigerung ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit nachgedacht haben. Und es mag sich der eine oder der andere fragen, ob leistungssteigernde Medikamente auch in Sportarten wie Fußball, Handball oder Basketball zum Alltag gehören. Da kann ich euch beruhigen - es ist so.Führt man sich vor Augen, aus welchen Bewegungsabläufen sich die typischen Bewegungen eines Mannschaftssportlers zusammensetzen, so wird einem schnell klar, worauf das ganze hinausläuft. So gehören Laufen, Springen und schnellkraftlastige Bewegungen zum ganz normalen Standardprogramm. Als Einzeldisziplin gesehen sind viele dieser Bewegungen sogar olympisch und in dieser Liga brauchen wir wohl nicht über den Einsatz von Doping zu diskutieren. Ich war selber 2000 in Sydney und habe neben kanadischen Sprintern im Shuttle-Bus zur Sportstätte gestanden. Die Jungs waren garantiert nicht clean. Unsere aber auch nicht, nebenbei bemerkt.
Man kann also festhalten, dass Mannschaftssportler auch ein hohes Interesse an Kraft und Schnellkraft haben. Da es bei uns aber nicht auf eine einmalige Bewegung ankommt (wie z.B. beim Powerliften etc.), braucht es also schon ein wenig mehr; Kraftausdauer. Dies ist ja zumindest rein biologisch die Fähigkeit, über einen langen Zeitraum eine kraftintensive Bewegung auszuführen. Ich möchte an dieser Stelle noch nicht auf Zusammenhänge wie ADP->ATP->ADP Kreisläufe hinaus, aber ich denke, jeder weiß was gemeint ist. Nun kann man diesen Begriff aber auch zumindest verbal zerlegen: Kraft + Ausdauer.
Wenn man einen Bodybuilder fragt, was man alles nehmen kann um Kraft zuzulegen, sprudelt es in der Regel nur so aus ihm heraus. Fragt man jedoch nach der Ausdauer, werden die Antworten häufig dünner (was auch verständlich ist). Gelegentlich fällt dann mal der Tabubegriff "EPO", aber wenn man dann nach Anwendung, Dosierungen und Risiken fragt, ist in der Regel schnell das Ende erreicht. Auch wird die Kraft von vielen Bodybuildern gerne als Mittel zum Zweck gesehen. Viel Kraft – auf Dauer dicke Muskeln. Diese Formel funktioniert ganz gewiss. Trotzdem dient dies im BB meist dem Muskelwachstum.
Einem Fußballer ist es aber meistens egal, ob sein Oberschenkel 75 oder 90 cm Umfang hat. Hauptsache die Kraft passt. Somit kommt es uns Mannschaftssportlern vor allem auf zwei Dinge an; Kraft und Ausdauer oder auch in Kombination: Kraftausdauer. Beides kann man trainieren, beides in Kombination muss man auch zum Erreichen einer guten Gesamtperformance berücksichtigen, alles dies kann man zudem beschleunigen und optimieren...
2. Medikamente im Mannschaftssport
Wenn wir über Medikamente im Mannschaftssport sprechen, fallen oft positive Dopingbefunde wie der von Diego Maradonna im Zusammenhang mit Ephedrin oder Koks auf. Es sei erwähnt, nicht jeder ist so blöde wie Diego und lässt sich erwischen, noch dazu mit Stoffen wie diesen. Trotzdem sind solche Dinge für mich nicht die Klassiker im Mannschaftssport. Der Klassiker ist genauso wie im Bodybuilding auch das gute alte Testo. Nichts hat so umfassende Auswirkungen auf Kraft und Kraftausdauer wie Testosteron. Nicht umsonst wurde noch zu DDR-Zeiten vom Staat verordneter Methandienon-Konsum gepflegt. Damals hießen die Tabletten anders, waren klein und blau, hatten aber uch ihre 5mg Dianabol intus wie die vielen rosa Fünfecke, die man heute in bald jedem Fitnessstudio in 1000er Dosen bekommen kann – persönliche Beziehungen vorrausgesetzt (damit sich die Studiobesitzer jetzt nicht als Dealer hingestellt sehen, dass will ich damit auch bestimmt nicht sagen).
Auch EPO, oder mit vollständigem Namen Erythropoetin, kommt nicht gerade selten zum Einsatz. Wirklich interessant jedoch ist hier die Kombination aus beidem. Denn wir wollen ja keinen 10.000m Läufer, der einen Ball aber keine 5 Meter weit werfen kann, sondern einen Arnold Schwarzenegger, der die 100 m unter 10 Sekunden läuft. Und das, wenn's sein muss, auch zwei bis fünfmal direkt hintereinander. OK, ich überzeichne natürlich maßlos, aber mir ist wichtig, dass verstanden wird, worauf es ankommen soll.
So haben sich im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Formen von Medikamentenmissbrauch gefunden. Einige Klassiker-Kuren für Mannschaftssportler seien hier in der Folge kurz vorgestellt:
- 2.1. Testo only – Der Klassiker
2.2. EPO only – Für Dampf im Kessel
2.3. Testo/EPO – Keine halben Sachen
2.1. Testo only
Wie schon erwähnt, ist auch im Mannschaftssport oft Testo die Grundmasse einer "Nahrungsergänzung". Die Dosierungen sind vielschichtig, allerdings nicht so rabiat hoch wie im Bodybuilding. Im Basketball gehen die Dosierungen von 250mg e7d bis zu 250mg e3d. Letzteres stellt jedoch bei den meisten die Obergrenze dar. Hintergrund ist schlichtweg, dass es natürlich zum einen optisch nicht zu sehr auffallen soll, zum anderen reicht diese Dosierung zum Erreichen von Kraftanstieg und Schnellkraft bereits vollkommen aus. Eine weitere Dosissteigerung würde physiologisch die Vorteile um einige wenige Prozent erhöhen, die Nachteile (Nebenwirkungen etc.) hingegen drastisch vorantreiben. Bei der Wahl des Esters ist eindeutig die kurze Halbwertszeit das Maß der Dinge. Propionat und gelegentlich auch Wassersuspensionen sind deutlich häufiger als Enantat oder Cypionat, auch wenn ich persönlich die zuletzt genannten Ester dank längerer Injektionsintervalle als angenehmer empfinde.Dabei sei zu bedenken, dass zumindest im Basketball noch relativ regelmäßig qualitativ gute Dopingkontrollen durchgeführt werden. Somit kann man sich lange Ester zumeist nur zwischen April und Juni eines Jahres erlauben (in der Offseason also). Die Länge dieser Kuren ist auch häufig auf die Offseason beschränkt.
Verletzt sich allerdings ein Spieler mit Ausfallzeiten größer zwei Wochen wird häufig Testosuspension zur Unterstützung der Regeneration eingesetzt. Dank der geringen Nachweisbarkeit ist dies in der Regel kein Problem. Und schließlich hampelt so ein Verletzter von einer Reha-Maßnahme zur nächsten und ist dementsprechend nahezu immun gegen unangekündigte Dopingkontrollen.
Übrig bleibt beim Testo only das Problem mit der Ausdauer. Für die hilft uns das gute Testo herzlich wenig, bei einigen schlägt der erhöhte Blutdruck auch schnell ins Gegenteil um. Deshalb auch der häufige Einsatz in der Offseason.
2.2. EPO only
Wenn man im Internet über die zeitgemäße Verwendung von Erythropoetin Informationen bekommen möchte, ist die Decke doch schnell sehr dünn. Dies war mit einer der Beweggründe, warum ich mich zum Schreiben dieses Artikels entschieden habe. Hintergrund hierbei ist vor allem das enorme Gefahrenpotential, das von EPO ausgeht. EPO kann, ähnlich wie Insulin, innerhalb kurzer Zeit sehr kritische und z.T. auch lebensgefährliche Reaktionen im Körper auslösen. Deshalb ist es absolut nichts zum Experimentieren. Zunächst einmal gilt es durch die Dosierung von EPO den Hämatokritwert des Blutes auf maximal 50 zu steigern. Diese 50 ist die magische Grenze für Dopingtests und ein Überschreiten erzeugt auf jeden Fall umfassende Verdachtsmomente. Gemessen wird EPO in internationalen Einheiten i.E.
Klassisches Markenpräparat ist z.B. "Hemax", welches in Größen von 1.000 bis 10.000 i.E. pro Einzelgabe erhältlich ist. Eine Dosierung anzugeben ist sehr schwierig, zumal die Wirksamkeit des Medikamentes über mehrere Tage anhält, in denen es einen Aufbau roter Blutkörperchen bewirkt. Der geschulte Physiker folgert schlussendlich – das Blut wird dicker. Also ist natürlich doppelt Vorsicht geboten. Dieser Effekt lässt sich übrigens nach meinen Erfahrungen aus der Praxis auch nicht mit Aspirin ausgleichen.
Aber wie dosiere ich nun EPO? Im professionellen Bereich wird mit einer kleinen Initialdosis von 500 i.E. über drei Tage gestartet. Dieser Behandlung wird dann fortgesetzt bzw. die Dosis erhöht, je nach Entwicklung des Hämatokritwertes (und natürlich anderer begrenzender Faktoren im Blutbild). So "schleicht" man sich an die persönlich optimale Dosis zum Erreichen der "50" heran.
Nun werden viele sagen: "So ein Blödsinn, da muss ich ja ständig testen etc. Das ist doch viel zu aufwendig und zu teuer!" Nun, man muss diesen Menschen sogar recht geben, es ist sehr aufwendig und sehr teuer. Das ist EPO aber an sich schon. 4.000 i.E. kosten zur Zeit ca. 50€ auf Apothekenniveau. Man kann somit ausrechnen, dass eine EPO-Kur (wenn man es so überhaupt nennen kann) ein teures Vergnügen ist.
In der Saison werden in der Regel nur geringe Gaben genutzt um "Durchhänger" in der Kondition kurzzeitig zu neutralisieren. Allerdings sei auch erwähnt, dass EPO kein Allheilmittel ist, welches aus einem alten Ford den neuen CLK macht. Doch bewegt man sich im Profisport oft in Bereichen, in denen wenige Prozent über Sieg oder Niederlage entscheiden und da bedarf es dann auch solcher Methoden.
Ach, bevor ich es vergesse: EPO wird am Besten morgens nach dem Frühstück injiziert.
2.3. Testo / EPO
Nun bleibt zur Kombination beider oben beschriebener Wege sicherlich nicht allzu viel zu sagen. Anzumerken bleibt aber, dass natürlich kein "Programm" ohne vernünftiges Absetzen gefahren wird. Sprich Testo mit Nolvadex und Arimidex abzusetzen ist Standard, sofern es die Faktoren Zeit und Nachweisbarkeit zulassen. Wenn es eng wird, muss auch manchmal noch die alte Methodik des Ausschleichens herhalten.Eine besondere Herausforderung bei der Kombination von Testo und EPO stellen die Folgen auf den Herzmuskel dar. Zu diesem Thema ist ja in der Vergangenheit schon umfassend berichtet worden, und auch ich kann die in Artikeln wie dem von Dr. Snuggles vorgebrachten Thesen und Argumente nur unterstreichen. Man spielt insbesondere mit der Kombination von Testo und EPO ganz massiv mit seiner kardiologischen Gesundheit. Ob es das wert ist, kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Doch die Risiken sind nicht von der Hand zu weisen und in etlichen Praxisbeobachtungen erwiesen. Ich darf hier nur den Fall eines Freundes anführen, der mit 44 viel zu früh an einem Herzstillstand verstarb. Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass sich sein Herzvolumen zwischen dem 32. Lebensjahr (Zeitpunkt der letzten Untersuchung) und seinem Tod um satte 43 % erhöht hatte. Dies führte nicht unmittelbar zum Tod, jedoch ist der Zusammenhang in meinen Augen klar gegeben.
Dieser Mann hatte nach seiner Zeit als Aktiver mit dem Kraftsport begonnen, um so auch ein Stück des großen Loches zu kompensieren, in das man als ausgeschiedener Aktiver einfach fällt. Er hat es in meinen Augen nie übertrieben in Form von extremem Steroidkonsum, dennoch hat es ihn so erwischt. Also wie bereits mehrfach gesagt – SAFETY FIRST!
In diesem Sinne!
- Teil II mit den Unterpunkten 3 und 4 folgt in Kürze –