das Jahr neigt sich nun dem Ende entgegen. Es war ein Jahr mit sehr vielen Highlights, vor allem auch aus deutscher Sicht. Für mich persönlich war es ein sehr emotionales, erlebnisreiches und auch super erfolgreiches Jahr. Nach 5 Jahren Wettkampfpause hatte ich mich zur "Operation Comeback" entschlossen. Ziel war die Frühjahrssaison, wobei der Schwerpunkt der Loaded Cup in Dänemark sein sollte.
Ich hatte zuvor überlegt, ob es es gut ist, das ganze bei Team Andro und Facebook öffentlich zu machen, da ich mich doch selbst sehr unter Druck gestellt und auch gewusst hatte, dass die Leute, Fans, Kampfrichter doch auch einiges von mir erwarten würden. Auch war ich mir nicht sicher, ob es denn überhaupt reichen würde, schließlich gab es schon viele gescheiterte Comebackversuche von anderen Athleten. Aber nach kurzer Überlegung war mir auch klar, dass ich den Druck irgendwie brauche und es dann kein zurück mehr gibt.
Die Offseasonphase verlief ganz gut, wenngleich nicht perfekt. Ich hatte nicht mehr die Muskelmasse bzw. das Offseasongewicht wie noch vor 5 Jahren, was mich schon zum Teil sehr verunsicherte.
Andererseits fußte ich, dass es nach langer Pause auch nicht einfach werden würde. Aber ich merkte dann auch, dass meine Taille schmäler war als sonst und das ganze trotz mehr Kalorien und höherer Kohlenhydratzufuhr als damals. Ich war mir dann auch schnell sicher, dass ich dem Kampfgericht und Fans einen "neuen Look" präsentieren wollte. Ein paar kg leichter, zurück in die Männer 3 und dafür mit guter Härte und Symmetrie.
Die Diät verlief dann wirklich, mal abgesehen von den letzten beiden Wochen, zum Teil super einfach, so dass ich mich manchmal selbst wunderte wie leicht mir das ganze fiel. Hunger, Antriebslosigkeit wie es häufig sonst der Fall war … in dieser Diät nahezu Fremdworte für mich.
Einen großen Teil dazu hat sicherlich meine Freundin Kathleen beigetragen, die ich damals kennengelernt hatte. Trotz Fernbeziehung war sie meine größte moralische Stütze.
Ende März war es dann soweit. Mit einem sehr guten Gefühl und guten Form ging es nach Dänemark zum Loaded Cup. Ich fühlte mich dort richtig gut, weil ich wusste, dass ich meine Hausaufgaben gemacht hatte. Die kritischen Augen von Roland Cziurlok und Martina Herget bescheinigten mir vor Ort auch eine tolle Form und das ganze gab mir eine sehr große Sicherheit für den Wettkampf.
Dass ich dort neben dem Klassensieg auch noch den Gesamtsieg holte hätte ich im Vorfeld niemals gedacht. Mein Ziel war es einfach eine gute Form zu bringen und Spaß am Wettkampf zu haben.
Doch durch den Gesamtsieg ging ein Traum in Erfüllung und ich brauchte lange, um das Ganze so richtig zu realisieren, weil ich von die vielen Eindrücken, Emotionen, Gefühlen in Dänemark nahezu "erschlagen" wurde.
Die Meisterschaft hielt all das, was viele im Vorfeld schon immer so lobten. Veranstalter Stellan Bossen denkt dabei an alles, die Athleten stehen bei ihm an erster Stelle. Es passt einfach alles. Halle, Stimmung, Atmosphäre, Bühnenaufmachung, Sachpreise, Geldpreise … rundum die beste Meisterschaft, an der ich bisher teilgenommen hatte.
Noch beim Loaded Cup entschloss ich mich zur Teilnahme an der Olimp Challenge auf der FIBO in Köln.
Ich wusste, dass dort wieder super Amateure am Start sind und es durch den Stress auf der FIBO nicht einfach werden würde. Bei meinem Sponsor Best Body Nutrition 4 Tage am Stand, die vielen Menschen, der Lärm, von früh bis abends stehen, kein optimales Essen bedeutet alles riesigen Stress und stellt nicht unbedingt die optimalen Verhältnisse dar, die man sich gerne vor einem Wettkampf wünscht.
Aber ich konnte die Form gut halten. Allerdings merkte ich auch, dass ich etwas flach war und ich wohl einfach hätte mehr Essen und Trinken sollen, da mich der Stress vor Ort doch irgendwie auszerrte. Das Bühnenlicht war nahezu eine Katastrophe und leider hatte ich dann noch eine zu dunkle Farbe, was meine Form nicht richtig widerspiegelte.
Trotzdem gelang mir hinter Paul Poloczek ein für mich super zufriedenstellender 2. Platz. Gegen Paul zu verlieren ist absolut keine Schande und es war ein sehr enges Duell.
Zugleich war es trotzdem auch eine tolle Erfahrung, wenngleich ich sagen muss, dass ich mir den Stress aus Wettkampf und FIBO sicherlich nicht mehr antue.
Eine Woche nach der FIBO stand die Int. Fränkische vor der Tür, wo ich als Betreuer von 3 Athleten mitfahren wollte. Im Prinzip entschied ich einen Tag vorher dann, dort selbst mitzumachen ohne jeglichen Aufwand.
Ich hatte vorher immer geschwankt, ob ich nach der FIBO die Diät beende oder doch durchziehe bis zur Deutschen, da die Zeit insgesamt doch sehr lange war. Auf der Fränkischen gelang mir dann ebenfalls der Klassen- und Gesamtsieg. Durch diesen Erfolg war ich nun beflügelt nun auch noch die Bayerische und Deutsche mitzumachen.
Doch ich merkte dann einige Tage vor der Bayerischen, dass die Luft komplett raus war. Ich fühlte mich extrem schlapp und sah auch, dass so langsam die Masse flöten ging und ich das Ganze bis zur Deutschen nicht mehr halten kann.
So entschloss ich mich dann meine Wettkampfsaison und die Diät zu beenden, da ich keiner bin, der nicht mit einem schlechten Gefühl bzw. nur mit 90 % Form zu einem Wettkampf fährt. Darüber hinaus war mir klar, dass ich so Top-Athleten wie Paul Poloczek, Roman Fritz, Serkan Cetin usw. nur dann gefährden kann, wenn ich absolut 100 % bringe.
Auch wenn vielleicht das "i-Tüpfelchen" zum Schluss gefehlt hat, so ging für mich eine super tolle Saison und ein mehr als gelungenes Comeback zu Ende. Mit großem Interesse habe ich dann selbst die Herbstsaison verfolgt. Man kann sagen, dass aus deutscher Sicht ein super erfolgreiches Jahr zu Ende ging.
Meine persönlichen Highlights waren der 3. Platz bei der Mr. Olympia von Dennis Wolf. Dennis hat gezeigt, dass er meiner Meinung nach der einzige derzeit ist, der einem Phil Heath und Kai Greene gefährlich werden kann. In Madrid wurde das ganze dann noch sichtbarer.
Ganz besonders toll fand ich auch den EVL’s in Prag, wo wir dank Team Andro einen Platz in der ersten Reihe hatten. Kai zeigte dort wieder eine super Show und gewann, wenn auch nicht in absoluter Topform, diesen tollen Wettkampf. Die Stimmung, Halle, Zuschauer, Organisation, Predator Show , usw … es war ein grandioser Wettkampf. Und dass danach alle Zuschauer auf die Bühne stürmten und mit den Athleten Fotos machten, so etwas hatte ich bis dato auch nicht gesehen.
Viele Highlights gab es aber auch im Amateurbereich. Hier hat Deutschland gezeigt, dass wir weltweit zu den stärksten Nationen gehören. Es gab zahlreiche Titel und Topplatzierungen bei WM, EM, Arnold Classic und anderen renommierten Wettkämpfen.

Besonders hervorheben möchte ich Jens Schneider. Ihm gelang für mich gesehen nahezu ein historischer Erfolg mit WM Sieg, Arnold Classic Gesamtsieg und DM Gesamtsieg als 80 kg Athlet und das bereits zum zweiten Mal. Dazu Tim Budesheim, der im Juniorenbereich eine eigene Liga darstellt und auch gezeigt hat, dass er jetzt schon im Männerbereich mehr als "nur mithalten" kann.
Auch im nächsten Jahr stehen wieder tolle Wettkämpfe an, auf die man sich jetzt schon wieder freuen kann. Wenn alles klappt, wie ich mir das vorstelle, dann möchte ich im Frühjahr starten. Was genau lasse ich mir jedoch noch offen.
Ich möchte mich noch bei ganz vielen Menschen für die Unterstützung bedanken, ohne die ein Jahr mit so tollen Erfolgen nicht möglich gewesen wäre. Dazu gehören meine Freundin Kathleen, mein Sponsor und Freund Andreas Arzt von Best Body Nutrition, Matze und Team Andro, meine Eltern, mein Trainingspartner Jürgen, Roland und Dagmar Cziurlok, Martina Herget, Markus und Lothar, Pro Tan und alle, die immer fest an mich geglaubt haben. Danke für die tollen Worte und Zusprüche was zugleich eine riesen Motivation war.
In diesem Sinne wünsche ich allen Team Andro Usern ein frohes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und einen guten Rutsch in ein gesundes, erfolgreiches neues Jahr.
Euer Manuel