In der ein- oder anderen Bodybuilding-DVD hast du sicherlich schon gesehen, wie sich der Athlet oder die Athletin von einem Therapeuten wieder "einrenken lässt". In zahlreichen Sportlerinterviews berichten die Sportler davon, dass durch manuelle Therapie überhaupt erst wieder die Trainingsfähigkeit oder Wettkampftauglichkeit bei akuten Beschwerden ("Hexenschuss") hergestellt werden konnte. Wie genau funktioniert das eigentlich?
Bei den manuellen Verfahren werden die Gelenke wieder in ihre anatomisch korrekte Position gebracht – soweit das eben möglich ist. Verschiebungen von Gelenken entstehen nicht nur durch dramatische Unfälle sondern unter anderem auch durch eine ungünstige Körperhaltung, mangelhafte technische Ausführung von Trainingsübungen, einseitige Alltagsbelastungen, negativen Stress, der uns "nach vorne beugt" und häufig sogar schon bei unserer Geburt (Geburtskomplikationen) oder davor (einer der Zwillinge macht sich breiter, der zweite hat weniger Platz).
Veränderte Statik
Wenn ein Gelenk nicht an seiner korrekten Position ist, passt sich der übrige Körper an die veränderte Statik an – mit zahlreichen uns bekannten Problemen wie chronischen Schmerzen oder Störungen der Sensibilität in den Fingern, Kopfschmerzen usw.Ein Beispiel: Du hast eine fiktive Beinlängendifferenz von einem Zentimeter. Die Ursache dafür kann grob vom Sprunggelenk am Fuß bis zum Becken reichen und wird eine Neigung deiner Wirbelsäule zur Gegenseite bewirken, um diese Fehlstellung auszugleichen. Vielleicht hat bei dir auch schon einmal jemand die Hände an die Hüftknochen gelegt und dir dann erzählt, dass die Beine unterschiedlich lang sind.
Insgesamt ist diese Diagnoseform eher unproduktiv, da sie meistens dazu führt, dass der Patient eine Einlage für seine Schuhe bekommt und damit diesen Zustand stabilisiert, statt ihn ursächlich zu beheben. Eine "echte" Beinlängendifferenz kommt sehr, sehr selten vor. Fast immer handelt es sich um reine Gelenkverschiebungen.
Kompensation
Damit du dennoch eine "gerade" Körperhaltung einnehmen kannst, müssen weiter oben gelegene Teile der Wirbelsäule gegenteilige, jetzt leichtere Verschiebungen vollziehen, damit sich ein neues Gleichgewicht einstellen kann.Dieses neue Gleichgewicht ermöglicht es uns, weiterhin "zu funktionieren", jedoch auf viel geringerem Niveau als zuvor. Bereits minimale Verschiebungen im Bereich der Wirbelsäule können zu starken Schmerzzuständen führen oder die neben der Wirbelsäule verlaufenden Nervenbahnen behindern. Wenn du häufig wiederkehrende Beschwerden wie Kribbeln in den Fingern hast, muss das nicht zwingend das lokale Karpaltunnelsyndrom sein, auch wenn die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung dieses Ergebnis hervorgebracht hat.
Gleiches gilt, wenn du wiederkehrend am Tennis- oder Golferellenbogen leidest. Wenn du dich nicht vernünftig bücken kannst, weil der Ischias schmerzt, muss das nicht unbedingt das Ergebnis einer "Verkürzung" sein.
In der Mehrzahl der Fälle von Patienten, die mich besuchen, liegen hier einfache Verschiebungen der Gelenke gegeneinander vor, die sich leicht beheben lassen. Die Auswirkungen auf den Muskelaufbau, wenn ein Nerv den Muskel nicht mehr richtig versorgt, kannst du dir sicher vorstellen – genauso gilt dies für die inneren Organe.
Du hast vielleicht den Artikel über Kinesiologisches Taping gelesen. Wenn deine Bizepssehne nicht nur vorübergehend sondern immer wieder entzündet ist, empfiehlt sich auch hier ein genauerer Blick auf die Brustwirbelsäule über die Analyse des lokalen Geschehens hinaus.
Für das zuvor Geschriebene möchte ich dir noch ein Beispiel aus der Praxis nennen. Ich muss zugeben, dass es sich hierbei um einen extrem seltenen Fall gehandelt hat, der mir bisher überhaupt nur ein einziges mal in dieser Form zu Ohren gekommen ist – jedoch soll er dir Mut machen, wenn auch du einen "seltenen Fall" darstellst:
- Ein junger, sportlicher, männlicher Patient kam mit der Diagnose "Altersdiabetes" in die Praxis eines Kollegen. Er hatte kein Übergewicht, ernährte sich bewusst und trieb regelmäßig Sport. Diabetes war in seiner Familie bisher nicht vorgekommen. Diese Kombination war höchst suspekt. Er wurde bisher mit insulinstimulierenden Medikamenten behandelt, jedoch ohne Effekt. Als nächstes wurde die reguläre Dauertherapie mit Insulin erwogen. Der Patient war darüber höchst beunruhigt und ging nun zum Heilpraktiker. Die körperliche Untersuchung ergab eine Einklemmung der Wirbelsäule in dem Nervenbereich, der die Bauchspeicheldrüse versorgt. Nach einer einzigen manuellen Behandlung war dieser Zustand behoben, die Bauchspeicheldrüse nahm ihre Funktion wieder auf – ganz einfach dadurch, dass sie jetzt wieder von den korrelierenden Nervenbahnen versorgt werden konnte.
Manuelle Therapien können also mehr als nur deine Gelenke wieder herzurichten!
Die Behandlung
Wenn du keine akuten Beschwerden hast, ist eine manuelle Behandlung einmal im Jahr ausreichend, um dich als Sportler gesund zu halten und kleinere Fehlstellungen – die wir alle haben – wieder auszugleichen. Auf Leistungssportniveau kann sich eine regelmäßige Betreuung auszahlen.Eine manuelle Behandlung dauert abhängig von der Therapieform natürlich unterschiedlich lange. Das Verfahren welches ich praktiziere, bedarf eines Zeitaufwands von 45 Minuten bis zu 1,5 Stunden, abhängig davon, was alles verschoben ist.
Wenn du gesetzlich versichert bist und ohne ärztliches Rezept einen Therapeuten aufsuchst, wirst du mit Kosten in Höhe von 50 bis 75 € rechnen müssen. Eine Investition, die sich 1000-fach auszahlt.
Die Behandlungen laufen zumeist nicht ganz schmerzlos ab, bewegen sich aber im Bereich des gut erträglichen – besonders für hart trainierende Athleten wie du einer bist.
Nach der Behandlung ist eine Schonphase von 1-2 Tagen angebracht, damit sich der Körper an die neue Statik anpassen kann und damit das Ergebnis nicht wieder "verrutscht" – das solltest du mit deinen Trainingszeiten abgleichen; gegebenenfalls lässt du eine Behandlung am Trainingstag, nur eben danach, durchführen, damit du ausreichend Erholungszeit im Anschluss hast.
Durch verschobene Gelenke staut sich einiges im Körper an – es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten eine leichte Übelkeit verspüren oder schnell auf die Toilette müssen, während "manipuliert" wird. Auch Muskelkater ist typisch. In Ausnahmefällen kann es zu Schmerzen kommen, die 1-2 Tage andauern – besonders dann wenn Fehlstellungen über Jahrzehnte vorgelegen haben.
Zusammenfassung
Manuelle Verfahren eignen sich als Regenerations- und Therapieverfahren genauso wie die bekannte Massage. Wenn du dir eine zusätzliche Investition von 50 - 75 € ein- bis vielleicht zweimal im Jahr leisten kannst, stellen diese Behandlungsformen einen direkt zum Ziel führenden Weg dar, um deine körperliche – und damit natürlich auch geistig-seelische – Leistungsfähigkeit zu optimieren.Wenn du einen passenden Therapeuten suchst, frag ihn oder sie einfach am Telefon, ob er / sie denn auch alle Gelenke behandeln kann und nicht nur die Wirbelsäule, denn eine schiefe Wirbelsäule ist oft das (Teil-)Ergebnis von Verschiebungen in anderen körperlichen Bereichen.