Vielen, die in letzter Zeit Sportsendungen oder Sport-Events verfolgt haben, wird mit Sicherheit der eine oder andere niedliche bunte Klebestreifen auf den Oberschenkeln, Waden oder anderen Körperteilen der Sportler aufgefallen sein.

Nun es handelt sich dabei nicht um eine neue Modeerscheinung oder einer neuen hierarchischen "Sport-Kaste", sondern vielmehr um eine neue Art der Sportverletzungstherapie von muskel- und nervenbedingten Schmerzen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, erkundigte ich mich bei einem Physiotherapeuten was es mit den Tapes auf sich hat und dessen strahlender enthusiastischer Gesichtsausdruck ließ mich dann neugierig werden. preview

Um die Sache kurz zu machen, ich kaufte mir das Buch Medi-Taping wobei das Medi-Taping eine Weiterentwicklung des Kinesio-Taping ist. Da die Therapie sehr interessant klingt und anscheinend auch schon sehr effektiv von Leistungssportlern genutzt wird, möchte ich Euch das Medi-Taping hier einmal wertfrei vorstellen

Das Medi-Taping eignet sich sowohl für Sportverletzungen als auch zur Prophylaxe dieser und hat bis auf evtl. allergischen Reaktionen auf den Kleber des Tapes keinerlei Nebenwirkungen.

Was ist eigentlich die Ursache der meisten Schmerzen bzw. Verletzungen?

Meistens steckt eine verspannte Muskulatur dahinter, die einen einseitigen Zug auf das Gelenk ausübt und dieses so aus seiner Verankerung zieht. Das führt häufig zu Blockierungen, die dann meistens durch Einrenken wieder beseitig werden, das beseitigt allerdings nicht die Ursache.
Letztendlich ist der verspannte Muskel das Problem der besser durch Massage entspannt werden sollte.

Wie wirkt nun so ein Medi-Tape und was ist das überhaupt?

Beim Medi-Taping geht es nicht um eine passive Stabilisierung und Ruhigstellung sondern darum den entsprechenden Muskelbereich vorzudehnen und durch das aufgeklebte Tape die Bindegewebshaut sowohl im Ruhezustand als auch bei Bewegung therapeutisch zu beeinflussen.
Die meist verbreitete Ruhigstellung und Stabilisierung eines Gelenks durch ein festes Tape hat meistens den Nachteil das es zu lymphatischen und venösen Stauungen kommen kann die dann zu Muskelatrophien führen können. Entsprechende Bewegungseinschränkungen müssen dann erst wieder durch krankengymnastische Übungen aufgearbeitet werden.

Die Klebefläche des Tapes besteht aus 100 % Acryl und haftet sofort wird aber erst durch die Körperwärme weich so das ein getapter Muskel auch erst nach ca. 30 min. belastet werden sollte. Als Vorteile des Tapes sollten unter anderem noch die Wasserundurchlässigkeit (duschen/schwitzen ist also erlaubt), Luftdurchlässigkeit, Hautverträglichkeit, äußerste Dehnfähigkeit und die Tragbarkeit über mehrere Tage bis zu 2 Wochen, erwähnt werden.

Hier nun ein Auszug der Indikationen bei denen das Tape laut der Buchautoren angewandt werden kann:
  • Allgemein:
    Gelenkschmerzen, Gelenkverstauchungen, muskuläre Schmerzsyndrome, Muskelverkrampfungen.
  • Kopf, Gesicht, Hals:
    Kopfschmerzen, Migräne, Trigeminusneuralgie, Masseterschmerzen, Zähneknirschen, Schwindelzustände
  • Rumpf:
    Rückenschmerzen, Beschwerden der Hals-, Brust und Lendenwirbelsäule, Ischiaserkrankungen, Schmerzen nach Bandscheibenoperationen, Atlas-/Iliosakralgelenkblockaden
  • Extremitäten:
    bakterielle Entzündung der Sehnen bzw. Sehnenscheiden oder degenerative Veränderungen an Sehnenursprüngen und -ansätzen.
    Lymphödeme in den Extremitäten
  • Arme:
    Tennisellenbogen, Impingement-Syndrom, Sattelgelenk- und Fingergelenkarthrosen.
  • Beine:
    Hüftgelenkschmerzen, Knieschmerzen, Sprunggelenkarthrosen, Fersensporn (Knochenauswuchs durch Überbelastung des Sehnenansatzes der Fußsohlenmuskeln am Fersenbein)
  • Selbst die Inneren Organe sollen durch die Tapes positiv beeinflussbar sein:
    Viszerale Schmerzsyndrome, Verstopfung
  • Verschiedene Schmerzzustände wie:
    Fibromyalgie, Rheumatische Erkrankungen, Polyneuropathien
Welche Körperbereiche können nun wie durch das Taping beeinflusst werden ?

  1. Die Hautsensoren:
    Durch das aufbringen des Tapes werden die Hautsensoren, die sozusagen unsere Fühler zur Außenwelt darstellen (Wahrnehmung von Kälte, Wärme, Berührung, Schmerzen) akupunkturartig 24 Std. durchgehend stimuliert.
  2. Schmerzrezeptoren:
    Die genaue Weiterleitung/Verschaltung und Verarbeitung von Schmerzen von der Peripherie ins Gehirn ist wissenschaftlich noch nicht genau erforscht. In Bezug auf die schmerzbefreiende Wirkung durch das Tape geht man von einer Theorie aus, dass es im Rückenmark einen Regelmechanismus gibt der nur Nervenimpulse durchlässt, die eine gewisse kritische Grenze überschreiten um dann die entsprechenden Nervenzonen der Schmerzwahrnehmung zu aktivieren.

    Schmerzimpulse können sowohl von den Muskelfasern als auch über die Haut weitergeleitet werden, wobei man vermutet das die Schmerzimpulse der Haut die Impulse der Muskeln überlagern und so durch das Tape auf der Haut dessen Schmerzrezeptoren irritiert werden und die Schmerzwahrnehmung damit blockiert wird. Eine weitere These der sofortigen Schmerzbefreiung ist das durch das Anheben der Haut die Durchblutung und der Stoffwechsel gefördert werden und dadurch die Schmerzhormone besser und schneller abgebaut werden.

  3. Meridiane und Akupunkturpunkte:
    Wie bereits gesagt, ist das Medi-Taping eine Erweiterung des Kinesio-Taping die letztendlich auf einer fernöstlichen Ansichtsweise des Körpers basiert.

    Um die Wirkungsweise des Medi-Tapings zu verstehen, muss man auch die fernöstliche Anschauung des Körpers und die darauf basierende Heilkunst etwas genauer betrachten. Die geht nämlich von einem Yin-Yang Prinzip aus : keine Ursache ohne Wirkung, keine Krankheit ohne Sinn.

    Grundprinzip der fernöstlichen Heilkunst ist es den ganzen Menschen zu betrachten, nicht nur das Symptom, die Krankheit und so auch eine ganzheitliche Therapie anzustreben. Die Ursache zu erkennen und zu bekämpfen und nicht nur das Symptom. Die westliche Medizin kennt das Herz-Kreislauf, das Nerven und das Lymphsystem. Mit Medikamenten und medizinischen Maßnahmen wird versucht die Organe bzw. das Regulationssystem des Körpers so zu beeinflussen das der Gesundheitszustand wieder hergestellt wird. Trotz aller medizinischer Therapien gibt es immer wieder Beschwerden die mit der westlichen Medizin nicht zu beseitigen sind und der Patient als austherapiert gilt.

    Hier wird sehr häufig auf die Heilkunst des TCM zurückgegriffen. Inzwischen werden sogar Therapien über das Meridiansystem und die Akupunktur als medizinisch erfolgreich von den Krankenkassen anerkannt und deren Kosten übernommen.






Was hat man nun unter dem Meridiansystem zu verstehen?

Das Meridiansystem stellt ein System von Energiebahnen da, die die verschiedenen Regionen des Körpers bis in die Zellen hinein mit Energie versorgen und miteinander vernetzt sind.

Die Meridiane sind paarweise angeordnet und tragen die jeweiligen Organnamen: zwei Herz, zwei Magen, zwei Nierenmeridiane so das ein rechter und ein linker Energiekreislauf entsteht. 1985 wurde übrigens die Existenz der Meridiane, des Energiekreislaufs und der Akupunkturpunkte im Neckarkrankenhaus in Paris mit Hilfe von radioaktivem Tracern nachgewiesen (Aussage Buchautor).

TCM geht nun davon aus, das der Energiekreislauf dem Herz-Kreislauf, Nerven und Lymphsystem übergeordnet ist. Da die Energie im Meridiansystem immer einer bestimmten Menge entspricht, führt eine Verminderung an Energiefluss in einem Organ zu einer Unterfunktion desselbigen und an einer anderen Stelle im Körper durch den Energieüberschuss zu einer Überfunktion. Eine Disharmonie der körpereigenen Energie kann nun die unterschiedlichsten Ursachen haben:

Ffalsche Ernährung, falsche Atmung, Verletzungen, Unfälle, Blockaden-Dysbalancen im Skelettsystem ....etc Schmerz stellt nach dem TCM -Prinzip eine Energieflussstörung da.

Eine energetische Therapie versucht nun die Ursache der Energieflussstörung zu finden und das Ungleichgewicht zu korrigieren. Aber auch hier gilt : Alles hat seine Grenzen. Unwiederbringlich zerstörtes Gewebe kann nicht geheilt werden, es können lediglich die Schmerzen gelindert werden. TCM ist nur eine Erweiterung der westlichen Medizin!

Kommen wir nun zu den Einflüssen des Tapes auf die Muskelansätze und Muskeln:

Überbeanspruchung der Muskulatur führt zu Stauungen im Muskel die zu Entzündungen und letztendlich durch Flüssigkeitsaustritt eine Druckerhöhung hervorrufen. Die Muskelansätze werden dadurch aufgetrieben und reagieren schmerzhaft.

Die Muskeldurchblutung ist abhängig von der Bewegung und stellt damit eine Anpassung an die erhöhte Stoffwechselleistung des kontrahierten Muskels da. Das Tape führt nun zu einer Anhebung der Haut und der darunter liegenden Strukturen, so das sich die Durchblutung des entsprechenden Bereiches um über 30 % erhöht. Dies führt zum Schmerzabbau und Regeneration des Muskels. Auch Sehnen erhalten durch eine Mobilisation während des Heilungsprozesses eine höhere Festigkeit da wucherndes Muskelfasergewebe und Verklebungen von Sehnen und Sehnenscheide verhindert werden.

Muskeln/Sehnen, die während der Heilung aufgrund von Schmerzen nicht oder nur abnorm bewegt werde,n können atrophieren oder verkleben. Durch das Tape, welches die Bindegewebshaut beeinflusst, den Muskeltonus verbessert, die Schmerznerven irritiert und damit den Schmerz lindert, kann das betroffene Gewebe bewegt werden und die Regeneration wird gefördert.

Dasselbe Prinzip gilt auch für die Beeinflussung der Gelenkfunktionen: Durch das elastische Taping wird neben der Stabilisation auch ein ständiger Massageeffekt auf das Gelenk ausgeübt. Damit wird in der Gelenkkapsel der Stoffwechsel der Synovialflüssigkeit angeregt und gleichzeitig der Stoffwechsel der Knorpelzellen stimuliert.

Entscheidend für den Heilungsprozess von Geweben ist die Durchblutung, da hierdurch der Stoffwechsel und die Regeneration gefördert werden. Verletzungen führen zu Schmerz, Erwärmung, Schwellung, Entzündungen und damit zu einer Kaskade von Stoffwechselveränderungen und damit anfallenden Schadstoffen, die unter Umständen eine Entzündung noch weiter forcieren können und sogar zum Untergang / Abbau von gesundem Gewebe führen können.

Mit Hilfe des Tapings und der möglichen Mobilisation sowie Durchblutungsförderung können Blutgefäße in nicht mehr durchblutetem Gewebe neu gebildet werden so das Schadstoffe und Schmerzbotenstoffe verbessert abtransportiert werden.

Das Tape bewirkt auf der passiv vorgedehnten Haut eine Anhebung der darrunterliegenden Strukturen und damit eine Bewegung der Lymphflüssigkeit und des Blutes. Mit jeder Muskelanspannung werden die Gefäße und die darunter liegenden Strukturen wieder ausgepresst. Die Blutzirkulation und der Zu/Abfluß des Gewebswassers wird erleichtert.

Ich möchte abschließend betonen, dass dieser Artikel das Prinzip des Medi-Tapings nur kurz vorstellen kann und auf der Aussage des entsprechenden Buches beruht. Die Wirkungsweise und das dahinter stehende Prinzip des E.P.M.T (energetisch-physiologische Medi-Taping Therapie) ist vielschichtiger und umfassender als ich hier im Einzelnen darstellen kann.

Wer sich durch den Artikel für eine Behandlung interessiert, dem sei aufgrund der Komplexität des richtigen Erkennens der Körperblockaden und des korrekten anlegen der Medi-Tapes ein Besuch eines entsprechend ausgebildeten Fachmannes empfohlen.

Für die kleineren "Wehwehchen" möchte ich hierzu den Autor zitieren:
Es ist sehr verführerisch, die "leichte" Methode der Schmerzbehandlung selbst anzuwenden. Aber dabei sollten Sie sich nie überschätzen. So kann beispielweise eine ernsthafte Krankheit verschleppt werden - damit tun Sie sich selbst keinen Gefallen!

Für kleinere Verletzungen, Überbelastungsschmerzen, Prellungen, Muskelkrämpfe, kleinere Muskelfaserrisse, zum Lösen von Blockaden oder zu Prophylaxe ist das Medi-Taping auf jeden Fall bestens geeignet- und es lässt sich hier einfach nichts verkehrt machen.





Literatur:

  • Medi-Taping: schmerzfrei im Handumdrehen - Autoren: Dr. med. Dieter Sielmann, Hermann Christiansen