Ich weiß, diese Stadt hat mehrere Millionen Einwohner. Ich frage mich trotzdem des Öfteren: Wer soll das eigentlich alles essen?! Die Dichte an Restaurants, Cafes, Bars, Bistros, Fastfoodbuden, an allem, ist unglaublich. New Yorker sind fast ausnahmslos One-meal-Shopper und Außerhaus-Esser. Solltet ihr euch jemals in dieser Stadt aufhalten, kann ich euch nur eines raten: Setzt keinen Fuß in einen McDonalds, Subway oder Starbucks! Nutzt die Chance einer einzigartigen kulinarischen Vielfalt – sie wird sich euch nirgendwo mehr in dieser Form bieten. New York bietet jede Küche die ihr euch vorstellen könnt. Versucht es doch mal mit Tunesisch, Venezuelanisch, Isländisch oder Kambodschanisch.

Preise? "Von bis" eben. In New York ist alles "von bis", die Menschen, die Neighborhods, die Sauberkeit, die Menschen ... nur die Mieten nicht, die sind nur "bis".

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Eines muss gesagt werden: New York ist NICHT Amerika! Schwerst-Adipöse jenseits der 200kg-Grenze, die auf Elektrofahrzeugen durch die Walmarts rollern und Ice Cream in monströse Einkaufswagen schaufeln, sieht man normalerweise nur, wenn man sich raus aufs Land begibt. Der Große Apfel ist eine Metropole, vielleicht die begehrteste der Welt. Und wie in allen Metropolen regiert der Jugend-, Schönheits- und Schlankheitswahn. Da will man eine gute Figur machen in der Michael Kors-Abendrobe.

Ok, die Bevölkerung ist natürlich viel zu heterogen, bezogen auf Nationalitäten, soziale Hintergründe und gegenwärtige Einkommen, um Pauschalurteile zu fällen. Mein Eindruck aber ist: Die Welt hat nichts so gut im Auge wie Trends und Entwicklungen, die in New York geschehen. Hier entstehen und entstanden schon immer Hypes und das gilt auch und vor allem für die Fitness- und Nahrungsmittelindustrie.

Everything so organic here!

Ok, Bio ist ja in Deutschland nun wirklich auch nichts mehr, was sich auf Sonderlinge oder Superreiche beschränkt. Die gründlich gespritzte Tomate aus Holland verkauft sich hierzulande aber weiterhin prächtig.

In New York wäre nichts konkurrenzfähig, was nicht Wohltaten für die Gesundheit und das grüne Gewissen suggeriert. Hier tritt jede noch so verkommene "Grocery" oder "Deli" (zu übersetzen mit "Feinkostgeschäft", was völlig in die Irre führt) als ultimativer Bioladen in Erscheinung. Dem oberflächlichen Betrachter entsteht schnell der Eindruck, die amerikanische Foodindustrie wäre ein Pool aus lauter Gutmenschen und Gesundheitsaposteln.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Lebensmittelstandards sind hier eine Quell großen Interpretationsspielraums. Erst einmal: "Organic" heißt nicht "cornfree". Mais ist das am meisten subventionierte Getreideerzeugnis in den USA, es findet sich daher in allem, zumeist in Sirupform. Nichts für Kohlenhydrat-Phobiker.

Mein New York City Crossfit-Abenteuer


"Organic" Lebensmittel sind auch häufig auffallend bunt, wesentlich bunter, als es ihre Hauptbestandteile eigentlich erwarten ließen. Das gilt besonders für Getränke, die hier (herrlichen klischeehaft) in kanisterartigen Flaschen verkauft werden. "Organic" schützt auch nicht vor erstaunlicher Haltbarkeit, selbst tierische Erzeugnisse warten hier gern monatelang geduldig auf ihren Verzerr. Und auf rätselhafte Weise schmecken auch fett-, zucker- oder sogar kalorienfreie Produkte, von denen es unendlich viele gibt, erstaunlich intensiv und originalgetreu – "organic" sind sie trotzdem.

Die Welt im 21. Jahrhundert: Make it glutenfree

In einem früheren Artikel hatte ich die neuzeitliche Verteufelung von Brot und Getreideprodukten noch verurteilt. Einige aus experimentellen Gründen brotfreien Monate später muss ich meine Meinung revidieren: Ich persönlich fühle mich tatsächlich besser und registriere ein länger anhaltendes Unwohlsein, wenn es doch mal Frühstücksbrötchen oder Sandwich für unterwegs gab.

Vielleicht nur Psychologie. Was auch immer: Hier drüben scheint man zu dem Schluss gekommen zu sein, dass Glutene die Wurzel allen Übels darstellen. Glutenfreie Produkte gibt es überall, unabhängig vom Preisniveau der Einkaufsmöglichkeit.

Kein Bäcker, Burger- oder Bagel-Laden, kein Candystore, der nicht auch Erzeugnisse ohne das Getreideprotein anbieten würde. Von dem Hinweis auf Glutenfreiheit scheint hier eine enorm verkaufsfördernde Wirkung auszugehen, denn er ist promient auch auf Dingen platziert, in denen man ohnehin gar kein Gluten erwartet hätte: Meeresfrüchte, Kräutertee, Haushaltszucker usw..

Es würde mich persönlich nicht verwundern, wenn dieser Trend, der ja ohnehin schon verhalten auch durch unsere Supermärkte hallt, in naher Zukunft mit voller Wucht auch Europa erwischt. Auch wenn es ein zäher Kampf werden dürfte gegen die kulturelle Verankerung des deutschen Schwarzbrotes, das ja eines der wenigen Dinge darstellt, die wir ruhigen Gewissens mit einem gewissen Nationalstolz betrachten.

Entdecke die Vielfalt

Um noch mal auf diese Organic-Sache zurück zu kommen: Natürlich ist hier nicht alles Lug und Trug. Wer sich hier ernsthaft gesund ernähren will, findet entgegen eines vielfach gegenüber der USA bestehenden Vorurteils absolut alles, was das Herz begehrt. Überall trifft man auf Obst- und Gemüseläden unfassbarer Größe und Vielfalt, Geschäfte mit traumhaften Salatbuffets, dazu diverse Event- und Wochenmärkte unter freiem Himmel in allen 5 Stadtteilen.
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    Annähernd 40% aller New Yorker sind Ausländer, annähernd 100% haben fremdländische Wurzeln mit maximaler Reichweite in die vorletzte Generation. Dem wird durch die Sortimentsvielfalt der Einkaufsmöglichkeiten Rechnung getragen.
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Ihr empfindet es als originell und exotisch, Süßkartoffeln zu essen? Besucht doch mal einen Supermarkt in einer hispanisch geprägten New Yorker Nachbarschaft! Es gibt unendlich viele essbare Knollen und Wurzeln auf der Welt.

Mein New York City Crossfit-Abenteuer


Gleiches gilt für Bohnen. Ihr jagt durch Reformhäuser und bemüht sündhaft teure Onlineshops, um an Bananen- und Nussmehl, Mandelmilch, Eiklar oder Kokosnusswasser zu kommen? Das könnt ihr hier einfacher haben, überall, zu jeder Zeit, 24 Stunden, auch am Ostersonntag.

Wir aldi-verdorbenen Europäer vor Ort haben es uns zum Sport gemacht, einfach wild drauf los zu kaufen. Googlen kann man hinterher immer noch. Gottes Schöpfungskraft ist hier allgegenwärtig – die menschliche allerdings auch, wenn man vor dem Kellogs-, Oreo- oder Ben&Jerrys-Regal steht.

Apropos viele Menschen: In Anbetracht einer angeblich siebenstelligen Anzahl von Juden, die sich hier im beschaulichen "Jew York" unter uns befinden, kann natürlich auch eine breite Auswahl koscher zubereiteter Nahrung genossen werden.

Vegetarier oder gar Veganer? Du befindest dich in bester Gesellschaft und sei gewisse – auf dich wird Rücksicht genommen!

Oder wie wäre es mal hiermit?

Mein New York City Crossfit-Abenteuer


Ich habe mich getraut!
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    Angesichts der nahenden Überbevölkerung werden Insekten ja schon von manche einem Sozialwissenschaftler als Zukunft der Welternährung propagiert. Geschmacksurteil: Wir blicken finsteren Zeiten entgegen!
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So manch eine aus Neugier getroffene Entscheidung floppte schon gewaltig. Mir scheint, das spezifische Genom der verschiedenen Ethnien betrifft nicht nur die Hautfarbe und Verträglichkeit gegenüber Alkohol und Milchprodukten, sondern auch die Wahrnehmung von Geschmäckern. Der Ausdruck "No cilantro, please" ("Bitte lassen Sie den Koriander weg") muss sitzen, wenn man eine Bestellung in der asiatischen Gastronomie tätigt. Glaubt es mir!

Dennoch: New York macht mich satt und hungrig auf ein Voranschreiten der Globalisierung. Mehr kulturelle Neugier auch unter der deutschen Bevölkerung. Damit ich das alles nicht allzu sehr vermissen werde, wenn ich wieder nach Hause komme.

New York City – eine Stadt wie ein Pulverfass

Wollte dir deine Mutter nicht auch voller Sorge das Taschengeld streichen, als du mit "diesem Eiweißpulver" anfingst? Und hast nicht auch du irgendwie ein Ziehen in der rechten Niere gespürt oder gedacht: Nun wird's aber ernsthaft! Den Menschen hier drüben scheinen solcherlei Berührungsängste fremd zu sein.

Supplemente sind Produkte des täglichen Bedarfs wie Milch und Erdnussbutter. Stores sind von eigentlich überall fußläufig in weniger als 5 Minuten zu erreichen. Und wenn nicht, wird man auch in jeder Apotheke (,die ohnehin sehr breit aufgestellt sind und meistens auch Bier, Steckdosenleisten, Souvenirs und Grippeschutzimpfungen anbieten), Drogerie, sogar im Lebensmitteldiscounter mehr als fündig.
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    Jeder noch so kleine Stand unten in den Subway-Stationen verkauft auch hochkonzentrierte Proteinriegel oder die sehr populäre Musclemilk. Das Aufpeppen der täglichen Nahrungszufuhr durch Pillen und Pulverchen jeder Art gehört zum guten Ton.
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Siehe auch: Körperbewusstsein. Allerdings: Die Preise hier lohnen keine eventuellen Unannehmlichkeiten am Flughafenzoll. Ansonsten gefällt es mir so wie es ist!

To cut a long Story short …

Man kann sich hier schon einiges Abschauen von den New Yorkern. Ihre Freunde an der Vielfalt. Die Bereitschaft, Geld zu investieren in gesundes, hochwertiges, regionales, veganes, allergenfreies, fair gehandeltes, in welcher Hinsicht auch immer gutes Essen. Und den Stellenwert, den sie der Nahrungsaufnahme einräumen.

Diese ist hier ein gesellschaftliches Event, für das man sich Zeit nimmt. Auch wenn sie diese eigentlich nicht haben zwischen den zwei Haupt- und drei Nebenjobs, mit denen sie sich von Mietzahlung zu Mietzahlung retten.

Helden der Ernährung sind sie trotzdem nicht in jeder Hinsicht. Denn da ist eben auch der genannten Gallonen-Verzerr von Cola, Sprite und Friends. Die Chipstüte zum Nachtisch. Maßlosigkeit mit einem Wort. Und dieser Maissirup, der mich fast noch mehr nervt als die Tatsache, dass Preise exklusive Steuern ausgewiesen werden und man sich an der Kasse immer wieder überraschen lassen muss. Aber gut: New York ist ein besonders heißes Eisen. Seines Glückes Schmied ist am Ende doch jeder selber. Überall.