… das kann's doch auch nicht sein! Klar, wir wollen keine Amazonen sein. Wohl aber Emanzen. Wir brauchen keine Frauenquote, wir wollen nur ernst genommen werden. Aber manchmal wissen wir nicht so recht, wie wir uns den Respekt verdienen sollten.

Von Kindesbeinen an sind wir gewöhnt mit Nachsicht behandelt zu werden. Wenn sich unsere Brüder oder Nachbarsjungen die Knie aufschürften, dann haben sie ihnen gesagt: "Ein Junge weint nicht". Unseren Tränen hingegen ließ man freien Lauf. Und daran ändert sich bis ans Ende unserer Tage nichts, ob bei Liebeskummer oder der neuen Nicolas Sparks-Verfilmung. Wir müssen und mussten auch noch nie stark sein oder mutig. Wir dürfen schlecht Autofahren und unsere Einkaufstüten getrost abgeben. Was klingt gemütlicher, mit den Kinderchen in der Höhle am Feuer sitzen oder Mammuts jagen? Schon evolutionsbedingt sind wir auf der Sonnenseite des Lebens geboren. Das bisschen weniger körperliche Leistungsfähigkeit nimmt man da doch gern in Kauf.

Und nun die Kurve zu dem, weswegen wir alle hier sind: diese völlige innere Bequemlichkeit, die sich aus einem ständig wattierten Lebensumfeld ergibt, übertragen allzu viele Damen auch in unseren hochgeschätzten Sport. So zumindest mein persönlicher Eindruck. Klar, es sind nicht alle Männer Disziplinfanatiker und Asketen, die rohe Eier zum Frühstück essen und nach dem Beintraining erbrechen. Und ganz generell hat ja jeder seinen Schweinehund. Nur lassen sich Frauen von diesem zweifelsohne öfter in die Waden beißen.

Kommt schon, wir sind nicht anders als unsere dreibeinigen Mitstreiter! Ein Frauenhintern reagiert nicht nur seines Besitzers wegen physiologisch völlig anders auf Belastungen. Nur weil alle anderen Frauen es sich auf dem Stepper gemütlich gemacht haben, haben sie damit nicht Recht gehabt. Die Schwarmintelligenz kann manchmal auch in Schwarmdummheit umschlagen. Macht es doch auch mal wie die großen Jungs, nehmt mal eine Hantel, macht Kniebeugen, auch wenn ihr dabei schwitzen könntet.

Ach nein, da war ja was: ihr wolltet nur straffen. Eine längst erschlaffte Worthülse. Was genau meintet ihr denn damit? Irgendwas mit "Fettabbauen" und "Hautbild verbessern" und "Muskeln einfach … ja, straffen eben! Bloß keine dicken Muskelberge!", nehme ich an? Ihr Lieben, nehmt Abschied von dieser Vorstellung. Was ihr eigentlich meint, ist simpler Muskelaufbau, gepaart mit Fettabnahme. Nichts anderes also als das, was Arnold Schwarzenegger vor Beginn seiner politischen Karriere tat. Nur natürlich im kleineren Stil. preview

Sagte ich eingangs, wir wären nicht anders als die Männer? Nicht ganz, ein Unterschied besteht: bei uns geht das mit dem Aufbau (s. "straffen") noch ein bisschen schleppender. Was ich damit sagen will: eure Angst vor "dicken Keulen" ist – Verzeihung – lächerlich! Schon gut, ihr glaubt mir nicht, denn ihr habt diese wie-kann-man-nur-so-rumlaufen-Frauen im Fernsehen gesehen, brustlos und eingeölt. Strengt euren gesunden Menschenverstand (an dessen Existenz ich immer noch fest glaube) an. Oder belest euch ein bisschen. Oder startet den Selbstversuch. Schon bald werdet ihr euch über euch selbst kaputt lachen.

"Aber als ich Kreismeisterin in der F-Jugend im Schlagballweitwurf war, da hatte ich schon viel zu muskulöse Arme … das will ich nicht mehr!" Mädels, ich kann euch nur wieder raten: vertieft euch in die Materie. Wahrnehmungen sind wandelbar …

Und stürzt euch nicht immer so gierig auf alles, was scheinwissenschaftlich eure lasche Vorgehensweise rechtfertigt. Auf den Fettverbrennungspuls beispielsweise. Klar, bei extremer Belastung bezieht der Körper seine Energie lieber aus den schnell verfügbaren Reserven als aus dem Hüftgold. Aber wenn ihr da so gemütlich nebeneinander hersteppt, eure 7.000 Wörter am Tag in einer Cardioeinheit aufbrauchend, dann kommt ihr doch auf keinen Kalorienverbrauch, der den X-large Macchiato hinterher erlauben würde.

Überhaupt: abgenommen wird in der Küche. Ihr habt euch in der Brigitte genau informiert, welche Belastung wie viel Energie kostet? Lasst euch nicht blenden. Sport ist gut und schön. Aber kein Freifahrtschein zum Schlemmen, schon gar nicht in der von euch üblicherweise an den Tag gelegten Intensität.

Und glaubt auch nicht, dass sich jeder Gewichtsanstieg nach dem Einstieg in den Sport durch den Abbau leichter Fett- und die Zunahme schwerer Muskelmasse erklären ließe. Körperfett besitzt eine Dichte von ungefähr 0,96g/cm³, Muskelmasse eine Dichte von 1,05g/cm³. Der Unterschied fällt damit so gering aus, dass sich erhebliche Gewichtsanstiege bei IFBB-Profis erklären ließen – nicht aber nach zwei Wochen im Nordic Walking-Einsteigerkurs. Vielleicht liegt es doch eher an unserem Zyklus. Oder an verschlepptem Stuhlgang. Oder, was am wahrscheinlichsten ist, an der optimistischen Ernährungsumstellung infolge des überschätzten Kalorienverbrauches (s. Brigitte-Information).

"Aber viele kleine Mahlzeiten am Tag sind doch besser als wenige große oder?" Jain. Ohne von strittigen Theorien über Insulinausschüttungen, Fettstoffwechselaktivität und so weiter anzufangen … meistens liegt der Fehler doch so und so nur in der Interpretation des Wortes "klein"…

Da fällt mir ein: zum Frühstück nichts, mittags eine Apfelspalte und abends zwei Tafeln Schokolade bringen es aber auch nicht. "Obwohl die ja Glückshormone freisetzt!" Mhm … weiß nicht, ob die den Frust beim nächsten Hosenkauf kompensieren.

Egal, wozu die Schinderei: im Notfall hilft uns dann doch die Kleiderindustrie aus der Klemme. Hängerchen, Röhrenjeans, wenn’s sein muss die figurformende Strumpfhose. Und eigentlich haben wir das doch so und so nicht nötig. Männer dürfen doch auch in Würde fett werden. Bei denen gehört der Bierbauch zum guten Ton. Dann sollten sie uns auch unsere Cellulitis zugestehen.

Ok, nachvollziehbarer Standpunkt. Aber wir sind nun mal nicht nur das schwache Geschlecht, sondern auch das schöne. In der Tierwelt sind oftmals die Männchen die imposanteren, farbenfroheren, hübscheren ihrer Gattung. Bei Pfauen zum Beispiel oder Enten. Aber wer will schon eine Ente sein? Generell tragen wir die Herausforderung doch auch eher mit Vergnügen als mit Murren. Schminken, Haarefärben, Shoppingwahn – nichts davon empfinden wir als Zwang. Warum dann nicht auch die Lust daran, das Beste aus unserem Körper herauszuholen? Und wenn nicht den Jungs zu liebe, dann für unseren eigenen Seelenfrieden.

Na ja, was red' ich eigentlich so viel? Das tun wir so und schon zu genüge. Ab in die Turnschuhe – einfach machen!