Wenn Milch doch so gesund ist, was spricht dann dagegen?
Milch ist allgegenwärtig! Milch und Milchprodukte machen bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung fast 50% der Lebensmittel aus, welche sie über den Tag konsumieren.Das Laktoseproblem
Wie wir schon gehört haben, wird Milch zum Säugen eines Neugeborenen verwendet. Das Neugeborene wird so durch eine gewisse Phase gebracht, in welcher dieses die Nahrungsaufnahme nicht alleine meistern kann. Warum sollten wir aber nach dieser Zeit noch Milch konsumieren? Dies ist eine viel diskutierte Fragestellung. Viele Tiere würden beim weiteren Konsum von der Muttermilch sterben, weil sie diese physiologisch nicht mehr umsetzen könnten. Schauen wir uns den Menschen an, ist dieser in der Hinsicht sehr ähnlich. Ein großer Teil der Menschen verträgt keine Laktose und ist somit "laktoseintolerant" - dieser Mensch hat sozusagen eine Milchallergie. Er kann den Milchzucker (Laktose) nicht abbauen und bekommt von Milch Magenschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen und viele andere allergische Reaktionen. In der westlichen Welt wird dies oft nicht wahrgenommen, denn neben den 12 Millionen Laktoseintoleranten gibt es eine hohe Dunkelziffer, welche die Diagnose einer Unverträglichkeit oft nicht als Krankheitsbild sehen wollen. Im asiatischen Raum sind 90% der Bevölkerung laktoseintolerant, was den geringen Milchkonsum verdeutlicht.Phosphor
Phosphor ist für viele Funktionen im Körper wichtig. Bei Neugeborenen ist deshalb ein hohes Maß an Phosphor in der Muttermilch. Bei ungünstigen Verhältnissen kann das nützliche Phosphor jedoch auch negative Auswirkungen mit sich bringen. In Milch und auch besonders im Käse ist Phosphor in einem ungünstigen Verhältnis vorhanden und führt dazu, dass Calcium nicht richtig vom Körper aufgenommen wird. In vielen anderen Lebensmitteln und auch in anderen Milchprodukten wird Phosphor als Stabilisator eingesetzt. Der Calciumhaushalt kann so gestört werden. Durch den erhöhten Phosphorkonsum kann es auch zu einer erhöhten Schilddrüsenfunktion kommen, welche angeregt wird vermehrt Hormone zu produzieren. Diese Hormone haben zur Folge, dass Calcium aus dem Knochen ausgelagert wird und so der Calciumspiegel im Blut steigt, jedoch im Knochen geringer wird.Also bauen wir unsere Knochen mit der Milch ab und fördern somit Osteoporose?!
Milch als säurebildende Flüssigkeit?
Durch die enthaltenden Aminosäuren der Milch wird ein Großteil dieser sauer verstoffwechselt. Diese Säure muss von unserem Körper ausgeglichen werden. Er löst Mineralstoffe, um die Säure zu neutralisieren. Bei hohem Milchkonsum kann es zu einer Übersäuerung des Körpers kommen und zu einem Verlust von Mineralstoffen und somit zum Verlust von Calcium aus dem Knochen.Vitamin D
Calcium wird oft schlecht vom Körper verwertet. Vitamin D hilft bei der Resorption des Calciums, doch wird diese Funktion in Ländern, welche weniger Sonnenstunden im Jahr haben, nicht sehr gut genutzt. Deshalb ist auch in Deutschland die Nahrungsaufnahme von Calcium und Vitamin D über Nahrungsmittel besonders wichtig. In vielen wissenschaftlichen Arbeiten wird Vitamin D auch als wichtigster Faktor zur Aufnahme von Calcium beschrieben.Belastung von Milch
Milch wird heutzutage stark verarbeitet. Neben der Pasteurisierung zur Zerstörung von Enzymen, wird oft auch eine Ultrahocherhitzung durchgeführt. Neben den Vorteilen der Zerstörung von schädlichen Hormonen und Pilzen werden auch viele Vitamine zerstört. Es wird auch oft von einem toten Lebensmittel gesprochen. Trotz dieser Maßnahmen gelangen häufig Pilzrückstände, Hormonrückstände, Antibiotika und andere Medikamente in unsere Konsummilch und können so negative Auswirkungen auf unseren Körper bewirken.Schleimbildung
Milchprodukte sind stark schleimbildend. Sie sind sogar die stärksten Schleimbilder aller Nahrungsmittel. Durch diese Eigenschaft können vermehrt Atemwegserkrankungen auftreten. Aber nicht nur diese sind von dem Schleim betroffen. Der Magen-Darm-Trakt ist ebenso betroffen. So kommt es zu einer schlechteren Aufnahme von Nährstoffen.Das Milchproblem bei Kleinkindern
Kleinkinder werden heutzutage immer dicker, aber woran liegt das? Neben den oft unwissenden Müttern, welche den Kindern die Nahrung falsch zubereiten, gibt es auch einen anderen Verdächtigen. Milchprodukte sind bei kleinen Kindern sehr beliebt. Die Erklärung für diesen immer weiteren Konsum von Milchprodukten im Kleinkindalter ist einfach zu erklären. Die Süßigkeitenpalette und vor allem der Bereich Trinkjoghurt und Joghurtprodukte wird immer größer und immer süßer! Der Zuckergehalt in den heute angebotenen, doch so gesunden Lebensmitteln, ist unglaublich hoch. Diese Menge an Energie ist für Kleinkinder oft schwer zu bewältigen. Neben der oft falschen Grundernährung gibt es dann noch ein gesundes Joghurt mit 13-20g Zucker auf 100ml. Bedenkt man, dass Cola zum Vergleich oft 10,6g Zucker auf 100ml besitzt, sollten Mütter über die Gabe solcher Lebensmittel zweimal nachdenken, bevor sie diese ihren kleinen Lieblingen geben. Milchprodukte haben somit auch einen Einfluss auf die Gewichtszunahme, nicht nur durch Zucker, auch oft durch einen hohen Fettanteil in Butter, Käse oder anderen Milchprodukten.Das Problem betrifft auch Dich!
Vor allem im Sport wird heute ein großer Anteil an Milchprodukten konsumiert, wodurch sich der Sportler verspricht viele Nährstoffe für seine Gesundheit und seinen Ernährungszustand zu erhalten. Addiert man die Kenntnisse und negativen Eigenschaften der Milch, sollte doch der Sportler evtl. zu Produkten greifen, welche sich weniger negativ auf die Nährstoffaufnahme auswirken. Ersatzprodukte für Calcium oder Milchproteine gibt es sehr viele, um einen erhöhten Bedarf an Protein oder anderen Nährstoffen zu gewährleisten.Muss sich das Milchbild der Bevölkerung jetzt komplett um 180 Grad drehen?
Nein - natürlich nicht!
Deutschland dient zwar einem guten Muster dafür, dass zum Beispiel die Calciumversorgung nicht durch Milch und Milchprodukte gedeckt wird, so wie es die Industrie propagiert. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass Ernährungsempfehlungen schon sehr lange nur einen halben Liter Milch am Tag empfehlen. Der Deutsche Bürger hat sich durch industrielle Marketingeinflüsse in einen hohen Milchkonsum pressen lassen, sodass Milch als ein Gesundheitssymbol wahrgenommen wird. Ein milchfreies Leben ist selbstverständlich möglich, denn in vielen anderen Ländern ist diese nicht im Überfluss zur Verfügung. Viele Studien zeigen auch, dass ein Zusammenhang mit Eiweiß oder dem Milchkonsum nicht mit dem Beispiel Osteoporose in Zusammenhang gebracht werden kann. Es gibt natürlich auch unzählige positive Studienlagen, wie zum Beispiel die Senkung der Darmkrebsrate um 15%, bei dem Konsum von über 250g Milchprodukten pro Tag. Wiederrum gibt es andere Studien, welche den Konsum von über 200g Milchprodukten pro Tag nicht empfehlen, weil das Prostatakrebsrisiko leicht erhöht wird. An diesen beiden Beispielen siehst du besonders gut, dass man es als Konsument nie richtig machen kann. Deshalb sollte man sich auf fundierte Empfehlungen verlassen und diese vergleichen, denn auch negative Aspekte sind Tatsachen, welche nicht unter den Tisch gekehrt werden sollten.
Fassen wir für den Konsumenten zusammen!
Wer seinen Milchkonsum (Kuhmilch) nach den Empfehlungen ausrichtet, ist nach derzeitiger Studienlage nicht gefährdet negative Auswirkungen zu befürchten. Es gibt jedoch Ansätze in der Wissenschaft, welche aufzeigen, dass Milch in der heutigen Zeit einen zu großen Stellenwert in unserer Ernährung einnimmt und auch Empfehlungen noch etwas überdacht werden sollten. Der Gedanke der frischen Milch direkt von der Kuh auf der Weide, bleibt wie bei dem Schwein oder anderen Tieren ein Wunschgedanke, welcher Lebensmittel wieder echter und gesünder machen würde. Von extremem Milchkonsum würde ich allerdings aus vielerlei Gründen abraten.Zusammenfassung
Milch ist durch seine hohe Nährstoffdichte genau das richtige Produkt für ein Neugeborenes. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die produzierte Milch der Mutter für das jeweilige Säugetier ausgerichtet ist. Je nach Säugetier ist die Milch mit verschiedenen Zusammensetzungen optimal für die Geschwindigkeit des Wachstums des Neugeborenen ausgelegt.Milch wurde und wird von der Lebensmittelindustrie als "das gesunde Lebensmittel" ausgeschrieben. Die Hinterfragung der heutigen ernährungsphysiologischen Grundsätze zeigt jedoch, dass diese Aussage nicht mehr der heutigen Zeit entspricht.
In Deutschland werden Milchkampagnen oft unterstützt und stehen für Aktivität im hohen Alter. In den USA sind diese Aussagen schon längst verboten worden, weil einige Studien alarmierende Auswirkungen aufzeigten.
Man sollte jedoch nicht gleich ganz auf Milch verzichten, denn Empfehlungen, welche schon seit langer Zeit Anwendung finden, sind auch nach dem heutigen Update aktuell. Wer jedoch auf Milch oder Milchprodukte verzichten will, kann dies ohne jegliche Probleme tun. Hochleistungssportler oder Bodybuilder, welche über die Nahrung versuchen ihren Eiweißbedarf zu decken, sollten ihren Milchkonsum im Auge behalten. Eine ausgewogene Mischkost oder eine mögliche Protein- oder Aminosäuresupplementierung kann in solchen Fällen eine mögliche Ausweichmöglichkeit darstellen, um nicht zu stark von Empfehlungen abzuweichen.
Lassen wir uns überraschen, was die Wissenschaft in nächster Zeit über das "weiße Gold" zu berichten hat und welche Erkenntnisse wir betrachten und vergleichen dürfen!
Quellen:
- Eberhard, P.; Bütikofer, U.; Sieber, R.: Vitamine in gelagerter hocherhitzter Milch. Publikation der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP (Schweizerische Bundesbehörden)
- Schweizer Milchproduzenten, Newsletter "Maillaiter": Artikel Trinkmilch, Sept. 2006
- Cho, E.; Smith-Warner, SA.; Spiegelman D. et al.: dairy foods, calcium and colorectal cancer: a pooled analysis of 10 cohort studies. J Natl Cancer Inst 2004;96:1015-22
- Chan, JM.; Cann, PH.; Giovannucci, EL.: Role of diet in prostate cancer development and progressive. Jclin Oncol 2005;23:3152-60