Mr. Olympia 2012: Ein Ausblick
Diesen Scheck will sich natürlich der amtierende Mr. Olympia Phil "The Gift" Heath unter den Nagel reißen. Er geht sicherlich als der Topfavorit ins Titelrennen. 2011 schockte er die Bodybuildingwelt mit einer irrwitzigen Form, die selbst erfahrene Athleten wie Dorian Yates und Kevin Levrone in ungläubiges Staunen versetzte. Wurde zu Beginn von Phils Karriere dessen Rücken und seine Brust als eklatante Schwächen beschrieben, so war davon nichts mehr zu sehen. Trotz seiner verhältnismäßig schmalen Schlüsselbeine erzeugte er eine Illusion von Breite, die in Verbindung mit den unzähligen Details, einer Konditionierung, die absolut auf den Punkt war und seinen geradezu lächerlich herausploppenden Muskeln einfach unschlagbar war. In diesem Jahr will Phil laut eigener Aussage noch ein Stück massiver antreten. Sollte ihm das gelingen, wird er kaum zu schlagen sein, denn seine Form hat er bisher noch nie verpasst und zudem tritt die Konkurrenz diesmal nicht mehr gegen Phil Heath an, sie treten gegen den 13. Mr. Olympia an, ein Faktor, den man nicht unterschätzen darf.
Nicht dabei sein wird der letztjährige Zweite, der vierfache Mr. Olympia und "Ziehvater" von Phil, Jay Cutler. Vor wenigen Tagen bestätigte er, dass er dieses Jahr aussetzen wird, da seine beruflichen Verpflichtungen eine 100% fokussierte Vorbereitung verhindert hätten. Und diese hätte er dringend gebraucht, denn schon im letzten Jahr war sein zweiter Platz alles andere als unumstritten, was nicht nur an seinem beschädigten Bizeps lag. Für sein Ziel, sich den Titel von Phil zurückzuholen und damit zu wiederholen, was ihm bereits 2009 gelang, hätte er eine ähnliche Form wie in diesem Jahr gebraucht. Jay plant 2013 zurückzukehren, ob dies wirklich der Fall sein wird, wird die Zukunft zeigen.
Nach dem Ausfall von Jay spitzt es sich auf einen Zweikampf zwischen Phil und Kai Greene zu. Der Predator muss sicherlich als der ernsthafteste Konkurrent von Phil angesehen werden. Schon im letzten Jahr hätte er in den Augen vieler den zweiten Platz holen müssen, diesmal will er aber endlich sein Trauma besiegen: Sonst für seine messerscharfe Definition bekannt, schaffte er es bisher nie diese Form auch auf die Bühne im Convention Center zu bringen. Sollte ihm das gelingen, wird es auf ein hochspannendes Duell hinauslaufen, denn Kai bringt alles mit, was ein Mr. Olympia braucht.
Spannend dürfte auch der Kampf um den dritten Platz werden. Branch Warren musste im letzten Jahr verletzungsbedingt aussetzen und feierte dann in Columbus bei der Arnold Classic ein umjubelndes Comeback. Ausgestattet mit zwei der wohl freakigsten Beine der Pro League muss mit dem zweimaligen Arnold Classic-Sieger und Publikumsliebling gerechnet werden.
Derjenige, der wohl am meisten darauf brennt, Branch hinter sich zu lassen, dürfte der große böse Wolf sein. Zweimal musste sich Dennis Wolf zuletzt Branch geschlagen geben, vor allem 2012 nicht unumstritten. Dennis ist vom Körperbau her das krasse Gegenstück zu Branch: Ausgestattet mit lächerlich breiten Schlüsselbeinen ist die Fläche, die sein Oberkörper einnimmt einfach phänomenal. Sollte es ihm gelungen sein seine Schwächen im Unterkörper (Beinbeuger und Waden) zu kompensieren, wird das ein heißer Tanz mit Branch.
Ein weiterer Top-Athlet, der in diesem Jahr nicht teilnehmen wird, ist Victor Martinez. Bedingt durch eine mehrmonatige Inhaftierung durch die Einwanderungsbehörden der USA bei der Einreise nach seinem Sieg bei der Arnold Classic Europe 2011, verlor Victor massiv an Gewicht und befindet sich aktuell wieder im Aufbau. Zwar hat er nach eigenen Angaben bereits wieder eine beträchtliche Masse zurückgewonnen, aber die O kommt einfach zu früh, so dass er sich voll auf die Arnold Classic 2013 konzentrieren will.
Der Athlet, der am wahrscheinlichsten Victors Platz im Finale einnehmen wird, ist Evan Centopani. Bei der Arnold Classic wurde er knapp Dritter hinter Dennis. Evan ist ein junger Athlet mit einer bestechenden Masse. Sollte er sein Brustdefizit ausgeglichen haben und die Konditionierung stimmen, könnte er für Aufruhr sorgen.
Schon oft abgeschrieben, aber dann wieder wie Phönix aus der Asche wieder auferstanden, ist Dexter "The Blade" Jackson. Der Mr. Olympia von 2008 ist der Athlet im Feld, der die meiste Erfahrung mitbringt. Wenn Dexter eine Form wie bei der Masters im vergangenen Jahr bringt, ist eine Finalplatzierung absolut im Bereich des Möglichen.
Auch Ronny "The Rock" Rockel gehört mittlerweile eher zur alten Garde. Im letzten Jahr verpasste er seine Bestform und musste erstmals seit Jahren ohne Finalplatzierung nach Hause fahren. Nach seiner Qualifikation bei der Arnold Classic Europe nahm er sich die erste längere Offseason seit Jahren. Es wird spannend sein zu beobachten, wie diese sich ausgewirkt hat. In Bestform ist er in jedem Fall in der Lage eine Reihe aufstrebender Jungstars hinter sich zu lassen und einen Platz unter den Top 6 zu ergattern.
Dass dies kein Selbstläufer wird, dafür wird eine ganze Riege von Athleten sorgen. Zuletzt mit zwei Siegen in Tampa und Dallas, hat Shawn "Flexatron" Rhoden einen Lauf und wird mit großer Sicherheit auf eine Platzierung in den Top 10 spekulieren, wenn nicht mehr. Und er hat guten Grund dazu, zeigte er doch in beiden Shows eine fantastische Form, die seine schöne Linie gewinnbringend unterstrich. Man darf gespannt sein, wie er sich im Duell mit den ganz Großen schlägt, wenn er denn antritt, denn nach der Beendigung der Zusammenarbeit mit seinem Sponsor QNT ist eine Teilnahme nicht mehr 100%ig sicher.
Eines der begnadetsten Talenten der Pro League gehört sicherlich der Franzose Lionel Beyeke. Mit einem Sieg bei der FLEX Pro sicherte er sich bereits früh im Jahr seine Qualifikation für die O. Lionel hat alles, was es braucht um ein ganz Großer in diesem Sport zu werden, dafür muss aber auch die Konditionierung passen und daran scheiterte es bisher leider immer. Das reicht für die FLEX Pro, für die O wird das nicht reichen.
Ein weiteres aufstrebendes Talent ist der Kanadier Ben "Pakman" Pakulski, der Mann mit den aktuell wohl irrwitzigsten Beinen der Profiszene und wohl das krasse Gegenstück zu Lionel. In diesem Jahr noch ohne Sieg, ist Ben sicher über die Punkteregel qualifiziert. Die Kombination seiner brutalen Beine mit seiner unglaublichen Härte dürfte einigen Konkurrenten Kopfzerbrechen bereiten.
Nach seinem Sieg in New York wird auch Cedric McMillan auf eine Platzierung in den Top 10 schielen. Cedric ist ein äußerst ästhetischer Athlet, dem zur Spitzengruppe einzig die nötige Masse fehlt. In Topform wäre er aber sicherlich ein Kandidat für die vorderen Plätze.
Zusammen mit Dexter und Ronny gehört Toney Freeman zu den Oldies auf der Tour. Aber den "X-Man" abzuschreiben, wäre ein Fehler, das hat er oft genug bewiesen. Auch er ist über die Punkteregel sicher qualifiziert.
Sicher dabei ist auch Johnnie Jackson, der sich seine Qualifikation auf der FIBO Power sicherte. Der Mann mit den vielleicht besten Trapezmuskeln der gesamten Pro League und lächerlich massiven Brustmuskeln wird aber aufgrund seiner nicht zu übersehenden Beinschwäche kaum um die vorderen Plätze kämpfen.
Ein ähnliches Schicksal wird wohl auch den Griechen Michael Kefalianos erwarten. Der Sieger der Mr. Europe Pro ist ein äußerst ästhetischer Athlet, der, wenn er seine Topform bringt, mit einer messerscharfen Konditionierung aufwarten kann. Eben diese ließ er zuletzt leider oft vermissen, zudem verhinderten in der Vergangenheit Präsentationsschwächen oft eine bessere Platzierung.
Der letzte, bereits sicher qualifizierte Athlet ist Bill Wilmore, der die Toronto Pro gewinnen konnte, aber in Las Vegas kaum eine Chance auf einen Platz in den Top 10 haben dürfte.
Nachdem drei Athleten über die Punkteregelung sicher qualifiziert sind, wird die Entscheidung darüber, welche beiden Athleten sich die beiden verbleibenden Plätze sichern können, im finnischen Lahti fallen, wo am 08. September die Nordic Pro Championships stattfinden. Der Sieger kann sich eine direkte Qualifikation sichern, der Zweitplatzierte wird 4 Punkte erhalten, der Drittplatzierte 3, der Viertplatzierte 2 und der Fünftplatzierte 1 Punkt.
Mit 7 Punkten ist Hidetada Yamagishi aktuell der Punktdritte. Der kleine Japaner begeisterte zuletzt in Dallas mit einer grandiosen Konditionierung und ließ einige, deutlich massivere Athleten hinter sich.
Die beiden Amerikaner John Delarosa und Fred Smalls, die mit je 6 Punkten punktgleich auf dem vierten Rang liegen, nehmen nicht in Lahti teil, was beide vermutlich ihre Qualifikation kosten wird.
Auch der sechste Platz ist aktuell von zwei Athleten besetzt, die je 5 Punkte auf dem Konto haben: Grigori Atoyan, der nicht in Lahti antreten wird und Balto Abbaspour, der in Finnland um seine Qualifikation kämpfen wird.
Die letzten Athleten, die sich theoretische Chancen auf eine Qualifikation ausrechnen können, sind die vier Achtplatzierten Sergey Shelestov, Mohammas Bannout, Roelly Winklaar und Steve Kuclo, die alle je 4 Punkte auf dem Konto haben. Bis auf Steve werden alle Athleten in Finnland die letzte Chance zu nutzen versuchen, sich noch auf den letzten Drücker für die Mr. Olympia zu qualifizieren.
Uns erwartet eine spannende Show, bei der wir mit spektakulären Leistungen rechnen können. TEAM-ANDRO wird auch dieses Jahr für Euch live vor Ort sein und berichten.