(Hons) aka Hulkster, MuscleTalk Pro-Member

1.0 Theorien bezüglich Gewichttraining und Bodybuilding

Die älteste Sportveranstaltung, die veränderliche externe Gewichte mit sich bringt, ist das Gewichtheben. Als es noch keine anderen Wettkampfveranstaltung gab, bei der eine Hantelstange eine Rolle spielt, verwendeten englischsprachige Nationen den Begriff "olympisches Gewichtheben" oder "olympisches Heben". Heute wird Gewichtheben alle vier Jahre bei den olympischen Spielen veranstaltet. Gewichtheben ist kein generischer Begriff der auf all diejenigen angewendet werden sollte, die mit Gewichten trainieren (Dougal 1987).

Bompa (1999) gibt an, dass sich in den späten 1930er und frühen 1940er Jahren eine Unterkategorie des Gewichthebens entwickelte, bei welcher die Individuen begannen ihre muskuläre Entwicklung in einer Wettkampfarena zu vergleichen. Diese Aktivität wurde als Bodybuilding bekannt und ihren Verband kennt man als die International Federation of Body Builders (IFBB).

Brittan (1989) definierte Bodybuilding folgendermaßen:

"Ein Sport oder eine Aktivität, bei der das Hauptziel die Entwicklung der Größe der Skelettmuskeln ist. Bodybuilder fokussieren sich noch auf andere Bereiche, beispielsweise auf eine gleichmäßige Entwicklung aller Muskeln (Symmetrie), sowie ein Anstieg ihrer Kraft bei minimalem Körperfettanteil. Da Bodybuilder sich auf ihre muskuläre Entwicklung fokussieren, wird dies auch hauptsächlich erzielt."

1.1 Kulturelle Trends von Körperidealen

Die westliche Kultur legt viel Wert auf die Darstellung des idealen Körpers. Beide Geschlechter gehen der Verwirklichung, des von den populären Medien dargestellten idealen Körpers, nach (Shaw & Waller 1995). Die Leute werden hierbei motiviert, den extremen Körperbau von Untergruppen der Bevölkerung erreichen zu wollen (z.B. Models, Athleten und Unterhaltungskünstler). Dies geht teilweise so weit, dass das Streben nach diesen kulturellen Idealen ungesund wird.

Higgins entwickelte 1987 die "Self Discrepancy Theory", welche postuliert, dass körperliche Unzufriedenheit das Ausmaß der Diskrepanz zwischen selbst wahrgenommenen körperlichen Attributen und den verinnerlichten Standards der körperlichen Realität, kulturellen Erwartungen und Gesundheitsstandards darstellt.

Phillips et al (1993) verwendeten die Self Discrepancy Theory, um die Körperideale in beiden Geschlechtern zu beurteilen. Laut ihren Ergebnissen, wünschten sich die meisten Frauen dünner zu sein, wohingegen sich viele Männer eine bessere muskuläre Entwicklung wünschten.

Olivardia, Pope & Hudson (2000) sagen, dass der mesomorphe Körpertyp aus sozialer Sicht erstrebenswerter ist, und bessere körperlichen und athletischen Fähigkeiten aufweist, als der ektomorphe Typ. Diese kulturelle Akzeptanz eines stark muskulösen männlichen Ideals kann direkt aufgezeigt werden, wenn man die muskuläre Entwicklung der Action Figuren von Kindern über die letzten vier Jahrzehnte betrachtet.

Pope, Phillips & Olivardia (2000) nannten dies die "Evolution des G.I Joe". Die Autoren behaupten, dass bei diesen Action Figuren, während der letzten vier Jahrzehnte eine signifikante Zunahme der Muskelgröße und der Abzeichnung von Muskelreliefs stattfand. Da für viele Kinder die frühesten Botschaften zum Körperbild von diesen Action Figuren kommen, ist anzunehmen, dass diese zur Wahrnehmung des Körperbilds bei jungen Männern beitragen.

Der "ideale" männliche Körper , welcher den Frauen über die Medien präsentiert wird, scheint, im Bezug auf muskulöser werdende männliche Körper, denselben Trend zu verfolgen. Pope et al (2000) führte eine Studie durch, in welcher die Ausmaße der männlichen Körper in der Frauenzeitschrift "Playgirl" zwischen 1973-1998 untersucht wurden. Zur Beurteilung wurde die Free Fatty Mass Index (FFMI) Formula (Formel zur Bestimmung der fettfreien Körpermasse) verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass der Postermann von 1973-1998 12lbs Fett verloren hat und 27lbs Muskulatur zunahm. Das Ergebnis dieser Studie besagt, dass die Gesellschaft ein zunehmend muskulöseres Ideal predigt. Dadurch kann möglicherweise eine Zunahme von Fällen männlicher Körperbesessenheit entstehen.

1.2 Körperdysmorphe Störungen

Körperdysmorphe Störungen sind ein stetig wachsendes Forschungsfeld, welches pathologische Verhaltensweisen und Einstellungen bei Frauen und Männern untersucht. (Lantz, Rhea, & Mayhew 2001).

Olivardia et al (2000) zeigt auf, dass viele Männer bestimmte Sorgen bezüglich ihres Körperbildes haben, wie beispielsweise die Größe der Nase, dünner werdendes Haar, sowie allgemeinere Bedenken, wie die Form und Größe ihres gesamten Körpers. Diese Probleme mit dem Körperbild werden oftmals als lästig angesehen und können auch vorrübergehende Verzweiflung verursachen. Bei den meisten Leuten wird dadurch jedoch der Alltag nicht beeinflusst.

Allerdings, werden diese empfundenen Leiden bei vielen anderen Personen so zeitaufwendig, dass sich die Sorgen um das eigene Körperbild direkt auf den Alltag auswirken. Die Forscher behaupten, dass sich dies in solchen Individuen durch Symptome wie Depressionen und selbst auferlegtem sozialem Ausschluss manifestieren kann. Dies wiederum, kann zu anerkannten Erkrankung führen, welche als körperdysmorphe Störungen bekannt sind (Phillips et al 1993). Männer mit dieser Erkrankung entwickeln gesundheitsbedrohende Sorgen, wegen eines eingebildeten, oder sehr kleinen Makel ihres Erscheinungsbildes. In Wirklichkeit sind diese äußeren Makel minimal. Eine Überblickstudie aus dem Jahre 1991, zeigte einen Trend zu gleichen Betroffenheitsraten in beiden Geschlechtern auf: Männer:Frauen 1:1,25 (Phillips 1991). Die Forschung zeigte auch, dass bei Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit vorliegt, unnatürlich beunruhigt wegen individuellen Körperteilen zu sein, wohingegen Männer sich mehr um die Form und Größe ihres gesamten Körpers sorgen.

Pope, Gruber & Choi, (1997) fanden eine Unterklasse der körperdysmorphen Störungen, welche die pathologische Sorge eines Individuums um seine Muskularität betrifft. Diese Unterklasse der körperdysmorphen Störungen wurde Muskeldysmorphie genannt. preview

1.3 Muskeldysmorphie (MD)

Die Muskeldysmorphie stellt ein relativ neues Forschungsfeld innerhalb der Sportpsychologie dar, wurde aber bereits seit vielen Jahrzehnten innerhalb der Bodybuilding Gemeinschaft als "die Krankheit" erkannt (Fussell 1991). Pope, Katz & Hudson (1993) entdeckten MD, als sie Steroidgebrauch und Anorexia Nervosa bei 108 männlichen Bodybuildern untersuchten. Damals wurde MD auch Reverse Anorexia Nervosa genannt. 1997 nannten Pope et al. diese Krankheit in Muskeldysmorphie um, da sie glaubten, diese Störung sei eine spezifische Unterform der körperdysmorphen Störungen.

1.4 Definition der Muskeldysmorphie

Laut Olivardia et al (2000) sehen sich Leute mit MD als zu schmal an, und sehen sich einem Druck ausgesetzt, größere Muskulatur/Kraft aufzubauen, selbst wenn ihre Körper in Wirklichkeit signifikant muskulöser sind, als die des Durchschnittsmannes. Das Leben der Betroffenen dreht sich um Gewichtheben, Diäten und andere begleitende Aktivitäten. Zusätzlich zu dieser Sorge um die Größe der Muskulatur stellten Pope et al (1997) fest, dass Personen die an MD litten auch von Magerkeit besessen sind. Während detaillierten Befragungen von an MD leidenden Bodybuildern, stellten die Forscher fest, dass die Bodybuilder beim Untersuchen ihrer Körper vor dem Spiegel erwarteten, große und gestreifte Muskeln zu sehen. Deshalb kam Pope et al (1997) zum Schluss, dass es sich um eine Art Wahn handeln könnte, bei der sich Kraft-, und Muskelaufbau mit einem geringen Körperfettanteil duellieren.

Choi, Pope & Olivardia (2002) studierten 54 Trainierende (Krafttraining), wobei 24 MD aufwiesen und 30 nicht. Die Forscher stellten fest, dass sich Leute mit MD als weniger körperlich attraktiv und gesund empfanden, als ihre Kollegen. Die Kombination dieser Überzeugungen wurde zuvor bei Frauen mit körperdysmorphen Störungen festgestellt. Bei Männern mit MD war es im Gegensatz zur Kontrollgruppe auch signifikant wahrscheinlicher, dass sie mit ihrem gesamten körperlichen Erscheinungsbild, ihrem Muskeltonus und ihrem Gewicht unzufrieden waren. Zusätzlich war es bei ihnen viel wahrscheinlicher, dass sie sich Sorgen um ihr Gewicht, die Pobacken, die Hüfte, die Schenkel und Beine machten.

"Personen mit MD, glauben sehr unmuskulös zu sein, obwohl sie oft stark muskulös sind. Dieser Glaube führt dazu, dass sie besessen von Training, speziell Gewichtheben, werden und gefährdet sind anabole androgene Steroide zu verwenden", Choi (2002).

Es wurde auch festgestellt, dass Personen mit MD Situationen vermeiden, in denen sie ohne Kleidung gesehen werden könnten und tragen oftmals mehrere schichten Klamotten (selbst bei heißem Wetter), um zu verhindern, dass man ihren Körper sieht. Die Autoren versuchen dieses Verhalten durch sich verändernde kulturelle Ideale zu erklären, wobei die Körper der Männer mehr und mehr sichtbar werden und gleichzeitig körperliches Training als erstrebenswerte Aktivität zunehmend mehr Akzeptanz erfährt. MD bei Männern könnte eine negative Auswirkung von körperlichem Training (besonders Gewichttraining) sein, welches nur wegen dem körperliche Erscheinungsbild absolviert wird.

1.5 Mögliche Faktoren für MD

Lantz et al (2001) weisen darauf hin, dass das Selbstwertgefühl und Unzufriedenheit mit dem Körperbild, wichtig für die Entstehung von MD sind. Die Wissenschaft, die sich mit den Anreizen für anaerobe Aktivitäten (wie z:B. Gewichtheben) beschäftigt, schlussfolgerte, dass das Selbstwertgefühl von zentraler Wichtigkeit für das Bedürfnis ist, sich selbst zu kritisieren.

Lombardo (1992) beschreibt, dass das Selbstvertrauen in manchen Fällen mit der empfundenen Größe, Form und Attraktivität des eigenen Körpers in Verbindung gebracht werden kann.

Da die kulturelle Einstellung bezüglich des idealen Körperbildes in der heutigen Gesellschaft so prävalent ist, können die Bemühungen bestimmter Individuen, diesen unrealistischen Idealen zu genügen, zu einem zwanghaften Trainingssystem und Techniken zur Gewichtskontrolle führen, wobei Beide mit einem geringen Selbstwertgefühl in Verbindung stehen.

Allerdings sagt Chung (2001), dass obwohl MD mit einem geringen Selbstwertgefühl im Zusammenhang steht, dies nicht stärker der Fall ist als bei anderen körperdysmorphen Störungen oder Anorexia Nervosa. Was Unterschiede im Selbstwertgefühl angeht, kann MD deshalb nicht von diesen anderen Störungen unterschieden werden. Die Self-Discrepancy Theory (Higgins 1987, zitiert von Phillips et al 1993) besagt, dass Individuen ein Ideal, wie beispielsweise den mosomorphen Körpertyp verfolgen. Diese Theorie besagt, dass die eigentliche sportliche Aktivität (z.B. Gewichtheben) nicht das Problem ist, sondern es ist das pathologische Streben nach dem Ideal, welches Probleme mit dem Selbstwertgefühl begünstig.

Smith, Hale & Collins (1998) stellten fest, dass eine Person, wenn Gewichttraining als Kompensation für ein geringes Selbstwertgefühl verwendet wird, diese Aktivität teilweise so zwanghaft ausführt, dass es zur Vernachlässigung von sozialen Aktivitäten und wichtigen Tätigkeiten kommt.

Pope et al (1997) glauben, dass man sich mit vergrößerter Muskulatur als wichtiger ansieht. Die Verwendung von Krafttraining zur Steigerung des Selbstwertgefühls, kann jedoch dazu führen, dass es die einzige Methode einer Person wird, mit sich selbst zufrieden zu sein. Für diese Individuen könnte die Zeit die sie mit Gewichttraining verbringen, die einzige Zeit sein, bei der sie ein hohes Maß an Selbstwertgefühl erfahren.

Was Sorgen bezüglich des Körperbildes angeht, so propagieren Lantz et al (2001), dass sich das Körperbild aus zwei Komponenten zusammensetzt: Verzerrung und Unzufriedenheit

"Verzerrung bezieht sich auf die innere Wahrnehmung des eigenen Körpers; Unzufriedenheit bezieht sich auf die gestörten Gefühle bezüglich des eigenen Körpers ", Lantz et al (2001).

Blouin und Goldfield (1995) untersuchten die Verzerrungen des Körperbildes in männlichen Bodybuildern. Sie stellten fest, dass Bodybuilder durch das Krafttraining die "ideale" mesomorphe Körperform aufbauen wollen. Einer der Gründe hierfür, ist, dass sie eine wahrnehmbare positive Erscheinung erzeugen wollen. Da die heutige Gesellschaft eine solche körperliche Erscheinung befürwortet und unterstützt, steigt die Zahl von Männern, die Unzufriedenheiten mit ihrem Körper berichten, da diese "Ideale" in den meisten Fällen nicht erreichbar sind.

Chung (2001) beschreibt den Ruhm des größten Bodybuilders, Arnold Schwarzenegger, als Katalysator für die Ausbreitung von MD als kulturgebundenes Syndrom. Der Autor glaubt, dass Arnold Schwarzenegger durch sein Erscheinen in hochklassigen Filmen (wie beispielsweise Terminator), kombiniert mit der Tatsache von Präsident Ronald Regan als Head of the US Fitness Council ernannt worden zu sein, neu definiert, was Männer als akzeptable Muskulatur definieren. Dies ermöglichte es einem Einzelnen, der ein bestimmtes Maß an Muskulösität erreicht hat, welches bisher von der allgemeinen Bevölkerung als "freakish" betrachtet wurde, der Inbegriff von körperlicher Fitness, sowie das Aushängeschild für die Entwicklung des Fitness Council der Nation zu werden. Die führte innerhalb der westlichen Welt zu einer neuen Stufe der Akzeptanz von Muskulösität.

1.6 Verhaltensfaktoren, die mit MD in Verbindung stehen

Viele Verhaltensweisen der MD Betroffenen wurden in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert. Die bedeutendsten sind: Körpergröße/Symmetrie, Ernährungszwänge, pharmakologische Unterstützungen, Nahrungsmittelzusätze, Trainingsabhängigkeit und Schutz des Körpers (Pope et al 1997).

Körpergröße/Symmetrie

Um die kulturellen Ideale bezüglich des Körperbildes zu befolgen, muss eine ähnliche Körpergröße und Symmetrie erreicht werden, wie dies in den populären Medien dargestellt wird. Pope et al (1997) zeigen auf, dass diese männlichen Vorbilder einen ähnlichen Effekt auf die Männer haben, als die weiblichen Vorbilder auf Frauen. In einer Studie von Pope et al (2000) gaben 89% aller MD Betroffenen an, dass muskuläre Symmetrie wesentlich am Erreichen der idealen Figur beteiligt ist. Dies könnte durch die Tatsache verstärkt sein, dass bei Bodybuilding Wettkämpfen die Größe und Symmetrie eines Körpers bewertet werden.

Ernährungszwänge

Die von MD betroffenen Personen, stufen Ernährungsangelegenheiten als sehr wichtig ein. Die Ernährung von MD betroffenen Personen ist hauptsächlich auf Muskelwachstum und Kraft ausgelegt. Die Menge und Art der Kalorien wird berechnet, um ideale Voraussetzungen innerhalb des Körpers zu schaffen, und dadurch das Muskelwachstum zu unterstützen und Körperfett zu reduzieren (Pope et al 2000). In extremen Fällen, können die Essgewohnheiten so konsumierend sein, dass der der Betroffene bis zu 10 Mahlzeiten pro Tag, zu vorbestimmten Zeitpunkten während des Tages, zu sich nimmt. Die Mahlzeiten sind zuvor sorgfältig zubereitet worden, wobei der Schwerpunkt nicht auf dem Geschmack oder Genuss liegt, sondern es geht nur um den Nährstoffgehalt. Zur Veranschaulichung: Es wurde festgestellt, dass manche Betroffene pro Tag bis zu 30 rohe Eiweiß zu sich nehmen, völlig ungeachtet des möglichen Gesundheitsrisikos. Olivardia et al (2000) nahmen zur Kenntnis, dass ungefähr ein Drittel der von MD betroffenen Männer, auch eine Ess-Störung haben, wie beispielsweise Binge Eating (Fressanfälle), oder ein eigentümliches Muster aufweisen (Schwerpunkt auf Ernährungsformen mit extrem wenig Fett und viel Protein).

Pharmakologische Unterstützung und Nahrungsmittelzusätze

Pope et al (2000) fand heraus, dass Leute mit MD häufig Nahrungsmittelzusätze verwenden und in extremen Fällen sogar auf pharmakologische Substanzen zurückgreifen, um ihr körperliches Ideal zu erreichen. Diese Substanzen reichen von freiverkäuflichem Protein und Energy Drinks, über ergogene Hilsmittel (z.B. Kreatin), bis hin zu anabolen Steroiden in extremen Fällen.

Worblewska (1997) berichtete, dass nicht weniger als 75% aller Personen, die an Bodybuilding Wettkämpfen teilnehmen, anabole Steroide verwenden. Olivardia et al (2000) behaupten, dass mehr als die Hälfte aller MD Betroffenen, Steroide verwendet. Die Restlichen sind in Versuchung. Er fügt hinzu, dass die Verwendung von Nahrungsergänzungsmittel in dieser Gruppe, fast für jeden gilt. Dies legt nahe, dass MD Betroffene gewillt sind eventuell tödlich wirkende Medikamente zu verwenden, um eine körperlich attraktivere Form zu erreichen.

Trainingsabhängigkeit

Weinberg und Gould (1999) definierten ein trainingsabhängiges Individuum als eine Person, die zwanghaft trainiert, einen starren und intensiven Trainingsplan verfolgt, sich schuldig fühlt wenn sie gegen den Plan verstößt, und auch bei Krankheit, Müdigkeit oder Verletzung trainiert. Pope et al (1997) gibt an, dass frühere Forschung eine Verbindung zwischen körperdysmorphen Störungen und obsessiv-kompulsiven Störung (OCD) propagieren, es jedoch keine direkte Forschung gab, inwiefern MD ähnliche Tendenzen wie körperdysmorphe Störungen auslöst.

Smith, Hale & Collins (1998) propagieren solide Hinweise dafür, dass die Abhängigkeit von Training psychologisch, sozial und körperlich hinderlich sein kann. Die Forscher fanden heraus, dass überaus aktiv Trainierende, Merkmale wie Schuld und Depression erleiden, wenn sie nicht wie geplant trainieren können. Sie sagen ebenfalls, dass die Mehrheit der Forschung in diesem Gebiet den Schwerpunkt auf aerobes Training gelegt hatte. Kubistant (1998) entdeckte, dass Gewichttraining das Selbstwertgefühl fördern kann (die Theorie dahinter ist in 3.1 beschrieben). Da das Selbstwertgefühl verbessert wird, könnte dies der Schwerpunkt des Gewichttrainings werden, weil der Trainierende sich gut fühlt. Diese Zeit im Studio kann dann die einzige Zeit sein, während der Trainerende dieses gesteigerte Selbstwertgefühl spüren kann. Dies ist der Grund, weshalb er manchmal zwanghaft bezüglich seines Trainings wird. Die Autoren führen an, dass solche Individuen empfindlich für eine Trainingsabhängigkeit sind, deren Selbstwert auf die Erkennung ihrer selbst als Athlet angewiesen ist.

Pierce und Morris (1998) fanden eine hohe Trainingsabhängigkeit unter Powerliftern, wenn man ein modifiziertes Protokoll zu Beurteilung von Abhängigkeit bei Läufern anwendet. Sie fanden heraus, dass Trainingsabhängigkeit hauptsächlich innerhalb der Bodybuilding Gemeinschaft sozial beeinflussbar ist, da es bezeichnet wie viel Einsatz benötigt wird, um eine bedeutende Rolle innerhalb dieser komplexen Gemeinschaft zu erlangen.

Pope et al (2000) beschrieben auch, dass die Arbeitstätigkeit vieler MD Betroffenen von ihrer Notwendigkeit zu trainieren vorgegeben wurde. Viele sind als Personal Trainer beschäftigt, da es Training nach Belieben ermöglicht. Andere suchten ihre Arbeit nur mit dem Ziel aus, sie mit ihrem Trainingsregime vereinbaren zu können.

Laut Smith et al (1998) gab es signifikant zu wenig quantitative Messgrößen, um die Trainingsabhängigkeit bezüglich anaerober Tätigkeiten zu messen. Die Forscher entwickelten und bestätigten daher ihre eigene Messgröße, die sog. Bodybuilding Dependence Scale (BDS) (Bodybuilding Abhängigkeits-Beurteilungsmethode). Dies war eine aus neun einzelnen Posten bestehende Beurteilungsmethode, um den Leidensgrad eines von Trainingsabhängigkeit betroffenen Bodybuilders festzustellen. Es zeigte sich, dass die BDS ein hohes Maß an interner Beständigkeit und Aussagekraft aufweist.

Schutz des Körpers

Pope et al (2000) nahmen an, dass MD Betroffene viel dafür tun, um die von ihnen wahrgenommenen körperlichen Mängel, mittels verschiedener Maßnahmen, zu verstecken. Sie vermeiden beispielsweise zu Stoßzeiten den Gang ins Studio, um das Risiko zu reduzieren, mit muskulöseren Personen trainieren zu müssen. Sie tragen breite Klamotten um ihre Größe und Form zu verstecken und sie vermeiden Situationen, die ein öffentliches präsentieren ihres Körpers erfordern.

1.7 Die Auswirkungen von MD

Zusätzlich zur Beeinträchtigung der Gesundheit, kann MD die persönliche Lebensqualität beeinflusse (Pope et al, 2000). Das zwanghafte Verhalten kann die Bildung, den Beruf und Karrieremöglichkeiten beeinflussen. Olivardia et al (2000) fügen hinzu, dass MD persönliche Beziehungen mit wichtigen Personen beeinflussen kann, da MD Betroffene von sich selbst so besessen sind, dass andere Bedürfnisse bis zur Bedeutungslosigkeit verblassen. Betroffene müssen Nebenwirkungen ertragen, die auch verwandte Ess-Störungen, Übertraining und Steroidgebrauch begleiten. Diese Nebenwirkungen können sich in Form von Ruhelosigkeit, verlangsamtem Metabolismus, Stimmungsschwankungen, Angst und Depressionen auswirken (Olivardia et al 2000).

1.8 Rehabilitierende Maßnahmen

Viele Leute mit MD sträuben sich gegen eine Behandlung und geben zu verstehen, dass sie mit sich zufrieden sind. Manche geben zu Angst zu haben, nach dem Beenden es Trainings und dem Absetzen der Medikamente, bis zur Gebrechlichkeit zu verkümmern. Diejenigen, die sich einer Behandlung unterziehen, werden mit einer Kombination von kognitiver Verhaltenstherapie und Medikamenten (Serotonin Wiederaufnahme Hemmer) behandelt (Pope et al 2000). Ein anderer Therapieansatz, könnte den Betroffenen dabei helfen zu realisieren, dass ihr aktuelles Männerbild unrealistisch ist. Wenn man Männern bewusst macht, über den Botschaften der heutigen Gesellschaft und den Medien zu stehen, dann können sie wieder die Harmonie mit ihren Körpern erlangen, die von früheren Generationen als selbstverständlich angenommen wurde. (Olivadia et al 2000).

Chung (2001) widerspricht der Anwendung von kognitiver Verhaltenstherapie wegen der Tatsache, dass der MD Betroffene von den körperlichen Idealen des Therapeuten beeinflusst werden würde. Da die körperlichen Ideale von Person zu Person variiert, glaubt der Autor, dass die Beständigkeit der Behandlung darunter leiden würde. Deswegen schlägt Chung (2001) vor, den Schwerpunkt der Therapie auf die Abänderung der eigenen Sichtweise des körperlichen Selbstbildes und den resultierenden Verhaltensweisen zu legen, um ein realistischeres körperliches Ideal zu erreichen.

1.9 Kritik an den vorgeschlagenen MD Kriterien

Obwohl viele Autoren behaupten MD seine spezifischen Unterklasse der körperdysmorphen Störungen, stellt Chung (2001) die Gültigkeit dieser Aussage in Frage. Der Autor glaubt, dass viele dieser Aussagen auch mit OCD verknüpft sind. Philips (1993) berichtete, dass körperdysmorphe Störungen sehr häufig bei Patienten auftraten, die wegen OCD behandelt wurden. Die Forscher schlossen daraus, dass OCD möglicherweise eine Ausprägung der körperdysmorphen Störungen ist. Ob OCD direkt aus den körperdysmorphen Störungen resultiert, muss erst noch ermittelt werden.

Chung (2001) kritisiert auch seine eigene Behauptung, es gäbe eine Verknüpfung zwischen OCD und körperdysmorphen Störungen, indem er zu verstehen gibt, dass OCD charakteristische Verhaltensweisen in anderen Sportarten vorhanden sind, jedoch nicht bezeichnend für einen Zwang sind. Beispielsweise zeigen viele Elite Athleten ähnliche Verhaltensweisen. Sie trainieren einige Stunden pro Tag intensiv und sorgen sich um ihre Größe und ihr Gewicht. Ein Judo Kämpfe ist darüber besorgt darum genug Gewicht zu verlieren und ein Rugby Spieler sorgt sich um seine Gewichtszunahme. Diese Individuen könnten die MD Kriterien verfüllen, aber ihr Verhalten wird wegen ihrer athletischen Kultur gebilligt

Chung (2001) führt aber auch an, dass der Hauptzweck des Bodybuildings darin liegt, größere Muskulatur und mehr fettfreie Körpermasse als die anderen Wettstreiter zu haben. Der Autor bezweifelt, dass es möglich ist, zwischen einem gesunden Maß an Hingabe und MD zu unterscheiden, und zweifelt deshalb an der Rechtmäßigkeit, die MD als Unterkategorie der körperdysmorphen Störungen zu bezeichnen.

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