Dem normalen Menschenverstand widerstrebte die Idee, dass übergewichtige Menschen, ja selbst solche, die wirklich fettleibig sind, länger leben sollen als Schlanke. Dabei ist unstrittig, dass ein Übermaß an Körperfett für diverse Gesundheitsrisiken, gemeinhin als Zivilisationskrankheiten zusammengefasst, verantwortlich ist, allen voran Diabetes und diverse cardiovaskuläre Erkrankungen.
Forscher des Department of Public Health der Cambridge University haben sich dieser Angelegenheit nun angenommen. Erneut wurden die vorliegenden Daten alter Untersuchungen ausgewertet, insgesamt 239 Studien aus vier Kontinenten. Die Forscher werteten rund elf Milionen Datensätze neu aus und kamen dem Ursprung des Adipositat-Paradoxons auf die Spur.

Schuld sind, wie immer, die Raucher
Raucher rangieren ja heute in der öffentlichen Beliebtheitsskala irgendwo zwischen Pantomimen und Serienmördern und nun sind sie auch noch dafür verantwortlich, dass die Risiken von Fettleibigkeit durch Studien jahrzehntelang trivialisiert wurden. Raucher sind im Durchschnitt schlanker als Nichtraucher, müssen ihre Sucht aber mit einem deutlich erhöhten Sterblichkeitsrisiko bezahlen. Wie man herausfand, hatten die Raucher die Ergebnisse verfälscht, sodass Übergewichtige zu gut, Schlanke zu schlecht wegkamen.Nachdem die Forscher sich nur die vier Millionen Datensätze vorgenommen hatten, die von Menschen stammten, die in ihrem Leben niemals geraucht hatten, zu Beginn der Untersuchung unter keiner chronischen Krankheit litten und fünf Jahre nach Studienbeginn noch lebten, stellten sie fest, dass innerhalb dieser Gruppe mit dem Grad an Übergewicht die Sterblichkeit auf das bis zu Dreifache des Wertes von Normalgewichtigen anstieg.
Besonders gravierend waren diese Befunde bei jüngeren Menschen, insbesondere bei jungen Männern. Das heißt: Gerade junge Männer sind überproportional häufig von schweren Krankheiten betroffen, die durch ihr Übergewicht ausgelöst wurden und sterben daran.
Übergewicht nur die halbe Wahrheit
Wir können also festhalten: Übergewicht ist ungesund und fördert die Wahrscheinlichkeit vorzeitig zu sterben. Und ja: Rauchen auch. Nun wissen wir aber, dass die Bemessungsgrundlage dieser Studien, der Body Mass Index (BMI) nur bedingt aussagekräftig ist. Zwar ist es häufiger der Fall, dass ein erhöhter BMI auf ein Übermaß an Fettgewebe zurückzuführen ist, denn auf eine ausgeprägte Muskulatur, dennoch wird dieser Unterscheidung in der Studie der Camebridge University keine Bedeutung zugemessen.Diese mangelnde Differenzierung ist nicht neu, im Gegenteil: Sie ist weit verbreitet. Wer sich im öffentlichen Dienst bewirbt oder eine private Krankenversicherung abschließen möchte, wird garantiert irgendwann die Frage nach dem BMI vorfinden. Nach der Körperzusammensetzung, dem Anteil an Körperfett und Muskeln fragt niemand. Zu Unrecht, wie wir nun dank einer anderen Untersuchung aus den USA wissen.
Forscher des Department of Medicine der University of California in Los Angeles nahmen sich die Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) vor. Konkret untersuchten sie die Sterberate von solchen Versuchsteilnehmern, die unter cardiovaskulären Erkrankungen litten. Von 6.500 Probanden, die dieses Kriterium erfüllten, starben fast 1.000 im Laufe der folgenden vier Jahre.
Sei stark und gesund
Auch in dieser Untersuchung wurde zunächst einmal der BMI als Vergleichsmaßstab angelegt. Es zeigte sich, dass mit zunehmendem BMI das Mortalitätsrisiko sank, die Dicksten also die besten Überlebenschancen hatten. Nun ging man aber noch einen Schritt weiter und betrachtete die Körperzusammensetzung der Probanden. Es zeigte sich, dass eine schwach ausgeprägte Muskulatur zu einer zwei- bis dreimal höheren Sterblichkeitsrate führte. Die Probanden mit einem hohen Muskelanteil waren dabei zum größten Teil die mit einem erhöhten BMI.Äußerst interessant war darüber hinaus die Feststellung, dass bei einer stark ausgebildeten Muskulatur das Vorhandensein von Körperfett nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. Unabhängig vom Körperfettanteil waren die muskulösen Versuchsteilnehmer einer geringeren Sterbewahrscheinlichkeit ausgesetzt als solche mit einer schwach ausgeprägten Muskulatur.
Ursachen noch unklar
Die genauen Hintergründe dieser Beobachtung sind noch unklar. Es ist anzunehmen, dass die Auswirkungen der Muskulatur auf den Metabolismus eine entscheidende Rolle spielen, insbesondere bei der Vermeidung von Diabetes.Entscheidend ist jedoch, dass diese Untersuchungen das bestätigen, was der gesunde Menschenverstand schon lange wusste:
Übermäßig viel Körperfett ist nicht gesund, eine gut ausgeprägte Muskulatur hingegen schon.Nun sollten diese Ergebnisse nicht als Entschuldigung verstanden werden, sich in der Offseason komplett gehen zu lassen, weil die stark ausgeprägte Muskulatur das unnötige Körperfett ja egalisiere. Optimal ist sicherlich die Kombination aus viel Muskel- und wenig Fettmasse. Wie ihr das erreicht, erfahrt ihr in unserer großen Offseason-Aktion ► Big & Strong.