Dieser Artikel, welcher sich im Bereich Nahrungsergänzungen bewegt, soll dir einen Einblick in den Konsum und die rechtliche Lage in Deutschland geben. Er behandelt die Frage: Auf was sollte ich beim Kauf der Nahrungsergänzungsmittel grob achten und warum?!

Ambitionen des Artikels an seine Leser…

Durch das wenige Wissen über die rechtliche Lage und die mögliche Kontamination von Nahrungsergänzungen sollst du erkennen, dass in Deutschland auch vieles verkauft wird, was als Lebensmittel nicht dem Gesetz entspricht. Diese Aussage lässt sich natürlich auch neben der Aufführung auf Nahrungsergänzungen, auf jegliche Lebensmittel übertragen. Bei vielen Lebensmitteln werden die Grenzwerte für Pestizide und viele andere Stoffe überschritten, Nahrungsergänzungen machen da keine Ausnahme. Der Leser sollte versuchen einen Vergleich von Produkten durchzuführen und auch durch das Mehr an Konsumprodukten, welche wir täglich zu uns nehmen, nicht vergessen, dass Ergänzungen, ebenso wie normale Lebensmittel, verschiedenste Kontaminationen aufweisen können.

Der Konsum in Zahlen

Der Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln nimmt im heutigen Freizeitsport einen großen Stellenwert ein. Trotz des wenigen Wissens über die Konsumprodukte der Nahrungsergänzungsfirmen, sehen es viele Freizeitsportler als ein "Muss", Ergänzungen einzunehmen und viel Geld in diese zu investieren. Die Konsumzahlen bestätigen eine solche Aussage. Nahrungsergänzungsmittel haben in der heutigen Zeit sowohl im Freizeit- als auch im Leistungssport "berechtigt oder nicht" ihren festen Platz in der Sportlerernährung. Von Oktober 2005 bis September 2006 gaben die deutschen Verbraucher beispielsweise gut 1,4 Milliarden Euro für Nahrungsergänzungsmittel aus. [1]

Laut Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nehmen 27,6 % der Bevölkerung Nahrungsergänzungsmittel oder mit Nährstoff angereicherte Medikamente ein (Nationale Verzehrsstudie II 2008). [2] Zum Vergleich hat sich die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln in den USA kontinuierlich von weniger als 20% der Bevölkerung im Jahr 1970 auf ca. 50% zum Zeitpunkt der letzten Umfrage des National Institutes of Health (2003-2006) gesteigert. [3] preview

Nahrungsergänzungsmittelstudie
Quelle: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Die dargestellte Grafik aus der Nationalen Verzehrsstudie II aus dem Jahre 2008 soll verdeutlichen, dass ein Großteil der Bürger Nahrungsergänzungen zu sich nimmt. Dabei fällt deutlich eine Steigerung im Alter auf, wobei der Anteil der weiblichen Konsumenten insgesamt höher ist.

Wie du sehen kannst ist das Potenzial des Nahrungsergänzungsmittelmarktes gewaltig. Die deutschen Bürger konsumieren viele Nahrungsergänzungen und sie sind mit dem Anstieg der Konsumrate auch nicht die einzigen auf der Welt. Bisher ist der größte Marktanteil bei der Produktion von Vitaminpräparaten zu sehen, welche sich besonders an ältere Menschen gut absetzen lassen. Schaut man sich neben dem gesundheitlichen auch den sportlichen Aspekt genauer an, so sieht man jedoch einen klaren ansteigenden Konsumtrend der jüngeren Konsumenten.

Warum werden Nahrungsergänzungsmittel konsumiert?

Die Konsumenten erhoffen sich durch eine Einnahme "ein Mehr an Gesundheit". Diese Einnahme könnte abhängig von dem subjektiv empfundenen Gesundheitszustand sein. Dazu zeigt die Nationale Verzehrsstudie eine entsprechende Auswertung auf, welche den Gesundheitszustand in "sehr gut", "gut", "mittelmäßig", "schlecht" und "sehr schlecht" einstufte. In den Rubriken "sehr gut" bis "mittelmäßig" wurde ein vergleichbarer Anteil Supplemente zugeführt. Der Übergang zur Einordnung in die Rubrik Gesundheitszustand "schlecht" wird von einer deutlichen Zunahme der Supplementeinnahme begleitet. Hingegen nimmt diese bei "sehr schlecht" wieder ab. Der Gesundheitsaspekt steht hierbei im Vordergrund. [2]

Im Gegensatz zu dem Gesundheitsaspekt bei vielen Konsumenten steht das Streben im Sport meist anderen Ambitionen entgegen. Die Leistungssteigerung, Gewichtsreduktion und allgemeines Gewichtsmanagement steht im Vordergrund und wird durch die vielen verschiedenen Methoden und Einflussfaktoren zu einer umfangreichen Zielsetzung. [4] Eine bedarfsgerechte Lebensmittelauswahl sowie eine zielgerichtete Ernährungsstrategie kann durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht ersetzt werden. Sie kann dennoch unter gewissen Umständen einen Sinn haben, so zum Beispiel bei einer eingeschränkten Lebensmittelauswahl oder einer gegebenen restriktiven Energieaufnahme, zu finden beispielsweise bei Sportarten mit Gewichtsklassen. Es gibt viele Gründe, welche ein Nahrungsergänzungsmittel nützlich machen kann.

Rechtliche Lage der Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel werden laut dem 1994 von der Food and Drug Administration FDA erlassenen "Dietary Supplement Health and Education Act", kurz DSHEA, als eine spezielle Kategorie von Lebensmitteln geführt. Danach wird ein Nahrungsergänzungsmittel als Produkt definiert, was durch den Mund aufgenommen wird und eine diätetische Zutat zur Unterstützung der Diät enthält - als Diät wird dabei eine zielgerichtete Ernährung bezeichnet. Zu den diätetischen Zutaten zählen dabei Vitamine, Mineralstoffe, Kräuter, Aminosäuren sowie Substanzen wie zum Beispiel Enzyme oder Organgewebe. Weiterhin zählen dazu Extrakte oder Konzentrate von Pflanzen oder allgemeiner Nahrung. Sie werden meist in Tabletten-, Kapsel- oder Pulverform, als Gels, Flüssigkeiten oder Riegel verkauft. Diätetische Lebensmittel/ Nahrungsergänzungsmittel müssen klar gekennzeichnet werden und eine Verzehrempfehlung enthalten. Sie zählen jedoch laut DSHEA nicht zu den Arzneimitteln, sondern sind Lebensmittel. [2] Durch die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (seit 28.05.04 gültig) wird im Allgemeinen sichergestellt, dass der Verbraucher nicht getäuscht wird oder sich Verunreinigungen in Nahrungsergänzungsmitteln befinden. Auch verbotene Stoffe sind spezifisch aufgelistet und sollen den Verbraucher desgleichen schützen und informieren. Die Kennzeichnungspflicht unterstreicht diese Aussage. Werbung und Verpackungen fallen ebenfalls unter den Überpunkt Inverkehrbringung (siehe Absatz 3 § 4 Nahrungsergänzungsmittel), wie auch die Kennzeichnung. Der Schutz des Verbrauchers steht immer im Vordergrund.

Bei Untersuchungen des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln wiesen von 634 Nahrungsergänzungsmitteln 94 (14,8 %) positive Befunde für verbotene anabol-androgene Steroide (sogenannte Prohormone) auf, die nicht auf der Packung deklariert waren. Die positiven Nahrungsergänzungsmittel stammten von Firmen aus den USA, den Niederlanden, Großbritannien, Italien und Deutschland. Die Kölner Liste spricht davon, das Nahrungsergänzungsmittel und Ernährungsprodukte dopingrelevante Substanzen enthalten können und nimmt Bezug zur Studie. [5]

Leider sind in einer Studie des International Sport Nutrition and Exercise Metabolism aufgewiesen, dass nur 36% der jungen Leistungssportler über die Kontamination von Nahrungsergänzungen mit z.B. Stimulanzien oder Verunreinigungen wissen.

Auf was du achten solltest…

Achte auf die Reinheit und die Deklaration deines Produktes und konsumiere es mit selbigem Gewissen, mit welchem du deine Lebensmittel ansonsten auch einkaufst. Verunreinigungen können viele Ursachen haben. Es gibt neben anabolen Substanzen viele andere, wie z.B. Schwermetalle, Stimulanzien usw. Nebenwirkungen solcher Produkte sind sehr schwer einschätzbar und bei längerfristigem Konsum eine evtl. starke Belastung deines Organismus.

Denke immer daran, dass sich Gesetze in den verschiedenen Ländern stark voneinander unterscheiden können und somit eine Deklarationspflicht oder ein komplettes Komponentenverbot, welches in Deutschland gilt, in den USA noch lange nicht zählen muss. Der Hersteller sollte dich ebenfalls interessieren. Große deutsche Firmen oder zertifizierte Produkte müssen nicht unbedingt besser sein als ihre Konkurrenten. Ein weiterer typischer Qualitätspunkt im Bereich Lebensmittel ist das Herstellungsdatum und ebenso die Haltbarkeit des Produktes, welche bei den meisten Nahrungsergänzungen durch die Pulver und Pillenform recht lange seien sollte.

Die Frage, warum kaufe ich ein Produkt und was verspreche ich mir daraus, hängt ebenso mit einem Qualitätspunkt zusammen - den Inhaltsstoffen. Das Produkt sollte neben den Inhaltsstoffen, weshalb ich das Produkt kaufe, möglichst wenige Begleitstoffe enthalten. Ebenso ist ein Mehr an Zusatzstoffen immer natürlich auch ein Mehr an Risikofaktoren durch Verunreinigungen oder unerwünschten Effekten. Dies kann bei kombinierten Produkten auch ein gewolltes Ziel sein, jedoch solltest du dir überlegen, ob es auch deinem Ziel entspricht. Es gibt auf Produkten immer wieder "Claims", welche dir einen Muskelzuwachs von 5kg die Woche versprechen, dies sollte dich stutzig machen und dich dazu bewegen eine Recherche über das Produkt durchzuführen. Nebenbei ist das Deklarieren von Wirkungen eines Lebensmittels in Deutschland verboten. Diese Deklaration darf nur auf Arzneimitteln ausgeführt werden.

Eine kurze Checkliste für dein Nahrungsergänzungsmittel

  • Woher kommt das Produkt?
  • Welcher Hersteller?
  • Wann wurde es hergestellt?
  • Wie lange ist es haltbar?
  • Welche Inhaltsstoffe hat das Produkt?
  • Einblick in die Kölner Liste!
  • Evtl. eine anschließende Internetrecherche
  • Verspricht das Produkt unrealistische Ziele?
Auch nach dieser kurzen Prüfung kannst du dir natürlich nie sicher sein, ob das Produkt nicht doch kontaminiert ist. Jeder der Lebensmittel zu sich nimmt und sie nicht aus dem Eigenanbau bezieht wird immer mit einem höheren Risiko leben müssen. Die Minimierung sollte hierbei im Vordergrund stehen und dir etwas mehr Sicherheit geben. Diese Informationen dienen nicht der Abschreckung, du sollst dir nur klar werden, das Nahrungsergänzungen keinen Bezug zu Arzneimitteln haben und somit auch keiner strengeren Kontrolle unterworfen sind. Die Richtlinien und Normen unterscheiden sich auf Länderebenen ebenso und deshalb ist es wichtig nicht blind Produkte zu konsumieren. Bei einer möglichen Gefährdung durch ein Produkt durch deinen Check ist dies meist kein Problem einen Ersatz zu finden. Der Markt bietet viele Produkte an, welche oft eine sehr ähnliche Zusammenstellung haben. Auch aus diesem Grund solltest du deinem Körper nicht zu schade sein ein Produkt zu konsumieren, welches dein erhofftes Resultat erbringt und deinen Körper nicht auf Dauer negativ beeinflusst.

Zusammenfassung

Durch die hohen Konsumzahlen von Nahrungsergänzungen in Deutschland und die steigende Nachfrage, sollte eine Kontrolle deines Konsumproduktes eine Möglichkeit sein, dir als Verbraucher, einen Schutz zu bieten. Es gibt viele Möglichkeiten eine Kontrolle durchzuführen. Der Zusammenhang von Konsum und Zielsetzung sollte sich immer mit den Inhaltsstoffen, welche eine Person ergänzen möchte, übereinstimmen. Die Risikominimierung ist somit wesentlich effektiver. Die rechtlichen Grundlagen sind in Deutschland ein guter Schutz für den Verbraucher, welche man durch Auswahl geeigneter Produkte für sich selbst nutzen sollte. Eine eigene Recherche kann bei ausländischen Produkten oder unklaren Deklarationen, oft ohne großen Aufwand, eine gute Möglichkeit sein, um sich vor nicht gewollten Substanzen zu schützen.

Es gibt viele gesundheitlich unbedenkliche und "reine" Nahrungsergänzungen, welche deine Gesundheit im Alltag und auch die Leistungsfähigkeit im Sport, positiv beeinflussen können.

Mache dir diese Ergänzungen zu nutzen und lerne zu differenzieren!


Quellen:

  1. Maschkowski G (2007) Nahrungsergänzungsmittel und Co.: Trends 2007. Ernährung im Fokus 04/07:113–118
  2. Nationale Verzehrsstudie II 2008, Ergebnisteil 1 Seite 121/ Ergebnisteil 2 Seite 143, 171
  3. Bailey RL, Gahche JJ, Lentino CV, Dwyer JT, Engel JS, Thomas PR, Betz JM, Sempos CT, Picciano MFDietary supplement use in the United States, 2003-2006. J Nutr. 2011;141:261-266. Abstract
  4. Kreider RB, Wilborn CD, Taylor L, Campbell B, Almada AL, Collins R, Cooke M, Earnest CP, Greenwood M, Kalman DS, Kerksick CM, Kleiner SM, Frank E, Leutholtz B, Lopez H, Lowery LM, Mendel R, Smith A, Spano M, Wildman R, Willoughby DS, Ziegenfuss TN, Antonio J, Journal of the International Society of Sports Nutrition (ISSN), exercise & sport nutrition review: research & recommendations, 2010, S. 2, 8-9, 11-17, 22-23,27-28
  5. Prof. Dr. Wilhelm Schänzer : Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln Untersuchung von nicht-hormonellen Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) auf nicht-deklarierte anabol-androgene Steroide

Bildquellen:

  1. Abbildung 1: Nationale Verzehrsstudie II 2008, Ergebnisteil 2, Abbildung Seite 143