Charakterisierung von Nahrungsmittelallergenen
Die Charakterisierung der Verschiedenen Allergene und deren Bestandteile sind sehr weit fortgeschritten. Auch die heutigen Möglichkeiten der Diagnostik und die möglichen Hilfestellungen für Betroffene sind sehr weit ausgereift. Intensive Diskussionen hingegen gibt es in dem Bereich der allergischen Reaktionen auf genetisch veränderte Nahrungsmittel. Die Möglichkeit, Allergene von einem Nahrungsmittel in das andere zu befördern, ist denkbar und bei einer genetischen Veränderung auch realistisch. Erste Ergebnisse in diesen Bereichen zeigen, dass eine Sojabohne ein Hauptallergen der Paranuss enthielt. Jedoch keine Panik - denn die meisten manipulierten Nahrungsmittel weisen kein hohes Allergierisiko auf. Es gibt jedoch Ansätze, welche zeigen, dass es auch schnell in die andere Richtung gehen kann, deshalb sollte in diesem Bereich mit Vorsicht gearbeitet werden.Organbezogene Beschwerden und Symptome bei Nahrungsmittelallergien
Das Spektrum von klinischen Befunden und Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter ist sehr breit. Dabei kommt es gleichermaßen zu sofortigen Reaktionen, welche über Stunden auftreten, jedoch auch zu Reaktionen, welche sich über längere Zeit einschleichen. Hautreaktionen gehören zu den häufigsten klinischen Symptomen. Dabei kann es zu Ekzemen, Juckreiz und vielen anderen Reaktionen auf der Haut kommen. Jedoch kommt es bei einer Nahrungsmittelallergie sehr selten zu einer akuten oder chronischen Urtikaria (Nesselsucht) oder Ähnlichem. Sehr häufig hingegen ist im Jugend- und Erwachsenenalter das orale Allergiesyndrom (AOS) zu beobachten. Bei diesem Syndrom beschränkt sich die Reaktion auf die Mundhöhle. Durch direkten Kontakt mit dem Allergen an den Schleimhäuten, kann es zu Juckreiz und Schwellungen kommen. Neben dem AOS gibt es auch noch die Reaktionen der oberen und unteren Atemwege. Symptome in diesem Bereich sind eher seltener. Bei Unverträglichkeit kann es zu Asthma bronchiale und zu Rhinitis allergica kommen. [2] Bei dem Asthma handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung. Der Bezug zu den Nahrungsmittelallergien gilt bei dieser Krankheit als sicher, ebenso wie der Anstieg des Krankheitsbildes. [1]Jeder 5. Asthmatiker berichtet über nahrungsmittelassoziierte Symptome. Bei Kindern werden asthmatische Reaktion oft mit Eiern, Milch(-produkten) und weiteren Lebensmitteln in Zusammenhang gebracht. Auch häufig auftretend sind gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden). Meist handelt es sich hierbei um Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und Diarrhöen. Neben der Hautreaktion gehört die Magen-Darm-Reaktion zu einer der am häufigsten diagnostizierten Symptome in Kliniken. In diesem Bereich sind besonders Neugeborene sehr anfällig, da das Immunsystem im Darm noch nicht ausgereift ist. Aber auch im Erwachsenenalter sind Symptome im Magen-Darm-Bereich für Allergiker keine Seltenheit. In einer Großstudie wurden 20000 Briten mit einer Nahrungsmittelallergie befragt, welche Symptome bei ihnen auftreten würden. Es wurde ermittelt, dass 1/3 aller Patienten Symptome im Magen-Darm-Trakt aufwiesen. [3] Problem bei dieser Symptomatik ist, dass der Nachweis der Reaktion von einem Allergen oft nicht einfach ist. Die Reaktion muss nicht zeitnah sein und die verzehrten Lebensmittel sind bis zum Eintritt der Reaktion oft umfangreich. Als Maximalvariante einer Lebensmittelunverträglichkeit kann es zu einer Anaphylaxie (Überrektion des Immunsystems) kommen. Bei dieser Reaktion sind Todesfälle bekannt. Ein besonderes Risiko tragen in diesem Fall Personen mit einer Grunderkrankung an Asthma bronchiale. Die Liste der gefährlichsten Reaktionen führt die Erdnussallergie an, bei welcher bisher ebenfalls die meisten tödlichen Reaktionen aufgezeigt wurden.
Verzögerte Symptome
In diesem Bereich sind vor allem Verschlechterungen sehr schwer zu diagnostizieren. Wenn sich ein schlechtes Hautbild, ausgelöst von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, nochmals verschlechtert, ist eine Diagnose meist schwer und der evtl. schuldige Stoff oft nicht auffindbar. Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen ein breites Spektrum von Symptomen einer möglichen Nahrungsmittelallergie zuordnen, für die es jedoch keine belegten Hinweise gibt. [4]Diagnostik
Für das Vorgehen zur Aufklärung einer Nahrungsmittelallergie gibt es Positionspapiere verschiedener Institutionen und Akademien. Am Anfang einer Diagnose steht eine Anamnese in der geklärt wird, welche Nahrungsmittel für die Symptome in Frage kommen. Dabei ist besonders wichtig:- welche Menge aufgenommen wurde
- welches Intervall zwischen der Aufnahme und dem Symptom lag
- welche konkreten Symptome aufgetreten sind
- ob eine ähnliche Symptomatik bereits vorher auftrat
- ob mögliche Faktoren wie Anstrengung, Alkoholgenuss oder Medikamenteneinnahme zur Symptomatik beigetragen haben könnten
Ein großes Problem der Diagnostik ist, dass Hauttests oft mit klinischen Ergebnissen gleichgesetzt werden und die Allergie dementsprechend diagnostiziert wird. Verschiedene Untersuchungen haben jedoch in diesem Bereich gezeigt, dass gut 2/3 der Patienten mit einem positiven Hauttest, keine Reaktion auf eine orale Nahrungsaufnahme zeigten. Bei nicht eindeutiger klinischer Symptomatik sollten sogenannte Eliminierungsdiäten ausgeführt werden. Bei dieser werden mögliche Nahrungsmittel aus der Ernährung verbannt und die Symptomatik beobachtet, bis sich zum Beispiel das Hautbild bessert. Bei Besserung werden die möglichen Allergieauslöser nochmals oral konsumiert, um den Körper zu einer Reaktion zu provozieren. Die Methode ist weit verbreitet und hat eine relativ hohe Trefferquote. Die wohl beste Möglichkeit ist eine doppelblinde placebokontrollierte orale Provokation, wie sie leider meist nur an größeren Institutionen durchgeführt werden kann. Standardisierte Protokolle und Positionspapiere, um zum Beispiel eine Einsicht in verschiedene europäische Länder zu bekommen, erleichtern den Ärzten heute eine undurchsichtige Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Es gibt viele verschiedene Testverfahren und viele Labormethoden die in der Erprobungsphase sind, wie zum Beispiel der Lymphozytenstimulationstest oder der Histamin- oder Sulfidoleukotrienfreisetzungstest. Ebenso werden bekannte Tests natürlich immer weiterentwickelt.
Therapie
Die Therapie einer möglichen Nahrungsmittelallergie hört sich oft einfacher an, als dies der Fall ist. Der Patient sollte Nahrungsmittel, welche den allergieauslösenden Stoff enthalten nicht mehr verzehren. Insbesondere Personen mit Reaktionen auf Allergene und Personen mit sehr starken Symptomen sollten die "Therapie" ernst nehmen und sich von den spezifischen Nahrungsmitteln fern halten. Für Personen, welche allergische Reaktionen auf Stoffe haben, die alltäglich sind und in vielen Nahrungsmitteln enthalten sind, kann dies in der heutigen Zeit ein schwieriges Unterfangen sein. Allergien gegen alpha-Amylase, Fructose, Geschmacksverstärker oder verschiedene Salztypen usw. sind bei der heutigen Verarbeitungsmaschinerie nicht einfach zu therapieren. Ausnahme stellen hier hitzeempfindliche Allergene da, welche bei richtiger Zubereitung noch verzehrt werden können. Die Patienten sind je nach Allergieart und Schwere der Symptome immer individuell zu beraten. Auch Diätpläne und Meidungsstrategien gibt es, welche von Diätassistenten und Ökotrophologen verschiedener Institutionen entworfen wurden, um Ausweichmöglichkeiten und erste Ansätze zur Nahrungsumstellung aufzuzeigen. [5]Die obige genannte Schwierigkeit mit dem Umgang einer Nahrungsmittelallergie wird noch übertroffen indem der Betroffene auf kleinste Mengen reagiert und das noch hochsensibel. Lebensmittel, welche wir im Supermarkt kaufen können müssen Inhaltsstoffe in kleinsten Mengen nicht unbedingt angeben, dies ist nur notwendig wenn es sich um Allergene handelt (Pflichtangabe seit 2003). Deshalb ist eine Lebensmittelauswahl für den Betroffenen oft ein schwieriges Unterfangen. Die wichtigsten Stoffe zur symptomatischen Behandlung von Nahrungsmittelallergien sind die Stoffgruppen der Antihistaminika, Steroide und Chromoglycinsäure. Ebenfalls gibt es im Bereich Nahrungsmittelallergien auch Notfallmedikamente, welche eingenommen werden können.
Prävention
Generelle Empfehlungen sind in diesem Bereich meist schwierig zu treffen und sollten auch nicht getroffen werden. Vor allem im Jugend- und Erwachsenenalter ist eine individuelle Beratung von Nöten, um das Krankheitsbild einschätzen zu können. Prävention im Kindesalter sieht vor, dass das Neugeborene mindestens 4 Monate lange gestillt werden sollte. In der mütterlichen Diät können im Stillzeitraum auch spezifische Nahrungsmittel von der Mutter nicht konsumiert werden, wenn das Kind einen erhöhten Risikofaktor im jeweiligen Allergiebereich aufweist. Ein mögliches Risiko kann die frühzeitige Gabe von Beikost darstellen und so das Kind eventuell für Stoffe sensibilisieren.Warum gibt es immer mehr Nahrungsmittelallergien?
Erdnussallergien, Asthma und viele andere nahrungsmittelbezogene Unverträglichkeiten haben sich in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt, aber warum ist das so?Sicher können wir uns sein, dass diese Frage nicht einfach zu beantworten ist, denn es gibt viele Hypothesen und viele Überlegungen rund um das Thema. Drei oft genannte Thesen sind:
- Medikamenteneinfluss: Der Medikamenteneinfluss wird von vielen Seiten als möglicher Allergieförderer gesehen. Antazida binden die Magensäure und können so Allergene durch den Magen leiten. Die Behinderung einer Spaltung im Magenbereich zählt dabei nicht nur für Allergene, sondern auch für viele schädliche Stoffe, welche die Magenpassage eigentlich nicht nehmen sollten. Ein weiterer viel diskutierter Ansatz ist Antibiotika und Impfungen. Beide stehen schon länger im Verdacht Allergien zu fördern und dem Körper mit Ihrer eigentlichen Schutzwirkung zu belasten. Die nötigen wissenschaftlichen Beweise wurden jedoch noch nicht erbracht.
- Zigaretten-Rauch: Zigaretten dienen in medizinischen Kreisen immer wieder als Beispiel zur Zerstörung seines Körpers. Studien im Bereich Zigarettenrauch bzw. Tabakrauch beweisen eindeutig, dass dieser das Immunsystem anregt Allergien zu erzeugen und den Körper anfälliger für Krankheitsbilder macht.
- Hygiene: Das heutige Bewusstsein von "Sauberkeit" und Hygiene ist sehr stark ausgeprägt. Wohnräume werden immer steriler. Es wird versucht möglichst viele Bakterien und Keime zu zerstören. Dabei ist das vielleicht der falsche Weg. Das Immunsystem ist es nicht mehr gewohnt angegriffen zu werden und konzentriert sich auf Allergene. Familien, welche auf einem Bauernhof leben oder die ein Haustier besitzen haben meist weniger Allergien. Seltsam ist auch, dass Industrieländer mit hohem Gesundheitsbewusstsein meist mehr Allergiker aufweisen als es Entwicklungsländer tun.
…oder doch nur ein psychisches Phänomen?
Das Gesundheitsbewusstsein der Menschen wächst und wächst, aber auch die Angst vor Krankheiten und ähnlichen Erscheinungen. Viele Psychologen sehen in dem starken Wachstum von Allergien und Krankheitsfällen jedoch auch einen möglichen psychischen Aspekt. Wächst die Anzahl der Allergiker wirklich so stark oder sind es doch nur die Menschen, welche so stark an ihre Unverträglichkeit glauben. Viele Symptome von Allergikern könnten ebenso viele psychische Ursachen haben und somit ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Es wird von psychischem Stress gesprochen und Auswirkungen auf den Körper, denn schon lange ist bekannt, dass der heutige Lebensstil auch mentale Folgen mit sich ziehen kann.Schlusswort
Nahrungsmittelallergien sind anerkannte Krankheitsbilder, welche in vielen Fällen unangenehme Symptome mit sich bringen können, bis hin zur extremen Einschränkung von der Nahrungsaufnahme. Es gibt viele verschiedene Nahrungsmittelallergien, welche oft durch Kreuzreaktionen ausgelöst werden. Vor allem im Kindesalter sollten Nahrungsmittel bewusst eingesetzt werden und Neugeborene lange genug gestillt werden, um den Risikofaktor einer Sensibilisierung für Stoffklassen zu vermeiden. Die heutige Diagnostik ist weit fortgeschritten und kann Betroffenen durch gute Auswertungen behilflich sein, ihr Ernährungsverhalten anzupassen. Therapien sind meist sehr ähnlich angesetzt und verweisen meist auf eine Eliminierung des Allergens des Patienten. Die Anzahl der betroffenen Allergiker im Nahrungsmittelbereich wird immer weiter zunehmen, Gründe und Hypothesen gibt es sehr viele, ob jedoch ein einzelner Faktor den Ausschlag gibt, um das Wachstum der Allergiker zu verkleinern ist zu bezweifeln. Auch der psychische Faktor ist in der Medizin ein oft umstrittener Punkt, sollte bei diesem schwierigen Thema jedoch auf jeden Fall miteingebracht werden, denn durch den alltäglichen Stress und viele andere Umstände, sind körperliche Reaktionen immer wieder anzutreffen. Wirft man die ganzen Faktoren wie Einfluss der Psyche, Umwelt, Ernährung, medizinische Versorgung, Hygiene und der heutige Lebensstil zusammen, gibt es genügend Gründe, dass unser Körper krank wird und allergische Reaktionen aufweist.Quellen
- Vanitcha, R. und Metcalfe, D.: Asthma and Food Allergy. Nutrition reviews. Vol. 56. (II). 1998. S. 153-160.
- Jäger, L. und Wüthrich, B.: Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen , 2. Auflage. Urban und Fischer Verlag. München. 2002. g. W.
- Young, E. et al.: A Population Study of Food Intolerance. Lancet. 1994. 343: S. 1127-1130
- Ortolani, C. et al.: Controversial spects of adverse reactions to food. European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) Reactions to Food Subcommittee. Allergy 54. 1999. S. 27-54
- Werfel, T. et al.: Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter. In: Schulze-Werninghaus, G. et al.: Manuale Allergologicum. Dustri Verlag, Deisenhofen. 2004. G.W.