Nahrungsmittelallergien sind heute oft alltägliche Begleiter vieler Menschen. Leider ist die Anzahl der Betroffenen in den letzten Jahren stark angestiegen. Allergische Reaktionen sind im Lebensmittelbereich oft unangenehm und können auch für den Betroffenen lebensbestimmend sein oder werden. Spätestens, wenn Nahrungsaufnahme zur Kontrolle sämtlicher Inhaltsstoffe wird und allergische Reaktionen lebensgefährlich sind, ist es für den Betroffen nicht mehr bloß eine "Allergie".

Was versteht man unter einer Nahrungsmittelallergie?

Eine Nahrungsmittelallergie ist eine Unverträglichkeit von verschiedenen Bestandteilen unserer Nahrung. Bei der Nahrungsaufnahme von Stoffen, welche eine Unverträglichkeit aufweisen, kommt es zu einer allergischen Reaktion.

Häufigkeit von Nahrungsmittelallergien im Erwachsenalter

Allergien im Bereich Lebensmittel sind wie eh und je aktuell, denn Unverträglichkeiten werden nicht weniger und das Bewusstsein der Menschen im Bereich Ernährung und Medizin immer größer. Neben verschiedenen Zuckeraustauschstoffen und fleischlosen Gerichten, sind gluten- und laktosefreie Produkte in den Supermärkten immer gefragter. Die Industrie hat schnell erkannt, dass sich solche Produkte gut verkaufen, denn wer nicht genau weiß, ob er allergisch auf etwas reagiert, greift zum Austauschprodukt - ohne das mögliche Allergen. Schauen wir auf die Bevölkerungen der Welt, wird jedoch auch schnell klar, dass Überempfindlichkeiten im Ernährungsbereich schon lange weit verbreitet sind. In den Niederlanden wurde in einer Fragebogenaktion mit 1400 Probanden ausgewertet, dass 200 der Probanden eine Nahrungsmittelunverträglichkeit angaben. Eine Hochrechnung auf die Gesamtbevölkerung ergab eine Prävalenz von 2,4%. Dies würde bedeuten, dass bei einer Bevölkerungszahl von 16,7 Millionen Einwohnern immerhin 401.000 eine Unverträglichkeit aufweisen, was ein nicht zu verachtender Anteil darstellt. In einer ähnlichen Studie im englischen Raum wurde eine Prävalenz von 1,4-1,8% berechnet. [1]
Das Verhältnis von Frauen zu Männern lag bei 1,4:1 und 2:1. Die Häufigkeiten der verschiedenen Allergien gegenüber den Personen werden meist durch Essgewohnheiten in den verschiedenen Kulturkreisen beeinflusst. Schauen wir nach Italien, Spanien oder zu skandinavischen Ländern, so haben Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Bereich Fisch eine Spitzenstellung. In Nordamerika wird man einer solchen Allergie weniger begegnen, jedoch umso mehr der Erdnussallergie, da diese dort sehr viel konsumiert werden. In Mitteleuropa hingegen sind Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter meist pollenassoziierte Nahrungsmittel wie Obst, Nüsse oder Rohgemüse.

Nahrungsmittelallergien im Kindesalter

Eine Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmitteln kann schon sehr früh auftreten. Das Kind kann bereits im Mutterleib durch Allergene beeinflusst werden oder eine Reaktion auf verschiedene Stoffe aufweisen. In den ersten Lebenstagen können ebenfalls durch die Gabe einer Trinkflasche Reaktionen und Auffälligkeiten auftreten, sowie beim Stillen über die Muttermilch. Nach dieser Phase ist das Kind ebenso wie ein Erwachsener durch orale Einnahme von Nahrungsmitteln auf Stoffe allergisch oder nicht. Über die Prävalenz einer Nahrungsmittelallergie im Kindesalter gibt es leider sehr wenige Daten, welche aussagekräftig erscheinen. Gefährlich sind hierbei Allergien, welche sehr oft starke Reaktionen wie Erbrechen und Durchfall auslösen. Der Wasserverlust kann für ein Neugeborenes lebensgefährlich werden. Ebenfalls kann die Entwicklung des Kindes beeinträchtigt werden. Die typischsten Nahrungsmittel, welche im Kindesalter allergische Reaktionen aufweisen, sind Hühnereier, Soja, Nüsse, Fisch, Weizen und Kuhmilch. Abzugrenzen sind hier jedoch Reaktionen, welche durch kreuzreagierende pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien aufgerufen werden, zum Beispiel durch Baumpollen. Ebenfalls können allergische Reaktionen auf die Muttermilch auftreten, dies ist meist auf die Nahrungsaufnahme der Mutter zurück zu führen. Das Stillen mit der Muttermilch ist für das Neugeborene sehr wichtig, um dieses zu sensibilisieren. Nach dem 6ten Monat sollte jedoch mit der Zufütterung begonnen werden. Besonders für Säuglinge und Kleinkinder gibt es viele Spezialprodukte, um diese trotz allergischer Reaktionen mit zum Beispiel wichtigem Eiweiß zu versorgen. Kinder wachsen jedoch oft bis zum 6ten Lebensjahr aus Nahrungsmittelallergien wieder heraus, weshalb nicht übervorsichtig gehandelt werden sollte.

Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter

Prinzipiell kann jedes Nahrungsmittel ein Allergen sein und so eine allergische Reaktion auslösen. Meist handelt es sich um Proteine, die zu einer Sensibilisierung führen. 90% der allergischen Reaktionen sind auf wenige Nahrungsmittel zurück zu führen. [2;3]
Für erwachsene Personen sind meist Nüsse, Obst und Gemüsesorten, welche mit Pollen kreuzreagieren können, sowie Erdnuss, Fisch, Schalen- und Krustentiere die häufigsten Allergene. Es gibt außerdem Reaktionen auf niedermolekulare Stoffe, da dieser Anteil jedoch unter die 3%-Marke sinkt, möchte ich diesen Bereich nicht mit einbeziehen. Kreuzallergien sind ein sehr wichtiges Thema, in diesem Zusammenhang wurden verschiedene Syndrome etabliert:
  • Gräser-Tomaten-Syndrom: Ist im mitteleuropäischen Kreis eher weniger angesiedelt. 50% aller Gräßerpollenallergiker weisen im Mittelmeerraum dieses Syndrom auf.
    • Inhalationsallergien: Gräserpollen
    • Nahrungsmittelbeispiele: Tomate, Getreide, Erdnuss, Sojabohnen, Pfefferminze
  • Latex-Frucht-Syndrom: Latexproteine können Kreuzreaktionen zu einer Reihe von Früchten und zu Esskastanien zeigen.
    • Inhalationsallergien: Latexproteine
    • Nahrungsmittelbeispiele: Avocado, Bananen, Kiwi, Pfirsich, Melone, Haselnuss, Kartoffel …
  • Milben-Schalentier-Syndrom: Bei einer Hausstauballergie kann es zu einer Kreuzreaktion kommen, welche zur Unverträglichkeit von Meeresfrüchten führen können.
    • Inhalationsallergien: Hausstaubmilbenallergene
    • Nahrungsmittelbeispiele: Schalentiere, Schnecken
  • Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom: Dieses Syndrom beruht auf einer Beifußpollensensibilisierung mit entsprechenden Kreuzreaktionen zu Sellerie und anderen Gemüsesorten und Gewürzen.
    • Inhalationsallergien: Beifußpollen
    • Nahrungsmittelbeispiele: Sellerie, Karotte, Kürbis, Melone, Kräuter, Gewürze…
  • Vogel-Ei-Syndrom: Dieses Syndrom ist relativ selten anzutreffen. Es kommt zur Sensibilisierung gegen Vogel-Antigene wie Federn und Kot. Später kann es zur Kreuzreaktion auf Hühnerdotterprotein kommen.
    • Inhalationsallergien: Vogelproteine
    • Nahrungsmittelbeispiele: Hühnerei
  • Birkenpollen-Nuss-Obst-Syndrom: Eines der wohl am häufigsten auftretenden Syndrome ist das Birkenpollen-Nuss-Obst-Syndrom, welches auch in Deutschland immer wieder diagnostiziert wird. Die Kreuzreaktion mit verschiedenen Nuss- und Obstsorten kann dabei sehr unterschiedlich sein.
    • Inhalationsallergien: Birken-, Weißbuchen-, Hasel-. Erlen-, Kastanienpollen
    • Nahrungsmittelbeispiele: Kern- und Steinobst, Gemüse, exotische Früchte, Gewürze (sehr umfangreich)
Dies sind die meist auftretenden Syndrome. Für alle Syndrome zählt, dass das Auftreten der klinischen Symptomatik sehr individuell ist. Die potentiellen Kreuzreaktionen können sehr schwach oder sehr stark sein oder gar nicht auftreten. Es wäre demnach falsch, Birkenpollenallergikern die genannten Nahrungsmittel präventiv zu verbieten. Es kann auch zu einer beruflich bedingten Sensibilisierung kommen. Beispiele wären Bäcker, welche gegen Back- und Zusatzstoffe sensibilisiert werden können, wie zum Beispiel alpha-Amylase. Meist wird dies durch die dauerhafte Inhalation der Stoffe ausgelöst. Ein anderes Beispiel wäre ein Metzger, welcher eine Sensibilisierung gegen Fleisch hat, was jedoch an sich sehr selten vorkommt. In diesem Fall ist es meist eine Überreaktion gegen andere Stoffe wie Gewürze, Hühnerei oder Sellerie, aber auch Antibiotikarückständen.

Quellen

  1. Jansen, J. et al.: Prevalenz of Food Allergy and Intolerance in the Adult Dutch Population. J Allergy Clin Immunol. 1994. 93: S. 446-457
  2. Kleine-Tebbe, J. et al.: IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien. Zeitschr Hautr H + G. 1997. 72: S184-190
  3. Kleine-Tebbe, J. et al.: In vitro Diagnostik von Nahrungsmittelallergien. Positionspapier der DGAI.. Allergo J. 2001. 10: S. 333-339