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Oft genug liest man in Foren von Problemen beim Wachstum bestimmter Muskelgruppen. In vielen Fällen liegen technische Fehler, zu hohes Volumen, falsche Erwartungen vor, doch nicht selten dürfte das Problem ganz wo anders zu suchen sein: Die meisten Trainierenden fühlen eine Übung nicht, sie spüren nicht den arbeitenden Muskel, viel schlimmer, sie sind geistig eigentlich gar nicht bei der Sache.

Hört man auf die Größen unseres Sports, so ist oft von Visualisierung die Rede, von mentaler Vorbereitung, vom Hineinfühlen in die Muskeln. Man denke an Arnold und seine Bizepsberge, oder man denke an die Beinlegende Tom Platz, welcher in einem Interview mal angab, schon eine Woche vor der Beineinheit mit der mentalen Vorbereitung auf dieselbe begonnen zu haben. Betrachten wir die Bizeps von Arnold und die Beine von Tom, dann kann das nicht so falsch sein.

Szenenwechsel: Montagabend 20 Uhr in einem beliebigen Studio. Heerscharen von Trainierenden drängen sich zwischen Geräten und Freihanteln. Eine kleine Gruppe von jungen Männern belagern die Flachbank. Es wird gealbert, es wird gewitzelt, zwischenzeitlich ruft die Freundin an, man plant die weiteren Abendaktivitäten, erzählt vom Wochenende und flirtet zwischenzeitlich noch mit den süßen Mädels auf dem Crosswalker. Sobald einer seinen Satz beendet hat, wird das Gespräch kurz unterbrochen und man schwingt sich auf die Bank. Noch ein kurzer Scherz mit dem Kollegen, dann geht es los.

Der aufmerksame Leser hat den Fehler gefunden. Bei einem solchen Training ist es nahezu unmöglich die Zielmuskulatur, hier also die Brust, ausreichend zu stimulieren. Ich vermute, dass keinem hier daran gelegen ist, zwar 120kg auf der Bank zu drücken, aber mit einem Hühnerbrüstchen rumzulaufen. Was ist also zu tun?

Zunächst einmal bedarf es der Einsicht, dass das Training nicht erst dann beginnt, wenn man das erste Mal die Hantel in die Hand nimmt. Spätestens auf dem Weg ins Studio sollte man beginnen, sich mit der bevorstehenden Einheit auseinander zu setzen. Es kann durchaus hilfreich sein, das Training schon einmal im Kopf durchzugehen.

Nun ist der Alltag stressig und man hat nicht immer den Luxus, dass man dieses Ritual durchlaufen kann. An solchen Tagen geht es, im Studio angekommen, erst einmal aufs Fahrrad oder Laufband. 10 Minuten lang lockeres Cardio kann durchaus helfen, den Kopf frei zu bekommen. Seid Euch im Klaren darüber, dass Ihr nun im Studio seid. Jetzt könnt Ihr an all den alltäglichen Problemen nichts ändern, aber Ihr könnt die Zeit hier so gewinnbringend wie nur möglich nutzen.

Der Kopf ist frei, das Training kann beginnen. Zunächst ein paar Aufwärmsätze, welche nicht allein der körperlichen Vorbereitung auf die kommende Belastung dienen, sondern auch der mentalen. Es geht darum, sich in die Übung, in die Bewegung hereinzufühlen, zu spüren, wie die Zielmuskulatur arbeitet. Wenn das schon in den Aufwärmsätzen nicht funktioniert, kann man sich die Arbeitssätze eigentlich schenken.

Die Quizfrage ist nun natürlich: Wie fühle ich mich in eine Bewegung hinein?

Hier muss jeder seine eigene Herangehensweise finden; ich beschreibe im Folgenden beispielhaft mein Vorgehen: Schon auf dem Weg ins Studio wird der Trainingsmodus eingelegt. Das bedeutet nicht, dass man nicht freundlich grüßen kann, aber der Fokus liegt auf dem Training. Während dem Training werden (außer in extremen Ausnahmefällen) keine größeren Gespräche geführt, dafür ist nach dem Training Zeit. An der Übung angekommen, mache ich mir jedes Mal aufs Neue bewusst, wie ich die Übung ausführen werde, welche Muskeln ich trainiere, wie wichtig dieses Workout für ihr Wachstum ist. Von der ersten Wiederholung der Aufwärmsätze an geht es nun darum, die anvisierte Muskulatur zu spüren, zu fühlen wie die Muskelfasern kontrahieren und wieder entspannen. Ist die letzte Wiederholung des letzten Aufwärmsatzes absolviert, beginne ich damit, mich gedanklich völlig von der Außenwelt abzukapseln. Ich schließe meine Augen, vergesse alles um mich herum und gehe im Kopf jede einzelne Wiederholung des kommenden Satzes durch.

Ganz langsam, ich versuche die arbeitenden Muskeln zu spüren, den Schmerz, den sie verursachen werden. Diese Phase ist für mich von elementarer Bedeutung, ohne sie kann ich im folgenden Satz nicht meine volle Leistung bringen und schlimmer: die Zielmuskeln nicht spüren. Ohne Unterbrechung beginne ich nun meinen Satz und auch hier hat das Spüren der Arbeit der Zielmuskulatur absolute Priorität.

Jetzt mag manch einer sagen: Der spinnt doch, ich fang doch nicht an, im Studio rumzuträumen. Muss auch niemand. Jeder muss seine eigene Methode entwickeln, ich kann nur jedem anraten, es zu tun. Es wird sich auszahlen!

Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!