1. Einführung

Akne VulgarisJeder fortgeschrittene Konsument von anabolen Steroiden wird mal mehr oder weniger stark im Verlauf einer "Kur" damit konfrontiert werden, doch auch ein Erstkonsument ist vor dieser unangenehmen und unansehnlichen Nebenwirkung nicht gefeit. Wir sprechen von dem Schreckgespenst "Akne vulgaris" oder in einschlägigen Kreisen etwas salopp ausgedrückt der Roidakne!

Die sogenannte Roidakne ist wie so oft ein schleichender Prozess, es beginnt mit fettiger Haut und ein paar wenigen Hautunreinheiten. Im weiteren Verlauf der Kur kann sich das bei Nichtbehandlung zu einem Problem entwickeln; Gesicht und Rücken verwandeln sich in Kraterlandschaften, die der Oberfläche des Mondes Konkurrenz machen könnten.

Der psychische Druck der daraus resultieret, ist immens, und man kann im Kreise der Familie und beim Arbeitgeber recht schnell in Erklärungsnot kommen. Doch soweit muss es nicht kommen! Wir haben euch im nachfolgenden Artikel die gängigsten und erfolgsversprechendsten Therapien zusammengestellt und bewertet, damit euch ein böses Erwachen erspart bleibt!


2. Medizinische Grundlagen

Die Ursache der sogenannten Roidakne ist der überdurchschnittliche hohe Spiegel an Androgenen (männlichen Geschlechtshormonen) aufgrund des Missbrauchs von anabolen Steroiden. Dabei spielt vor allem der Metabolit Dihydrotestosteron - oder besser bekannt unter der Abkürzung "DHT" die Hauptrolle. Sein androgenes und damit akneförderndes Potential ist enorm hoch. Folgende Faktoren beim Steroidkonsum haben direkten Einfluss auf den Verlauf und die Ausprägung der Akne:
  • Dosierung
  • Höhe der androgenen Komponente des anabolen Steroids
  • Genetische Vorbelastung

Der eigentliche Schlüssel ist eine verstärkte Verhornung der oberen Hautschicht, was zur Folge hat, dass sich die Poren verschließen. Eine Überfunktion der Talgdrüsen erledigt dann den Rest - die Poren füllen sich mit Talg um sich anschließend zu verhärten und zu entzünden; das Ergebnis kennen wir alle! Um diese Ereigniskette zu durchbrechen oder zumindestens abzuschwächen, orientieren wir uns an den folgendenden Maßnahmen:
  • die Verhornung der obersten Hautschicht stoppen
  • die Entzündung eindämmen
  • die Normalisierung der hormonellen Regulationsmechanismen

Die Seelenfänger der Pharmaindustrie haben uns zu diesem Zweck ein Arsenal von zum Teil sehr hochwirksamen Präparaten zur Verfügung gestellt.


Inhalt:

2.1. Körperpflege
2.2. Zink
2.3. Benzolperoxid
2.4. Lokale Antibiotika
2.5. Orale Antibiotika
2.6. Isotretinoin
2.7. Hormone


2.1. Körperpflege

Der erste Schritt zur erfolgreichen Behandlung der "Roidakne" ist die stark fettende Haut in den Griff zu bekommen, schon beim Start der Kur!

Dies erreicht man, indem man die Haut mit stark entfettenden synthetischen Waschmitteln reinigt, den sogenannten Syndets. Darüber hinaus empfiehlt es sich Gesichts- und Ganzkörperpeelings anzuwenden um der Verhornung der Poren entgegenzuwirken, stark betroffene Areale sind dabei auszulassen.

Bei der Pflege gilt: nicht übertreiben!

Das Gesicht 2x täglich mit Waschsubstanzen zu reinigen und 1 - 2 Peelings die Woche sind absolut ausreichend. Wenn es beispielweise sehr heiß ist, lieber mit klarem Wasser spülen als sich mehrmals täglich das Gesicht mit Seife zu waschen. Die Akne bricht sonst erfahrungsgemäß erst richtig aus. Bei sehr stark fettender Haut ruhig mehrmals täglich die Haut mit einem Stück Küchentuch oder Toilettenpapier abtupfen um das überschüssige Fett zu entfernen.

Einen weiteren positiven Effekt auf die Haut haben regelmäßige Bäder in Meersalz. Sie wirken gleichermaßen entfettend und beruhigend auf die Haut. In Verbindung mit Benzolperoxid kann die Haut stark austrocknen, dem kann man mit ölfreien Cremes entgegenwirken, wie z.B. von Nivea Visage Young / Moist On!


2.2 Zink (oral/lokal)

Zink sollte während jeder Kur oral eingenommen werden. Zum einem hemmt Zink im geringen Umfang ein Enzym (5alpha Reduktase), das verantwortlich ist für die Konvertierung von Testosteron zu Dihydrotestosteron (auch bekannt als "DHT"). Zum anderen spielt Zink eine wichtige Rolle in der Immunabwehr und im Heilungsprozess der Haut, daher macht eine grundsätzliche Supplementierung von Zink Sinn.

Zink bekämpft die direkten Ursachen der Akne (Talgproduktion, Verhornung, Entzündung) nicht, sondern wirkt vielmehr unterstützend in Verbindung mit anderen Aknetherapien. Während der Verabreichung von Zink (oral/lokal) kann es dazu kommen, dass die Haut ein wenig austrocknet; dies ist durchaus eine gewünschte "Nebenwirkung"!

Eine tägliche Dosierung von 100mg (Tabletten/Kapseln) verteilt über den Tag ist absolut ausreichend. Eine Zinksalbe wie z.B. die "Pasta Zinci" (wird vom Aptotheker angerührt)oder die "dline ZincCream Prestige" kann man täglich auf die betroffenen Hautpartien auftragen.

Bewertung -> sinnvoll im Zusammenhang mit anderen Therapien


2.3. Benzolperoxid

Zu dieser Gruppe gehören u.a. folgende von Ökotest als gut eingestufte rezeptfrei Präparate:

Benzoyt 5%
Sanoxit Gel 5%
Akneroxid 5%,
Klinoxid Creme 5%
PanOxyl mild 5%
Cordes BPO 5%
Benzaknen mild 5%
Aknefug Oxid 5%

Weitere rezeptfreie Präparate:

Aknederm -oxid (von gepepharm)
Akneroxid (Hermal)
Benzoyt (Hexal)
Dercome CLEAR (Wolff)
Klinoxid (Lederle)
Marduk (S&K Pharma)
Scherogel (Asche)
Oxy (SmithKline Beecham)
Panoxyl (Stiefel)

Die Präparate gibt es in einer Konzentration von bis zu 10%, die man aber aufgrund des austrocknenden Effektes eher auf dem Rücken und den Extremitäten anwenden sollte. Benzolperoxid wirkt bleichend, also Vorsicht mit den Kleidungsstücken!

Benzolperoxid oder kurz Benzolperoxid greift die oberste Hautschicht an und schält die Haut regelrecht. Dadurch entfernt das Präparat die Verhornungen über den Poren und der Talg kann besser abfließen. Darüber hinaus wirkt es noch antibiotisch und bekämpft somit die Entzündungserscheinungen.

Am besten wendet man Benzolperoxid auf den betroffenen Hautpartien 2 - 3 mal wöchentlich an. Häufigere Anwendungen führen zu massiven Hautreizungen bis hin zu regelrecht zerstörter Gesichtshaut. Auch verschlechtert sich oft das Hautbild bei zu häufiger Anwendung. Der gesunde Mittelweg ist also ratsam. In Verbindung mit lokal angewandten Antibiotika, wie z.B. Erythromycin, verzeichnet man bei leichter bis mittelmäßiger Ausprägung der Roidakne gute Erfolge.

Bewertung -> sehr gut bei leichter Akne ->gut bei mittelmäßiger Akne


2.4. Antibiotika (lokal)

Die gängigsten Vertreter bei der Therapie mit lokal anzuwendenden Antibiotika sind:
  • Erythromycin
  • Tetracyclin
  • Clindamycin
  • Fusidinsäure

Ein weiterer Vertreter der lokal anwendbaren Antibiotika ist Chloramphenicol. Es wird zwar häufig von starken Nebenwirkungen berichtet, vor allem wenn systemisch eingenommen, doch treten diese Nebenwirkungen nicht bei lokaler und erst recht nicht bei einer Anwendung beispielweise nur im Gesichtsbereich auf. Eine Erhöhung der Leberwerte gar ein Schaden an der Leber sind somit auszuschließen - auch bei langzeitiger Anwendung von lokaler Chloramphenicol-Lösung.

Grundsätzlich wirken lokal anzuwendende Antibiotika nur auf die Besiedelung der Talgdrüsen mit P. Acnes, einem Bakterium, das für die Entzündung der Talgdrüsen verantwortlich ist. Die Verhornung der Poren bekämpft kein Antibiotikum, daher macht es Sinn die Anwendung mit Benzolperoxid zu kombinieren. Darüber hinaus soll Benzolperoxid die Resistenzbildung reduzieren; zumindest aber hinausschieben.

Eine Kombination aus den folgenden Wirkstoffen in den genannten Mengen hat eine durchschlagende Wirkung:
  • 0,5 g Prednisolon
  • 2 g Chloramphenicol
  • 1,5 g Erythromycin
  • 100 g/ml Solutio Cordes

Natürlich lässt sich noch etwas an der Prednisolondosis rumdrehen aber das ist meist nur bei sehr schweren Aknefällen nötig.


2.5. Antibiotika (oral)

Orale Antibiotika wie Minocyclin, Erythromycin oder Doxycyclin verfügen über antibakterielle Eigenschaften, die es ermöglichen die Entzündungen der Hautporen zu unterbinden. Prinzipiell wirken oral eingenommene Antibiotika deutlich besser als die Dermalform. Eine Verhornung der Oberhaut sowie Ansammlungen von Bakterien finden zwar immer noch statt, doch die bakteriostatische Wirkung auf die Haut ist meist so stark ausgeprägt, dass Akne kaum noch eine Chance hat.

Die vermehrungshemmende Wirkung durch orale Antibiotika ist wie üblich sehr hoch. Die Haut ist zwar immer noch sehr "überfettet", aber es machen sich in den meisten Fällen kaum noch Pickel oder gar keine Pickel mehr bemerkbar. Allerdings lassen sich solche Präparate nur periodisch einsetzen. Und die Rückfallquote liegt bei nahezu 100 % einige Wochen nach Absetzen des Präparats. Zudem ist noch anzumerken, dass langfristig Resistenzen/Kreuzresistenzen auftreten können und die oralen Präparate dann an Wirkung verlieren.

Auch Umstände der Einnahme sind nicht ganz einfach; 2 - 3 Stunden vor und nach der Einnahme sollte man auf stark Calcium-haltige Lebensmittel (Milchprodukte) verzichten. Die Calziumionen binden sich sonst an den Wirkstoff, und dieser wird dann rasch wieder ausgeschieden - ohne Wirkung versteht sich! Auch hohe Mengen an Magnesium und Eisen sind nicht empfehlenswert, da auch hier eine Bindung entstehen kann.

Die übliche Tagesdosis richtet sich nach der Stärke der aufgetretenen Akne. Bei leichten Formen langt es täglich 50 mg einzunehmen. Bei stärkerer Akne besser morgens sowie abends jeweils 50 mg. Es ist wichtig, dass man das orale Antibiotikum jeden Tag einnimmt. Falsch wäre z.B. es nur alle 2 Tage einzunehmen wenn es nur eine leichte Akne ist. Die Gefahr der Resistentenbildung ist sonst einfach zu hoch. Kombi-Möglichkeiten bieten z.B. lokale Lösungen mit Erythromycin, Prednisolon und ähnlichen Wirkstoffen. Auch lässt sich durch Kombination mit lokalen Lösungen die erforderliche orale Dosis vermindern. Das ist vor allem interessant für Anwender, die durch die oralen Präparate zu erhöhten Leberparametern neigen. Minocyclin ist für gewöhnlich auch etwas aggressiver zur Leber als es z.B. Doxycyclin ist.


2.6. Isotretinoin

Besser unter dem Präparatnamen Roaccutan von Hoffmann-LaRoche bekannt oder in einschlägigen Kreisen kurz "Roa" genannt. Roaccutan ist der brachiale Vorschlaghammer gegen Akne. Die Wirkung und somit auch der Erfolg sind durchschlagend, bedauerlicherweise auch die Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Isotretinoin wirkt so, dass allen oben genannten Maßnahmen Genüge getan wird:
  • es verhindert die Verhornung der obersten Hautschicht
  • es vermindert die Talgproduktion um bis zu 90%
  • es wirkt enzündungshemmend

Die Erfolgschancen bei der Behandlung mit "Roa" liegen selbst bei den am stärksten ausgeprägten Formen der Akne bei ca. 60 - 80 %. Bei der Roidakne liegt der kurzfristige Erfolg bei nahezu 100 %, allerdings muss man bei Konsumenten anaboler Steroide mit einer höheren Rückfallquote rechnen. Denn jede "Kur" war die letzte bis zur nächsten ...

Leider hat "Roa" teilweise massive Nebenwirkungen, wie:
  • Hautreizungen
  • Lippen und Schleimhäute trocknen massiv aus (wunde Lippen und tränénde Augen)
  • Leberwerte steigen an
  • usw.

Die Einnahme würden wir persönlich eher langfristig planen. Unseren Erfahrungen nach bringt Roaccutan am meisten bei Dosierungen von etwa 20 - 40 mg/Tag und einer Therapiedauer von mind. 6 Monaten. Darunter bleibt der wirkliche Erfolg meist aus und darüber werden die Nebenwirkungen zu deutlich. Man kann aber auch höher dosieren - bis 1 mg/kg Körpergewicht bei kürzerer Anwendung um die Erfolge zu maximieren. Dann allerdings vermehrt die Transaminasen der Leber kontrollieren lassen! Vor allem, wenn man Anwender von Steroiden ist, sollte man sich die zusätzliche Belastung der Leber klar vor Augen führen.

Während einer Therapie dürfen Frauen auf keinen Fall schwanger werden! Wird man während der Einnahme schwanger, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass das Kind mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen zur Welt kommt. Aus diesem Grund muss man unbedingt verhüten, und auch monatlich Schwangerschaftstests machen.

Ausserdem darf während der Therapie und bis zu 6 Monate danach kein Blut gespendet werden. Durch die erhöhte Hautreizung bei gleichzeitiger Applikation von Isotretinoin und Benzolperoxid kann es zu irreversiblen Schäden des Hautbildes kommen. Von einer arzneimittelmäßigen Ergänzung, und sei es auch nur in Form von einer Salbe (-> Benzolperoxid), ist somit dringend abzuraten. Gegebenefalls ist der Arzt bzw. Apotheker zu Rate zu ziehen, und man sollte ihn auf die Isotretinoin-Therapie hinzuweisen (auch wenn diese schon etwas zurückliegt).


2.7. Hormone

Wie bereits im Kapitel medizinische Grundlagen erwähnt, ist der erhöhte DHT Spiegel neben dem hohen Androgenspiegel verantwortlich für die Akne. DHT entsteht unter Beteiligung eines Enzyms mit dem Namen 5alpha-Reduktase(5aR), unser Ziel ist daher die Hemmung eben dieses Enzyms! Diese Aufgabe erfüllt nur der Reduktasehemmer Dutasterid. Es gibt noch einen anderen Reduktasehemmer namens Finasterid, doch der hemmt nicht den für die Haut ausschlaggebenden Subtyp dieses Enzyms. Wir sind der Auffassung, dass die Gabe des Medikaments nur sinnvoll ist bei gleichzeitig auftetendem Haarausfall (ebenfalls aufgrund des erhöhten DHT-Spiegels). Dies aus folgenden Gründen:
  • Dutasterid belastet nochmal zusätzlich die Gesundheit
  • es gibt andere, gezielter wirkende Therapien

Näheres zu Dutasterid erfahrt ihr unter dem folgenden Link:

/haarausfall-steroide.html


3. Zusammenfassung

Die sogenannte Roidakne kann sich definitiv zu einem ausgewachsenen Problem im Verlauf einer Kur entwickeln. In leichteren Fällen können Zink oder lokale Lösungen helfen. Kommt es schlimmer, dann bleiben nur Medikamente wie orale Antibiotika oder - in heftigen Fällen - der Kracher "Roa" (Isotretinoin). Zumindest Letzterer ist aber selbst nebenwirkungsbehaftet.