Für all die Crossfit-Gegner da draußen gibt es heute mal ein bisschen emotionale Entspannung, so wie ich auch meinem geschundenen, chronisch verkaterten Körper kürzlich eine kleine Auszeit gegönnt habe.

Wenn es eine Person auf dieser Welt gibt, für die ich alles stehen und liegen lassen würde, selbst die Crossfit-Gemeinschaft und all meine Skill-Ambitionen, dann ist es meine große Schwester! Wiedersehen am Time Square nach Monaten der Trennung und dann 10 Tage der absoluten Unzertrennbarkeit, ein wahres Rührstück meines Alltags!

Obgleich ich ja nun schon seit einigen Monate in der am meisten fotografierten Stadt der Welt zuhause bin, habe ich bislang noch erstaunlich wenig von diesen ganzen Touri-Must-See's hinter mich gebracht. Das bedeutete nun also ein strammes Programm, viele Eindrücke und lange Wege bei eisigen Temperaturen. Und das macht hungrig! Gott sei Dank gehört New York City zu jenen Orten auf der Welt, an denen man das nächste Magenknurren nur so herbei sehnt, um kulinarische Experimente oder auch totale Völlerei moralisch gerechtfertigt zelebrieren zu können.

Ich habe eine neue Vision von der Hölle entwickelt. In dieser spielen weder der Satan noch das Fegefeuer eine Rolle. Meine Hölle ist ein Leben im Großen Apfel – bei gleichzeitiger strikter Paleo-Diät! Manchmal bin ich doch froh über meinen mangelnden Mut, die wirklich großen Herausforderungen des Lebens überhaupt erst in Angriff zu nehmen.

So hangelten wir uns also von Sünde zu Sünde. Unser Trip begann standesgemäß bei Schnippers, einer Art Musterbeispiel amerikanischer Ess(un-)kultur. Der hier servierte Sloppy Joe stellt jeden Cholesterinspiegel auf eine harte Belastungsprobe. Was zunächst die optische Illusion eines Burgers erzeugt, fließt bei dem Versuch des Verzerr fetttriefend aus allen Ecken des fürchterlichen Weißbrotes. Apropos Paleo: Die am linken Bildrand zu sehenden Süßkartoffel-Pommes zaubern durchaus einen Hauch steinzeitmenschlicher Vernunft auf den Plastiktisch. Um diesen schnellstmöglich zu eliminieren, sei dazu der mittig platzierte, eiterfarbene Dip empfohlen, der im Wesentlichen aus Ahornsirup und geschmolzener Butter besteht.

Was könnte es besseres geben mit Jetlag und nach ausschließlichem Genuss der bekanntermaßen dürftigen Flugzeug-Verpflegung?

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Unser zweiter Ausflug führte uns in einen kambodschanischen Schnellimbiss. Dieser wurde uns von einem einheimischen Freund mit der Begründung "It’s a lot of fun!" ans Herz gelegt. Nun würde der Deutsche den Ausdruck "Spaß" nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit der Qualität von Speisen verwenden, da diese Phrase aber zu den zahlreichen recht flexibel verwendbaren des amerikanischen Englisch zählt, dachten wir uns nichts weiter dabei und stolperten kopfüber in unser Verderben.

Fleisch, Gemüse und Reisbeilagen wiesen jenen Grad der Schärfe auf, bei dem sämtliche Geschmackseindrücke der Betäubung jeder einzelnen Sinneszelle im Mund-Rachen-Raum zum Opfer fallen. Wie gut, dass amerikanische Gaststätten kostenlos eisgekühltes Leitungswasser in unbegrenzter Menge zur Verfügung stellen! Uns stand mehr Schweiß auf der Stirn als dem durchschnittlichen deutschen Fitnessstudio-Besucher. Wenn scharfes Essen tatsächlich die Fettverbrennung ankurbelt, dann findet das kambodschanische auf den Hüften praktisch gar nicht statt. Auch nicht schlecht! Leider haben wir vor lauter Entsetzen versäumt, eine fotografische Dokumentation vorzunehmen. Sehr wahrscheinlich wäre ohnehin die Kameralinse durch geschmort.

Chinatown mag nicht jedermanns Sache sein mit all seinen niemals lächelnden Menschen, der selbst für New Yorker Verhältnisse ungeheuren Hektik und den, ich muss es so drastisch formulieren, geschmacklich indiskutablen Souvenirläden. Wer allerdings einmal authentisches asiatisches Essen genießen will, das nichts zu tun hat mit diesen europäisierten 8€-All-you-can-Eat-Grausamkeiten, der ist hier genau richtig! Und muss sich finanziell noch nicht einmal wesentlich weiter aus dem Fenster lehnen.

Angesichts der bereits erwähnten sibirischen Witterungsverhältnissen entwickelte ich einen mir in 24 Jahren Leben bislang unbekannten Heißhunger auf vietnamesische Suppen. Lecker, reichhaltig und erschwinglich, idealerweise kombiniert mit den bezaubernden Dumplings, da kommt sogar Motivation auf, das Essen mit Stäbchen doch eines Tages zu erlernen (ich sehe die beneidenswerte Schlankheit asiatischer Menschen ohnehin nicht in genetischen Voraussetzungen begründet, sondern in jener Tatsache, dass sie aufgrund ihres eigenwilligen Bestecks zum gemächlichen Essen verdammt sind).

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Der Verdauungsspaziergang durch Chinatowns Marktgassen fasziniert und ist garantiert lehrreicher als jeder Tiefseetauchgang.

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Doch Obacht, diese Gegend ist nichts für Nachtschwärmer! Inmitten der Stadt die niemals schläft bildet Chinatown einen Gegenpol, in dem man auch zu noch gar nicht so später Stunde gern mal vor verschlossenen Türen steht.

Wer noch Platz im Magen hat, der sollte einen Abstecher in die berühmte Chinatown Icefactory wagen. Von Grüntee- über Bohnen- bis Sesamölgeschmack findet sich hier alles, was das Herz eigentlich nicht begehrt. Leider auch zu dann doch eher Manhatten-üblichen Preisen von 4$ pro Kugel.

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Dass New York je nach Neighborhood in mehr oder weniger extremen Ausmaßen hispanisch geprägt ist, stellt keine Neuigkeit dar. Gott sei es gedankt! Denn die mittel- und südamerikanische Küche hat sich hier als mein absoluter Favorit herauskristallisiert. Wen ebenso die Lust darauf packt, dem sei in jedem Fall von Chipotle abgeraten, eine, so viel hat die Stille Post bereits an mich herangetragen, zu McDonald’s gehörige Kette, die in ihrer Präsenz am Standort New York dem Starbucks-Konzern in nichts nachsteht. Die Glaubwürdigkeit der hier servierten lateinamerikanischen Küche befindet sich auf Augenhöhe mit dem Preis-Leistungsverhältnis von Starbucks-Kaffe.

Besser sind so und so immer diese kleinen, versteckten lokale Berühmtheiten. Café Habana beispielsweise, irgendwo im Nirgendwo von SoHo, aber mit Essen, das irgendwie sehr süchtig macht.

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Reis für den sauberen Aufbau, Korn-Tacos für den Cheat oder das Post-Workout-Meal, Chicken für den Proteinkick, Bohnen für den veganen Proteinkick – die ganze Bodybuilding-Welt auf einem Teller!

Dann gibt es auch noch so Adressen in New York, da muss man einfach hin, nicht wegen des Essens, sondern wegen diesen Häckchen auf der Löffel-Liste. Katz’s Delicatessen ist eine von ihnen. Ein jüdischer Sandwich-Laden, berühmt für seinen Deliveryservice "Send a Salami to your Boy in the Armee", der bis in die Einsatzgebiete amerikanischer Militäroperationen liefert (und wie wir im vergangenen Artikel gelernt haben, kommt in den USA keine erfolgreiche Werbeaktion an den Militärs und Veterans vorbei) und die zahlreichen Celebrities, die hier schon ein und aus gingen.

Wir kehrten an einem verregneten Nachmittag ein, ca. 15.30Uhr, nicht grade Stoßzeit für einen Sandwich-Store sollte man meinen. Dennoch: Schlange stehen, Nummer ziehen, halbstündige Wartezeit. Für den unten abgebildeten Aufschnitt zwischen zwei labbrigen Toastbrotscheiben werden dann 16$ fällig. Dafür haben wir das Ganze an einem Tisch genießen dürfen, an dem laut Beschilderung eine Szene aus "Harry und Sally" gedreht wurde. Und das ist es doch wirklich wert!

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Am 9. und damit vorletzten Tag packte meinen Besuch die Sehnsucht nach einem Hauch von zumindest historischer Heimatnähe. Als Töchter unverbesserlicher Ostalgiker verbanden wir einen Ausflug in das an sich fest in russischer Hand befindliche Coney Island (wo übrigens im 19. Jahrhundert der amerikanische Hotdog erfunden wurde) mit einer kulinarischen Vergnügungsreise in das Restaurant Back to USSR. Hier wurde ein Konzept aber wirklich mal durchgezogen! Von der überaus scheußlichen Tapete bis zum Vokuhila-Haarschnitt des Barkeepers. Als Gruß aus der Küche gab es natürlich einen Wodka für uns. Leider konnte auch ein guter russischer Verdauer nichts gegen diese rätselhaften Stampfkartoffeln unternehmen.

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Und wenn man mal nicht auswärts essen will?

Dann gibt es Seamless, würde der New Yorker jetzt antworten, eine Art Lieferheld für US-Amerikaner. Selber kochen ist hier etwa so populär wie der Mittagsschlaf oder klappbare Fenster. Dennoch: ab und zu geschehen doch einmal Dinge dieser Art.

Und hierbei werde ich oft gefragt, wo denn das Preisniveau der Dinge des alltäglichen (Sportler-)Bedarfs liegt. Was kostet zum Beispiel die Packung Magerquark? Nichts, kann ich euch sagen, denn es gibt keinen Quark in den USA. Nun gut, dass sich die Anzahl proteinfixierter Menschen auch in den USA zu sehr in Grenzen hält, als dass der Topfen es trotz seiner geschmacklichen Fragwürdigkeit zum Exportschlager gebracht hätte, kann ich durchaus nachvollziehen.

Alternativ kann aber jederzeit zu Cottage Cheese oder Griechischem Joghurt gegriffen werden (nur wer in einer asiatisch oder afroamerikanisch geprägten Gegend lebt, muss evolutionsbedingt bisweilen intensiver suchen). Als Eiweißquelle für Sparfüchse taugen diese allerdings nicht, der Kilopreis liegt bei ca. 6$. Auch sämtliche Käseprodukte, Milch und Eier (i.d.R. 3$ pro 12er-Packung) fordern dem deutschen Einwanderer zunächst eine preisliche Akklimatisierung ab.

Umso erstaunlicher ist, dass die Preise für Fleisch noch unter dem ja schon in Deutschland verwerflichen Level liegen. Kilopreise von 5$ und weniger für die Hähnchenbrust sind auch außerhalb von Sonderaktionen Normalität, Rindfleisch ist hier alles andere als eine Delikatesse. Dafür (auch wenn es mir selber immer wieder schwer fällt, dies zu glauben) hat es die amerikanische Agrarwirtschaft tatsächlich vollbracht, die Qualität gegenüber der unsrigen in noch tiefere Tiefen herabzusenken. Ich kann mich nicht daran erinnern, in Deutschland jemals nach dem Braten von Hackfleisch eine Pfanne voller Wasser vorgefunden zu haben.

Was ich an amerikanischen Supermärkten vermisse, sind all diese Pfennigartikel, die meinen Einkaufswagen daheim immer wieder so angenehm füllten. Haferflocken, die 500g-Packung für 29ct? Unter 1,50$ bewegt sich in New York nichts. TK-Rahmspinat für 40ct? Mit Glück für 1,30$ zu bekommen. Der Beutel Äpfel für 2€? "An Apel a Day" schlägt hier schnell mit 50$ und mehr im Monat zu Buche. Aber nun gut, irgendwie müssen ja die Betriebs- und Personalkosten eines 24/7-Betriebes finanziert werden. Und all diese Plastiktüten.

Apropos, bevor ich es vergesse: Solltest du jemals nach New York reisen, habe unbedingt immer den Satz "I don’t need a bag" parat! Ich spaße nicht, du hast sonst innerhalb weniger Stunden eine ungeheure Menge dieser lästigen Dinge zusammen gesammelt. Ich habe noch nicht einen Haushalt gesehen, in dem nicht aus irgendeinem versteckten Küchenfach die außer Kontrolle geratene Flut verschämt hervorgequollen wäre.

Weitere Überlebenstips: Sei nicht irritiert, wenn du an der Kasse auf einmal mehr zahlst als du eigentlich erwartet hattest. Die Mehrwertsteuer (die übrigens auf Bekleidung nicht erhoben wird, aber auf Lebensmittel – überaus sozial!) wird noch zusätzlich auf die ausgewiesenen Preise aufgeschlagen, aber manchmal auch nicht, und dann doch wieder, und hier ein Muster ausfindig zu machen, wird dir nicht gelingen.

Und alles muss man auch nicht mitnehmen.

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Die Non-Stop-Gänsehaut, die diese atemberaubende Stadt ihren Gästen bietet, hat also ihren Preis. Um eine halbwegs vernunftgeleitete Ernährung aufrecht zu erhalten muss ich mich finanziell schon mehr als verbiegen, aber ich beschwere mich ja gar nicht, wenn ich die Zigarettenschachtel meiner Mitbewohnerin auf dem WG-Küchentisch finde. 12$! Bemitleidenswert. In zweifacher Hinsicht.