Man stelle sich folgendes Szenario vor: Landesweites, von jung und alt geliebte und verehrte Superhelden, die Taten vollbringen, die dem normalen Menschen schier überirdisch erscheinen und einen Vorbildcharakter für viele Heranwachsende haben, geraten öffentlich ins Wanken. Die Vorzeigegestalten des Nationalstolzes haben mehr als ein wenig Staub auf der weißen Weste und entpuppen sich als üble Schurken und Halunken, die grundlegenden ethischen Vorstellungen zuwiderhandeln und dies noch heimtückisch vertuschen.


Comic-artige Dystopie? Wohl eher bittere Realität, die sich so 2007 in der drittgrößten Sportarten der Welt (gemessen an ihren ausführenden Spielern) zugetrug. Auf 409 Seite hielt der US-Senator George Mitchell in New York dem amerikanischen Volkssport Baseball einen bitteren Spiegel entgegen, der die wahre verzerrte Identität zeigte. In den zwei Jahrzehnten umgreifenden Bericht konnten jedem der 30 Vereine der MLB nachgewiesen werden, dass sie gedopte Spieler in ihrer Reihen hatten. Insgesamt wurden 85 Sportler namentlich genannt, davon sieben ehemalige MVPs. - Das dopende Sportler nicht zwangsläufige riesige Ansammlungen von Muskelprotein darstellen müssen, ist dem Leser spätestens seit der Tour de France bewusst. Und das die Wahrscheinlichkeit äußerst gering ist, so viele einmalig übermenschlich veranlagte Spieler in einer Liga eines Sportes zu versammeln, konnte sich jeder Zuschauer mit halbwegs Verstand selbst denken. Dennoch sorgte der Bericht für Aufregung und Aufmerksamkeit.
Inspiriert vom Doping-Skandal der MLB übertrug Aron Coleite genau diesen Gedanken auf die Ultimate X-Men Serie. In dieser 2001 als Reaktion auf die erfolgreichen Kinofilme neu geschaffenen Serie wurden die bisherigen X-Men Charaktere neu inspiriert und erleben auf das 21. Jahrhundert angepasste Plots. Im Handlungsstrang Absolute Power (2008) nutzten nun einige Mutanten Banshee - ein mutant growth hormon, kurz MGH - um ihre vorhandenen Mutantenfähigkeiten zu verstärken und so zu anderen, superstarken Mutanten aufzuschließen und im Kampf genauso beständig sein zu können.
Ein Einzelfall? - Nein!

Während Steroide heutzutage nicht nur eine immer größer werdende fragwürdige Verbreitung im Hobby-Bodybuildingbereich und Leistungssport erfahren, werden diese auch zunehmend kritisch in der breiten Öffentlichkeit, vor allem im Zusammenhang mit Doping, diskutiert. Dennoch sind die X-Men nicht die einzigen schwarzen Schafe ihrer Herde.

In Batman: Venom aus dem Jahr 1991 gerät Batman in eine tiefe Selbstzweifel, da er den Tod eines kleinen Mädchens aufgrund seiner beschränkten, menschlichen körperlichen Fähigkeiten nicht verhindern konnte. Eine experimentelle Pille namens Venom scheint nun die Lösung zu sein, indem diese seine menschlichen Fähigkeiten deutlich potenziert. Ein Superheld, der temporär auf Steroiden war mit Nebenerscheinungen wie Sucht und roid rage.

Doch während Batman wieder zum tugendhaften Superhelden und nicht zum Dauer-AAS-Nutzer wurde, würde es einen ganz anderen Superhelden ohne Steroide gar nicht geben. Steven Rogers, besser bekannt als Captain America, ist das Ergebnis eines Supersoldatenserums dank dem Menschen zu körperlichen Höchstleitungen befähigt wurden. Und da die Erforscher des Serums kurz nach der Injektion bei Steven getötet wurden und es kein weiteres Serum gab, wurde aus der gewünschten Superarmee lediglich eine einzelne Person, die heroisch gegen Nazis, Russen, und was sonst noch so im Zweiten Weltkrieg und dem darauf folgenden Kalten Krieg Amerika bedrohte, kämpfte.
Während in unserer Jugend also noch kleine Wesen den ganzen Tag über blau waren und wie im Wahn ums Feuer tanzten oder Katzen und Geister an Adipositas litten, sind die Helden von Heranwachsenen und durchaus auch dem ein oder anderen Erwachsenen von einem ganz anderen Kaliber. MGH, Banshee, Obelix sein Zaubertrank, Son-Goku seine Bohnen..
Superhelden haben also keineswegs immer eine reine Weste, wie sie diese haben sollten. Weder in der Realität, noch im Comic.

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Bild: Jlhopgood