Ein Artikel von Criticalbench.com
Von Will Brink

Dieser Artikel ist nichts für Menschen, die sich leicht angegriffen fühlen. Er ist stellt einen provokativen und hoffentlich auch humoristischen Blick auf das Thema Steroide und darauf, wie realitätsfremd die medizinische/wissenschaftliche Gemeinschaft und die allgemeine Öffentlichkeit im Bezug auf die Fakten bezüglich Steroiden sein können, dar. Ich selbst verwende keine Steroide (ich denke, dass mein Bild auf meiner Homepage dies beweist) und empfehle deren Verwendung auch für die meisten Menschen heute zutage nicht. Warum? Weil sie zu teuer, illegal und zu 90% gefälscht sind und es zu viele moralische und ethische Probleme gibt.

Wenn man einen Onkel hat, der einem Rezepte ausstellt und man Steroide verwenden möchte, dann ist das eine persönliche Entscheidung. Egal welchen Preis man für die Verwendung später zahlen muss, wird man es selbst und nur man selbst alleine sein, der diesen zahlen muss. Ich beschreibe sie so, wie ich sie sehe. Emotionen können niemals Fakten verändern, doch Fakten können Emotionen verändern. Man sollte niemals zulassen, dass die eigenen Emotionen den Blick auf die Fakten verändern. Dieser Artikel ist zu 80% humoristisch und zu 20% lehrreich, was das Thema Steroide anbetrifft. Wenn man keinen Sinn für Humor hat, dann sollte man diesen Artikel lieber nicht lesen.

Wir alle kennen den Ausspruch "das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis", da dieser auf viele Situationen zutrifft, bei denen es einen deutlichen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt. Es gibt viele Situationen, bei denen man eine Diskrepanz zwischen dem, was in der Theorie gelten sollte und dem, was man in der Praxis beobachtet, finden kann. Wenn man mich fragt, dann würde ich sagen, dass Bodybuilding der exemplarische Ort ist, an dem man dies beobachten kann. Dort streiten sich die Theoretiker ständig mit den Praktikern. Das Beste, auf das wir hoffen können, ist eine Person, die dazu in der Lage ist, sowohl Theorie als auch Praxis zu beurteilen! Dies ist eine Person, die über reichlich Erfahrung in der Praxis und über etwas Gehirn verfügt und darüber hinaus auch über einen brauchbaren Bildungsstand verfügt. Diese Leute sind jedoch selten, wie der Leser wissen wird.

Wenn ich jedoch die Wahl zwischen beidem hätte, dann wäre ich lieber ein Praktiker als ein Theoretiker. In diesem Artikel möchte ich einige Beispiele beschreiben, die zeigen, wie sich dieses Konzept im Bereich des Bodybuildings, der Wissenschaft, der Ernährung oder was auch immer man betrachtet, auswirkt, um die Idee zu vermitteln, dass es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt. Dieser Unterschied ist einer von mehreren Gründen dafür, dass es bezüglich allem, was mit Bodybuilding zu tun hat (z.B. Ernährung, Steroide, Training, usw.), so viel Verwirrung gibt. Dies ist mit Sicherheit nicht der einzige Grund, doch er trägt maßgeblich zu der Unzahl unterschiedlicher Meinungen bei, die wir in der Welt des Bodybuildings, der Sporternährung oder anderen Bereichen, die mit der Leistungsfähigkeit und der Gesundheit in Verbindung stehen, finden.

Bahnbrechende Steroid Studien…..nicht wirklich!

Was mich letztendlich neben der Tatsache, dass ich auf der falschen Seite des Bettes aufgewacht bin, dazu gebracht hat, diesen Artikel zu schreiben, war eine Studie, die vor kurzem im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde. Das NEJM wird al eines der renommiertesten medizinischen und wissenschaftlichen Journals der Welt angesehen. Menschen neigen dazu, dieses Journal als die heilige Schrift im Bereich der medizinischen Journals anzusehen. Die Studie trug den Titel "The Effects Of Supraphysiologic Doses Of Testosterone On Muscle Size And Strength In Normal Men (vol.336, July, 96).", was auf Deutsch übersetzt so viel wie "Die Auswirkungen supraphysiologischer Dosierungen von Testosteron auf Muskelgröße und Kraft bei normalen Männern." bedeutet.

Dies war eine recht gradlinige Studie, weshalb ich nicht groß in die Tiefe gehen und den Leser mit all den Details langweilen muss. Kurz zusammengefasst gab es bei dieser Studie vier Gruppen männlicher Probanden. Eine Gruppe erhielt 600 mg Testosteron Enantat und trainierte an drei Tagen pro Woche mit Gewichten. Die anderen Gruppen umfassten Kombinationen aus Training ohne Testosteron (Placebo), Testosteron ohne Training und kein Training ohne Testosteron (die Sesselfurzer des Tests). Was war an dieser Studie falsch und brachte mich dazu diesen Artikel zu schreiben? Nun, es war nicht so sehr das Ergebnis der Studie, auf das ich gleich eingehen werde, sondern einige der Aussagen innerhalb der Studie, die meine Aufmerksamkeit erregten. Die Wissenschaftler sagten z.B. folgendes:

"Sportler verwenden beim Versuch ihre Kraft zu steigern häufig anabole Steroide. Die Effizienz dieser Substanzen für diesen Anwendungsbereich ist jedoch nicht belegt." Nicht belegt? In welcher Welt leben die? Hier ist eine andere Aussage der Studie:

"...doch ob supraphysiologische Dosierungen von Testosteron oder andere anabole androgene Steroide die Muskelmasse und Kraft bei normalen Männern steigern, ist nicht bekannt.”

Nicht bekannt? Nicht bekannt? Wem nicht bekannt? Das nächste mal, wenn man bei einem Bodybuilding Wettkampf in der ersten Reihe sitzt oder einen 130 Kilo schweren Androgen Freak das Äquivalent eines Kleinwagens bei Kniebeugen bewegen sieht, sollte man sich frei fühlen zu sagen "Hey Jungs, wusstet ihr schon, dass all die Steroide, die ihr verwendet, nicht nachweislich Muskeln aufbauen?"

Verdammt, die vierzig Pfund, die klein Johnny innerhalb von 12 Wochen aufgebaut hat, um ins Football Team zu kommen waren nur ein Placebo Effekt der 5 Anadrol, die er pro Tag einnahm!

Was die Gruppe für die Verwendung des gesunden Menschenverstands im Bereich der Wissenschaft (GVGMBW) anbetrifft, sollte unabhängig von wissenschaftlichen Untersuchungen jeder Arzt auf der Welt, der immer noch bezweifelt, dass Steroide Auswirkungen auf die Muskelmasse besitzen, seine Lizenz verlieren und in einem öffentliche Forum verhöhnt werden! Ach ja, falls man sich wundert – ich bin der Präsident und das einzige Mitglied der GVGMBW. Sind diese Wissenschaftler jemals aus ihrem Labor herausgekommen, um zu sehen, was in der realen Welt vor sich geht? Es ist 1996 verdammt noch mal. Wie wäre es mit folgender Aussage der Studie?—preview --

"Wir wissen nicht, ob noch höhere Dosierungen von Testosteron oder die gleichzeitige Anwendung mehrere Steroide eine ausgeprägtere Wirkung besitzen würde."

Wir wissen es nicht? Wir wissen es verdammt gut! Hört der Leser dieses Geräusch? Das ist die Hand, die ich mir ungläubig gegen die Stirn schlage. Kann die wissenschaftliche Gesellschaft wirklich so ahnungslos sein, wenn es um Steroide geht? Man kann darauf wetten. Wo kann ich mich für die nächste Studie eintragen, die beweist, dass hohe Dosierungen von Steroiden mehr Muskeln aufbauen? Muss ich meine eigene Bratenspritze mitbringen, oder bekomme ich die zur Verfügung gestellt? Ist es ein Wunder, dass Bodybuilder nicht auf das hören, was Ärzte zu sagen haben?

Ich bin kein verdrossener Trainer/Bodybuilder, der mit der Wissenschaft und Wissenschaftlern nichts am Hut hat, da ihm die notwendige Bildung fehlt, um wissenschaftliches Material zu verstehen. Ich habe mehrere Jahre organischer Chemie und Biochemie, Molekularphysiologie, Biologie, Ernährungswissenschaften, usw. hinter mir und bin immer noch der Überzeugung, dass der durchschnittliche Bodybuilder mehr über Steroide als 99% der Wissenschaftler und Ärzte, mit denen ich spreche, weiß.

Dies ist ein trauriger Zustand, der dadurch korrigiert werden könnte, dass einige der Wissenschaftler und Ärzte ihr Labor einmal verlassen und ein paar Tage in einem durchschnittlichen Fitnessstudio herumhängen. Ich kann es schon vor meinen geistigen Augen sehen: "Hier Doc, schluck eine dieser kleinen rosa Dinger und Du wirst Kniebeugen ausführen können, bis Du Dich übergibst!" Nun, ich liebe die Wissenschaft und viele meiner Freunde sind Wissenschaftler, doch diese Art von Studien bringt mein Blut zum Kochen... was man in diesem Artikel deutlich sieht.

Auf der anderen Seite kam die Studie zu einigen besonders interessanten Resultaten, die ein Loch in die "Steroide werden Dich umbringen" und "alles, was man braucht, um wie ein Profibodybuilder auszusehen, ist harte Arbeit" Brigade sprengen werden. Die Studie fand heraus, dass Männer, die Testosteron bekamen, aber nicht trainierten, mehr Muskeln als diejenigen aufbauten, die mit Gewichten trainierten, aber kein Testosteron bekamen! Das ist richtig, die Couch Typen auf Steroiden bauten mehr Muskeln auf, als steroidfrei Trainierende (arme Bastarde!). Außerdem wiesen die Jungs, die mit Gewichten trainierten, aber kein Testosteron bekamen, einen starken Abfall des HDL Cholesterins (das gute Cholesterin) auf, während es bei den Jungs auf Steroiden nicht zu einem Abfall des HDL Wertes kam.

Die Studie kam zu der Schlussfolgerung, dass 600 mg Testosteron die Blutfettwerte nicht veränderten, die Spiegel der Prostata spezifischen Antigene nicht erhöhten und auch nicht zu einer Steigerung der Aggression führten. Was sagt uns diese Studie also? Sie sagt uns das, was selbst der dümmste Bodybuilder bereits seit Jahren weiß – dass moderate Dosierungen von Steroiden Muskeln aufbauen und nur geringe Auswirkungen auf die Gesundheit besitzen – wenn überhaupt. Bevor die Leute da draußen, die Steroide verwenden, jetzt damit beginnen auf der Straße zu tanzen und "wir haben es ja gesagt, wir haben es ja gesagt" zu singen, sollte man nicht vergessen, dass Steroide potentielle Nebenwirkungen besitzen und ihr Missbrauch Risiken birgt – man sollte also etwas gesunden Menschenverstand verwenden. Wenn man ins Gefängnis geworfen wird, dann sollte man nicht jammernd zu mir kommen, wenn der Zellengenosse sagt "Hey Bob, Du siehst verdammt gut in den Jeans aus." Ach Du Schande!

Warum taucht diese neue Studie nach all den Jahren voreingenommener, schlecht ausgeführter, alberner Steroiduntersuchungen im NEJM auf und zeigt die Realität einer moderaten Steroidverwendung ohne all die Abschreckungstaktik? Die Antwort findet sich im letzten Absatz der Studie, welcher folgendes besagt:

"Unsere Ergebnisse zeigen jedoch die Möglichkeit, dass eine kurzfristige Verabreichung von Androgenen positive Auswirkungen auf bewegungsunfähige Patienten, während Reisen im Weltraum, bei Patienten mit einer krebsbedingten Kachexie, Krankheiten, die durch Immunschwächeviren (HIV) verursacht werden, oder anderen chronischen Verfallserscheinungen, besitzen könnten."

Reisen im Weltall? "Space Shuttle an Mission Control, ich passe nicht mehr in meinen Raumanzug, könnt ihr mir einen in Größe XL schicken?" Der Leser wird sich vielleicht fragen, was die geheime Botschaft ist. Die pharmazeutische Industrie und der politische/medizinische Komplex haben letztendlich erkannt, dass die Verwendung anaboler Steroide bei Krankheiten wie AIDS, Krebs und anderen ein großer unerschlossener Markt für sie ist. Jetzt, wo wir eine Population haben, die älter wird, gibt es einen Berg von Geld, den man mit Testosteron Ersatztherapien machen kann und Steroide können viele der Gebrechen wie einen Muskelverlust, einen Verlust an Ausdauer und einen nachlassenden Sexualtrieb, die wir mit dem Altern in Verbindung bringen, umkehren. Was? Großväter kriegen keinen mehr hoch?

Gebt ihnen einen Schuss Cypionat einmal pro Monat! "Hier Paps, geh und rasier Deine Nüsse und klebe diese Pflaster drauf." Wenn dieser Artikel erscheint, wird die oben zitierte Studie bereits überall in den Nachrichten und Zeitungen erschienen sein. Im Lauf des nächsten Jahres oder der nächsten zwei wird man weiterführende Untersuchungen (finanziert von den großen Pharmafirmen) sehen, die zeigen, dass es für Steroide alle möglichen medizinischen Anwendungsbereiche gibt (was tatsächlich der Fall ist) und dass Steroide nicht die bösen Leber zerstörenden, Axtmörder produzierenden, Geißeln der Menschheit sind, zu denen sie in der Vergangenheit hochstilisiert wurden. Wird sich der rechtliche Status verändern?

Das hängt ganz davon ab, wie viel Geld man mit Steroiden verdienen kann und wie viel Druck die Pharmafirmen auf die Gesetzgeber ausüben können, da sie funkelnde neue Studien haben, die zeigen, dass Steroide doch nicht so schlecht sind. Wie gewöhnlich werden Bodybuilder und andere Sportler weiter die Praktiker bleiben, während die Gesellschaft, Politiker und Wissenschaftler Theoretiker bleiben, da sich beide Seiten immer noch nicht auf Augenhöhe befinden. Ja, die Dinge verbessern sich in diesem Bereich, doch es wird noch eine ganze Zeit dauern, bevor sich die Erfahrungen von Sportlern, Trainern und nervigen Klugscheißern wie mir und die konservativen medizinischen und wissenschaftlichen Gemeinschaften näher kommen.

Mehr Worte der Weisheit….oder auch nicht!

"Sportler benötigen nicht mehr Protein als körperlich untätige Menschen", "Wir bekommen alle Vitamine, die wir brauchen, durch unsere Nahrung", "Iss einfach mehr Kohlenhydrate und meide alles Fett in der Ernährung, wenn Du Gewicht verlieren möchtest", "Alle Steroide in jeder Dosierung werden die Leber herausfallen lassen und einen in einen hypogonadalen Axtmörder verwandeln" und zu guter Letzt "wenn man bei Kniebeugen die Knie um mehr als 90 Grad beugt, dann wird man seine Knie ruinieren" – all dies sind typische Aussagen, die von Wissenschaftlern und Ärzten getroffen werden, die Untersuchungen, die etwas anderes zeigen, ignorieren und ganz klar keine praktische Erfahrung mit der Arbeit mit Sportlern haben.

Ich bin mir sicher, dass der Leser noch einige weitere dieser dümmlichen Aussagen kennt, die uns alle den Mund zum Schäumen bringen lassen. Auch wenn sich dies langsam aber sicher ändert, ist es ein unglücklicher Sachverhalt, dass die Mehrzahl der Ärzte, Wissenschaftler und Ernährungsexperten immer noch an die obigen Aussagen glaubt. Auch wenn es innovative Wissenschaftler und andere in diesem Bereich gibt, die mit den obigen Aussagen ganz du gar nicht übereinstimmen, befinden sich diese unglücklicherweise in der Minderheit.

Dr. Lemon, ein führender Wissenschaftler im Bereich des Proteinbedarfs für Sportler, widerspricht z.B. der Idee, dass Ausdauer- und Kraftsportler nicht mehr Protein als Mister Kartoffelkopf, äh... Mr. Couch Potato benötigen. Linus Pauling, der als einer der besten wissenschaftlichen Köpfe angesehen wird, der jemals lebte, verbrachte den größten Teil seiner Karriere damit zu versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass man von einer weitaus höheren Vitaminzufuhr (insbesondere Vitamin C) profitieren kann, als sie über die Nahrung möglich ist. Dr. Udo Erasmus, ein Experte im Bereich der Nahrungsfette, würde mit ziemlicher Sicherheit dem Konzept, dass man Fette meiden sollte, wenn man Gewicht verlieren und seine Gesundheit verbessern möchte, widersprechen. Wir alle kennen Dr. Mauro DiPasquale, einen der Ärzte mit Wissen aus der realen Welt bezüglich Steroiden, der über den weit verbreiteten Glauben, dass alle Steroide zu Gesundheitsproblemen führen, lachen würde.

Zu guter Letzt hat der kanadische Olympiatrainer Charles Poliquin mehrfach geschrieben, dass tiefe Kniebeugen keine verheerenden Auswirkungen auf die Knie besitzen, so lange die Form der Ausführung gut ist und man sich ausreichend aufgewärmt hat. Diese Leute kämpfen jedoch immer noch einen nahezu aussichtslosen Kampf und befinden sich in der Minderheit. Die Wahrheit kann nie unterdrückt werden, sie kann nur verzögert werden.

Man sollte die Wissenschaft nicht ablehnen, nur weil ich schlechte Laune habe!

Natürlich sollte sich der Leser dieses gemeinen, sarkastischen Artikels nicht dazu verleiten lassen, der Wissenschaft und wissenschaftlichen Untersuchungen negativ gegenüber zu stehen. Gute Untersuchungen, die von kompetenten Wissenschaftlern durchgeführt werden, sind für ein besseres Verständnis der menschlichen Physiologie, Biochemie, Ernährung oder allem anderen, das für das Bodybuilding, die Gesundheit oder das Leben selbst relevant ist, essentiell. Man muss jedoch die richtigen Fragen stellen, um die richtigen Antworten zu bekommen. Im Jahr 1996 die Frage zu stellen, ob anabole Steroide die Muskelmasse bei Menschen erhöhen, ist ein guter Beweis dafür, dass die Lücke zwischen den Theoretikern und den Praktikern immer noch breiter als der durchschnittliche amerikanische Hintern ist.