In den USA haben zwischen 1977 und 1996 alle Portionsgrößen in Restaurants mit der seltsamen Ausnahme von Pizza zugenommen (1).
Die Erfrischungsgetränke wuchsen z.B. von 387 ml auf 588 ml an. Das sind 49 Kalorien mehr pro Portion. Auf den ersten Blick scheint das keine große Sache zu sein, doch das ist nur eine Veränderung bei einem Nahrungsmittel (oder sollte ich "Nahrungsmittel" sagen?) Wenn man diese größere Portion jeden Tag zusammen mit anderen größeren Portionen zu sich nimmt, dann kann sich das zu einer deutlichen Menge aufsummieren.
Nebenbei bemerkt hat das Übergewicht in den USA von 14,5% im Jahr 1971 auf 30,9% im Jahr 1999 zugenommen (2). Hmm... Könnte es sein, dass die Portionsgröße ein Teil des Problems ist?
Supersizing
Im Jahr 2004 kam eine Dokumentation mit dem Titel SuperSize Me in die Kinos. Ich bin mir sicher, dass die meisten Leser diesen Film gesehen haben und wenn nicht, dann sollte man sich diesen Film ansehen - sowohl zum Zweck der Unterhaltung als auch aufgrund seines bildenden Charakters.Der Film begleitet Morgan Spurlock (der Autor, der Produzent und das Versuchskaninchen dieses Films) für einen Monat. Spurlock erlegte sich selbst zwei Regeln für diesen Monat auf:
- Er musste jede Mahlzeit (3 Mahlzeiten pro Tag) bei McDonalds essen.
- Wenn er gefragt wurde, ob er die Supersize Variante seiner Mahlzeit haben wollte, musste er mit "Ja" antworten.
Was ist Supersize eigentlich?
Viele nordamerikanische Fast Food Restaurants bieten als "Supersize" eine größere Portion für einen gewissen Aufpreis an. Es ist ein Weg, die Ausgaben des Kunden zu erhöhen, indem der Eindruck eines besseren Preis-Leistungsverhältnisses erweckt wird. Schließlich mögen wir doch alle das Gefühl mehr für unser Geld zu bekommen, richtig?Für sehr wenig Geld (weniger als 50 Cent) kann man bei den meisten McDonalds Filialen einen sehr viel größeren Softdrink und eine größere Portion Pommes Frites bekommen. Der sehr viel größere Softdrink ist 1,24 Liter groß und die Portion Pommes Frites ist fast 200 Gramm groß. Ein toller Deal!
Das Problem ist natürlich, dass mehr Nahrung auch mehr Kalorien bedeutet - insgesamt 410 Kalorien für das Getränk und 610 Kalorien für die Pommes. Das sind über 1000 Kalorien auf einmal... Und das, bevor man überhaut mit dem Burger beginnt!
Über 1000 Kalorien mit praktisch null Nährwert... Abgesehen von den Kalorien.
Ist irgendjemand überrascht, dass diese Praxis der Vergrößerung der Portionen zu einem erhöhten Level von Übergewicht geführt hat? Mehr Nahrung, mehr Kalorien und weniger Bewegung bedeuten mehr Gewichtszunahme.
Doch man kann hiergegen etwas tun. Wenn man mehr Nahrung bekommt, muss man ja nicht alles essen. Jetzt ist man erwachsen und die Eltern passen hoffentlich nicht mehr darauf auf, dass man alles isst, was man auf dem Teller hat. preview
Man muss wissen, wann man satt ist
Doch was wäre, wenn ich dem Leser sagen würde, dass er vielleicht gar nicht merkt, wann er satt ist? Würde man mir glauben?Es ist ein ziemlich grundlegendes Konzept, etwas, dass man herausgefunden hat, als man noch ein Baby war. Damals wusste man, wann man satt war und wann es an der Zeit war, den letzten Löffel pürierte Erbsen auszuspucken oder mit der Müslischale Frisbee zu spielen. Als man jünger als zwei Jahre alt war, wusste man, wann man satt war.
Doch wie sieht es jetzt damit aus?
Wenn ich dem Leser mehr Nahrung geben würde, wurde er:
a) es bemerken und/oder
b) dieselbe Menge wie gewöhnlich essen... Oder würde man mehr essen?
In der diese Woche vorgestellten Studie wollten die Autoren zwei Fragen beantworten:
- Wie viele Kalorien werden Menschen mehr essen, wenn man die Portionsgröße vergrößert?
- Werden die Probanden bemerken, dass die Portionen größer geworden sind und wissen sie, wie viel sie gegessen haben?
Diliberti N, Bordi PL, Conklin MT, Roe LS, Rolls BJ. Increased portion size leads to increased energy intake in a restaurant meal (Gesteigerte Portionsgröße führt zu einer höheren Energieaufnahme bei einer Restaurantmahlzeit). Obes Res. 2004 Mar;12(3):562-8.
Methoden
Eine öffentliche Universitätscafeteria servierte unterschiedliche Portionsgrößen gebackener Pasta (ich vermute Lasagne), welche Teil der regelmäßigen Menürotation war.Über 5 Monate dokumentierten die Autoren der Studie an 10 unterschiedlichen Tagen, wer gebackene Paste als Mittagessen bestellte und wie viel diese Personen aßen. Während der Hälfte der Tage (5 von 10 Tagen), handelte es sich um die Standardportionsgröße. An den anderen 5 Tagen hatte die Pasta 150% der Standardportionsgröße.
Wenn man ein regelmäßiger Pastaesser in der Cafeteria war, dann hatte man während dieser 5 Monate mindestens einmal eine normale Portion Paste und mindestens einmal eine "Supersize" Portion Pasta gegessen. Nach jeder Pasta Mahlzeit füllte man einen Fragebogen aus, in dem man angab, wer man war (Mann oder Frau, Alter, Position an der Universität) und vier Fragen über die Mahlzeit, die man gerade gegessen hatte, beantwortete. In der Zwischenzeit schätzen die Wissenschaftler das Gewicht der Person und wogen den Rest der Mahlzeit, den man nicht gegessen hatte, ab.
Hmm, klingt etwas gruselig, doch da die Leute regelmäßig dort aßen, konnten die Wissenschaftler nicht einfach sagen, was sie taten - ansonsten hätte es passieren können, dass die Kunden der Cafeteria, wenn sie gewusst hätten, dass eine Studie ausgeführt wurde, ihre Essgewohnheiten geändert hätten.
Die Größe und Kalorien der Standard und der "Supersize" Pasta Portion waren folgende:

Zu jeder Portion gab es Tomaten, Butter und ein Brötchen - diese waren bei allen Portionen gleich. Die Pasta Portion veränderte sich, doch die Beilagen blieben dieselben.
Ergebnisse
Bekomme mehr, iss mehr
Wenn sie 50% mehr Pasta bei der Supersize Portion bekamen, aßen die Probanden 43% mehr Pasta (172 Kalorien) als Probanden, die eine reguläre Pasta Portion bekamen.Noch interessanter war die Beobachtung, dass die Probanden, wenn sie mehr Pasta bekamen, sogar noch mehr von ihrer Tomate, dem Brötchen und der Butter aßen! Anstatt sich an der Pasta satt zu essen und weniger Beilagen zu verzehren, aßen die Probanden auch mehr von den Beilagen - 105 Kalorien mehr.
Mehr essen, ohne es zu wissen
Probanden mit mehr Pasta aßen von allem mehr: Pasta, Tomate, Brot und Butter. Doch sie müssen dies bemerkt haben, richtig? Sie müssen gefühlt haben, das sie mehr gegessen hatten, richtig? Nein!Die Wissenschaftler stellten folgende Fragen:
Wie würden Sie das, was Sie gerade gegessen haben, mit der Menge vergleichen, die Sie normalerweise zum Mittagessen zu sich nehmen? (1 = "weniger als normalerweise; 7 = mehr als normalerweise")
Die Antworten wahren dieselben (der Durchschnittswert lag bei der Standardportion bei 4,7 und bei der Supersize Portion bei 5,0) Obwohl die Probanden mehr gegessen hatten (über 250 Kalorien mehr), fühlten sie sich nicht satter.
Eine andere Frage war folgende:
War die Portion, die Sie heute serviert bekamen, für Sie angemessen? (1 = "viel zu klein; 7 = viel zu groß")
Die Antwort war dieselbe (4,4 als Durchschnittswert für die Standardportion und 4,6 als Durchschnittswert für die Supersize Portion). Die Probanden aßen also mehr, aber ihnen war nicht bewusst, dass sie mehr aßen... Nicht gut!
Nur eine Frage zeigte den Unterschied der Portionsgrößen. Diese Frage war folgende:
Inwiefern haben Sie das Gefühl, dass die Ihnen servierte Portion einen guten Wert für Ihr Geld gab? (1 = "schlechtes Preis-Leistungsverhältnis; 7= hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis")
Die Probanden, die eine Supersize Portion gegessen hatten, dachten, dass sie ein besseres Geschäft (5,6 als Durchschnittswert) als die Probanden, die eine Standardportion bekommen hatten (5,1 als Durchschnittswert), gemacht hatten. Auf irgendeiner Ebene wussten die Probanden also, dass sie mehr für das gleiche Geld bekommen hatten.
Schlussfolgerung
Diese Studie legt nahe, dass Menschen, wenn sie mehr Nahrung bekommen, von allem mehr essen, ohne dies zu bemerken und sich satter zu fühlen, während sie gleichzeitig denken, dass sie ein besseres Geschäft gemacht haben.Die ist nicht die einzige Studie, die zeigte, dass Mensch mehr essen, wenn sie mehr bekommen. Diese Resultate wurden unter Laborbedingungen mit Makkaroni, Kartoffelchips, Sandwichs (3 - 5) und in einem Kino mit Popcorn (6) reproduziert.
Es scheint so etwas wie der perfekte Sturm zu sein, der zu einer Gewichtszunahme und Übergewicht führt. Man isst mehr, ohne es wahrzunehmen, doch gleichzeitig ist man glücklich, weil man ein gutes Geschäft gemacht hat.
Fazit
Man sollte bewusst essen. Wenn man das nächsten Mal in ein Restaurant geht, dann sollte man langsam essen und aufhören, wenn man gesättigt ist - und nicht erst dann, wenn man vollgefressen ist.Es ist nicht notwendig, den letzten Bissen auszuspucken, da dies, wenn man es häufig genug tut, zu Problemen beim auswärts Essen führen kann und man in kein Restaurant mehr hineingelassen wird.
Referenzen
- Nielsen SJ, Popkin BM. Patterns and trends in food portion sizes, 1977-1998. JAMA. 2003 Jan 22-29;289(4):450-3.
- Flegal KM, Carroll MD, Ogden CL, Johnson CL. Prevalence and trends in obesity among US adults, 1999-2000. JAMA. 2002 Oct 9;288(14):1723-7.
- Rolls BJ, Morris EL, Roe LS. Portion size of food affects energy intake in normal-weight and overweight men and women. Am J Clin Nutr. 2002 Dec;76(6):1207-13.
- Rolls BJ, Roe LS, Kral TV, Meengs JS, Wall DE. Increasing the portion size of a packaged snack increases energy intake in men and women. Appetite. 2004 Feb;42(1):63-9.
- Rolls BJ, Roe LS, Meengs JS, Wall DE. Increasing the portion size of a sandwich increases energy intake. J Am Diet Assoc. 2004 Mar;104(3):367-72.
- Wansink B, Park SB. At the movies: how external cues and perceived taste impact consumption volume. Food Qual Prefer. 2001; 12:69-74.