Der folgende Text soll darstellen, wie man den Wechsel von langen Estern (Enantat, Cypionat, Undecanoat etc.) auf kurze Ester (Acetat, Propionat, Phenylpropionat) gestalten kann, ohne großen Spiegelschwankungen ausgesetzt zu sein.

Dabei sei bemerkt, dass sich dieser Artikel an Perfektionisten in puncto Kurplanung richtet und somit evtl. nicht für jedermann geeignet ist. Es gibt zum Thema Spiegelschwankungen und Nebenwirkungen die unterschiedlichsten Ansichten, ich persönlich versuche jedoch diese Schwankungen immer so gering wie möglich zu halten.


Problembeschreibung

Am Ende einer längeren Kur von z.B. 16 Wochen Länge (exemplarisch, dabei spielt es keine Rolle, ob es 12, 20 oder 42 Wochen sind), wurden ja seit 16 Wochen lange Ester injiziert. Dabei kommt es bereits nach kurzer Zeit zu Kumulationseffekten, heißt also das der Wirkstoff einer Injektion noch nicht vollständig abgebaut ist, obwohl schon eine zweite Injektion nachgelegt wurde. Somit sammeln sich nach einiger Zeit beachtliche Wirkstoffmengen im Körper an, die aus mehreren Injektionen hervorgehen.
Zum verdeutlichen dieser Zusammenhänge hier ein Bild aus Fornits-Roidrechner am Beispiel einer Testosteron-Enantat Kur mit 250mg bei 5-Tägigem Injektionsintervall mit 12 Wochen Länge.


Testosteron Enantat


Man sieht in dieser Grafik sehr schön, dass nach der ersten Injektion die Menge an Wirkstoff im Körper zunächst stark ansteigt. Die zweite Injektion „setzt“ jedoch quasi auf der Ersten auf (da der Wirkstoff der Ersten noch lange im Körper aktiv bleibt) und somit steigt der Pegel von ca. 10 auf gute 18 ng/ml an. Nach der Dritten sind es bereits 22,5 ng/ml und erst die fünfte Injektion führt zum endgültigen Wirkstoffspiegel. Nun findet keine weitere Steigerung statt, da die Wirkstoffmenge der ersten Injektion nahezu vollständig abgebaut ist, und die nun folgenden Injektionen den Wirkstoff der vorherigen vereinfacht ausgedrückt „ersetzen“.

Abhilfe für dieses Problem schaffen sogenannte Frontloads, deren Funktionsweise auch im Profil zu Testosteron-Enantat anschaulich dargestellt sind und an dieser Stelle nicht mehr genauer beschrieben werden sollen.


Ziel dieses Artikel

In diesem Artikel soll uns jedoch vor allem das Ende einer Kur beschäftigen. Dieser Aspekt wird von vielen sträflich vernachlässigt, wenngleich sich hier entscheidet, wie erfolgreich eine Kur war/ist. Denn nur Masse die auch nach dem Absetzen gehalten werden kann, ist Bestandteil einer erfolgreichen Kur!

Betrachtet man noch einmal die Grafik, so sinkt der Wirkstoffpegel ab dem 80 Tag konstant ab, da keine weitere Injektion mehr erfolgt. An dieser Stelle einfach zu warten und z.B. ab dem Tag 95 mit einem Standard Clomid- bzw Clomid/Nolvadex- oder Clomid/Nolvadex/Arimidex – Schema abzusetzen wäre eine Option, allerdings nicht die günstigste.


Vorraussetzungen fürs richtige Absetzen

Es hat sich heraus gestellt, dass die besten Grundvoraussetzungen für ein Erholung der Achse gegeben sind, wenn die Menge des von außen zugeführten (exogenen) Testosterons möglichst gering, sowie die Östrogenwerte ebenfalls möglichst gering sind. Die Progesteronproblematik von Nortestosteron-Derivaten wie z.B. Deca oder Trenbolon sei an dieser Stelle außen vor gelassen.

Niedrige Testosteronspiegel erhält man, in dem man die injizierte Menge zum Ende einer Kur schleichend herabsetzt. Niedrigere Östrogenwerte stellen sich zum einen durch diesen Vorgang ein, da wenn weniger Testosteron vorhanden ist, auch weniger zu Östrogenen konvertiert werden kann.
Zum anderen kann man dies über einen chemischen Aromatasehemmer erreichen wie z.B. Arimidex oder Femara.

Um aber den Zeitpunkt an dem eines der bekannten Absetzschemata ansetzt bestmöglich vorzubereiten, sollte man nach Anwendung langer Ester zum Ende einer Kur auf einen kurzen Ester wechseln, um dem Kumulationseffekt zu entgehen.


Wechsel des Esters (Beispiel)

Konkret bedeutet dies Folgendes für unser Beispiel einer 250mg Testosteron-Enantat e5d Kur. Geht man von einer Kurdauer von 16 Wochen aus, so sollte man bereits zwei Wochen vor dem Ende der eigentlichen Kur (also Woche 15-16) mit dem Umstieg auf einen kurzen Ester (in unserem Beispiel Testosteron-Propionat, in der Folge einfach Testosteron Propionat genannt) beginnen. Exakt gemeint ist der Tag 118 in folgender Grafik:

Am Tag 118 (der rechte der beiden in Excel Markierten) fällt der Wirkstoffpegel erstmals unter 16 ng/ml. An diesem Tag setzt unser neues Schema an, welches dem Abbau des Testosteron Enantat entgegen wirken soll.


Auslauf


Die folgende linke Grafik zeigt, welchen Wirkstoffverlauf wir durch den Einsatz von TP zum Ende der Kur anstreben (rote Linie).


Propionat Auslauf


Dadurch würde der Testosteronspiegel konstant gehalten und zugleich der Kumulationseffekt ausgeschaltet dank des Einsatzes von Testosteron Propionat. Der Zielwert ist dabei 20 ng/ml, da dies die untere Grenze des zuvor erreichten Wertes darstellt. Deshalb zählen diese Tage auch noch zur Kur an sich und nicht zur Absetzphase, da die wirksame Menge Testosteron durch den Wechsel des Esters nicht geändert wird. Es bleibt also alles beim alten in Bezug auf den Gesamtpegel.

Es gilt also nun, den in der obigen linken Grafik in hellblau dargestellten Bereich, bzw. besser geometrisch gesprochen „Fläche“, mit Testosteron Propionat aufzufüllen.

Um es zu vereinfachen, habe ich die Grafik gespiegelt und gedreht. Es ergibt sich also in der rechten Grafik durch die blaue Linie exakt die Vorgabe für den Einsatz von TP, da wir ja durch den Einsatz von Testosteron Propionat das Testosteron Enantat ersetzen möchten.

Nun experimentiert man ein wenig mit dem Roidrechner von Fornit herum, bis man eine Kurve für Testosteron Propionat erhält, die der rechten Grafik nahe kommt. In unserem Beispiel führen folgende Testosteron Propionat Dosierungen zu einem korrekten Verlauf:


RoidrechnerHochregulation Testosteron Propionat


Durch die Nutzung dieses Schemas haben wir es also geschafft, den Ester von Testosteron Enantat auf Testosteron Propionat umzustellen. Wir erreichen also bei täglicher Applikation von 60mg Testosteron Propionat einen Pegel von rund 22 ng/ml im Körper.


Reduzieren der Wirkstoffmengen zur Vorbereitung des Absetzens

Um den Einsatz eines Schemas mit Clomid und/oder Nolvadex etc. vorzubereiten, sollte die zuvor angestrebte Wirkstoffmenge von 20 ng/ml schrittweise verringert werden, so dass am Ende dieses Vorgangs eine entsprechende Einnahme dieser Absetzmedikamente optimal möglich ist.

Ich würde dafür eine Konzentration von maximal 5 ng/ml am Tag nach der letzten Injektion des Testosteron Propionat anstreben. Dieser Wert entspricht einer Dosierung von 20mg Testosteron Propionat pro Tag.

Wir verringern also die Tagesdosis von 60mg/Tag Testosteron Propionat ab der dritten Woche unseres neuen Schemas auf 40mg und behalten dies für 10 Tage bei. Anschließend senken wir die Dosis erneut für 10 Tage auf 20 mg/Tag Testosteron Propionat um den Körper schon einmal wieder auf den physiologischen Bereich einzustimmen.

Diese beiden 10 Tages-Phasen verlängern also die 16 Wochen Kur um 3 Wochen in denen wir Testosteron knapp über dem physiologischen Bereich benutzen.


Der Abschluss des Schemas

Zum Abschluss des Schemas (nach den 2x10 Tagen der Dosisverringerung) sollte man zwei Tage warten und mit dem gewünschten Absetzschema in bekannter Art und Weise einsetzen.
Alternativ kann nach langen Kuren auch noch eine Phase mit 14 Tagen zu 25 mg/eod Testosteron Propionat eingelegt werden.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass dieses Schema auch bei gleicher Vorgehensweise auf andere Dosierungen und andere AAS angewendet werden kann, zum Zwecke des Absetzens macht es jedoch nur bei Testosteron wirklich Sinn.

In kombinierten Kuren mit Deca oder Tren sollten diese Medikamente mindestens 4, besser 6 oder gar 8 Wochen vor Beginn des geschilderten Ablaufes das letzte mal injiziert worden sein.