Teil 2 des Artikels findet ihr hier.

DAS OPTIMALE TIMING DER PROTEINZUFUHR RELATIV ZUM TRAINING

Im Jahre 2001 wurde vom angesehenen Forscher Michael J. Rennie(4) eine Abhandlung mit dem ungewöhnlichen Titel "Großvater, es kommt nicht darauf an, was man isst, sondern wann man es isst – auf diese Art und Weise wachsen Muskeln" veröffentlicht. Diese Abhandlung war eine Zusammenfassung einer Studie, die von Esmarck und Kollegen(2) veröffentlicht wurde.

Esmarck und Kollegen untersuchten den Einfluss von Proteinzufuhr direkt nach dem Training und mit einer Verzögerung von zwei Stunden auf Muskelhypertrophie und Kraft bei älteren Männern, die für 12 Wochen ein Krafttrainingsprogramm absolvierten. Die Proteinzufuhr bestand aus einer Mahlzeit mit 10 Gramm Protein, 7 Gramm Kohlenhydraten und 3 Gramm Fett. preview

Die Ergebnisse zeigten, dass die Muskulatur sowohl im Bereich des Vastus Lateralis (Latissimus), als auch im Bereich des Quadriceps Femoris (Beinstrecker) bei der Probandengruppe mit unmittelbarer Proteinzufuhr nach dem Training zugenommen hatte. Im Gegensatz hierzu konnte bei der Gruppe mit um zwei Stunden verzögerter Proteinzufuhr keine Veränderung der Muskulatur festgestellt werden. Dynamische und isokinetische Kraft verbesserten sich bei der Gruppe mit unmittelbarer Proteinzufuhr um 46 bzw. 15 %, wogegen sich bei der Gruppe mit verzögerter Proteinzufuhr lediglich die dynamische Kraft um 36 % verbesserte.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Nährstoffzufuhr direkt nach dem Training ein wichtiger Faktor bei der Regulierung des Muskelwachstums ist, zumindest bei Probanden im fortgeschrittenen Alter. Es gibt eine ganze Reihe von Erklärungen für diese Ergebnisse.

Die erste Erklärung steht in Zusammenhang mit der Beobachtung, dass die Proteinsynthese durch Widerstandstraining angeregt wird(53). Phillips und Kollegen(53) fanden heraus, dass dieser Effekt umgekehrt proportional zur verstrichenen Zeit ist (siehe Abbildung 2). Hieraus schlossen Esmarck und Kollegen(2), dass die zugeführte Nahrung in Verbindung mit der kontraktionsinduzierten Anregung der Proteinsynthese, bei der Gruppe mit verzögerterer Proteinzufuhr, nur in geringerem Umfang zum Aufbau neuen Muskelgewebes verwendet wurde, als bei der Gruppe mit unmittelbarer Proteinzufuhr.
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Abbildung 2: Prozentuale Erhöhung der Proteinsynthese im Bezug auf die Zeit nach der Ausführung eines Widerstandstrainings. Daten von Phillips und Kollegen(53).

Eine weitere Erklärung betrifft den Zusammenhang zwischen Blutfluss und Proteinsynthese. Biolo und Kollegen(54) untersuchten die Wirkung einer Aminosäurezufuhr im Ruhezustand und nach dem Training bei gesunden Probanden. Die Forscher fanden heraus, dass während die Aminosäurekonzentration in beiden Fällen ähnlich war, der Blutfluss in den Muskeln nach dem Training um 64 +/- 5 % größer war, als im Ruhezustand. Dies korrespondiert mit einer Erhöhung des Aminosäuretransports um 30 – 100 %, im Vergleich zum Ruhezustand. Weiterhin wurde eine stärkere Erhöhung der Proteinsyntheserate der Skelettmuskulatur nach dem Training im Vergleich zur Ruhephase festgestellt (291% gegenüber 141%).
Biolo und Kollegen legten die Vermutung nahe, dass sportliche Betätigung die Erweiterung geringdurchbluteter Kapillaren anregt und somit die Diffusionsdistanz zwischen Aminosäuren und den Membranen der Muskelzellen, der Skelettmuskulatur, verringert wird.

Weiterhin könnte eine verringerte Blutzufuhr zu den inneren Organen die Wahrscheinlichkeit einer Aminosäureaufnahme durch diese verringern und somit eine größere Zufuhr von Nährstoffen und Signalmolekülen zur Muskulatur, direkt nach dem Training bewirken. Ein solcher Effekt würde mit der Zeit verschwinden, wenn sich die Verteilung des Blutflusses wieder in Richtung Ruhezustand verschiebt. Andere mögliche Erklärungen betreffen die Insulinsensitivität, welche als Reaktion auf das Training verbessert wird. Es könnte sein, dass die Insulinsensitivität direkt nach dem Training besser ist, als zwei Stunden nach dem Training.

Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass es wichtig ist, direkt nach dem Training Aminosäuren zu sich zu nehmen. Im Gegensatz hierzu konnten Rasmussen und Kollegen(57) keinen Unterschied bei der Phenylalaninbilanz feststellen, wenn 6 Gramm essentieller Aminosäuren und 35 Gramm Sucrose, eine oder drei Stunden nach Beendigung eines Widerstandstrainings, verabreicht wurden. Diese Diskrepanz könnte mit dem Alter der Probanden zusammen hängen, die ein Alter von 34 ± 3 Jahren hatten, wogegen das Alter der Probanden bei der von Esmarck(2) durchgeführten Studie bei 74 ± 1 Jahren lag. Weiterhin könnten die Unterschiede auch mit dem unterschiedlichen Timing der Proteinzufuhr zusammen hängen. Bei der Studie von Esmarck und Kollegen(2) erfolgte die Proteinzufuhr direkt bzw. zwei Stunden nach dem Training, wogegen die Proteinzufuhr bei der Studie von Rasmussen und Kollegen(57) eine bzw. drei Stunden nach dem Training erfolgte. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Esmarck und Kollegen(2) direkte Marker für eine Muskelhypertrophy über einen Zeitraum von 12 Wochen maßen, wogegen Rasmussen und Kollegen(57) die direkten Veränderungen nach dem Training untersuchten.
Als weiteren Vergleich verabreichten Levenhagen und Kollegen(3) ein orales Proteinsupplement (10 g Protein, 8 g Kohlenhydrate, 3 g Fett), entweder direkt oder 3 Stunden nach einem moderat intensiven Training. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Stickstoffbilanz bei der Gabe direkt nach dem Training signifikant positiver ausfiel, als bei der Gabe drei Stunden nach dem Training. Während es bei der Proteingabe direkt nach dem Training unter dem Strich zu einer Aufnahme von Aminosäuren kam, wurden bei der um drei Stunden verzögerten Gabe insgesamt gesehen sogar mehr Aminosäuren freigesetzt als aufgenommen. Die Proteinsynthese der Beinmuskulatur war bei der Gabe direkt nach dem Training dreimal größer als bei der verzögerten Proteinzufuhr. Auch die körperweite Einlagerung von Protein war bei der früheren Proteinzufuhr größer als bei der späteren. Interessant war auch, dass die Plasmakonzentration von Glutamin um 19 % höher lag, wenn die Proteinzufuhr direkt nach dem Training erfolgte. Ob dieses Ergebnis mit den Unterschieden bei der Proteinsynthese in Zusammenhang steht, ist noch unklar. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass Glutamin die, im intrazellularen Aminosäurepool der Muskulatur, am häufigsten vorkommende Aminosäure ist(58).
Eine weitere interessante Beobachtung, welche durch eine Anzahl weiterer Studien(59) bestätigt wurde, ist, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen der Glukoseaufnahme 3 Stunden nach dem Training und der Aufnahme im Ruhezustand gab. Wenn die Glukosezufuhr jedoch direkt nach dem Training erfolgte, kam es zu einer 3,5 -fach höheren Nettoglukoseaufnahme, verglichen mit der Glukoseaufnahme 3 Stunden nach dem Training. Es ist bekannt, dass mit jedem Gramm Glykogen, welches in der Muskulatur gespeichert wird, zusätzlich 2,7 Gramm Wasser ins Muskelgewebe eingelagert werden(12). Weitere Studien deuten darauf hin, dass die zellulare Hydration ein wirkungsvoller Regulator der Proteinsynthese ist(38, 39), was einen Teil der Unterschiede bei der Proteinsynthese zwischen direkter Nährstoffzufuhr und verzögerter Zufuhr erklären könnte.

Zufuhr von Aminosäuren vor dem Training

Während die Zufuhr von Aminosäuren in Verbindung mit einer Kohlenhydratquelle mit einer verstärkten Einlagerung von Protein im Körper in Verbindung gebracht wird, ist es auch wichtig, die Wirkung einer Zufuhr von Aminosäuren vor dem Training zu verstehen. In diesem Zusammenhang verabreichten Tipton und Kollegen(60) eine Flüssigmahlzeit, bestehend aus 6 Gramm essentieller Aminosäuren und 35 Gramm Sucrose, an 6 Probanden, entweder vor dem Training oder direkt nach dem Training. Die Proteinkinetik wurde im Ruhezustand, während des Trainings und bis zu zwei Stunden nach dem Training, gemessen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Zufuhr vor dem Training den Blutfluss in der Beinmuskulatur um 324 % erhöht, wogegen eine Proteinzufuhr nach dem Training den Blutfluss nur um 201 % erhöhte. Dies korrespondiert mit einer um 650 % erhöhten Phenylalaninzufuhr zur Muskulatur bei der Proteinzufuhr vor dem Training, im Vergleich mit einer Erhöhung um 250 % bei der Zufuhr direkt nach dem Training. Die Phenylalaninaufnahme in der gesamten Beinmuskulatur war bei der Aminosäurezufuhr vor dem Training um 160 % größer, als bei der Zufuhr nach dem Training. Vielleicht am interessantesten war jedoch die Beobachtung, dass sich bei der Aminosäurezufuhr vor dem Training die Stickstoffbilanz von negativ während der Ruhephase zu positiv während und nach dem Training veränderte, während bei der Zufuhr der Aminosäuren direkt nach dem Training die Stickstoffbilanz sowohl in Ruhe als auch während dem Training negativ war und erst nach dem Training positiv wurde. Es ist wichtig anzumerken, dass sowohl durch die Aminosäurezufuhr vor, als auch nach dem Training, die Stickstoffbilanz von negativ nach positiv umkehren konnte. Dieser Effekt war jedoch bei der Zufuhr der Aminosäuren vor dem Training ausgeprägter, als bei der Zufuhr nach dem Training.

Bevor man die dem Resultat zugrunde liegenden Mechanismen analysiert, ist es wichtig zu erkennen, dass aufgrund des Designs der Studie das Ergebnis der Aminosäurezufuhr vor dem Training besser untersucht wird, als das Ergebnis der Zufuhr nach dem Training, da bei der Zufuhr vor dem Training die gemessenen Werte über einen Zeitraum von 3 Stunden, nach der Aminosäurezufuhr gemessen wurden, wogegen sich die Messungen bei der Zufuhr nach dem Training auf zwei Stunden nach der Aminosäurezufuhr beschränken. Aus diesem Grunde führten die Autoren der Studie weitere Berechnungen, nur anhand der letzten beiden Stunden, der Daten aus. Selbst bei dieser Art der Bestimmung ergab sich eine um 80 % höhere Aminosäureaufnahme bei der Zufuhr vor dem Training, im Vergleich zur Zufuhr nach dem Training.

Das genaue Timing ist bei dieser Studie ein kritischer Faktor, da der Blutfluss durch die Muskelkontraktion erheblich verstärkt wird. Dieser Effekt scheint durch die Aminosäurezufuhr vor dem Training noch verstärkt zu werden. Die Kombination aus erhöhtem Blutfluss und erhöhter Aminosäurekonzentration bewirkte eine wirkungsvolle anabole Stimulation. Normalerweise ist die netto Stickstoffbilanz während des Trainings negativ, und auch wenn die Proteinsynthese nach dem Training angeregt wird, bleibt die Stickstoffbilanz während des Trainings unverändert oder wird sogar noch negativer(60). Während des Trainings erhöht sich der Proteinabbau messbar, was zu einer negativen Stickstoffbilanz führt(60). Wie von Tipton und Kollegen(60) bereits vermutet, konnte diesem Effekt durch eine Nährstoffzufuhr vor dem Training, entgegen gewirkt werden.

Zusammenfassung der Daten bezüglich des Timings der Proteinzufuhr relativ zum Training

Während die Proteinsynthese nach einer Trainingseinheit für bis zu 48 Stunden erhöht ist, erhöht sich in diesem Zeitraum auch der Proteinabbau, was zu einer negativen Stickstoffbilanz führen kann, wenn dem Körper nicht zusätzliche Nährstoffe zur Verfügung gestellt werden(7). In diesem Zusammenhang ist eine Aminosäurezufuhr nach dem Training dringend notwendig, um den Muskelaufbau zu ermöglichen.

Ergebnisse einer von Rasmussen und Kollegen(57) durchgeführten Studie deuten darauf hin, dass zwischen einer Aminosäurezufuhr, eine Stunde nach dem Training und drei Stunden nach dem Training, kein Unterschied, bezüglich der Wirkung, besteht. Die Langzeitergebnisse von Esmarck und Kollegen(2), sowie die Ergebnisse von Levenhagen und Kollegen(3) deuten jedoch darauf hin, dass eine Aminosäurezufuhr direkt nach den Training, eine stärkere anabole Reaktion hervorrufen, als eine Aminosäurezufuhr 2 oder 3 Stunden nach dem Training.

Auch die Nährstoffzufuhr vor dem Training hat sich als wichtige Komponente bei der Anregung der Muskelhypertrophie erwiesen. Tipton und Kollegen(60) demonstrierten, dass eine Nährstoffzufuhr vor dem Training, die typische, während des Trainings auftretende, negative Stickstoffbilanz, in eine positive Stickstoffbilanz umwandeln kann. Schließlich deuten die Ergebnisse von Miller und Kollegen(61) darauf hin, dass Aminosäurezufuhren mit einer Stunde Abstand, ähnliche anabole Reaktionen hervorrufen.

Dies alles deutet darauf hin, dass eine Nährstoffzufuhr vor und nach dem Training einen additiven Einfluss auf die Proteinsynthese hat.

OPTIMALES SCHEMA DER PROTEINZUFUHR

Im nachfolgenden Abschnitt wird das Schema der Proteinzufuhr näher betrachtet, d.h. wie und wann erfolgt die Proteinzufuhr über einen Zeitraum von 24 Stunden und welche Proteinquellen werden wann verwendet.

Eine Erhöhung der extrazellularen Konzentration essentieller Aminosäuren (EAA) regt die Proteinsynthese an

Die extrazellulare Konzentration essentieller Aminosäuren (EAA) scheint als Regulator für die Proteinsynthese zu fungieren. In diesem Zusammenhang untersuchten Bohe und Kollegen(45) den Einfluss einer Erhöhung der extrazellularen EAA Konzentration auf die Proteinsynthese der Muskulatur. Die extrazellulare EAA Konzentration, wurde hierfür um 41 bis 235 % erhöht. Das Ergebnis zeigte, dass die Proteinsynthese in einer kurvenförmigen Linie als Reaktion auf eine erhöhte EAA Konzentration anstieg. Es konnte jedoch keine signifikante Verbindung zwischen intrazellularer Verfügbarkeit, essentieller Aminosäuren und Proteinsynthese festgestellt werden. Die intrazellulare EAA Konzentration war sogar leicht reduziert.

Es scheint also, dass eine Erhöhung der extrazellularen EAA Konzentration als Auslöser für die Proteinsynthese fungiert und nicht die intramuskuläre Konzentration.

Der Grund hier für ist, dass der extrazellulare Aminosäurepool als Steuerzentrale für unterschiedliche Prozesse dient, welche die Aminosäureverfügbarkeit erhöhen oder reduzieren(45). Diese Prozesse umfassen eine Erhöhung der Aminosäurekonzentration durch Proteinabbau, durch die Leber und Muskelgewebe, sowie die externe Zufuhr von Aminosäuren über die Nahrung. Für diese zentrale Funktion ist ein „Sensor“ an der Zellaußenseite von Vorteil, da sich dieser an der optimalen Position, für die Erkennung unterschiedlicher Veränderungen, befindet, anhand denen die Proteinsynthese gesteuert wird(45). So wäre z.B. bei einer Reduzierung der Aminosäurezufuhr, über die Nahrung, eine Verwendung der limitierten Ressourcen zum Aufbau neuen Muskelgewebes nicht sinnvoll. Im Gegensatz hierzu, würde eine Erhöhung der extrazellularen Aminosäurekonzentration das Signal für eine verstärkte Proteineinlagerung geben.

Eine Abnahme der extrazellularen EAA Konzentration bewirkt unabhängig von ihrem absoluten Wert eine Reduzierung der Proteinsynthese

Auch wenn Studien bereits früher Hinweise auf eine Reduzierung der Proteinsynthese, als Reaktion auf eine Reduzierung der EAA Blutspiegel um 50 % mit nachfolgender Erhöhung auf den Ausgangswert bei Normalisierung der EAA Spiegel gegeben haben, wurden erst kürzlich die genauen Zusammenhänge von Aminosäureverfügbarkeit bzw. Erhöhung oder Reduzierung der extrazellularen Aminosäurekonzentration, als Auslöser für die Proteinsynthese genauer untersucht.

In diesem Zusammenhang untersuchten Borsheim, Tipton, Wolf und Wolfe(62) den Einfluss zweier Gaben von 6 Gramm essentieller Aminosäuren bzw. einer Mischung aus ca. 3 Gramm essentieller und 3 Gramm nichtessentieller Aminosäuren, im Abstand von einer Stunde, auf die Proteinsynthese. Nach der ersten Gabe wurde sowohl eine Erhöhung der Plasmaaminosäurenkonzentration, als auch der Proteinsynthese gemessen, wobei die Proteinsyntheserate nach der Gabe von 6 Gramm EAA doppelt so hoch ausfiel, wie nach der Gabe der gemischten Aminosäuren. Auch wenn die Aminosäurekonzentration eine Stunde nach der Aminosäuregabe weiterhin erhöht war, befand sich zu diesem Zeitpunkt die Proteinsyntheserate wieder auf dem Ausgangsniveau. Nach Gabe der zweiten Aminosäuredosis wurde eine anabole Reaktion beobachtet, die der, nach der ersten Gabe 60 Minuten zuvor, entsprach. Dieses Ergebnis brachte Wolfe(40) zu der Vermutung, dass „eine Erhöhung der Aminosäurekonzentration die Proteinsynthese anregt und ein Abfall dieser Konzentration unabhängig von der absoluten Konzentration eine Reduzierung der Proteinsyntheserate bewirkt.“

Renitenz im System als Reaktion auf eine intravenöse Infusion

Ein Konzept, das bei Bodybuildern sehr beliebt ist, besteht darin, dem Körper eine konstante kontinuierliche Zufuhr von Aminosäuren, über den ganzen Tag, zur Verfügung zu stellen. In gewissem Sinne versucht man hiermit, eine kontinuierliche gleichmäßige intravenöse Aminosäurezufuhr zu simulieren. Was würde in der Realität geschehen, wenn ein Bodybuilder diese erreichen würde?

Bohé und Kollegen(63) untersuchten diese Frage durch eine kontinuierliche intravenöse Aminosäurezufuhr, über einen Zeitraum von 6 Stunden. Die Plasmaaminosäurenkonzentration wurde hierdurch auf das 1,7 -fache des Ausgangswertes angehoben und über den gesamten Zeitraum der 6 stündigen Zufuhr konstant auf diesem Wert gehalten. Es zeigte sich, dass die Proteinsynthese nach 30 bis 60 Minuten anstieg und für 1,5 Stunden auf dem 2,8 –fachen des Ausgangswertes erhöht blieb. Während die Plasmaaminosäurenkonzentration konstant blieb, fiel die Proteinsyntheserate für die restlichen 4 Stunden des Experiments wieder auf den Ausgangswert ab.

Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass der für die Erhöhung der Proteinsynthese verantwortliche Mechanismus, sich an die erhöhte Aminosäurekonzentration gewöhnt, zumindest wenn diese Konzentration konstant bleibt. Die Autoren vermuten, dass der unterdrückende Mechanismus mit einem Protein STAT (Signaltransduktor und Aktivator der. Transkription) in Verbindung steht.

Die wahrscheinlich wichtigste Schlussfolgerung aus dieser Studie ist, dass „Aminosäuren effektiver für die Aufrechterhaltung magerer Körpermasse und als Substrat für die Wundheilung verwendet werden, wenn sie auf mehrere Dosierungen verteilt zugeführt werden, anstatt kontinuierlich über den selben Zeitraum.“(63)

Die zusätzliche Einnahme eines Aminosäuresupplements zwischen den Mahlzeiten

Vor kurzem untersuchten Paddon-Jones und Kollegen, ob eine Kombination aus 30 Gramm Kohlenhydraten und 15 Gramm essentieller Aminosäuren die Reaktion des Körpers auf eine gemischte Mahlzeit, bei gesunden männlichen Probanden, verändert. Es stellte sich heraus, dass die Supplementgruppe eine um 25 % positivere Stickstoffbilanz aufwies, als die Kontrollgruppe. Weiterhin dämpfte die Aminosäurensupplementation die anabole Reaktion, auf die normalen Mahlzeiten nicht ab. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Zufuhr schnellverdaulicher Aminosäuresupplements zwischen den Mahlzeiten den Anabolismus über den Tag verstärken. Diese Beobachtungen bekräftigen die Resultate anderer Studien, welche darauf hin deuten, dass sich akute Erhöhungen der Proteinsynthese additiv zur normalen Proteinsynthese verhalten(40).

Integration der Daten in das Schema der Proteinzufuhr

Die oben aufgelisteten Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Erhöhung der extrazellularen Konzentration essentieller Aminosäuren (EAA) die Proteinsynthese anregt, während eine Reduzierung dieser Aminosäurekonzentration die Proteinsyntheserate reduziert. Diese Resultate können unabhängig von der absoluten Aminosäurekonzentration beobachtet werden, was bedeutet, dass eine Reduzierung der Proteinsyntheserate auch dann auftreten kann, wenn die Aminosäurekonzentration oberhalb des Basiswertes liegt. Die wiederholte Zufuhr schnellverdaulicher Aminosäuren, hat wiederholt den selben anabolen Effekt auf die Proteinsynthese, selbst wenn die einzelnen Gaben zeitlich nur eine Stunde auseinander liegen.

Wenn jedoch die Aminosäurezufuhr konstant über einen längeren Zeitpunkt erfolgt, scheinen innerhalb von zwei Stunden die Proteinsynthese unterdrückende Mechanismen ins Spiel zu kommen. Dies brachte Bohe und Kollegen(63) zu der Vermutung, dass eine zeitlich unterbrochene Aminosäurezufuhr, die Proteinsynthese stärker anregt, als eine kontinuierliche intravenöse Aminosäurezufuhr.
Ha und Kollegen(65) stellten kürzlich die Vermutung auf, dass schnell verdauliches Wheyprotein als Aminosäurequelle, mit schnell erreichten Spitzenwerten des Aminosäurespiegels und anschließendem schnellen Abfall, der Aminosäurekonzentration eine Proteinquelle darstellt, die geeignet ist, den unterdrückenden Mechanismus, der in der Studie von Bohe und Kollegen(63) auftrat, zu vermeiden. Im Gegensatz hierzu vermuteten sie, dass eine Zufuhr von Kasein zwischen den Mahlzeiten eine ähnliche Wirkung auf die Aminosäurekonzentration hat, wie die intravenöse Zufuhr von Aminosäuren und somit einen weniger optimalen Einfluss auf die Proteinsynthese ausübt, als eine Zufuhr schnellverdaulicher Aminosäuren zwischen den Mahlzeiten.

Zusammengefasst scheint es so, dass die Proteinzufuhr durch Unterbrechungen der Zufuhr, optimiert werden kann. Falls dies wirklich der Fall ist, sollten Sportler neben ihren normalen Mahlzeiten schnell verwertbare EAA Quellen, wie z.B. EAA in reiner Form, für eine maximale Kalorieneffizienz oder einer Wheyproteinquelle mit zeitlichen Unterbrechungen zuführen. Der Verzehr langsam verwertbarer Proteinquellen zwischen den Mahlzeiten, scheint sich aufgrund eines Unterdrückungsmechanismus bei kontinuierlicher Aminosäurezufuhr, eher hinderlich auf die anabole Reaktion des Körpers auf eine Aminosäurezufuhr auszuwirken. Es sind jedoch noch weitere Untersuchungen nötig, um diese Vermutungen zu bestätigen.

Teil 4 des Artikels findet ihr hier.