Nachdem ich im Artikel "Dieting Psychology vs. Dieting Physiology" erklärt habe, warum die Trennung von Psychologie und Physiologie falsch ist, möchte ich kurz auf etwas der Physiologie hinter dem Scheitern von Diäten eingehen. Dies ist ein Thema, auf das ich in nahezu allen meiner aktuelleren Bücher im Detail eingehe und ich werde deshalb an dieser Stelle nicht so viel Zeit auf dieses Thema verwenden (und versuchen, danach wieder auf die psychologischen Faktoren beim Scheitern einer Diät zurückzukommen).

Eine seit langer Zeit anhaltende Debatte in der Welt der Fettleibigkeitsforschung dreht sich um die Idee, dass das Körpergewicht (oder vielleicht das Körperfett) reguliert wird. Was bedeutet dies genau?

Man sollte sich in diesem Zusammenhang einen Thermostat vorstellen (ja, das ist das Beispiel, das ich immer verwende): Man stellt den Thermostat so ein, dass er die Temperatur im Haus bei 20 Grad hält und er misst kontinuierlich die Temperatur (über ein Thermometer). Wenn die Temperatur über 20 Grad ansteigt, dann wird die Klimaanlage eingeschaltet und wenn die Temperatur unter 20 Grad sinkt, dann wird die Heizung eingeschaltet. Dies ist also ein reguliertes System. Der Tempomat im Auto funktioniert auf dieselbe Art und Weise: Man stellt die Geschwindigkeit ein, die man aufrecht erhalten möchte und der Tempomat gibt entweder mehr oder weniger Gas, um diese Geschwindigkeit zu halten.

Für etwa 50 Jahre dachte man, dass das Körpergewicht/Körperfett auf ähnliche Art und Weise regulier wird, was bedeutet, dass der Körper versucht, einen bestimmten Level aufrecht zu erhalten (der als Set Point bezeichnet wird) und Dinge wie Appetit, Verhalten, Bewegung, usw. anpasst, um dies zu erreichen.

Eine große Menge mit Tieren durchgeführte Untersuchungen unterstützen dieses Model: Wenn man eine Ratte auf Futterentzug setzt, dann verlangsamt sich ihre Stoffwechselrate, sie bewegt sich weniger (und spart so Energie) und der Appetit steigt, so dass sie, wenn sie wieder freien Zugang zu Futter hat, so viel essen wird, bis sie wieder ihr Startgewicht erreicht, ab dem dann alles wieder in den Normalzustand übergeht. Dasselbe geschieht, wenn man eine Ratte fett füttert: Die Stoffwechselrate steigt, die Aktivität steigt, der Appetit und der Hunger sinken und die Ratte erreicht schnell wieder ihr Ausgangsgewicht, wenn man mit der Zwangsfütterung aufhört. Die Ratte versucht irgendwie ihr Gewicht auf einem festgelegten Level aufrecht zu erhalten.

Kurze Bemerkung am Rande: Dies knüpft an das Forschungsreview bezüglich der homöostatischen vs. hedonistischen Pfadwege an, das ich vor ein paar Wochen veröffentlicht habe: bestimmten Typen von Diäten ausgesetzt (im Rattenjargon wird dies als "Cafeteria Diät" bezeichnet und diese Ernährung besteht aus schmackhaften Nahrungsmitteln mit einer hohen Kaloriendichte), werden die meisten Ratten bereitwillig ein Gewicht aufrechterhalten, das oberhalb ihres Setpoints liegt (wenn sie einer für Ratten typischeren Ernährung ausgesetzt sind). Dies bedeutet, dass die Schmackhaftigkeit der Nahrung jeden homöostatischen Versuch überwinden kann, eine Gewichtszunahme zu verhindern. Dies ist wichtig und ich werde später in dieser Artikelserie hierauf zurückkommen.

Einige Untersuchungen konnten beim Menschen ähnliche Effekte beobachte, auch wenn die Studien zu diesem Thema sehr gemischte Resultate liefern (ich werde später noch auf die Gründe hierfür eingehen): wenn man einen Menschen auf Diät setzt, dann beobachtet man häufig, dass die Stoffwechselrate sehr viel stärker sinkt, als man dies alleine basierend auf dem Körpergewicht erwarten würde. Dies bedeutet, dass man basierend auf dem Gewichtsabbau erwarten würde, dass die Stoffwechselrate um sagen wir 200 kcal sinken würde, doch wenn man nachmisst, dann sieht man, dass sie in Wirklichkeit um 300 kcal sinkt. Diese zusätzlichen 100 kcal oberhalb des erwarteten Wertes legen nahe, dass der Körper sich an den Gewichtsverlust anpasst und nicht nur versucht, den Fettabbau zu verlangsamen, sondern auch das Körpergewicht/Körperfett wieder nach oben zu regulieren, wenn wieder mehr Nahrung zur Verfügung steht.

Es gibt noch weitere Anpassungen: die Leute reduzieren häufig ihre Aktivitätslevel (wodurch sie Energie sparen), die Fettverbrennung sinkt und die Fettspeicherung steigt und auch der Appetit steigt häufig, so dass die Leute mehr essen, wenn wieder Nahrung zur Verfügung steht. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dies häufig als die "Hungerreaktion" des Körpers bezeichnet und ja, da ist etwas dran. Unglücklicherweise ist dies im Grunde genommen der Preis, den man bezahlen muss, wenn man Körperfett in signifikanter Menge verlieren möchte. Die Leute sprechen ständig davon, die Hungerreaktion zu meiden, doch der einzige Weg, dies vollständig zu erreichen, besteht darin, nie Fett zu verlieren. preview

Die klassische Studie zu diesem Thema ist die Minnesota "Semi-Starvation" Studie – eine 6 Monate andauernde Studie, die Mitte des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurde und in deren Rahmen eine Anzahl schlanker männlicher Kriegsgegner für die gesamte Studiendauer auf 50% ihrer Erhaltungskalorienmenge gesetzt wurde, während sie gleichzeitig dazu gezwungen wurden, etwas körperliche Aktivität auszuführen (5 bis 6 Meilen Gehen pro Tag).

Nachdem die Probanden die unteren Grenze des menschlichen Körperfettanteil (etwa 5%) erreicht hatten und eine ganze Reihe von Anpassungen zeigten (inklusive einer Besessenheit bezüglich der Nahrung), konnte bei den Männern ein unkontrollierter Hunger beobachtet werden, wenn mehr Nahrung verfügbar war und sie steigerten ihr Gewicht dann schnell wieder bis auf Werte, die oberhalb ihres ursprünglichen Körperfettanteils lagen.

Dies wurde als Post-Stravation Hyperphagie (ein technischer Begriff für Überfressen nach einer Hungerphase) bezeichnet. Es ist natürlich entscheidend zu erkennen, wie schlank diese Männer geworden waren und die Reaktion auf weniger extreme Diäten oder einen weniger extremen Fettabbau ist genau das: weniger extrem. Viel vom Beobachteten hängt von der Natur der Intervention (d.h. vom Typ der Diät) und der studierten Population ab. Auch der initiale Körperfettanteil spielt aus Gründen, die der Leser in zukünftigen Artikeln kennen lernen wird, eine große Rolle.

Anders als bei Ratten hat ein "Überfressen" beim Menschen nicht annähernd einen so verlässlichen Einfluss auf die Stoffwechselrate und es sieht so aus, als ob das beim Menschen vorhandene System zur Regulierung des Körpergewichts asymmetrisch ist: Es schützt weitaus besser vor einem Gewichtsverlust als vor einer Gewichtszunahme.

Anders ausgedrückt – und die meisten werden das selbst auf die eine oder andere Art erleben – gilt Folgendes: Es ist weitaus schwerer Gewicht zu verlieren, als an Gewicht zuzunehmen.

Die Gründe hierfür sind etwas obskur, doch man denkt, dass weil der Mensch nie einem evolutionären Druck ausgesetzt war, nicht fett zu werden (d.h. wir hatten z.B. nie echte Fressfeinde und nur wenige konnten über einen längeren Zeitraum fett werden oder bleiben), der Körper nie einen Schutz vor einer Gewichtszunahme entwickeln musste. Im Gegensatz hierzu war ein Verhungern während unserer evolutionären Vergangenheit eine sehr reale Gefahr und der Körper entwickelte eine Reihe von Wegen, sich vor einem Gewichtsabbau zu schützen.

In der modernen Zeit (in der Nahrung im Überfluss verfügbar ist und die Aktivitätslevel kontinuierlich sinken) ist dies eine sehr schlechte Sache.

Aus Gründen der Vollständigkeit sollte ich erwähnen, dass es auch Ausnahmen gibt. Einige Menschen scheinen eine ausgeprägte Reaktion auf eine übermäßige Nahrungszufuhr zu zeigen, welche als NEAT (Non Exercise Activity Thermogenesis) oder SPA (Spontaneous Physical Activity = spontane körperliche Aktivität) bezeichnet wird und einige Menschen fahren diese auf einen hohen Level herauf, wenn die Kalorienzufuhr über die Erhaltungskalorienmenge steigt, wodurch sie die überschüssigen Kalorien verbrennen, statt sie zu speichern.

Dies sind die Menschen, denen eine Gewichtszunahme häufig schwer fällt: wenn sie versuchen ihre Nahrungszufuhr zu erhöhen, dann beginnen sie ausnahmslos nicht nur damit, sich unterbewusst mehr zu bewegen (und hierdurch die überschüssigen Kalorien zu verbrennen), sondern auch ihr Hunger verschwindet. Man kannte wahrscheinlich eine solche Person während der Schulzeit – die Person, die immer mit seinen Beinen oder etwas anderem herumzappelte. Es hat sich herausgestellt, dass sich der Kalorienverbrauch durch diese Art von Aktivitäten im Laufe des Tages zu einer signifikanten Menge aufsummiert.

Auch der Hunger scheint bei diesen Menschen schneller zu schwinden. Dies sind häufig die Personen, die behaupten, dass sie sehr viel essen, aber trotzdem kein Gewicht aufbauen können, doch wenn man sich ihre Nahrungszufuhr ansieht, dann essen sie entweder nicht viel oder sie essen eine einzige große Mahlzeit, die sie so satt macht, dass sie während des restlichen Tages (oder am nächsten Tag) nicht mehr viel essen.

Unglücklicherweise scheint der NEAT eine genetische Sache zu sein und die Wissenschaft konnte bisher die genaue Ursache hierfür oder ob dies angewandt werden kann, um auf irgendeine praktische Art und Weise zu helfen, noch nicht herausfinden. Dies hat wahrscheinlich nicht nur etwas mit den involvierten Hormonen (welche ich in einem späteren Artikel beschreiben werde), sondern auch mit der Reaktion des Gehirns auf diese Hormone zu tun.

Auf jeden Fall unterstützt all das oben gesagte die grundlegende Idee eines Setpoints beim Menschen: die menschliche Stoffwechselrate, usw. passen sich definitiv an eine Kalorienrestriktion und einen Gewichts-/Fettabbau an (und bewirken so mehr, als man anhand des alleinigen Gewichtsabbaus vorhersagen würde).

Unglücklicherweise scheint sich der menschliche Körper bei einer übermäßigen Nahrungszufuhr bezüglich der Gewichtszunahme nicht annähernd so gut anzupassen.

Und unglücklicherweise ist dies noch nicht das Ende der Geschichte und eine genaue Bestimmung der Faktoren, die den Setpoint festlegen oder ob dieser Setpoint auf lange Sicht hin gesehen verändert werden kann, sind Thema einer andauernden Debatte. Das meiste von dem, was ich gesehen habe, legt nahe, dass wenn der Setpoint verändert werden kann, dieser nur steigen kann. Ich habe bisher noch keine Untersuchung gesehen, die nahelegt, dass der Setpoint jemals wieder sinkt, was selbst dann nicht der Fall zu sein scheint, wenn man ein niedrigeres Körpergewicht über Jahre aufrecht erhält.

Zusätzlich hierzu stimmt nicht jeder mit der Idee eines biologischen Setpoints überein. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass ein so genannter Settling Point eine bessere Beschreibung für das ist, was vor sich geht.