Im ersten Teil dieses Artikels habe ich einen Blick auf das Thema der Regulierung des Körpergewichts und das Konzept des Setpoints geworfen und unterschiedliche Untersuchungen betrachtet, die die Existenz eines solchen Setpoints unterstützen. Am Ende dieses ersten Teils habe ich erwähnt, dass nicht alle Wissenschaftler an das Konzept des Setpoints glauben und eher das Gefühl haben, dass ein so genannter Settling Point eine akkuratere Repräsentation von dem darstellt, was tatsächlich vor sich geht.

Der Leser sollte sich nach der Lektüre des ersten Teils dieses Artikels daran erinnern, dass die Idee des Setpoints im Grunde genommen aussagt, dass der Körper versuchen wird, sein Körpergewicht (oder seinen Körperfettanteil) durch die Anpassung von Dingen wie Stoffwechselrate, Aktivität, Hunger, usw. in Reaktion auf Veränderungen von Körpergewicht oder Körperfett, vor Veränderungen zu schützen.

Ich sollte erwähnen – und ich werde hierauf in einem zukünftigen Artikel zurückkommen -, dass es mit größter Wahrscheinlichkeit die Körperfettlevel sind, die reguliert werden und weniger das absolute Körpergewicht per se.

Dies legt fast nahe, dass jeder Versuch das Körpergewicht oder den Körperfettlevel zu verändern, aufgrund der Gegenreaktion des Körpers müßig ist (und einige haben dieses Konzept auf genau diese Art und Weise interpretiert). Dies gilt insbesondere dann, wenn es um einen Gewichts-/Fettabbau geht, da sich der menschliche Körper stärker gegen einen Gewichts-/Fettabbau als gegen eine Zunahme an Gewicht/Fett zu verteidigen scheint.

Im Gegensatz hierzu besteht die Idee eines so genannten Settling Points darin, dass sich das Körpergewicht/der Körperfettlevel abhängig von der Umwelt an einem gegebenen Punkt stabilisiert. Die Verfügbarkeit von (oder der Mangel an) Nahrung (und wie schmackhaft diese Nahrung ist), die Menge der körperlichen Aktivität, usw. spielen alle zusammen, um festzulegen, wo sich der Körper stabilisiert.

Wenn man den Durchschnittsmenschen nimmt und ihn nach Amerika bringt, wo schmackhafte billige Nahrungsmittel gut verfügbar sind und nur wenig körperliche Aktivität auf täglicher Basis notwendig ist, wird sich der Körper an einem bestimmten Punkt stabilisieren, der wahrscheinlich recht hoch liegt.

Dann verändert man die Ernährung oder lässt diese Person eine große Menge an Sport treiben. In diesem Fall wird sich das Körpergewicht (unabhängig vom Setpoint) vermutlich in einem niedrigeren Bereich einpendeln – zumindest unter der Annahme, dass die Veränderungen bezüglich Ernährung/Aktivität aufrecht erhalten werden.

Anschließend nimmt man dieselbe Person und bringt sie in ein Land der dritten Welt, in dem massive Mengen an Nahrung nicht verfügbar sind und große Mengen an körperlichen Aktivitäten notwendig sind, um Nahrung zu bekommen. Jetzt wird sich das Körpergewicht wahrscheinlich auf dem niedrigsten Wert einpendeln.

Die neigt dazu, absolut unabhängig von jedem biologischen Setpoint zu geschehen.

Und wie gewöhnlich gibt es Daten, die beide Konzepte unterstützen. Und unter Berücksichtigung der neueren Erkenntnisse, dass eine Vielzahl von Systemen das Körpergewicht reguliert (inklusive homöostatischer und hedonistischer Systeme), scheint es mir recht offensichtlich zu sein, dass sowohl das Setpoint Konzept als auch das Settling Point Konzept an der Regulierung von Körpergewicht/Körperfettlevel beteiligt sind.

Niemand kann bestreiten, dass der Körper sich (in größerem oder geringerem Umfang) wehrt, wenn sich Körpergewicht/Körperfettspiegel verändern, was insbesondere dann der Fall ist, wenn Gewicht/Fett abgebaut wird.

Gleichzeitig wäre es töricht zu denken, dass Menschen nicht viel mehr als Automaten sind, die von einem homöostatischen Trieb zu essen angetrieben werden, ohne selbst eine Kontrolle darüber zu besitzen, was sie sich in den Mund schieben.

Auch die Umwelt spielt beim Essverhalten sicherlich eine große Rolle. Eine Vergrößerung der Portionen, Nahrungsmittelwerbung und eine Vielzahl anderer Faktoren besitzen unabhängig von homöostatischen Systemen alle einen Einfluss auf das Essverhalten.

Eine exzellente Synthese dieser Ideen wurde in einem Paper aus dem Jahr 2002 mit dem Titel "Putting behavior back into feeding behavior: a tribute to George Collier." beschrieben.

Hier ist ein Zitat aus dem Abstract: preview
"Die Kombination dieser Daten mit Georges aufschlussreicher Idee sind in eine Modifikation der populären Setpoint Theorie der Regulierung des Körpergewichts übergegangen. Die alternative 'Settling Zone' Theorie schlägt vor, dass während die Biologie einen Bereich des Körpergewichts bestimmen könnte, der über einen langen Zeitraum recht konstant bleibt, das Verhalten, das für die Kontrolle der Energiezufuhr und den Energieverbrauch verantwortlich ist, primär durch die Umwelt und kognitive Stimuli beeinflusst wird."

Im Grunde genommen bedeutet dies, dass auch wenn der Setpoint den Körperfettlevel in einem bestimmten Bereich halten könnte, das individuelle Verhalten und die Umwelt beeinflussen werden, wo man innerhalb dieses Bereich enden wird. Dieses Modell schafft es, die reine Biologie mit der reinen Psychologie zu verbinden, wobei die Trennung zwischen Biologie und Psychologie, wie ich bereits erwähnt habe, von vorne herein eine falsche Trennung darstellt.

Und ich möchte noch einmal anmerken, dass es mehr als klar wird, dass unabhängig von irgendeinem Setpoint oder Settling Point oder was auch immer, das vorherrschende Umfeld und das individuelle Verhalten diese überwinden kann.

Für die meisten Menschen bedeutet dies beim augenblicklichen Umfeld (welches Wissenschaftler als zu Fettsucht neigend bezeichnen) die Aufrechterhaltung eines sehr viel höheren Körpergewichts/Körperfettlevels, als man basierend auf dem Setpoint Konzept erwarten würde (in diesem Zusammenhang sollte noch einmal erwähnt werden, dass jedes homöostatische System, das den Körper vor einer Gewichtszunahme schützt, recht schwach zu sein scheint).

Ich möchte außerdem anmerken, und dies ist ein strittiges Thema, dass einige Hinweise nahelegen, dass der Setpoint bei einer chronischen Aufrechterhaltung einer Fettsucht steigen kann (offensichtlich permanent). Auch andere Dinge wie Schwangerschaft, Pubertät und einige andere könnten dazu in der Lage sein, den Setpoint permanent zu erhöhen.

Es gibt jedoch bestimmte Untergruppen von Diätenden und Sportler, die mit Hilfe unterschiedlicher verhaltenstechnischer Maßnahmen (die im Allgemeinen eine Veränderung von Ernährung und Aktivität umfassen) ein Körpergewicht und einen Körperfettlevel aufrechterhalten können, welche vermutlich unterhalb ihres (oder zumindest am) biologischen Setpoint liegen.

Natürlich arbeiten Wettkampfdiätende (Bodybuilder, Athleten in der Figurklasse) häufig sehr hart daran, weit unter ihren Setpoint herunter zu diäten. Indem sie gegen Hunger, eine Verlangsamung des Stoffwechsels, usw. kämpfen, können diese Personen die extremen unteren Grenzen des menschlichen Körperfettanteils (etwa 3 bis 5% bei Männern und 7 bis 9% bei Frauen) erreichen. Natürlich halten nur wenige diesen extrem niedrigen Körperfettanteil langfristig aufrecht und die meisten leiden unter der Post-Stravation Hyperphagie (Fresssucht), die ich im ersten Teil dieses Artikels erwähnt habe.

Es gibt viele Horrorgeschichten von Wettkämpfern, die nach einer 12 bis 16 Wochen langen Diät rapide und massiv an Gewicht zunehmen und viele Beenden ihre Wettkampfvorbereitung mit einer monatelangen Fressorgie (ohne Training) nach dem Wettkampf. Einiges hiervon ist physiologischer Natur und einiges ist psychologischer Natur und auch hier gibt es Überlappungen der Systeme.

Ich werde diese Artikelserie mit einigen Aspekten der diesem System zugrunde liegenden Physiologie fortsetzen und später zu den psychologischen Aspekten übergehen.