Wie ich im Artikel "Set Points, Settling Points and Bodyweight Regulation Part 2" angemerkt habe – auch wenn ich während dieser Diskussion das Körpergewicht/Körperfett verwendet habe – ist es vermutlich wahrscheinlicher, dass es die Körperfettspiegel per se sind, die reguliert werden. Heute wird der Leser sehen, warum dies so ist und von diesem Moment an, werde ich nur noch über die Regulierung des Körperfetts sprechen.

Mit nur den frühen Untersuchungen zur Verfügung (ich spreche von den Fünfzigern), die die Existenz einer Art von Setpoint belegt haben (primär im Rahmen von Tiermodellen), mussten die Wissenschaftler damals mehr oder weniger raten, was im Bezug auf die Regulierung der Körperfettspiegel vor sich geht.

Im Grunde genommen postulierten sie, dass das Gehirn des Tieres auf irgend eine Art und Weise auf ein Hormon reagieren muss, dass den Körperfettlevel misst. Sie konnten nur postulieren, was dies war und es dauerte weitere 40 Jahre, bevor ein Hauptkandidat hierfür von sich reden machte.

Im Jahr 1994 wurde das Gen für ein Hormon, das als Leptin bezeichnet wurde (vom griechischen Wort "leptos" für "dünn" abgeleitet) bei der OB (OB steht für das engliche Wort "obesity", was übersetzt Fettleibigkeit bedeutet) Maus entdeckt. OB Mäuse, die spontan Übergewicht aufbauen, eine niedrige Stoffwechselrate und Aktivitätsrate aufweisen, usw., wurden seit Jahrzehnten untersucht. Diese Mäuse essen eine Menge, bauen leicht Fett auf, usw..

Oberflächlich gesehen scheint die OB Maus fettleibigen Menschen ähnlich zu sein (auch wenn sie etwas mehr Fell besitzt).

Es stellte sich heraus, dass die OB Maus überhaupt kein Leptin produziert, da sie einen Gendefekt aufweist, der die Leptinproduktion verhindert.

Wenn OB Mäusen Leptin injiziert wird, dann verlieren sie schnell an Gewicht.

Nach der Entdeckung von Leptin waren die Nachrichten voll mit begeisterten Gedanken darüber, dass man endlich die Heilung für Fettleibigkeit gefunden hatte. Firmen investierten viel Geld, um sich die Rechte an Leptin zu sichern, da sie dachten, dass dieses das globale Fettleibigkeitsproblem lösen und ihnen Milliarden von Dollars bescheren könnte. preview

Die Wissenschaftler machten sich also an die Arbeit und maßen die Leptin Blutspiegel bei Personen mit unterschiedlichem Körpergewicht, wobei sie erwarteten, dass fettleibige Menschen kein Leptin produzieren.

Zu ihrer Bestürzung stellte sich heraus, dass fettleibige Menschen ohne Ausnahme hohe Leptinspiegel aufwiesen und es wurde vorgeschlagen, dass der Körper oder das Gehirn ähnlich wie bei einer Insulinresistenz (bei der der Körper nicht länger angemessen auf das Hormon Insulin reagiert) resistent gegenüber Leptin geworden waren. Es befand sich viel Leptin im Blutkreislauf, doch es sendete nicht die richtigen Signale ans Gehirn, den Appetit und das Körperfett zu reduzieren.

Ich möchte in diesem Zusammenhang erwähnen, dass zwei andere Rattenstämme - die DB (für diabetisch) und DIO (für "dietary induced obesity" = ernährungsinduzierte Fettleibigkeit) Ratte – unterschiedliche Grade der Leptinresistenz zeigen (die Existenz einer Resistenz gegenüber dem vermuteten regulierenden Hormon wurde bereits damals in den Fünfzigern postuliert). Im Fall der DB Ratte ist die Resistenz vollständig genetischer Natur, während die DIO Ratte ihre Resistenz mit zunehmender Fettleibigkeit entwickelt.

Eine ganze Reihe von Faktoren induziert eine Leptinresistenz, wozu unter anderem hohe Triglyzeridspiegel im Blut und auch Leptin selbst gehören – wenn die Leptinspiegel chronisch erhöht sind, induziert Leptin selbst eine Leptinresistenz.

Ich möchte anmerken, dass im Augenblick darüber debattiert wird, ob eine Leptinresistenz wirklich die Ursache für das ist, was vor sich geht und andere Modelle, zu denen auch die Leptin Insuffizienztheorie gehören, werden diskutiert. Bei letzterem ist ein Mangel an Leptin im Gehirn (und nicht im Körper) das Problem. In beiden Fällen wird das Signal von Leptin nicht korrekt gesendet. Ich werde im nächsten Artikel darüber sprechen, was dieses Signal ist.

Und auch wenn man eine Handvoll Individuen gefunden hat, die kein Leptin produzieren (und die auf injiziertes Leptin mit einem massiven Gewichtsverlust und einer Normalisierung der Stoffwechselrate reagierten), zeigten Studien, in deren Rahmen fettleibigen Menschen Leptin injiziert wurde, nur enttäuschende Ergebnisse oder überhaupt keinen Gewichtsabbau.

Dies macht Leptin natürlich nicht nutzlos – es wurde nur ganz einfach inkorrekt verwendet, da die Wissenschaftler noch nicht richtig verstanden, was es tatsächlich bewirkt oder bewirken soll. Viele Menschen verstehen dies immer noch nicht richtig.

Bevor ich diesen Artikel abschließe möchte ich anmerken, dass Leptin nicht der einzige Hormon Kandidat für die Regulierung des Körpergewichts ist. Wie sich herausstellt, spielt hier auch Insulin eine Schlüsselrolle (auch Insulin passt sich an das Körperfett an). Direkte Insulininjektionen ins Gehirn von Tieren reduzieren die Nahrungszufuhr und das Körpergewicht zuverlässig.

Es gibt außerdem Hinweise darauf – und hierüber werde ich später noch sprechen -, dass es einen geschlechtsabhängigen Unterschied bezüglich der Reaktion des Gehirns auf Leptin und Insulin gibt. Ausgehend von der Tatsache, dass die Leptinspiegel am stärksten durch das subkutane Fett (im Allgemeinen bei Frauen stärker ausgeprägt) beeinflusst werden und dass die Insulinspiegel am stärksten durch das viszerale Fett (im Allgemeinen bei Männern stärker ausgeprägt) beeinflusst werden, macht dies logisch gesehen Sinn.

Natürlich gibt es auch noch andere Faktoren. Sowohl Hormone wie Cholecystokinin, Peptid YY und Ghrelin als auch Faktoren wie Blutzuckerspiegel, Blutfettsäuren, Aminosäuren und andere werden fast auf täglicher Basis neu entdeckt und alle senden ein integriertes Signal darüber, was im Körper vor sich geht, ans Gehirn.

Darüber hinaus wirken unterschiedliche Hormone über längere oder kürzere Zeiträume. Die Insulinspiegel können sich z.B. innerhalb von Minuten verändern, bei Leptin dauert es Stunden, Ghrelin arbeitet auf einer Mahlzeit zu Mahlzeit Basis, usw. Dies ergibt in seiner Gesamtheit ein sehr kompliziertes System. Doch ich greife dem, was ich noch schreiben werde, voraus.

Ach ja, ich muss wahrscheinlich nicht extra darauf hinweisen, dass das meisten dieser Informationen bis zum einen oder anderen Grad in fast allen meiner Bücher besprochen werden.