Leptin ist ein Proteinhormon, das primär von den Fettzellen ausgeschüttet wird, wobei jedoch auch die Muskeln, der Verdauungstrakt und möglicherweise sogar das Gehirn etwas Leptin ausschütten. Was die ausgeschüttete Menge angeht, sind die Fettzellen der primäre Ort, an dem Leptin synthetisiert und ausgeschüttet wird.
Anmerkung: Wenn der Leser immer noch der veralteten Ansicht ist, dass Fettzellen nicht mehr als untätige Speicherzellen sind, dann sollte er aus den Siebzigern zu uns in die Gegenwart kommen. Wie sich herausgestellt hat, stellen Fettzellen ein endokrines Organ dar, welches eine Vielzahl von Hormonen und Chemikalien ausschüttet, die Wirkungen im gesamten Körper besitzen. Leptin ist eines dieser Hormone.
Die Menge des ausgeschütteten Leptins steht in direkter Verbindung zum Körperfettanteil – genauer gesagt mit dem subkutanen Körperfettanteil. Je höher der Körperfettanteil ist, desto höher fallen die Leptinspiegel aus und umgekehrt. Dies geht so weit, dass Männer mit einem Körperfettanteil von unter 10% unter Umständen keine messbaren Mengen an Leptin im Blutkreislauf aufweisen.
Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass Frauen im Allgemeinen bei einem gegebenen Körperfettanteil zwei- bis dreimal höhere Leptinspiegel als Männer aufweisen, was wahrscheinlich auf hormonelle Faktoren zurückgeführt werden kann. Es gibt außerdem einige Hinweise auf geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der Reaktion der Leptinspiegel auf Dinge wie Ernährung und Training. Noch wichtiger ist jedoch, dass das weibliche Gehirn vermutlich anders als das männliche Gehirn auf Leptin reagiert.
Am Rande erwähnt, vermute ich, dass dies ein Teil des Grundes dafür sein könnte, dass Frauen es im Allgemeinen schwerer haben Fett zu verlieren (ein Thema, auf das ich etwas detaillierter in meinem "Bromocriptine" Buch eingehe und mit dem ich mich zurzeit intensiver beschäftige).
Die Leptinspiegel korrelieren jedoch nicht nur mit dem Körperfettanteil, sondern werden auch in großem Umfang durch die Nahrungszufuhr und insbesondere durch den Kohlenhydratstoffwechsel der Fettzellen beeinflusst. preview
In Reaktion auf sowohl eine übermäßige als auch eine zu geringe Nahrungszufuhr verändern sich die Leptinspiegel rapide.
Wenn man mit einer Diät beginnt, können die Leptinspiegel innerhalb von einer Woche um 30 bis 50% fallen, auch wenn man innerhalb dieses Zeitraums ganz offensichtlich noch nicht so viel Körperfett verloren hat. Nach diesem rapiden initialen Abfall sinken die Leptinspiegel anschließend sehr viel langsamer in Verbindung mit dem Abbau von Körperfett.
Umgekehrt können die Leptinspiegel nach einer kurzen erhöhten Nahrungszufuhr sehr viel schneller wieder ansteigen, als neues Körperfett aufgebaut wird. Letzteres ist ein Teil der Grundlage von Refeeds und zyklischen Diäten – eine kurzfristige, sehr hohe Kohlenhydrat-/Kalorienzufuhr kann die Leptinspiegel ohne einen signifikanten Fettaufbau zu bewirken, anheben.
Ich möchte in diesem Zusammenhang anmerken, dass kurzfristig nur die Kohlenhydratzufuhr die Leptinspiegel beeinflusst – eine hohe Kalorienzufuhr in Form von Fett besitzt keinen Einfluss auf das Leptin. Zusätzlich hierzu regulieren Veränderungen der Fettmasse per se die Leptinspiegel nicht kurzfristig (weniger als 48 Stunden). Es ist eher die Auswirkung des Glukosestoffwechsels in den Fettzellen, welche die Leptin Synthese und Ausschüttung beeinflusst.
Dies ist der Grund dafür, dass bei meinen Diäten ein Refeed immer auf einer Phase mit hoher Kohlenhydratzufuhr basiert. Dies ist der einzige Weg die Leptinspiegel kurzfristig zu beeinflussen.
Im Grunde genommen sagt Leptin dem Körper zwei Dinge:
- Wie viel Fett man mit sich herumträgt
- Wie viel man isst
Ich möchte an dieser Stelle, wie bereits im ersten Teil dieses Artikels angesprochen wurde, noch einmal erwähnen, dass auch Insulin ein Spieler bei der Regulierung des Körpergewichts ist, der primär durch das viszerale Fett beeinflusst wird und es gibt Hinweise darauf, dass die Gehirne von Männern und Frauen relativ gesehen mehr oder weniger empfindlich auf diese beiden Hormone reagieren.
Das weibliche Gehirn scheint mehr auf Veränderungen der Leptinspiegel anzusprechen, während das männliche Gehirn mehr auf Insulin anspricht. Wie der Leser vielleicht bereits vermutet hat, werden diese Effekte wahrscheinlich durch Unterschiede bezüglich der Hormonspiegel vermittelt und Östrogen scheint die Empfindlichkeit des Gehirns gegenüber Leptin zu verbessern. Auch wenn dies noch nicht bei Menschen überprüft wurde, erhöhen Östrogen Injektionen bei männlichen Ratten die Reaktion auf Leptin.
Wie ich in einem Forschungsreview erwähnt habe, gibt es außerdem Hinweise darauf, dass Östrogen im Gehirn ein leptinähnliches Signal auslöst.
Ich möchte erwähnen, dass die vom praktischen Standpunkt (im Bezug auf Refeeds) aus gesehen keine besonders große Rolle spielt, da sowohl die Leptin- als auch die Insulinspiegel durch einen kohlenhydratreichen Refeed erhöht werden.
In jedem Fall senden Leptin und Insulin und die anderen Hormone, die ich im ersten Teil dieses Artikels erwähnt habe, dem Gehirn ein Signal bezüglich der Körperfettspiegel und der Nahrungszufuhr, wodurch sie zu wahrscheinlichen Kandidaten für die Regulierung des Körpergewichts werden. Doch wie wirken diese Hormone genau?
Über dieses Thema werde ich im nächsten Teil dieses Artikels sprechen (wobei ich mich weiterhin auf Leptin konzentrieren werde, aber gleichzeitig auch damit beginnen werde, einige der anderen an der Regulierung des Körpergewichts beteiligten Hormone anzusprechen).