Ich habe im Rahmen dieser Artikelserie bereits ein wenig über Insulin gesprochen, doch es gibt noch weitere Hormone, die in diesem Zusammenhang wichtig sind, wobei es wahrscheinlich ist, dass im Laufe der Zeit noch weitere entdeckt werden. Oxyntomodulin, GLP-1 und PP werden in aktuellen wissenschaftlichen Artikeln beschrieben und zukünftige Untersuchungen sollen herausfinden, was zum Teufel tatsächlich vor sich geht.
Ich möchte am Rande erwähnen, dass dies ein großes Problem beim Versuch darstellt, eine echte Lösung für das Problem des Übergewichts und der Fettleibigkeit zu finden: Im menschlichen Körper gibt es eine Reihe von sich überlappenden, integrierten und redundanten Pfadwegen, die alle Signale ans Gehirn senden. Wenn man ein Problem löst, dann kommt etwas anderes ins Spiel, das die Lücke füllt und neue Probleme verursacht.
Von einem pharmazeutischen Standpunkt aus gesehen bedeutet dies vermutlich, dass eine multiple Medikamententherapie notwendig sein wird. Ich vermute außerdem, dass Forschung und Tests dabei helfen werden herauszufinden, ob ein gegebenes Individuum einen Pfadweg besitzt, der einen größeren Beitrag leistet, was vielleicht eine individueller zugeschnittene Medikamenten- oder Ernährungstherapie erlauben könnte. Bis dies in der Praxis angewandt werden kann, werden jedoch wahrscheinlich noch Jahre vergehen.
Wie auch immer, ich möchte diese Artikelserie damit beenden, dass ich über einige andere dieser Hormone spreche, wobei ich mich primär auf die drei Hormone Cholecystokinin, Ghrelin und Peptid YY konzentrieren werde, da diese im Augenblick am besten erforscht sind.
Cholecystokinin
Cholecystokinin, oder CCK, war eines der ersten Sättigungshormone, das ursprünglich in den späten Sechzigern entdeckt wurde. Von den Därmen in Reaktion auf eine Nahrungszufuhr ausgeschüttet, gelangt es ins Gehirn, bindet dort an seine spezifischen Rezeptoren an und hilft eine Sättigung auf Mahlzeit zu Mahlzeit Basis zu signalisieren. CCK scheint bei der langfristigen Regulation des Körpergewichts keine große Rolle zu spielen – es ist ganz einfach ein Sättigungssignal in Reaktion auf Mahlzeit.Ernährungstechnisch gesehen spielen Protein, Fett und Ballaststoffe bei der Anregung der CCK Ausschüttung eine primäre Rolle, während Kohlenhydrate eine sehr viel geringere Wirkung besitzen. Dies könnte zum Teil die Appetit unterdrückende Wirkung vieler kohlenhydratarmer Diäten erklären (welche im Allgemeinen reich an Protein, Fett und Ballaststoffen sind).
Wie ich in einem vorhergehenden Artikel erwähnt habe, wirkt CCK nicht besonders gut, wenn die Leptinspiegel niedrig sind, was erklärt, warum schlanke Diätende ernährungstechnisch alles richtig machen können und trotzdem nach einer Stunde wieder Hunger verspüren können.
Ghrelin
Vom Magen ausgeschüttet, gelangt Ghrelin ins Gehirn, wo es einen spezifischen Rezeptor für dieses Hormon gibt. Neben anderen Wirkungen erhöht Ghrelin die Wachstumshormonspiegel. Doch das ist bei weitem noch nicht alles. previewGhrelin regt außerdem (als einziges bisher hierfür bekanntes Hormon) den Hunger an und scheint bei der Einleitung des Hungers ein Schlüsselhormon darzustellen. Die Ghrelin Spiegel steigen vor dem Eintritt von Hunger und Ghrelin Injektionen regen den Hunger spezifisch an.
Noch interessanter ist, dass Untersuchungen nahe legen, dass die Ghrelin Spiegel zu den normalen Essenszeiten steigen.
Wenn man also normalerweise um 15 Uhr (oder wann auch immer) isst, dann wird man wahrscheinlich um 15 Uhr hungrig werden – dies geschieht aufgrund von Veränderungen der Ghrelin Spiegel. Ich vermute, dass dies erklärt, warum Menschen Probleme damit haben, ihre Mahlzeitenfrequenz zu verändern – zumindest so lange, bis sich Ghrelin an die neue Frequenz gewöhnt hat.
Wenn man von einer höheren zu einer niedrigeren Frequenz der Mahlzeiten übergeht, dann wird dies häufig von Hunger zu den "normalen" Essenszeiten begleitet. Wenn man von einer niedrigeren zu einer höheren Frequenz der Mahlzeiten übergeht, dann wird dies häufig von einem Mangel an Hunger begleitet, bis sich der Körper an die neuen Essenszeiten angepasst hat. Ich habe noch keine Untersuchungen gesehen, die eine Aussage darüber gemacht haben, wie lange dies dauert, doch empirisch scheint dies einige Wochen zu dauern.
Erhöhte Ghrelin Spiegel beeinflussen so ziemlich alle Aspekte des Stoffwechsels negativ. Sie verlangsamen die Stoffwechselrate und erhöhen die Fettspeicherung – zumindest geschieht dies bei Ratten in Reaktion auf tägliche Ghrelin Infusionen.
In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass ich Gerüchte gehört habe, denen Zufolge Ghrelin bei Sportlern und Bodybuildern zur Unterstützung der Aufbauphase beworben wird – sowohl aus Gründen der Steigerung des Appetits als auch aus Gründen der Erhöhung der Wachstumshormonausschüttung. Wenn man die negativen Auswirkungen von Ghrelin auf den Stoffwechsel berücksichtigt, ist dies eine wirklich schlechte Idee, wenn das Ziel nicht gerade darin besteht, wirklich fett zu werden.
Im Gegensatz hierzu könnte ein Ghrelin Antagonist während einer Diät eine wirklich nette Sache sein. Zurzeit scheint man gerade an einem oral verfügbaren Ghrelin Antagonisten zu arbeiten.
Wie sich herausstellt, verändern sich die Ghrelin Spiegel entgegengesetzt zu den Leptinspiegeln. Während die Leptinspiegel während einer Diät sinken, steigen die Ghrelin Spiegel während einer Diät an. Man braucht wahrscheinlich nicht extra zu erwähnen, dass die Leptinspiegel an der Kontrolle der Ghrelin Spiegel beteiligt sind. Leptin scheint sowohl die Ghrelin Ausschüttung durch den Verdauungstrakt als auch die Anregung von Hunger durch Ghrelin zu reduzieren.
Eine Diät ist also für gewöhnlich in dieser Hinsicht ein Doppelschlag: die Leptinspiegel sinken, während die Ghrelin Siegel steigen, wobei die Reduzierung der Leptinspiegel zum Teil für die gesteigerte Ghrelin Ausschüttung verantwortlich ist.
Ghrelin scheint sowohl beim kurzfristigen und langfristigen Hunger als auch der langfristigen Regulierung des Körpergewichts eine Rolle zu spielen. Wie oben erwähnt wurde, steigen die Ghrelinspiegel vor einer Mahlzeit, während sie nach einer Mahlzeit wieder sinken.
Die Ghrelinspiegel steigen jedoch auch mit dem Verlust an Gewicht/Körperfett und sinken, wenn man an Gewicht zunimmt. Menschen mit einem hohen BMI haben niedrigere Ghrelinspiegel (und es gibt auch die Idee einer Ghrelin Resistenz) und Menschen, die unter Anorexie leiden, haben höhere Ghrelinspiegel (welche bei einer Erhöhung der Nahrungszufuhr sinken).
Ernährungstechnisch gesehen scheinen Kohlenhydrate bei der Regulierung der Ghrelinspiegel eine primäre Rolle zu spielen, während Nahrungsfette einen geringeren Einfluss besitzen. Die Rolle von Protein ist zurzeit noch unklar. Im Rahmen einer Studie generierte eine kohlenhydratreiche/fettarme Diät einen Gewichtsverlust, ohne dass es hierbei zur normalen Erhöhung der Ghrelinspiegel kam.
Auch wenn dies nur an Menschen untersucht wurde, die unter Anorexie litten, zeigte mindestens eine Studie, dass der Verzehr eines kalorienfreien Ballaststoffs die Ghrelinspiegel senkte. Der Verzehr von geringen Mengen an Guarkernmehl zwischen den Mahlzeiten könnte dabei helfen, die Ghrelinspiegel während einer Diät niedrig zu halten.
Vielleicht ironischerweise scheint eine niedrige Natriumzufuhr die Ghrelinspiegel zu erhöhen (auch wenn es hier ethnische Unterschiede gibt). Wie ich in einem anderen Artikel angesprochen habe, frage ich mich, ob die niedrige Natriumzufuhr, von der Wettkampfbodybuilder und Figurathleten häufig besessen sind, die Dinge nicht schlimmer, statt besser macht.
Im Rahmen einer Studie stand die Erhöhung der Ghrelinspiegel in Verbindung mit einem Gewichtsabbau primär mit dem Verlust an fettfreier Körpermasse und nicht dem Fettabbau per se in Verbindung. Dies ist ein weiterer Grund dafür, eine Diät so zu planen, dass ein Abbau fettfreier Körpermasse verhindert wird.
Von Interesse ist auch, dass einer der Wege, auf dem ein bariatrischer Eingriff (Magenband bzw. Magen-Bypass) erfolgreich zu sein scheint, darin besteht, dass es trotz des massiven Gewichtsverlust häufig nicht zu einer Erhöhung der Ghrelinspiegel kommt, wie man diese bei einem diätinduzierten Gewichtsverlust beobachten würde.
Dies könnte erklären, warum Gewicht so schnell und scheinbar ohne Hunger mit Hilfe dieses operativen Eingriffs verloren werden kann. Ich möchte anmerken, dass Untersuchungen nahelegen, dass andere Hormone (wie Peptid YY und Glucagon Like Peptide 1), relevanter für die den Hunger unterdrückende Wirkung dieses Eingriffs sind.
Peptid YY
Peptid YY (PYY) ist ein weiteres wichtiges Hormon, dass primär vom Dünndarm ausgeschüttet wird. Wie CCK reduziert auch PYY den Hunger und den Appetit, wobei es dies für einen längeren Zeitraum tut. Eine PYY Infusion unterdrückt den Hunger beim Menschen für bis zu 24 Stunden.Aus physiologischer Sicht gesehen steigen die PYY Spiegel innerhalb von 15 Minuten nach dem Essen an und bleiben für bis zu 5 Stunden erhöht. Bei Übergewichtigen konnte gezeigt werden, dass sie niedrigere Basis PYY Spiegel aufweisen und dass es zu einer geringeren Erhöhung der Spiegel dieses Hormons nach dem Essen kommt.
Da alles miteinander in Verbindung steht, verwundert es nicht, dass von einer PYY Administration gezeigt werden konnte, dass diese sowohl die PPY Spiegel im Fastenzustand reduziert als auch die normale Erhöhung der Ghrelinspiegel vor den Mahlzeiten verhindert.
Ernährungstechnisch gesehen scheint PYY primär durch den Energiegehalt der verzehrten Mahlzeit reguliert zu werden, auch wenn wissenschaftliche Untersuchungen nahelegen, dass Nahrungsfett den größten Einfluss auf PYY besitzt. Auch die appetithemmende Wirkung von Protein scheint mit erhöhten PYY Spiegeln in Verbindung zu stehen und auch Ballaststoffe erhöhen die PYY Spiegel.
Von Interesse ist auch, dass eine Studie, die eine kohlenhydratarme/fettreiche Diät mit einer kohlenhydratreichen/fettarmen Diät verglich, zu dem Ergebnis kam, dass die kohlenhydratarme/fettreiche Diät bei fettleibigen Probanden eine größere und länger anhaltende Auswirkung auf die PYY Spiegel besitzt.
Was bedeutet all dies für uns?
Wie ich oben bereits erwähnt habe, gibt es eine Menge Interaktionen und Überlappungen, wenn es um die Regulierung von Hunger/Appetit und Körpergewicht/Körperfett geht. Die Betrachtung der oben beschriebenen Hormone ist auch ohne dass man sich Gedanken über Leptin, Insulin, Blutzucker und alles andere macht, bereits recht kompliziert.Eine Studie kommt z.B. zu der Schlussfolgerung, dass viele Kohlenhydrate und wenig Fett besser für eine Unterdrückung der Ghrelinspiegel geeignet sind, während eine andere herausfindet, dass kohlenhydratarme und fettreiche Mahlzeiten einen größeren Einfluss auf Peptid YY besitzt (dessen Spiegel bei fettleibigen Menschen bereits zu Beginn niedrig sein können).
Was ist besser?
Wenn man die einzelnen Makronährstoffe betrachtet, dann besitzen Kohlenhydrate den größten Einfluss auf eine Unterdrückung der Ghrelin Ausschüttung, während Protein, Fett und Ballaststoffe den größten Einfluss auf CCK und Peptid YY zu besitzen scheinen.
Ist ein Hormon relativ gesehen wichtiger als das andere oder ist ein moderater Diätansatz, bei dem jede Mahlzeit alle vier Makronährstoffe (viel fettarmes Protein, moderate Mengen an Fett, Ballaststoffe und moderate Mengen an Kohlenhydraten) enthält überlegen, da sie auf alle vom Verdauungstrakt ausgeschütteten Hormone abzielt (zusätzlich dazu, dass dieser Ansatz die größte ernährungstechnische Flexibilität und Vielfalt ermöglicht)?
Ist eine Verhinderung des Anstiegs der Ghrelinspiegel relativ gesehen wichtiger als eine Erhöhung der CCK und PYY Spiegel oder hängt dies von der spezifischen Person ab? Wenn eine Erhöhung der PYY Spiegel mit viel Protein, Fett und Ballaststoffen nicht nur bei der kurzfristigen Sättigung hilft, sondern auch die Erhöhung der Ghrelinspiegel reduziert (wie Studien mit Infusionen nahelegen), erübrigt dieser Ansatz dann die gesamte Diskussion, da man beides mit Hilfe derselben Intervention erreichen kann (erhöhte PYY und reduzierte Ghrelinspiegel)?
Verleiht all dies der Verwendung von kohlenhydratarmen Diäten zum Zweck der Behandlung von Fettleibigkeit mehr Akzeptanz? Es gibt außerdem eine zusätzliche Interaktion der Diät mit der Insulinsensitivität – etwas, über das ich im Rahmen dieser Artikelserie nicht gesprochen habe, das aber im Artikel "Insulin Sensitivity and Fat Loss" beschrieben wird.
Wie ich oben angemerkt habe, sagt mir mein Bauchgefühl, dass unterschiedliche Menschen relativ gesehen besser oder schlechter auf die unterschiedlichen Hormone ansprechen.
Wenn Ghrelin ein größeres Problem als die anderen Hormone darstellt (und die Insulinsensitivität gut ist), dann könnte eine kohlenhydratreiche/fettarme Diät sehr gut die bessere Wahl für eine gegebene Person darstellen. Wenn PYY dominant ist (und die Insulinsensitivität schlecht ist), dann könnte hingegen eine kohlenhydratarme/fettreichere Diät die beste Wahl darstellen.
Ich sage nicht, dass ich die Antworten habe und ich bin mir auch nicht sicher, ob zum gegebenen Zeitpunkt überhaupt irgendwer die Antworten kennt. Wie ich bereits angemerkt habe, vermute ich, dass wir irgendwann zu dem Punkt kommen werden, an dem eine grundlegende Untersuchung der vom Verdauungstrakt ausgeschütteten Hormone, der Insulinsensitivität, usw. uns dazu in die Lage versetzen wird, die Diät individuell optimieren zu können. Ich bin mir jedoch nicht sicher, wann dies der Fall sein wird.