Regulierung des Körpergewichts (V)
Wie die meisten Hormone des Körpers besitzt Leptin nahezu überall im Körper Wirkungen. In der Skelettmuskulatur ist es an der Förderung der Fettoxidation beteiligt, es beeinflusst den Stoffwechsel der Fettzellen direkt, es ist am Leberstoffwechsel sowie der Funktion des Immunsystems beteiligt (was der Grund dafür ist, dass viele Diätende krank werden, wenn sie sehr schlank werden) und aktuelle Untersuchungen implizieren Auswirkungen auf die Gehirnfunktion, die Neurogenese, die Atmung und eine ganze Menge andere Dinge.
Von Interesse könnte auch sein, dass die Leptinspiegel entscheidend sowohl an Pubertät als auch Fruchtbarkeit beteiligt sind. Es ist seit Jahrzehnten gut bekannt, dass bestimmte Körperfettspiegel für den Eintritt der Pubertät notwendig sind und das Erreichen kritischer Leptinspiegel scheint bei der Ermöglichung des Beginns der Pubertät eine Rolle zu spielen.
Die Handvoll von Menschen, deren Körper kein Leptin produziert, kommen nie in die Pubertät und man glaubt, dass einer der Gründe dafür, dass einige Kinder früher in die Pubertät kommen, mit der zunehmenden Fettleibigkeit bei Kindern, welche das Erreichen dieses kritischen Leptinspiegels früher bewirkt, in Zusammenhang steht.
Weiterhin ist Leptin bei der Regulierung der Fruchtbarkeit ein Schlüsselfaktor, der dem Körper und dem Gehirn im Grunde genommen sagt, dass der Körper ausreichend genährt ist, um Kalorien für Dinge wie die Reproduktion und das Zeugen von Kindern verbrauchen zu können. Dies erklärt zumindest teilweise, warum Diätende mit einem sehr geringen Körperfettanteil sowohl ihren Sexualtrieb als auch ihre Sexualfunktion verlieren.
Das Ausbleiben der Menstruation ist eine gut bekannte Auswirkung des Diätens und intensiven Trainings. Während man früher immer dachte, dass dies mit dem Körperfettanteil per se in Zusammenhang steht, scheint die Verfügbarkeit von Energie (worüber Leptin den Körper informiert) ein größerer Faktor zu sein. Im Grunde genommen fährt der Körper, wenn er das Signal bekommt, dass er nicht über ausreichende Mengen an Energie verfügt, nicht essentielle Aktivitäten wie die Reproduktion herunter.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die aktuellsten Ideen bezüglich der Funktion von Leptin im Körper darin bestehen, dass Leptin als Adipometer agiert, welches den Füllstand der Energiespeicher misst und das Gehirn darüber informiert, ob ausreichende Mengen an Kalorien für Dinge wie den Aufbau von Knochen, die Aufrechterhaltung der Immunfunktion, usw. verfügbar sind. Dies ist im Grunde genommen das Konzept, das ich hier beschreibe.
Auch wenn Leptin im Körper eine Menge Dinge bewirkt, hat vieles hiervon nichts mit dem zu tun, worüber ich an dieser Stelle eigentlich sprechen möchte. Deshalb werde ich mich im Folgenden auf die potentiellen Rollen von Leptin bei der Regulierung des Körpergewichts/Körperfetts konzentrieren.
Als Leptin ursprünglich entdeckt wurde, sah man dieses Hormon als "Anti-Fettleibigkeitshormon" an. Man dachte, dass Leptin einer Gewichtszunahme entgegenwirken sollte. Dies brachte einen Wissenschaftler dazu zu witzeln (und ich paraphrasiere hier) dass "wenn die Funktion von Leptin darin besteht, als ein Anti-Fettleibigkeitshormon zu agieren, dann sollte Leptin als ineffektivstes Hormon im Körper in die Geschichte eingehen." preview
Wie ich in früheren Artikeln bereits erwähnt habe, weisen fettleibige Menschen ohne Ausnahme hohe Leptinspiegel auf und eine Erhöhung der Leptinspiegel bewirkt bei diesen Menschen im Bezug auf eine Reduzierung des Gewichts nur wenig und aufgrund dieses Fehlschlags kam man von der Idee, Leptin als Behandlungsmethode für Übergewicht zu verwenden, ab.
Das Problem besteht jedoch darin, dass die frühen Vorstellungen bezüglich der Wirkungen von Leptin völlig inkorrekt waren. Statt als Anti-Fettleibigkeitshormon per se zu agieren, scheint Leptin mehr als "Anti-Verhungern" Hormon zu wirken. Dies bedeutet, dass Leptin einer Gewichtszunahme nicht entgegen wirkt, sondern versucht zu verhindern, dass man verhungert.
Dieses neue Konzept trägt viel dazu bei, die augenscheinliche Asymmetrie der Systeme der Regulierung des Körpergewichts zu erklären, die ich bereits angesprochen habe: der Körper verteidigt sich nicht effektiv gegen eine Gewichtszunahme, während er sich hartnäckig gegen einen Gewichtsverlust verteidigt.
Verschiedene Untersuchungen fanden heraus, dass der Abfall der Leptinspiegel der Auslöser der Auswirkungen des (Ver-)Hungerns beim Menschen ist, oder diese zumindest vermitteln (und diäten ist dasselbe wie Verhungern in einem kleineren Maßstab). Im Rahmen mehrerer Studien diäteten die Probanden zunächst, bevor die Leptinspiegel wieder auf den Ausgangswert vor Beginn der Diät angehoben wurden. Dies bewirkte eine Erhöhung der Stoffwechselrate, normalisierte die Schilddrüsenfunktion und steigerte den Fettabbau.
Während der Versuch, die Leptinspiegel bei übergewichtigen Personen zu erhöhen im Grunde genommen reine Zeitverschendung ist, macht es sehr viel mehr Sinn zu verhindern, dass die Leptinspiegel während einer Diät sinken (oder die Leptinspiegel, nachdem Gewicht abgebaut wurde, wieder auf den Normalwert anzuheben).
Ich möchte am Rande erwähnen, dass aktuelle Arbeiten herausgefunden haben, dass Frauen, die unter Amenorrhö (Verlust des Menstrualzyklus) leiden, auf eine Erhöhung der Leptinspiegel mit Verbesserungen der reproduktiven Funktion, der Knochengesundheit, der Schilddrüsenfunktion und der allgemeinen Hormonachsen usw. reagieren – und all dies ohne Gewichtszunahme.
Der Leser weiß nun im Grunde genommen (zumindest konzeptuell) was Leptin im Körper bewirkt: es signalisiert dem Gehirn den Zustand der Energiespeicher (sowohl Körperfettlevel als auch Energiezufuhr) und scheint primär als "Anti-Verhungern" Hormon zu agieren. Im nächsten Teil dieses Artikels möchte ich mechanistisch einige Dinge betrachten, die Leptin bewirkt (z.B. den Einfluss auf den Appetit) und anschließend darauf eingehen, wie man hiermit im Rahmen einer Diät umgeht.