Respekt
Dass man anderen Menschen respektvoll begegnen sollte, erklärt sich von selbst. Es bedarf hierfür auch keiner besonderen Leistung. Man kann von einem Menschen erwarten, dass er seinem Gegenüber den Respekt erweist, den man auch selbst von dem Gegenüber erwartet, eben getreu dem Motto: "Was Du nicht willst, dass man Dir tu...". Dabei umfasst ein respektvoller Umgang mehr als nur die Tatsache, dass man dem Nebenmann nicht auf die Schuhe pinkelt, weil man mal eben Druck loswerden muss, sondern auch Dinge, die man im alltäglichen Zusammenleben im Gym sehr schön beobachten kann. Seine Gewichte nicht abzubauen, seine Hanteln nicht zurückzuräumen, den Siff nicht vom verschwitzten Cardiogerät zu wischen, seine leeren Trinkflaschen in der Gegend herumliegen zu lassen...all das sind respektlose Handlungen. Mit stinkigen Trainingsklamotten im Gym herumzulaufen ist im übrigen auch kein Zeichen von großartigem Respekt dem Umfeld gegenüber. Auch sind Gemeinschaftsduschen eben nicht der richtige Ort für eine Intimrasur und hey...Klobürsten darf man wirklich benutzen. Dabei geht es einmal um den Respekt den Angestellten gegenüber, die ansonsten diese Scheiße ausbaden dürfen. Manch einer scheint irgendwie das Gefühl zu haben, dass er mit der monatlichen Zahlung des Mitgliedsbeitrages auch gleich eine Horde Leibeigene gebucht hat; dem ist nicht so. Zudem ist ein solches Verhalten auch schlicht respektlos gegenüber den anderen Trainierenden, die unter den Umständen zu leiden haben. Fremdes Eigentum sollte man nicht weniger pfleglich behandeln als das eigene, auch wenn man dafür "Miete" bezahlt. Wenn man sieht, wie manche Trainierender mit dem Inventar des Gyms umgeht, kann man sich nur wundern.
Respekt gegenüber der Umwelt ist ein Thema, das nichts mit übertriebenem Ökotum zu tun hat. Aber ich denke es ist sinnvoll und auch notwendig sich hin und wieder bewusst zu machen, dass wir eben nur diesen Planeten zum Leben haben und wir ihn entsprechend behandeln sollten…für uns, für all die anderen Lebewesen dieses Planeten und auch für unsere Kinder. Mag sein, dass man sich da mit 18 noch keine großen Gedanken macht - habe ich sicherlich auch nicht - aber es kommt der Punkt, an dem man sich überlegt, in welche Welt man seine Kinder entlassen will. Im Hinblick auf das Bodybuilding ist hier vor allem der Aspekt der Ernährung zu nennen. Hauptsache billig und viel, frei nach dem Motto "Wer braucht schon Mikros, alle Macht den Makros", damit tut ihr weder Euch einen Gefallen, noch der Umwelt. Pute für unter 5€ pro Kilogramm, überlegt Euch mal unter welchen Bedingungen solch Fleisch überhaupt "produziert" werden kann, damit es noch rentabel ist. Obst und Gemüse muss man nicht über den halben Erdball schippern lassen, das findet man auch beim nächst ansässigen Bauern und das deutlich frischer. Man kann diese Liste unendlich weiterführen, nehmt sie nur mal als kleinen Anreiz zum Nachdenken. preview
Ich denke die wichtigste Form des Respekts, ist der Respekt vor sich selbst. Wer sich selbst nicht respektiert, dem wird es kaum möglich sein andere zu respektieren und es wird ihm vor allem kaum möglich sein, ein glückliches Leben zu führen. Auch hier fließen viele Faktoren ein, entscheidend ist aus meiner Sicht sicherlich der bereits eben angesprochene Punkt des pfleglichen Umgangs mit dem eigenen Körper. Dazu zählt, dass man sich eben nicht so gehen lässt, bis die Feuerwehr einen aus der Wohnung holen muss, dazu zählt, dass man sich nicht jedes Wochenende so dermaßen wegballert, dass man nicht mehr weiß, wie man heißt. Ich will hier sicher nicht den Moralapostel spielen, ich habe meinen eigenen Körper lange Zeit ohne jeglichen Respekt behandelt, aber mit dem nötigen Abstand kann ich heute sagen, dass ein wenig Mäßigung definitiv nicht geschadet hätte. Es geht nicht um ein enthaltsames Leben, es geht um die Verhältnismäßigkeiten, frei nach Paracelsus: "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei." In einem Sport, in dem es so sehr um Äußerlichkeiten geht, vergessen viele leider, dass ein optisch gesunder Körper nicht immer auch gesund sein muss. Und diejenigen, die in so einem Körper stecken, merken oft gar nicht, dass sie nicht nur ihre Gesundheit ruinieren, sondern auch ihre körperlichen Fortschritte massiv sabotieren. Eine bedarfsgerechte Ernährung ist mehr als dafür zu sorgen, dass man genug Eiweiß zu sich nimmt, ein ausgewogenes Training ist mehr als Brust und Bizeps 3x pro Woche…
Wenn ich zurückblicke und versuche meine Worte mit den Augen meines jüngeren Ich zu lesen, erscheint mir vieles langweilig, zu streng, zu konservativ und sogar etwas paranoid. Es klingt eben nach dem, was mein Vater mir predigte. Und wer will schon mit knapp 20 zugeben, dass die eigenen Eltern Recht haben? Der Punkt ist, dass man eben in dem Alter noch nicht die Weitsicht hat, die man bräuchte um die volle Bedeutung dieser Worte zu verstehen, ihre Wichtigkeit und Richtigkeit zu erkennen. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen, sein Leben leben und das auch in vollen Zügen. Ich kann heute auf die Vergangenheit zurückblicken und sagen: "Ist doch alles gut gegangen.", aber ich kenne auch leider genug Leute, bei denen eben nicht alles gut ging. Lebt nicht im gestern, sondern im heute, aber denkt auch ab und an mal an morgen, dann wird sich der nötige Respekt von selbst einstellen.
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