Bevor mein Postfach demnächst von Hassmails überschwemmt wird, möchte ich noch ein paar einleitende Worte verlieren: Ich werde versuchen, mich in diesem Text differenziert zu den einzelnen Punkten zu äußern. Niemand soll sich durch diesen Artikel dazu berufen fühlen, das eine oder das andere Lager zu präferieren.
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Wenn Nicht-Veganer und Veganer sich inzwischen regelmäßig im Internet gegenseitig bashen, erinnert das einen Kampf zwischen zwei nackten Männern, die sich mit ihren Penissen duellieren: Zu Beginn kann man nicht wegschauen, aber nach einer gewissen Zeit gleitet es in ein obskures Duell ab, bei dem beide daran arbeiten, ihre Würde zu verlieren. Will das jemand sehen? Also ich zumindest nicht!
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Vegan ganz anders
Eine Anleitung zum GROSS und STARK werden, lautet die vielversprechende Aussage auf einem aktuell populären Veganer-Buch, das von Patrik Baboumian in der Hauptrolle, sowie Katy Statetzny in der Nebenrolle verfasst wurde. Das Buch besitzt somit nicht nur einen vielversprechenden Titel, sondern auch einen Autor mit einem interessanten sportlichen Background, der sicherlich hohe Erwartungen schürt.Dabei ist das Werk keinesfalls ein reines Kochbuch, sondern teilt sich grob dargestellt in drei Teile auf:
- einer ausgiebigen Einleitung inklusive Motivationsabschnitt sowie einer Einführung in die Ernährung
- einen Rezepte-Abschnitt
- einen Abschluss inklusive FAQ und einem Beispieltag von Patrik

Einleitung, Motivation und Ernährung
Neben Patrik begrüßen den Leser Moses Pelham und Dr. Ernst Walter Henrich, von der ProVegan Stiftung, in einem ersten Vorwort, wobei Patrik diesen Teil bereits nutzt, um seine Entwicklung zu skizzieren und in den Abschnitt Motivation überzuleiten.Ohne es direkt anzusprechen, führt Patrik damit bereits einen Punkt an, der bei den meisten "Neu-Veganer" für die gesundheitliche Verbesserung verantwortlich ist: Wer sich bewusst(er) ernährt und die Motivation aufbringt, alte Verhaltensmuster zu durchbrechen, wird mit spürbaren Veränderungen belohnt.
Um so bedauerlicher ist die Umsetzung des "Ernährungskompass" im Rahmen des Buches. Auch wenn Patrik einleitend betont, nicht alle wichtigen Aspekte erschöpfend abhandeln zu wollen, gelingt ihm nicht mehr als ein halbgarer Abriss. Dies mag auch daran liegen, dass wiederholt vom eigentlichen Thema abgewichen wird und mit einem mehr oder weniger polemischen Touch nicht-vegan-konforme Handlungen im Rahmen dieser Erläuterungen zur Ernährung kritisiert werden. Themen wie das Agieren der Weltbank gegenüber afrikanischen Ländern oder ob Nicht-Veganer durch BILD und RTL "nur den manipulierten Deckmantel" wahrnehmen, erfüllen schlichtweg nicht den Anspruch dieses Buchabschnitts.
Ein weiteres Beispiel ist die Warnung vor Todesfällen aufgrund eines erhöhten Vitamin-A-Konsums. Patrik hat hier offenbar ebenfalls von dem Schweizer Polar Forscher Xavier Mertz gelesen (ohne dies im Buch zu erwähnen), der tatsächlich Grönlandhunde verzehrte, um dem Hungertod zu entgehen und sich dabei an deren Leber vergiftete. Da wohl niemand täglich kiloweise Leber verzehrt oder Unmengen Lebertran trinkt, ist dieser Punkt allerdings reine Effekthascherei, die den Leser alles andere als umfassend informiert.
Ein weiteres Beispiel ist das im Rahmen von Ernährungsdiskussionen beliebte Thema Protein. Hier hätte Patrik dem Leser tatsächlich differenzierte und hilfreiche Informationen an die Hand geben können. Zwar wird auf das mangelhafte Aminosäurenprofil von pflanzlichen Quellen hingewiesen, und dass man dieses durch Kombination verschiedener Protein ausgleichen sollte, doch setzt er dieses Thema in keiner Weise konsequent um. Abgesehen davon, dass auch dieser Abschnitt nicht von einem Abstecher in die Politik verschont bleibt, wird nur eine Seite später darauf hingewiesen, dass Erdnüsse mit 25 g Protein deutlich mehr aufweisen würden als Fleisch.
Das ist korrekt. Allerdings handelt es sich um 25 g Protein dessen PDCAA-Wert (den Patrik zuvor noch als Argument für eine Kombination von Weizen- und Erbsenprotein heranzieht) bei lediglich 0,52 liegt und darüber hinaus unverhältnismäßig viel Lektine und Phytin mit sich bringt.
Das gesamte Proteinthema ist leider von pauschalen Äußerungen und wenigen, ausgewählten Fakten, die passend für die Argumentation sind, geprägt. Hier hätte Patrik dem Leser eine sinnvolle und konkrete Anleitung an die Hand geben können, wie der vegane Proteinbedarf für Sportler in der Praxis gedeckt werden könnte.
Diese kurzen Beispiele sind leider stellvertretend für den gesamten Ernährungsteil.
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Es ist OK, aus ethischen Gründen vegan zu leben. Doch anstatt mit offenem Visier auf die Schwierigkeiten bei einer veganen Ernährung für Sportler einzugehen, wird die Existenz von "Ernährungsgurus" (was Patrik darunter versteht, überlässt er der Phantasie des Lesers) kritisiert und mit Halbwahrheiten augenscheinlich untermauert.
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Rezepte-Abschnitt
Die Rezepte sind großzügig und mit ansprechenden Farbfotos präsentiert. Dabei wird zu jedem Essen der Zeitaufwand abgeschätzt, bevor dieses in übersichtlichen Schritten dargestellt wird. Die Mengenangaben beziehen sich in der Regel für 4 Personen.Neben herzhaften Gerichten wie Bohneneintopf oder gefüllten Paprikaschoten werden eine ganze Reihe an Süßspeisen wie Nussecken oder Erdbeer-Biskuit-Kuchen präsentiert. Was besonders schade ist: Zu keinem dieser Rezepte wurden Nährwerte aufgeschlüsselt. Dies zeigt erneut, dass das Buch sich mehr an den Otto-Normal-Veganer richtet, als an Sportler.
Überschlägt man die Rezept selbst einmal grob, wird man schließlich feststellen, dass diese vor allem durch Kohlenyhdrate und Fett geprägt sind. Mangelerscheinungen dürften dies nicht nach sich ziehen und selbstverständlich benötigen auch Sportler keine Proteinmast. Wer aber an einem erhöhten Muskelaufbau interessiert ist, sollte eben mehr als 0,8 Gramm Eiweiß am Tag zu sich nehmen.
Deutlich geeigneter sind schließlich die "Smoothies & Shakes", die den zweiten Teil des Rezepte-Abschnitts ausmachen. Diesen wird in der Regel zwischen 30 und 50 g veganes Proteinpulver hinzugefügt, so dass es auffällig ist, dass für die Smoothies und Shakes nun Nährwertangaben aufgeführt werden.

Abschluss
Der dritte Abschnitt ist schließlich an Sammelsurium an Texten, die noch irgendwie ins Buch passten (oder eben auch nicht). Vor allem für Fans dürfte "Das Ende", in dem Patrik seinen Lebensweg eines Außenseiters, wie er sich selbst betiteln, interessant sein.An diese durchaus sympathischen und lesenswerten Seiten folgt ein FAQ, in dem Patrik Fragen beantwortet, die ihm nach seiner Aussagen in den letzten zwei Jahren immer wieder gestellt worden sein. Ohne auf die Qualität der Antworten eingehen zu wollen, gleiten jedoch nicht nur die Antworten immer wieder von der eigentlichen Frage ab. Spätestens ab der Frage "Bist DU gläubig?" und weiteren darauf aufbauenden religiösen Fragen wundert sich der kritische Leser, was dies mit einer veganen Ernährung zu tun hat.
Bewertung
Wer Unterhaltung mit ein paar Rezepten sucht, wer das Gefühl haben will, ihm wird bestätigend auf die Schulter geklopft, da er Veganer ist, der sollte zu diesem Buch greifen. Alle anderen, die sich ein veganes Kochbuch oder differenzierte und zielführende Informationen zu ihrem Veganen Lebensstil wünschen, sind womöglich mit einer anderen Wahl besser bedient.Als Kraftsportler, der einen gewissen "Hinschau-Faktor" mit sich bringt, hätte Patrik die Chance gehabt, ein seriöses Veganer-Buch für Sportler zu verfassen. Durch den Spagat zur breiten Masse, der aus geschäftlicher Sicht ohne Frage Sinn macht, und dem scheinbar oftmals mangelndem Wissen, entstand unter dem Strich leider ein Buch mit halbgaren Fakten sowie Annekdoten und Berichten rund um die Person Patrik Baboumian.Für bereits überzeugte Veganer sicherlich unterhaltsam, für Sportler ungeeignet.
Ein besseres und neutraleres Kochbuch stellt dagegen "Grünes Eiweiß" von Uli Goschler dar. Dieses enthält neben 60 veganen und vegetarischen Rezepten einen ausführlicheren und neutraleren Abschnitt zu veganen, relativ eiweißreichen Lebensmitteln. Das Buch ist zwar ebenfalls keine Optimallösung, aber alle mal geeigneter, wenn man speziell am Thema Ernährung interessiert ist.
Bilder: Amazon.de | Rick Ligthelm