Egal ob beim Rückenrudern, beim Bankdrücken oder bei Shrugs – überall stellt das Schultergelenk die fundamentale Voraussetzung für die Bewegung dar. Bei dieser Vielzahl an Bewegungsmöglichkeiten ist es natürlich im Gegenzug nicht verwunderlich, dass dieses "zentrale Gelenk" des Oberkörpertrainings eine gewisse Verletzungsanfälligkeit aufweist. Das genaue Verständnis des Schultergelenks ist wichtig, um zum einen die Gefahr einer Verletzung zu minimieren und um zum anderen die Vorteile, die die Mobilität dieses Gelenk mit sich bringt, in unserem Training voll auszuschöpfen. Deshalb wollen wir uns im Detail mit dem Schultergelenk und seinem aktiven Halteapparat, der so genannten Rotatorenmanschette befassen.
Anatomie des Schultergelenks
Das knöcherne Schultergelenk stellt – wie bereits erwähnt – ein Kugelgelenk dar, das Bewegungen um alle drei Achsen zulässt. Es kann den Arm nach vorne bzw. hinten (Ante-/Retroversion) und zur Seite (Ab-/Adduktion) bewegen. Zudem ist eine Rotation nach innen, sowie nach außen möglich.
Der Gelenkkopf ist das Caput humeri, also der Kopf des Oberarmknochens. Dieser ist etwa viermal so groß wie seine Gelenkpfanne, die Cavitas glenoidalis des Schulterblatts (= Scapula), die durch eine faserknorpelige Gelenklippe, das Labrum glenoidale, noch etwas vergrößert wird. Die geringe Auflagefläche erhöht den Bewegungsspielraum des Gelenks beträchtlich.
Die schlaffe Gelenkkapsel setzt so am Schulterblatt an, dass die beiden Knochenvorsprünge ober- und unterhalb der Cavitas glenoidalis (Tuberositas supra-/infraglenoidalis) außerhalb bleiben und dadurch als Ansatzstelle für Muskeln dienen. Die Sehne des langen Bizepskopfes zieht, von einer Sehnenscheide umgeben, durch den Kapselraum hindurch zur Tuberositas supraglenoidalis, während der lange Trizepskopf außerhalb der Gelenkkapsel bleibt und an der Tuberositas infraglenoidalis ansetzt. Gerade in diesem Bereich kommt es bei Überbeanspruchung im Training oft zu Reizungen und Entzündungen der Bizepssehne.

Der Bewegungsspielraum des Gelenks wird nach oben hin durch ein osteofibröses Dach (Fornix humeri) begrenzt. Die Anteile dieses Dachs werden gebildet vom Acromion, also der Spitze der Schulterblattgräte (Spina Scapulae), sowie von einem Knochenvorsprung der Scapula, der einem Oberarmmuskel als Ansatz dient (Proc. Coracoideus) und von einem Band, das diese beiden Knochenteile miteinander verbindet (Lig. Coracoacromiale). Dies hat zur Folge, dass der Arm aus dem Schultergelenk nur bis 90° abduziert werden kann. Bei weiterer Elevation des Armes muss das Schulterblatt durch die oberen Anteile des M. trapezius und die unteren Fasern des M. serratus ant. gedreht und angehoben werden.
Entgegen der meisten anderen Gelenke besitzt das Schultergelenk keinen ausgeprägten passiven Bandapparat zum Schutz, sondern es stellt ein Gelenk mit Muskelführung dar. Diese Muskulatur umgibt das Schultergelenk beinahe vollständig, weshalb sie auch als Rotatorenhaube oder Rotatorenmanschette bezeichnet wird. Sie besteht aus vier Muskeln:
- Der Musculus supraspinatus hat seinen Ursprung auf der Rückfläche des Schulterblatts oberhalb der Spina (Fossa supraspinata) und zieht von oben an den seitlichen Höcker des Oberarms, das Tuberculum majus.

Seine Funktion besteht in der Abduktion des Arms, bei der er den Deltamuskel unterstützt. - Der Musculus infraspinatus setzt ebenfalls am Tuberculum majus an, zieht jedoch von der Fossa infraspinata, also der Rückfläche des Schulterblatts unterhalb der Spina, von unten an diesen Knochenvorsprung heran.
Er dient somit der Außenrotation des Oberarms. - Der Musculus teres minor entspringt am lateralen Rand des Schulterblatts und zieht, genau wie der M. supra- und infraspinatus, zum Tuberculum majus.
Er hat eine ähnliche Funktion wie der M. infraspinatus und hilft bei der Außenrotation. Zusätzlich ist er noch leicht an der Adduktion beteiligt. - Der Musculus subscapularis zieht von der Vorderfläche der Scapula im Gegensatz zu den drei anderen Muskeln nicht zum Tuberculum majus an der Seite des Oberarms, sondern an den Knochenhöcker an der Vorderseite des Oberarms, dem Tuberculum minus.
Seine Funktion ist dadurch die Innenrotation im Schultergelenk.
Eine Tatsache, die sich erst durch die Evolution beim Übergang zur aufrechten Körperhaltung entwickelt hat. Da die Arme beim heutigen Menschen nicht mehr zur Fortbewegung benötigt werden, sondern vielmehr zu einem Ausdrucksorgan geworden sind, fehlt ein Bandapparat beinahe vollständig, um bestmögliche Mobilität zu gewährleisten. In der Hüfte hingegen besitzen wir eine "Bänderschraube", die das Bein auch im passiven Zustand vor Verletzungen schützt, was aber wiederum eine deutliche Bewegungseinschränkung zur Folge hat.
Für die korrekte und reibungslose Bewegung im Schultergelenk sind zahlreiche Schleimbeutel (Bursa) von großer Bedeutung. Vor allem die ausgedehnte Bursa subdeltoidea, die unter dem Deltamuskel liegt und somit diesen vom Gelenkkopf abgrenzt, ist insofern von funktioneller Wichtigkeit, da sie insbesondere bei der Abduktion des Arms als eine Art Nebengelenk fungiert, das die Bewegung erleichtert. Ähnliches gilt für die Bursa subacromialis, die zwischen dem Acromion und dem Caput humeri liegt. Sie unterstützt die Gleitbewegung des Gelenkkopfes und verhindert Reibungskräfte gegen das "Schulterdach". preview
Ansonsten wäre noch die Bursa subtendinea musculi subscapularis zu nennen, die am Ansatz der Sehne des Musculus subscapularis am kleinen Oberarmhöcker für die Gleitfähigkeit des Gelenks und des Muskels sorgt und somit Entzündungen in diesem Bereich bei Belastung verhindert.
Typische Schulterverletzungen im Bodybuilding
Gerade im Krafttraining und Bodybuilding steht das Schultergelenk bei allen Oberkörperübungen unter Belastung. Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass eine Vielzahl an Schulterverletzungen in diesem Sport gehäuft auftreten. Von Sehnen- und Schleimbeutelentzündungen über Verkalkungen, bis hin zu Rupturen der Rotatorenmanschette – Verletzungen, die vor allem durch unausgeglichenes Training entstehen. Gerade Anfänger neigen dazu, vor allem ihre Brust und Bizeps zu trainieren, da dies die Muskelgruppen sind, die man in der Ansicht von vorne am besten sieht. Dies führt oft dazu, dass die Rückenmuskulatur im Vergleich zu schwach entwickelt ist und somit ein Ungleichgewicht im Schultergelenk entsteht, das früher oder später zu verschiedenen Schmerzsymptomen führt.Sehnenentzündungen
Ursache und TherapieBei Sehnenentzündung, der so genannten Tendinitis, in der Schulter – infolge von Über- oder Fehlbelastung - ist oftmals keine klassische Entzündung anzutreffen. Die Schmerzen sind also in den meisten Fällen nicht auf Entzündungsreaktionen zurückzuführen, sondern auf feine Sehnenfasereinrisse. Die konservative Therapie mit Schmerzmitteln ist hierbei somit eher symptomatisch als ursächlich – sie beseitigen also den Schmerz, aber nicht dessen Ausgangspunkt. Von daher sollte man bei Sehnenentzündungen starke Belastungen meiden und die Verletzung ausheilen lassen, um die Sehnen nicht noch weiter zu strapazieren. Bei nicht allzu weit fortgeschrittener Entzündung scheint eine Pause von einigen Tagen bis Wochen ratsam, je nach Schwere der Tendinitis.
Treten immer wieder Entzündungen auf, so kann es zum Krankheitsbild der „Kalkschulter“ kommen. Hierbei vernarbt Gewebe beim Abheilen der Entzündungen und lagert sich im Gelenkraum ab, was zu Bewegungseinschränkungen und im weit fortgeschrittenen Stadium sogar zur Versteifung des Schultergelenks führen kann. Verkalkungen haben einen oft sehr langwierigen Verlauf und können nur durch Schonung und anschließende gezielte Aufbauübungen der Muskulatur der Rotatorenmanschette (siehe unten: Training der Rotatorenmanschette) vollständig kuriert werden.
Diagnostik
Um zu diagnostizieren, die Sehne welchen Muskels von der Entzündung betroffen ist, genügen einige simple Tests zur Differenzierung:
Wie wir oben bereits gelernt haben, dient der M. supraspinatus vor allem der Abduktion. Deswegen verwendet man zur Differentialdiagnose den "Abduktions-Test". Dabei muss der Patient versuchen, gegen einen Widerstand den herabhängenden Arm zu abduzieren. Ist hier die Schmerzsymptomatik besonders ausgeprägt, so kann auf eine Tendinitis im Bereich der Supraspinatussehne geschlossen werden.
Sehnenentzündungen der Außenrotatoren, also des M. teres minor und des M. infraspinatus, können durch den Walch-Test determiniert werden. Hier führt der Patient die Hand bei herabhängendem Arm zum Mund, was im Grunde einer Außenrotation im Schultergelenk gleicht. Bei starkem Entzündungsschmerz ist charakteristisch, dass der Patient den Arm so weit abduziert, um eine Außenrotation zu vermeiden.
Der Napoleon-Test besteht darin, die beiden Handflächen auf den Bauch zu legen und fest anzudrücken. Schmerzen bei diesem Test sind ein Hinweis auf eine Tendinitis der Innenrotatoren, sprich des M. subscapularis.
Bursitis und Impingement- Syndrom
Ursache und Therapie der akuten BursitisÄhnlich wie Sehnenentzündungen entstehen auch Schleimbeutelentzündungen hauptsächlich durch einseitige Belastung. Vor allem bei Übungen, die Überkopf ausgeführt werden, wie Schulterdrücken oder sitzendes Trizepsstrecken, werden die Schleimbeutel eingequetscht. Dabei ist insbesondere die Bursa subacromialis betroffen, die zwischen Acromion und Gelenkkopf eingeklemmt und dadurch verletzt werden kann. Eine akute Bursitis stellt keine schwerwiegende Verletzung dar und kann durch Schonung der Schulter über 2-3 Tage ausgeheilt werden.
Ursache und Symptomatik des Impingement-Syndroms
Weitaus schwerwiegender stellt sich die Problematik bei einer chronischen Bursitis dar, die meist im Zusammenhang mit dem so genannten Impingement- Syndrom auftritt. Dieses auch als subacromiales Engesyndrom bezeichnete Krankheitsbild entsteht durch Einengungen zwischen dem Acromion und dem Caput humeri. Hauptsächlich betroffen sind dabei die Sehne des M. supraspinatus, sowie die Bursa subacromialis. Das Syndrom kommt nicht nur im Bodybuilding, sondern auch im Tennis, beim Handball oder Schwimmen häufig vor. Die subacromiale Einengung tritt im Bodybuilding meistens durch ein Übergewicht der Oberarm hebenden Muskulatur oder durch Sehnen- bzw. Schleimbeutelverdickungen in Folge von zu hoher Trainingsbelastung auf.
Entgegen akuter Verletzungen, die nur bei Belastung schmerzempfindlich sind, zeichnet sich das Impingement- Syndrom dadurch aus, dass auch in Ruhe starke Schmerzen im Bereich des Schultergelenks auftreten. Bei einem weit fortgeschrittenen Engesyndrom treten durch das ständige Reiben unter dem Schulterdach nicht selten starke Schädigungen der Supraspinatus- Sehne auf, die im schlimmsten Fall auch zu einer Ruptur führen können.
Diagnostik
Bei der Abduktion des Oberarms gleitet der Gelenkkopf, zusammen mit dem subacromialen Schleimbeutel und der Rotatorenmanschette, unter das Schulterdach. Im Abduktionswinkel von 60°-120° treten beim Impingement- Syndrom vorwiegend Schmerzen auf, da in diesem Bereich der Abstand zwischen Caput humeri und dem Acromion am geringsten ist. Deshalb bezeichnet man diesen Bereich auch als "painful arc", also "schmerzhafter Bogen".
Dieser Test reicht allerdings nicht aus, um das Syndrom zu diagnostizieren. Um die Verdachtsdiagnose zu verifizieren, sind Abstandsbestimmungen zwischen dem Gelenkkopf und dem Acromion, sowie Größenbestimmungen des Schleimbeutels und der Supraspinatus- Sehne mittels Ultraschall-, Röntgen- und Kernspintomographie nötig.
Therapie
Die konservative Therapie besteht zu allererst darin, die Schmerzen zu beseitigen. Dazu werden entzündungshemmende Mittel und Cortison unter das Acromion gespritzt. Damit die Schmerzen nicht sofort wiederkehren, sollte eine Trainingspause von einigen Wochen eingelegt werden. Im Anschluss daran gilt es, durch Dehn- und Aufbauübungen im Bereich der Rotatorenmanschette, diesen Bereich zu stärken. Um zu vermeiden, dass die Verletzung nicht wieder auftritt, sollten Überkopfübungen gemieden werden, da diese ein erhöhtes Risikopotential aufweisen.
Bei einem fortgeschrittenen Syndrom bleibt zur Wiederherstellung der vollständigen Funktionsfähigkeit des Gelenks nur die operative Therapie. Hierfür gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:
- Die Acromionplastik (= subacromiale Dekompression), bei welcher am Unterrand des Acromions ein Stück des Knochens abgetragen wird, um der Supraspinatus- Sehne mehr Platz zu gewähren. Die kann sowohl in offener Technik, als auch arthroskopisch gemacht werden.
- Die Korrektur, wenn beispielsweise nach einer Acromion- oder Humerusfraktur eine Knochenfehlstellung vorliegt.
- Die Abtragung von Verkalkungen an der Sehne des M. supraspinatus. Gleichzeitig wird hier meist ein vergrößerter Schleimbeutel teilweise oder komplett entfernt.
Rotatorenmanschettenriss
Ursache und SymptomatikEine Ruptur der Rotatorenmanschette kann unterschiedliche Gründe haben. Meistens handelt es sich um verschleißbedingte Risse, vor allem in der Supraspinatus- Sehne. Diese können infolge eines Impingement- Syndroms oder einer chronischen Tendinitis auftreten. Hierbei handelt es sich eher um einen "schleichenden Prozess", wobei sich zunächst eine Kraftlosigkeit des Armes bei der Abduktion bzw. der Rotation einstellt. Es treten mehr und mehr Schmerzen beim Halten des Oberarms in bestimmten Positionen auf. Charakteristisch ist hierbei wieder der "Painful Arc" zwischen 60° und 120° Abduktion. Nach einiger Zeit meidet der Patient diese schmerzhaften Armpositionen, er nimmt die so genannte Schonhaltung ein.
Anders stellt sich die Sache bei einer plötzlichen Ruptur in Folge zum Beispiel einer Trainingsverletzung dar. Hier treten sofort starke Schmerzen auf, die oft bis in den Arm und die Hände ausstrahlen, zusammen mit einer ausgeprägten Funktionseinschränkung bei der Innen- bzw. Außenrotation oder der Abduktion im Schultergelenk, je nach dem, welcher Muskel betroffen ist.
Diagnose
Begonnen wird hier, ähnlich wie bei anderen Schulterverletzungen, mit funktionellen Tests des Schultergelenks wie beispielsweise dem Null-Grad-Abduktions- Test (siehe oben "Sehnenentzündungen"). Hierbei besteht der Unterschied zu einer Tendinitis weniger im Grad der Schmerzen, sondern darin, dass der Patient selbst nach Lokalanästhesie den Arm nicht heben oder rotieren kann.
Diese Verdachtsdiagnose lässt sich mit verschiedenen bildgebenden Methoden bestätigen:
Zum einen wäre hier die Röntgenuntersuchung zu nennen. Hierbei lassen sich zwar keine Weichteile und somit auch nicht die Rotatorenmanschette darstellen, doch hat eine Ruptur meist eine Verschiebung des Gelenkkopfes nach oben unter das Schulterdach zur Folge hat. Somit kann ein Röntgenbild zur Verifizierung des Verdachts durchaus von Bedeutung sein.
Besser geeignet ist allerdings die Kernspintomographie oder gar eine Arthroskopie, bei denen auch das Ausmaß der Verletzung sehr gut bestimmt werden kann.
Eine unkomplizierte und dynamische Untersuchungsmethode wäre zudem die Sonographie. Hierbei kann man das Gelenk bei der Bewegung untersuchen, was ein großer Vorteil ist. Dennoch ist aber meist die MR- Untersuchung das Mittel der Wahl, da hier Verletzungen wesentlich exakter ermittelt werden können.
Therapie
Die konservative Therapie gleicht den oben genannten Schulterverletzungen. Oberste Priorität hat die Ruhigstellung des Gelenks und die Gabe von entzündungshemmenden Mitteln.
Ein großes Problem bei der konservativen Behandlung ist die Tatsache, dass gerissene Fasern sich zusammenziehen und somit nicht mehr verheilen. Dies ermöglicht zwar, sofern keine komplette Ruptur vorliegt und die Therapie gut verläuft, dass das Gelenk bei alltäglichen Bewegungen keine Probleme macht. Doch bei extremen Belastungen wie im Training wird sie immer eine Schwachstelle bleiben, sofern man den restlichen Anteil der Rotatoren nicht kräftigt und Übungen mit Risikopotential meidet.
Bei der operativen Therapie wird entweder offen oder arthroskopisch operiert. Je größer die Ruptur, desto schlechter lässt sie sich mit einer Arthroskopie behandeln. Die besten Aussichten auf vollständige Heilung bestehen dabei durch eine Naht der gerissenen Sehnen. Man verwendet hier die Technik der transossären Naht. Das heißt, man zieht den Faden durch den Knochen, an dem die Sehne ansetzt und näht diese, was eine bessere Stabilität gewährleistet.
Präventivtraining
Um von Schulterverletzungen verschont zu bleiben bzw. um sich nach erfolgreicher Therapie nicht erneut zu verletzen, sind zwei Aspekte im Bezug auf das Training unerlässlich: Zum einen die Modifikation des Trainings und zum anderen das Ausführen spezifischer Übungen, um die Rotatorenmanschette zu stärken.Anpassung des Trainingsprogramms
Wie oben bereits erwähnt, gibt es einige wenige Übungen, die zu Problemen der Rotatorenmanschette beitragen können.Dazu zählt in erster Linie das Nackendrücken. Bei dieser Übung gelangt das Schultergelenk in der unteren Position hinter dem Nacken in eine mechanisch sehr ungünstige Position. Das heißt nicht, dass man diese Übung komplett aus seinem Trainingsprogramm streichen muss. Meist genügt es, den Bewegungsradius etwas zu erniedrigen. Man sollte die Langhantel nicht zu weit nach unten absenken, sondern das Gewicht ca. auf Höhe der Ohren wieder nach oben bewegen. Es gibt jedoch auch gute Alternativen, allen voran die Kurzhantelvariante des Schulterdrückens. Hierbei führt man die Hände neben dem Körper nach unten, wodurch keine derartige Belastung auf den Sehnen und Bändern des Schultergelenks herrscht.
Die umgekehrte Bewegung des Nackendrückens ist das Latziehen in den Nacken. Auch bei dieser Übung gilt es, den Bewegungsumfang einzuschränken und die Stange nur auf Ohrenhöhe abzusenken, um den Druck auf die Rotatoren zu minimieren. Alternativ bietet sich hierbei das mittlerweile weit verbreitete Latziehen zur Brust an, welches – richtig ausgeführt – wissenschaftlichen Studien nach sogar bessere Fortschritte in der Rückenentwicklung zur Folge haben soll. Beim Latziehen zur Brust ist allerdings unbedingt darauf zu achten, sich bei der Abwärtsbewegung etwas nach hinten zu lehnen, was die Belastung des Schultergelenks deutlich senkt.
Auch das Langhantel Bankdrücken kann Schulterverletzungen zufolge haben, wenn man bei schweren Sätzen einen zu weiten Griff wählt. Viele Bodybuilder verwenden bei diesem Klassiker einen sehr weiten Griff, um den Trizeps aus dem Spiel zu halten und sich vollständig bzw. besser auf die Brust konzentrieren zu können. Gerade bei dieser Variante herrschen ungünstige Druckverhältnisse auf dem Gelenkkopf, aus denen Verletzungen der Rotatorenmanschette entstehen können. Deshalb wird empfohlen, einen etwas weiter als schulterbreiten Griff zu verwenden. Dies hat zwar zur Folge, dass sich der Trizeps mehr an der Bewegung beteiligt, jedoch nicht, wenn man die Arme in der oberen Position nicht ganz durchstreckt und dadurch ständig die Spannung auf den Mm. pectorales aufrechterhält. Als Alternative zum Langhanteldrücken wären natürlich Bankdrückmaschinen oder die Kurzhantelvariante zu nennen.
Rotatorentraining
Beim Training der Rotatorenmanschette muss man beachten, dass es hier nicht das Ziel ist, Muskelmasse aufzubauen, sondern es geht darum, die Muskulatur zu stabilisieren und zu kräftigen. Von daher ist es sehr wichtig, die Übungen sehr sauber auszuführen, um die Zielmuskeln möglichst zu isolieren. Somit ist es auch nicht unbedingt ratsam, bis zum Muskelversagen zu trainieren, da dies die Gefahr erhöht, bei den letzten Wiederholungen abzufälschen.Keineswegs sollte man hierbei mit zu schweren Gewichten trainieren. Das Gewicht sollte so gewählt werden, dass man deutlich mehr als 10 Wiederholungen mit sauberer, langsamer und kontrollierter Technik ausführen kann. Der optimale Wiederholungsbereich liegt so zwischen 10 und 20.
Idealerweise wird das Rotatorentraining nach der eigentlichen Trainingseinheit durchgeführt.
Es spricht aber auch nichts dagegen, vor dem Training einen Satz pro Muskelgruppe auszuführen, um die Rotatorenmanschette aufzuwärmen. Besonders wichtig ist dies natürlich vor dem Brust- oder Schultertraining.
Hier nun abschließend ein einfaches Beispiel für ein Trainingsprogramm der Rotatorenmanschette:
Außenrotatoren
Man nimmt je eine Kurzhantel in die rechte und in die linke Hand. Nun bringt man die Arme in die Ausgangsposition, bei der man die Arme 90° abduziert und im Ellbogengelenk 90° abwinkelt. Man dreht nun das Schultergelenk aus dieser Position nach hinten, wodurch die Unterarme nach oben bewegt werden und am Ende der positiven Phase der Wiederholung senkrecht nach oben zeigen.
Die Übung sollte langsam und kontrolliert ausgeführt werden.
Zielmuskel: M. teres minor, M. infraspinatus
Volumen: 2-3 Sätze zu je 10-20 Wiederholungen
Innenrotatoren
Mit einer Hand nimmt man einen Griff am Kabelzug. Der Oberarm bleibt seitlich am Körper angelehnt und weist nach unten. Das Ellbogengelenk wird 90° gebeugt und der Unterarm zeigt zur Seite. Dies ist die Ausgangsposition.
Nun wird der Arm im Schultergelenk nach innen rotiert. Der Oberarm bleibt die ganze Wiederholung hindurch am Oberkörper angelehnt, während der Unterarm nach vorne bewegt wird. In der Endposition zeigt der Unterarm gerade nach vorne, das Schultergelenk wird also um 90° nach innen rotiert.
Auch diese Übung sollte langsam und kontrolliert ausgeführt werden.
Durch das Halten des Oberarms am Körper werden auch die Adduktoren beansprucht, zu denen der M. teres minor zählt.
Zielmuskel: M. subscapularis, (M. teres minor [Adduktion])
Volumen: 2-3 Sätze zu je 10-20 Wiederholungen
Abduktoren
Für die Abduktoren führt man am besten leichtes Seitheben mit der Kurzhantel aus. Hierbei gilt es zu beachten, den Arm nur bis 90° zu abduzieren, um einen möglichst guten Trainingseffekt des M. supraspinatus zu erzielen.
Zielmuskel: M. supraspinatus
Volumen: 1-2 Sätze zu je 10-20 Wiederholungen
Abschließend kann man sagen, dass die anatomischen Besonderheiten, mit denen das menschliche Schultergelenk gesegnet ist, vielerlei Vorteile aufweisen. Nicht nur für unser alltägliches Leben, in welchem die Bewegungsfreiheit im Schultergelenk zur Ausdrucksstärke und zur Feinmotorik beiträgt, sondern auch im Bodybuilding, wo es eben jene Mobilität ist, die es uns ermöglicht, die Oberkörpermuskulatur aus verschiedensten Winkeln zu bearbeiten und somit jede einzelne Muskelfaser zu beanspruchen.
Die Parole No Pain No Gain trifft für Schulterverletzungen definitiv nicht zu. Bodybuilder sollten deswegen "Köpfchen" beweisen und Schulterverletzungen durch Anpassung ihrer Übungsausführung und durch gezieltes Rotatorentraining vermeiden!
Quellen
- Topographische Anatomie des Menschen; Schumacher, Aumüller; Urban&Fischer Verlag 2004; 7. Auflage
- Topographische Anatomie; Rohen; Schattauer Verlag 2000; 10. Auflage
- Funktionelle Anatomie des Menschen; Rohen, Lütjen-Drecoll; Schattauer Verlag 2001; 10. Auflage
- Anatomie; Benninghoff, Drenckhahn; Urban&Fischer Verlag 2004; 16. Auflage