einige von euch werden sicher meine Dokumentation "Road to the Arnolds" verfolgt haben. Vor 15 Wochen ging die Vorbereitung los und das Ziel war ganz klar definiert: in das Finale der Männerklasse über 100kg zu kommen. Nun bin ich zurück aus Spanien und kann zufrieden sagen: "Ziel erreicht!" Die letzte Vorbereitung lief ja nicht so glücklich, darum bin ich umso glücklicher zur alten Form zurückkehren zu können und noch eine Schippe drauf gelegt zu haben.
Diesmal lief wieder alles von Anfang an so wie es sein sollte und ich blieb von Verletzungen in der Vorbereitung verschont.
Mit 107kg startete ich mit meiner besten Off-Season Form die Vorbereitung, die Hautfaltenmessung zeigte dort mit 18,4mm einen sehr guten Ausgangswert. Die ersten 4 Wochen der Diät liefen super und ich konnte meine Kraft sogar in einigen Übungen steigern. Rückblickend würde ich dies auf die akribische Ernährungszufuhr in der Diät zurückführen, die am Anfang um die 3000 kcal (350 g Protein / 300 g Kohlenhydrate / 50 g Fett) lag.
Nach den ersten 4 Wochen Diät stand dann der nächste Formcheck an, die Waage zeigte 106kg bei 16,8mm Hautfalte. Also ein leichter Gewichtsverlust und Formverbesserung. Es lief alles nach Plan und es zeichnete sich schon ab, dass ich diesmal auch ein paar Kilogramm Muskelmasse mehr auf den Rippen haben werde. In der letzten Off-Season lag das Augenmerk in der Verbesserung der Brust- und Armentwicklung und genau dort habe ich auch Fortschritte machen können.
Nach 8 Wochen Diät ging es dann mal nach Hamburg, damit Don Mario aus dem Sportstudio Hamburg sich auch mal einen Eindruck von meiner Form machen konnte. Nochmal herzlichen Dank für die Unterstützung bei meiner Vorbereitung für die ASC an Mario.
Zur der Zeit wurden dann auch einige Kohlenhydrate reduziert und dafür der Fettanteil der Ernährung erhöht, sodass die zugeführte Kcal-Menge immer noch gleich bei 3000 kcal blieb. Da die ASC ein internationaler Wettkampf war, konnte man im Vorfeld überhaupt nicht abschätzen, wie viele Athleten aus welchen Ländern teilnehmen werden. Es war nur so viel klar, es wird mein schwerster Wettkampf. Aus deutscher Sicht hatte ich ja auch schon genug harte Konkurrenz: mit Peter Baers und Andre Niebergal gleich 2 Deutsche Meister im Gesamtsieg, sowie Marco Kirsebauer. Somit gab es schon ein kleinen nationalen Konkurrenzdruck bei der ASC direkt im Deutschen Team.
Bei dem Athleten-Treffen konnte ich mich das erste Mal mit meinen Mitstreitern vergleichen und alle lagen soweit ganz gut im Rennen. Dies war auch eine gute Möglichkeit nochmal vom DBFV-Präsidenten Guido Falk ein paar Informationen zur Arnold Classic zu bekommen, da es ja dann doch etwas viel größeres ist, wie die Teilnahme an einer Regionalen Landesmeisterschaft. Es müssen ja noch die Anreise, das Hotel und viele Sachen drum herum organisiert werden. Nach dem Athleten-Treffen musste dann auch das erste mal die Diät seid dem Start der Vorbereitung angezogen werden, die kcal wurden auf 2500 reduziert und die KH auf maximal 150g am Tag. Das Gewicht lag immer noch bei 106kg und die Hautfaltenmessung bei 16,4mm, also hatte sich in den letzten 4 Wochen nicht sonderlich was getan, was aber auch absolut im Zeitplan lag. Dann war es aber an der Zeit, den nächsten Gang einzulegen. preview

106 kg
Nach dieser Umstellung wurde die Diät dann auch zunehmend anstrengender und ermüdender, besonders da ich nebenbei immer noch damit beschäftigt war an meiner Masterabschlussarbeit zu schreiben, die mir auch ab und zu den letzten Nerv raubte. So wurden dann die nächsten 4 Wochen durchgezogen und die Form wurde von Woche zu Woche besser. In dieser Phase begannen dann die eigentlichen großen Veränderungen. Durch die reduzierte Kohlenhydratzufuhr ging auch die Wasserspeicherung weiter nach unten, obwohl die Natriumzufuhr täglich bei 10-15g lag. Jetzt hieß es aber auch Zähne zusammen beißen, die Diät hatte schon so ihre Zeichen hinterlassen und man hakte jeden Tag ab, den man überstanden hatte. Einen Monat später und 4 kg leichter war das Gewicht bei 102 kg angekommen und die Hautfaltenmessung zeigt 14,6 mm, das war neuer Tiefstand bei dem Körpergewicht. Jetzt ging es nur noch darum die Form zu halten und in der letzten Woche beim Ent- und Aufladen keine großen Fehler zu machen.
Am 05 Oktober war es dann endlich soweit. Kathrin und ich packten unsere Sachen und es ging in Richtung Frankfurt zu unserem Coach Detlef Herget. Die Form passte bei genau 100kg. Am nächsten Tag ging es mit wenig Schlaf zum Flughafen, wo wir uns noch mit anderen Athleten zur Abreise nach Madrid trafen. Der Flug war relativ unkompliziert, es durfte nur nichts gegessen und getrunken werden, damit mein Körpergewicht beim Wiegen nicht über 100kg lag. In Madrid angekommen empfing uns erst mal sehr schönes spanisches Wetter und wir machten uns auf den Weg ins offizielle Athleten-Hotel, welches nur eine U-Bahn Station vom Flughafen entfernt war. Nach dem einchecken im Hotel mussten wir erst mal die örtlichen Gegebenheiten abklären. Wo findet das Wiegen statt, wo kann man trainieren und das wichtigste: wo kann man Lebensmittel kaufen?
Direkt gegenüber vom Hotel war der Austragungsort der ASC und Backstage fand auch das Wiegen statt. Wir hatten schon von anderen Athleten gehört das fast 500 Athleten sich zur ASC gemeldet haben und viele davon gerade beim Wiegen sind, sodass wir uns erst mal auf den Weg machten um die wichtigsten Lebensmittel einzukaufen. Die große Einkaufsmall war nur 10 Minuten Fußweg entfernt und in Spanien wird ja auch alles mit dem Euro bezahlt, sodass man gut die Preise vergleichen konnte und auch keinen Stress mit Geld wechseln etc. hatte. Nach dem Einkaufen wagten wir dann mal einen Versuch uns endlich auch als Athleten anzumelden und zu wiegen.
Nach dem Wiegen machten wir uns nochmal zu einem kleinen Training auf, um die Kohlenhydratspeicher gänzlich zu leeren, damit die anschließende Ladephase auf optimaler Basis stattfinden kann. Am Freitag war dann Kathrin schon dran und morgens musste gleich Vollgas gegeben werden (Farbe, Haare, Make-up), da die Bikiniklasse eine der ersten Klassen waren, die auf die Bühne musste. Kathrin hatte in ihrer Klasse 28 Teilnehmer und somit starke Konkurrenz, leider verpasste sie knapp das Finale und landete am Ende Punktgleich auf dem 8. Platz mit einer anderen Teilnehmerin. Für ihren dritten Wettkampf, der gleich auf internationaler Bühne stattfand, hat sie sich sehr gut geschlagen und wir werden jetzt mit Vollgas die deutschen nationalen Wettkämpfe im Herbst angehen.

Nachdem Kathrin sich ein wenig erholt hatte, machte ich mich auf den Weg zum letzten Training. Beim Training sah die Form schon sehr gut aus und ich war sehr zuversichtlich, dass ich auch auf der Bühne diesmal eine Topform haben werde. Am Abend nach dem Training begann ich dann mit dem Kohlenhydrat-Laden. Außerdem passte ich die Natrium-/Kaliumzufuhr an, sowie die Menge der zugeführten Flüssigkeit. Nun hofft man natürlich, dass sich das Körperbild noch mal ändert und die Form noch einen Tick besser wird. Am nächsten Morgen war ich mit meinem Coach verabredet, um zu schauen ob der Plan aufgegangen ist.
Im Video direkt nach dem Aufstehen waren es 98 kg, Ziel war es jetzt nur noch am Samstag den Muskel etwas voller durch das Kohlenhydrat-Laden bekommen und am Sonntag dann mit 99 kg auf der Bühne zu stehen. Wir wichen nicht von unserem Plan ab und veränderten keine weitere Paramater der Nährstoffzufuhr, außer dass die Natriumzufuhr ein wenig reduziert wurde. Den Samstag verbrachten wir damit auf der Expo der ASC rumzuschlendern und uns mit anderen Athleten und Fans zu unterhalten.

Bis dann plötzlich eine riesen Menschentraube auf uns zu kam und in der Mitte stand Arnold Schwarzenegger höchstpersönlich. Wir kamen so nah heran, dass er Kathrin und mir die Hand schüttelte und sogar ein Foto war möglich. Vor der Arnolds war noch gar nicht sicher ob er sich überhaupt blicken lässt und nun hatten wir sogar ein Foto. Nach der großen Aufregung ging es dann erst mal zum Farbanstrich und dann auch langsam ins Bett, am nächsten Tag war es dann auch endlich soweit. Vor 14 Wochen wurde das Ziel, einen Finalplatz bei der Arnold Classic zu erreichen ins Auge gefasst:
Die Nacht zum Sonntagmorgen war wie jede Nacht vor einem Wettkampf nicht sonderlich gut. Durch die Aufregung hat man keinen festen Schlaf und man ist froh, wenn man den Wecker klingeln hört, obwohl man schon eine Stunde wach im Bett liegt. Gewicht 98,7 kg, Form passt und alle Hausaufgaben sind gemacht, jetzt kommt es nur noch drauf an wie es auf der Bühne laufen wird.
Um 10 Uhr ging es schon los, also musste man rechtzeitig in der Halle sein damit man sich noch in Ruhe aufpumpen und die Farbe evtl. leicht ausbessern kann. Viele andere Athleten sah ich in den Aufwärmräumen nicht aber als dann die Klasse aufgerufen wurde, waren wir letztendlich um die 30 Athleten in der Klasse bis 100kg. Nun ging es auf die Bühne.…

Hier ging es jetzt schon um alles. Durch meine Erfahrung bei der Weltmeisterschaft 2008 muss man sofort auffallen, sonst geht man durch die große Anzahl der Athleten unter. Die erste Runde war die Eliminationsrunde wobei die Teilnehmerzahl auf 15 Athleten reduziert wurden ist. Ich denke, das es für jeden Athleten kein schöner Moment ist, wenn man nicht mal unter die Top 15 kommt, aber auch diese Erfahrung musste ich schon selbst einmal machen.

Als ich bei den Top 15 dabei war, wusste ich, dass ich jetzt die Chance habe mit allen anderen Athleten verglichen zu werden und man hier Punkte sammeln kann. Als ich dann direkt im ersten Vergleich dabei war, wurde mir klar, dass das Finale ganz nah ist und die Chancen sehr gut aussehen. Nach den Vergleichen ging es dann erst mal hinter die Bühne und das große Zittern fing an. Nach einiger Zeit wurden dann die Startnummern der Athleten aufgerufen die ins Finale gekommen sind…und ich war dabei!!! Ziel erreicht!
Jetzt durfte ich noch meine Kür präsentieren und am Ende kam dann der 5. Platz heraus, womit ich super zufrieden und glücklich bin. Ich Endeffekt habe ich dann noch mehr erreicht als ich mir vorgestellt und bei weitem mehr, was mir so manch einer zugetraut hat. Dies zeigt wieder, dass man immer an sich glauben muss und sich nicht von den negativen Kommentaren anderer Menschen von seinem Weg abbringen lassen darf. Harte Arbeit und Disziplin zahlt sich dann doch am Ende immer aus. Die dann zusätzlich noch damit belohnt wurde zukünftig als WEIDER-Athlet an den Start zu gehen.

Nach diesen tollen Ereignissen war das nächste Ziel: Essen! Fast das ganze deutsche Team traf sich in einem Restaurant zum Buffet und es wurde über die ASC gesprochen, Platzierungen, Eindrücke etc. Nach gefühlten 100 Tellern und 10 Eisbechern schleppten wir uns ins Hotel und fielen dann total entkräftet ins Bett um dann am nächsten Tag die Heimreise nach Deutschland anzutreten, wo uns wohl ziemlich schlechtes Wetter erwarten wird.
Ich hoffe es war interessant für euch meine Vorbereitung für die ASC zu verfolgen.
Euer David