Einleitung

Schauen wir uns in der heutigen Zeit um, besteht ein Großteil der wahrgenommenen Industrie aus verschiedenen Trends, welche zeitlich begrenzt sind. Bei diesen Trends gibt es natürlich große Unterschiede. Zum Beispiel halten Ernährungstrends meist länger als Modetrends. Doch wie kommt es überhaupt zu diesen Trends? Unsere heutige Zeit ist von Modeerscheinungen geprägt, dass eine Fitnessstudioanmeldung für viele als Statussymbol steht - sie würden Sport betreiben. Dagegen stehen oft Frauen und auch immer mehr Männer, welche die wachsende Fitnessindustrie nutzen, ihren Schlankheitswarn auszuleben, um in die neue Size 0 Jeans zu passen. Der Weg zum "optimalen" Körper steht im Vordergrund und medienbasierte Traumkörper stellen die Vision. Das selbsternannte Ideal ist dabei oft nicht erreichbar und verursacht ein Akzeptanzproblem, was zu weiteren Problemen führt.

Schönheitsideale und ihre Unterschiede zwischen Zeit und Kultur

Schönheitsideale sind in der heutigen Zeit trendbedingt. Die Industrie und die sogenannten Stars machen es vor und ein Großteil der Bevölkerung macht es nach. Der gesundheitliche Aspekt wird dabei oft aus den Augen verloren. Die Beeinflussung der Medien und der Gesellschaft sind dabei so groß, dass man zum Beispiel Essstörungen fast immer auf eine psychische Ursache zurückführen kann. Schönheitsideale waren allerdings nicht immer trendbedingt. Schauen wir uns Schönheitsideale im Wandel der Zeit an, sehen wir, dass in diktatorischen Zeitaltern der Körperkult ganz andere Bedeutungen hatte. Die Spartaner zum Beispiel, stellten in der Antike die Regel auf, dass Dicksein nicht geachtet würde und sogar bestraft wurde. Viele andere Völker verbanden den Begriff des Wohlstandes mit einer gewissen Körperfülle. Nahrungsmittel waren teuer und nicht jeder konnte sich diese leisten. Die Verhältnisse zu arm und reich waren unglaublich groß und der Gedanke des Schönheitsideals hatte meist nicht einen so großen Stellenwert, wie er zum Beispiel heute hat. Im Mittelalter verwischten sich die Ansichten. Neben der starken Glaubensausrichtung vieler Völker und der damit verbundenen Ansicht, Gefräßigkeit sei, ebenso wie Lust, eine Sünde, wurden Personen mit viel Essen auch als "von Gott begnadet" bezeichnet. Das Schönheitsideal hatte im 17. Jahrhundert eine völlig andere Ansicht. Füllige Frauen wurden als schön angesehen und als fruchtbar. Ein typischer Nachweis hierzu sind Gemälde von Rubens, welcher üppige Frauen malte. Aber nicht nur die Körperfülle an sich spielt eine Rolle. In vielen Stämmen zählen die aus unserer Sicht abstraktesten Körperdarstellungen als Schönheitsideale. Viele Stämme benutzen Metall- oder Holzstücke als Körperschmuck, welcher an verschiedensten Stellen des Körpers angebracht wird. Die extremsten Beispiele sind das Halsstrecken durch Ringe oder das Einsetzen von Zentimetergroßen Tellern in die Unterlippe - dagegen erscheinen Tattoos und kleinere Piercings nicht gerade spektakulär. preview Eine ausgeprägte Muskulatur des Mannes hingegen hatte in der Zeitgeschichte keine größere Bedeutung. Meist ging man bei muskulösen Männern von Kriegern aus oder Arbeitern. Einen hochangesehenen Stellenwert hatte der muskulöse Mann allerdings meist nicht. Das Aussehen konnte man in der damaligen Zeit meist auf das Nahrungsangebot und die Stellung der Person zurückführen. Oft vermittelte in der damaligen Zeit nur das physische Auftreten einer Person seine gesellschaftliche Stellung und Zugehörigkeit, dies unterstrich natürlich Kleidung und Hygiene. Dieser kurze Einblick in die Geschichte des Körperkultes zeigt ansatzweise, wie komplex und unterschiedlich das Thema des Schönheitsideals in unserer Vergangenheit behandelt wurde.

Wie sieht es mit dem westlichen Schönheitsideal in der heutigen Zeit aus?

In den 50er Jahren waren Frauen, welche etwas Fülle zu bieten hatten, hoch angesehen. So wie es heute im Jahre 2012 auch noch in vielen anderen Kulturen ist. Diese Frauen galten als Vorbild vieler junger Mädchen. Doch plötzlich kam es zu einer Wende des Ideals und ein neuer "Trend" kam auf. Auch wenn die meisten dieser Trends von der Industrie herbei gerufen wurden, war dieses mal jemand anderes Schuld. Die Medizin begann festzulegen, welche körperlichen Ausmaße und somit welches Gewicht für den Bürger ideal sei, um für den eigenen Körper kein Risiko darzustellen. Amerikanische Studien befassten sich mit Lebenserwartungen bei verschiedenen Gewichtsklassen. Es wurden Standards festgelegt. Diese Standards und ihre wissenschaftlich fundierte Aussagekraft fand bei den Konzernen und Medien ein unglaublich großes Interesse. Modegrößen wurden kleiner und Modells wurden immer dünner. In den 70er Jahren war das ganze schon so weit, dass die Kindfrau Twiggy als Schönheitsideal galt - sie wog zu dieser Zeit ca. 41kg. Bis ins Jahr 2012 wurde dieses Schönheitsideal zum Teil gehalten. Im 20. Jahrhundert bewegte sich der Trend allerdings mehr in die Richtung der sportlichen, schlanken Frau, mit schlankem Becken, jedoch nicht mehr extrem dünn wie es Twiggy war. Frauen mit gewisser männlicher Ausstrahlung stehen in der Modebranche ganz oben. Schauen wir uns im Gegensatz die männliche Entwicklung an, erlebte diese ab den 90er Jahren ein auf und ab. Auf der einen Seite steht ein Mann, der muskulös und durchtrainiert ist und auf der anderen der dünne und feminine, wobei sich männliche und weibliche Models in ihrer Ausstrahlung immer mehr angleichen.

Wie beeinflusst das Schönheitsideal das Schlanksein und den Fitnesswahn?

Die Erklärung liegt auf der Hand, je dünner oder sportlicher die Vorbilder werden, desto mehr muss man für seinen Körper tun. In der heutigen Zeit, in welcher immer weniger Zeit für Hobbys und Erholung gegeben ist, wird dieser Prozess zum Kraftakt. Der angesagte Schönheitswahn wird schnell mit einem gesunden Lebensstil in Verbindung gebracht und dient so dem Vorzeigepärchen als gesellschaftliche Anerkennung. Wir sind Vegetarier, essen nur saisonale und regionale Produkte, mit MSC und Bio-Siegel. Nebenbei gehen wir 6 Mal die Woche zum Sport und haben neben unserem Job noch Zeit für unser Haus, für die Kinder, Freunde und Familie. Der heutige gesellschaftliche und soziale Zwang, scheint für viele neben dem Karrierefokus und der Depressionsanfälligkeit, das Problem überhaupt zu sein.

Der Fitnesswahn

Schauen wir auf die Seite der Fitnessmitglieder in Fitnessketten, werden wir feststellen, dass es verschiedene Gruppen gibt. Den kleinsten Teil kann man dabei zu den hart trainierenden zählen, welche ein Ziel vor Augen haben und im Studio sind, um dieses zu erreichen. Zu dieser Gruppe zähle ich auch sämtliche Fitnessfreaks und schlankheitswahnverfallene Frauen. Daneben gibt es einen Großteil sporadischer Mitglieder, welche nicht immer ins Studio gehen, aber doch etwas für ihre Figur machen müssen. Diese haben kein richtiges Ziel, versuchen aber ihr Gewissen mit Sport zu beruhigen. Manche aus diesem Bereich machen das ganze zum Spaß, was natürlich auch einen Teil Lebensqualität geben kann. Der andere Teil lässt sich von einem sportbegeisterten Bekannten mitschleppen, ohne den sie natürlich alleine niemals gehen würden. Die letzte Gruppe, welche in Fitnessketten auch einen großen Teil der Mitglieder ausmacht, sind die sogenannten Bezahler. Sie melden sich für 40 Euro im Monat in einem Fitnessstudio an, sehen dieses jedoch nur 3 Mal in ihrer 2-jährigen Fitnessstudiolaufbahn. Diese Personen möchten gerne zu dem ganzen Fitness- und Schönheitswahn dazu gehören und zeigen, dass sie wie "Jeder" ins Fitnessstudio gehen, jedoch einen Gefallen tun sich diese Personen nicht gerade, denn außer möglichen Depressionen oder einer Geldverschwendung werden sie leider dadurch nichts erreichen. Meist ist es nur ein kleiner Teil eines Trends, der diesen aus eigener Überzeugung ernst nimmt und bei einer Änderung an den eigenen Grundsätzen fest hält. Ob sich dies auch in den Fitnessstudios so abspielen wird, werden wir sehen.

Warum ist Dicksein in unserer Zeit so unattraktiv?

In unserer heutigen Zeit werden von den meisten Männern und Frauen adipöse Menschen (Übergewichtige) als am unattraktivsten empfunden. Männer sehen meist das typische V-Modell als männliches Statussymbol eines attraktiven Körpers. Das bedeutet, dass sich die meisten Männer breite Schultern und eine schlanke Taille wünschen, mit welchem meist auch "Bodybuilder-ähnliche Körper" verbunden werden. Schauen wir uns den geschichtlichen Wandel an, wollen immer mehr Hobbysportler einen solchen Körper haben. Schuld daran ist ebenfalls auch die Industrie- und Medienwelt, denn auch Models und viele Stars in der Filmbranche sind im Gegensatz zu früher wesentlich muskulöser gebaut. Sogar die lieben Helden von früher sind plötzlich Muskelberge, denn schaut man sich die heutigen Kinofilme oder Actionfiguren an, wird der Unterschied zu früher gravierend ausfallen. Zusammengefasst kann man sagen, dass die schlanke und sportliche Linie in unserer westlichen Welt einen sehr hohen Stellenwert bekommen hat. Es gibt einen interessanten Begriff, welcher sich das "unechte" Übergewicht schimpft, dieser bezieht sich auf das typische Frauenproblem. Die Einteilbarkeit des Gewichtes, mittels BMI gibt den medizinischen Stand einer Person wieder, doch ist die Wahrnehmung vieler in der heutigen Zeit gestört. So finden sich viele Frauen mit einem BMI von 18-19 viel zu dick, ja fast schon fett. Durch diese Ansichtsweise geraten sie in Depressionen. Die im Zusammenhang entstehenden Krankheitsbilder und Ernährungsstörungen sind eine psychische Schlussfolgerung des ganzen Wahns. Wenn wir uns kurz in den Bereich der Diät bewegen, gibt es alarmierende Zeichen bei Kindern. Vor allem Mädchen denken schon im Kindesalter darüber nach, eine Diät zu beginnen. Die Gefährlichkeit in eine Essstörung zu rutschen und eine falsche Sicht auf "Essen", Ernährung und den eigenen Körper zu bekommen, ist vor allem im jugendlichen Alter besonders hoch.

Schlank sein und Erfolg haben!

Schlankheit wird in der heutigen Gesellschaft mit Glück, Liebe und vor allem Erfolg assoziiert. Wer zu stark vom Ideal abweicht, wird schnell kritisiert und wenn nötig ausgeschlossen. Unsere Gesellschaft geht so weit, dass ein Abweichen des Ideals zum Verachten führt. Die Personen haben bei einer Bewerbung geringe Chancen oder haben Probleme Freunde oder Partner zu finden. In den 70er Jahren war der Zusammenhang mit dem Aussehen und vor allem mit einer schlanken Linie am extremsten. Heute hat sich das ganze etwas beruhigt und die damalige Diskriminierung von etwas fülligeren Personen hat wieder etwas abgenommen. Jedoch ist die Besessenheit der Schlankheit auch noch heute spürbar vorhanden. Der Körper steht oft im Vordergrund und vermittelt für die Allgemeinheit einen Großteil der "Persönlichkeit", somit hat er einen eigenen sozialen Wert bekommen. Die Identität über den Körper wird auch in den Medien gepredigt und so verliert das eigentliche "ICH" einer Person immer mehr an Wert. Komisch wenn man bedenkt, dass wir im Zeitalter des Web 2.0 leben , wo das reale Aussehen oft nicht der erste Kontakt zu einer Person darstellt. Das durch den Schlankheitsdruck entstehende "kollektive Diätverhalten" ist für viele allgegenwärtig und führt so zu einem schlechten Gewissen. Oft kann aus solchem Druck eine Essstörung entstehen, wie zum Beispiel Anorexia nervosa, (Magersucht). Neben den typischen wahrgenommenen "Störungen" gibt es auch viele andere mögliche negative Veränderungen, wie z.B. mögliche Depressionen, Konzentrationsstörungen, verminderte Wahrnehmungsfähigkeit, bis hin zum Verlust des sexuellen Interesses. Das aufgebaute Schönheitsideal und der Zusammenhang des Erfolgs kann zum Teufelskreis werden, ohne dem Ideal zu entsprechen - kein Erfolg und ohne Erfolg kein komplettes Ideal. Das soziokulturell aufgebaute Schönheitsideal ist somit leider oft ein Risikofaktor für die physische und psychische Gesundheit.

Das Ende des Schlankheitswahns!

Die meisten Vorstellungen vieler, so auszusehen wie es z.B. Medien und Schönheitsideale aufzeigen, sind jedoch meist nicht umsetzbar und mit dem tatsächlichen Aussehen nicht in Einklang zu bringen. Jeder ist ein Individuum und nicht dem Trend anpassbar. Oft sollte man sich wirklich bewusst machen, warum man sich so viele Gedanken um seine Figur macht. Der Wunsch seine Leistung und sein Aussehen durch Sport "FÜR SICH" zu verbessern oder sein Essverhalten für "SEINE" Gesundheit oder sportlichen Ziele anzupassen, sollte im Vordergrund stehen. Idole sollten Idole bleiben, welchen man nacheifern kann, jedoch sollte die Realität nicht aus den Augen verloren werden und man sollte zu sich selbst ehrlich sein. Es macht einfach keinen Sinn es sich zur Lebensaufgabe zu machen, der Gesellschaft zu gefallen. Ein sehr niedriges oder hohes Körpergewicht sollte nicht mit den "Traummaßen" verglichen werden. Viele streben nach dem Selbstbewusstsein durch einen "idealen" Körper, doch gibt es nicht auch andere Wege dieses zu erlangen? Sollten sich mehr Personen Gedanken darüber machen, das Schlankheitsdiktat zu hinterfragen, so würde dem Körperkult schon ein wenig geholfen sein und die Medien evtl. anders reagieren. Neben den vielen direkt Betroffenen würden so auch automatisch präventive Maßnahmen getroffen werden. Das eigene Individuum sollte sich nicht vom Massenwahn der Industrie und der Medien einschüchtern lassen.

Zusammenfassung

Der Körperkult hat in seiner komplexen Vielfalt viele Seiten und Facetten zu bieten. Je manipulativer die Gesellschaft durch Konzerne, Medien und Idole wird, je mehr werden diese aus der Gesellschaft gewinnen können. Diesen ist es ziemlich egal ob das neue Ernährungsprogramm oder der neue Modetrend gesundheitliche Langzeitschäden mit sich bringt, sie interessiert nur eines, Profit. Der heute Fitness- und Schönheitswahn ist zum Glück nicht mehr ganz so extrem wie früher. Das Schönheitsideal geht allgemein wieder mehr in eine gesundheitlich unbedenkliche Richtung. Ob die Fitnessstudios in der Zukunft jedoch alle wieder leerer werden, weil ein neuer Trend aufkommt oder es die neuen Schlankheitspillen für Mitläufer überflüssig macht ein Studio zu besuchen, wir werden sehen und lassen uns überraschen!