Promiskuität und Sexsucht bedingt durch das anabole Hormon Testosteron?
Seit der Entstehung des Homo sapiens vor rund 200.000 Jahren ist es in der männlichen Natur verankert, seine Dominanz zu zeigen, indem das Männchen möglichst viele Weibchen begattet, um sein Erbgut weiterzugeben.Die Paarbildung auf Zeit diente als vorrangiges biologisches Ziel der Fortpflanzung. Im Laufe der Evolution entwickelte sich nun der Homo sapiens sapiens laut Soziologen und Anthropologen nicht etwa zu dem treuen Individuum mit dem in unserer Gesellschaft verankerten und angestrebten Modell der lebenslangen Monogamie, sondern blieb mehr oder weniger ausgeprägt immer der Urmensch, dessen sexuelle Triebe und die Lust auf Abwechslung von potentiellen Partnern aufrechterhalten blieb - doch in unserer heutigen Zeit der "sexuellen Befreiung" nicht mehr mit dem Ziel, eine möglichst große Nachkommenschaft zu zeugen, sondern einzig und allein um sexuell Spaß zu haben.
Dies findet oft Ausdruck in einer immer weiter verbreiteten Promiskuität, also der Praxis, mit vielen verschiedenen wechselnden Partnern oder mehreren Partnern parallel sexuell zu verkehren.
Dieses Verhalten wird aber besonders durch ein bestimmtes Hormon, der Männer liebstes Kind, maßgeblich beeinflusst - dem Testosteron.
Die Höhe des Testosteronspiegels ist ein wichtiger Faktor, einer möglichen Sexsucht Vorschub zu leisten: Je höher der Gehalt an Testosteron, dem wichtigsten männlichen Hormon im Blut, desto höher kann die Libido ausfallen.Hier ein kleines Beispiel, das vor einiger Zeit die Runde durch die amerikanischen Medien machte: Griffin, ihres Zeichens seit ihrem sechzehnten Lebensjahr eine feministische Kampflesbe höchsten Grades, die auch nie davor zurückschreckte, jeden Mann als präpotenten Macho zu beschimpfen, der auch nur versuchte, sie mehr als nur eines Blickes zu würdigen, machte eine unglaubliche Wandlung durch.

Das Mädchen, das mit ihrem Kurzhaarschnitt, den Lederklamotten mit Nietengürtel und Springerstiefeln voll dem Klischee entsprach, beschloss plötzlich mit achtzehn Jahren ein Mann zu werden, denn sie fühlte sich im falschen Körper gefangen. Sie ließ sich ihre Brüste amputieren und unterzog sich einer Testosteron-Behandlung, in dessen Rahmen ihr Testosteronspiegel auf das Doppelte eines jungen Spitzen-Athleten angehoben wurde.
Innerhalb weniger Tage, so erzählt sie, die sich inzwischen einer Geschlechtsumwandlung unterzog und zu einem Mann mutierte, hat sich ihr Denkmuster drastisch verändert.
"Irgendwie war ich nicht mehr ich. Meine frühere mentale Weiblichkeit hatte sich rasch verflüchtigt und mein Hirn spuckte nur noch andauernd obszöne Bilder aus. Ich konnte nur noch an Sex denken und daran, wie ich möglichst schnell eine Frau ins Bett bekommen könnte. Auf der Straße starrte ich den Mädchen auf Hintern und Brüste obwohl meine feministische Erinnerung mir andauernd zuflüsterte, dass ich ein Schwein sei!"Endokrinologen haben bei jungen, gesunden Männern von 20 bis 40 Jahren als normalen Testosteron-Wert zwischen 3,5 und 11,5 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), umgerechnet zwischen 12 und 40 nmol/l (Umrechnungsformel für Testosteron- Serum: nmol/l x 0,288 = ng/ml) festgelegt. Bodybuilder mit großer Muskelmasse hingegen haben aber oftmals stolze Werte die im oberen Spektrum oder weit darüber hinaus zu finden sind.
Es ist hinlänglich bekannt, dass Testosteron, abgesehen von HGH (Human Growth Hormon) und einigen anderen anabolen Substanzen, in der Muskulatur das entscheidende Hormon ist, das zu einer eklatanten Zunahme an Muskelmasse, zu einem Anwachsen der Muskelkraft und schnellerer Muskelregeneration führt. Diese Erkenntnisse will sich natürlich der ehrgeizige Bodybuilder zunutze machen und erhöht durch verschiedene Maßnahmen seinen Testosteronspiegel - mit den bekannten Nebenwirkungen.
Das männliche Hormon in hoher Dosis, gepaart mit intensivem Krafttraining und bodybuilding-gerechter Ernährung führt relativ schnell zu dem angestrebten muskulösen Körperbild, stärkt die "sexuelle Identität" und das Selbstbewusstsein.Muskulatur ist bei Männern narzisstisch besetzt, hat also eine ebenso wichtige Bedeutung wie die Brust für eine Frau. Fühlt man sich begehrenswert, wirkt man auch nach außen hin sexy.
Doch die Zuführung von Testosteron in großen Mengen, die einen großen Eingriff in die Biochemie des Körpers bedeutet, hat abgesehen von der meist willkommenen gesteigerten Libido bis hin zur Sexsucht, vermehrten Ausdauer und erhöhtem Antrieb oftmals gravierende und unerwünschte Nebenwirkungen: ein gesteigertes Aggressionsverhalten, Bluthochdruck mit erhöhtem Schlaganfallrisiko, Gynäkomastie (Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann), Schrumpfung der Hoden, Inaktivierung der Hypophyse mit Verminderung der Samenqualität bis hin zur Sterilität, Haupthaarverlust bei gleichzeitiger Zunahme der Körperbehaarung, Gefahr von Leberkrebs, Veränderung der Schilddrüsenfunktion, Herzmuskelschwäche, Polyglobulie (Eindickung des Blutes) und nicht zuletzt sind Konzentrationsstörungen, Depressionen, Stimmungsschwankungen und Störungen der Gedächtnisleistung möglich.
Irgendwann geraten dann die Männer, die ihren Testosteronspiegel künstlich erhöhen, in einen Teufelskreis, besonders wenn sie dies viele Jahre praktiziert haben. Setzen sie nämlich die exogene Zufuhr ab, geraten sie in eine Unterversorgung des Körpers mit dem Hormon, da die Hoden als zentraler Ort der Erzeugung von Testosteron ihre Produktion oft schon längst eingestellt haben nach dem Motto: Warum soll ich mühsam etwas produzieren, wenn es mir bequem von außen geliefert wird?
Die Angst vor einem Abfall der Libido bis hin zur Asexualtität, einer Impotenz durch mangelnde Penisverhärtung, dem Schwund von Muskelmasse und dem Ausbilden einer weiblich anmutenden Brust lassen den Bodybuilder davor zurückschrecken, abzusetzen.
Über den Narzissmus (bei Bodybuildern)
Promiskuität und Sexsucht lassen sich aber nicht allein durch eine testosteronabhängig verstärkte Libido erklären. Der Mann ist nicht unbedingt Opfer seiner Hormone. Es liegt auch in der Persönlichkeit eines jeden einzelnen Menschen verankert. Besonders bei Bodybuildern kann man nicht selten gewisse narzisstische Züge erkennen.Narzissmus bedeutet Selbstliebe, das Bewundern seines eigenen Spiegelbildes, oft verbunden mit einer gewissen Egozentrik und einer hohen Anspruchshaltung an sich selbst. Wer verkörpert dies mehr als ein Bodybuilder? Seine Indiskretion, sein öffentliches Ausleben macht ihn zu einem Kämpfer für die Göttlichkeit des Narzissmus, die er in seinen Posen so provozierend manifestiert. Doch hinter den Kulissen dieser selbstsicher wirkenden Persönlichkeiten steckt nicht selten ein gestörtes Selbstwertgefühl.
Dies bedeutet, dass ein solcher Mensch in hohem Maß auf die Anerkennung und Bewunderung von außen angewiesen ist; das Gefühl für den eigenen Wert hängt fast ausschließlich von der Umwelt ab.
Um seine Unsicherheit und das Minderwertigkeitsgefühl zu kompensieren, erschafft er sich ein großartiges Idealbild von sich selbst, mit welchem er stets neue Zuwendung, Bewunderung und ein positives Feedback von seinen Mitmenschen wünscht und erwartet. Und genau dies äußert sich auch im Sexleben: Je mehr potentielle Partner um ihn werben, und je öfters er zum Zug kommt, umso großartiger fühlt er sich.
In meinem Kopf arbeitet es unaufhörlich, sehe ich doch in meinem Gesprächspartner die Aussagen, die ich schon von anderen Bodybuildern, mit denen ich im Vorfeld über das Thema Sexsucht gesprochen habe, bestätigt. Es scheint immer nach dem gleichen Muster abzulaufen.
"Hast Du denn nie Angst, dass Du Dir bei Deinen zahlreichen erotischen Abenteuern irgendeine Krankheit holen könntest?" will ich von ihm wissen. "Was ist mit HIV, Hepatitis, Tripper, Syphilis und was es sonst noch so gibt?"
"Ach Unsinn", funkelt er mich an, "ich bekomme nichts! Bei den Mädchen im FKK-Club benutze ich Gummis und die anderen sind alle gesund!"
"Woher willst Du das wissen?" Als Antwort bekomme ich einen bösen Blick zugeworfen und beschließe das Thema lieber bleiben zu lassen. Anstatt dessen frage ich ihn:" Du hast doch eine feste Freundin. Weiß sie eigentlich von deinen zahlreichen Seitensprüngen, und wenn ja, was sagt sie dazu?"
"Natürlich weiß sie davon, aber sie übersieht es, denn sie hängt sehr an mir. Sie himmelt mich geradezu an. Sie ist ja auch ein ganzes Stückchen jünger als ich."

Die Misere der Partner von Bodybuildern
Steven M. Ortiz, Assistent-Professor für Soziologie an der Oregon State University, hat in einer Aufsehen erregenden Studie festgestellt, dass Hochleistungssportler weitaus mehr zu Seitensprüngen neigen, als andere Männer.Diese sexuelle Fast-Food-Kultur erklärt sich daraus, dass viele Frauen und Mädchen einer Affäre mit einem gut gebauten Sportler, besonders wenn er prominent ist, nicht ablehnend gegenüberstehen. Doch wie sieht die Reaktion der Ehefrauen bzw. festen Partnerinnen auf die Promiskuität ihrer Männer aus?
Bei den Studien zeigte sich, dass diejenigen Frauen, die sich mehr in den Athleten und dessen Ansehen verliebt hatten als in die Persönlichkeit des Mannes, eher dazu bereit sind, die Seitensprünge ihres Partners zu tolerieren. Partnerinnen aber, deren Beziehung zu ihrem Ehemann schon vor dessen Sportkarriere begonnen hatte, dulden zumindest keine längerfristigen außerehelichen Beziehungen.
Doch in einem sind sich fast alle Sportlerfrauen einig: Die Untreue ihrer Männer ist ihnen durchaus bekannt und sie versuchen sie als unangenehme Begleiterscheinung der Beliebtheit ihrer Partner zu sehen und sich damit abzufinden. Lieber ihren Mann mit anderen Frauen teilen, als ihn ganz zu verlieren.
Während er so dasitzt und mir erzählt, mustere ich die plastischen Konturen seiner Muskeln, die sich unter seinem hautengen T-Shirt abzeichnen. Er muss es bemerkt haben, hält mit dem Sprechen inne, grinst mich an. Ich blicke in sein offenes Gesicht mit den Lachfältchen um die warmen, braunen Augen. In diesem Moment kann ich gar nicht glauben, dass er dieser böse Wolf im Schafspelz ist, als den er sich selber darstellt - das reißende, frauenverschlingende Raubtier.
"Sieh mal, da hinten in der Ecke sitzen zwei Frauen, die mich schon die ganze Zeit über angestarrt haben, bevor du kamst. Sie werden jetzt wohl traurig sein, dass ich in weiblicher Begleitung bin. Ich bin mir sicher, mit denen hätte ich meinen Spaß haben können heute Nacht."
Rüde reißt er mich mit dieser Bemerkung in die Realität zurück und am liebsten würde ich ihm entgegnen, dass er sie doch abschleppen solle, wenn er unbedingt wolle, aber ich halte mich zurück. Anstatt dessen will ich von ihm wissen, ob er sich selbst als beziehungsfähig einschätze.
"Ich könnte einer liebenden Frau nicht das geben, was sie von mir erwartet, denn ich glaube, ich könnte diese Gefühle nicht erwidern. Mein eigener großer Freiraum ist mir extrem wichtig. Meine derzeitige Freundin ist zur Stelle wenn ich Sex will, oder ihre Dienste benötige, ansonsten leben wir getrennt."
Sind Bodybuilder beziehungsunfähig durch Sexsucht?
Die zur Sexsucht und daraus resultierenden Promiskuität gehörende Gefühlskälte macht es möglich, dass diese Personen Sex von jeglicher Empfindung abspalten können, emotionale Bindungen werden erst gar nicht aufgebaut.Der Verführer betrachtet Frauen als Trophäen, die es zu erjagen gilt, wobei die Persönlichkeit der Frau völlig unwichtig ist. Die Begegnung dient ausschließlich dazu, die sexuellen Fantasien in die Tat umzusetzen. Beschließt nun aber ein solcher Mann, der vielleicht auch noch eine narzisstische Ader hat, eine Verbindung mit einer Frau einzugehen, dient dies meist nur praktischen Gründen zu seiner Versorgung und stellt nicht selten eine soziale Fassade dar, hinter der er seine Beziehungsunfähigkeit und damit die Unfähigkeit, wirklich zu lieben, verbirgt.
Dabei verzehrt er sich nach emotionaler Wärme, kann aber nicht über seinen eigenen Schatten springen. Seinen aktuellen Partnerinnen begegnet er meist mit extremer Eifersucht, was aber in einem eigenartigen Widerspruch zu seinem eigenen notorischen Fremdgehen steht. Einerseits sucht er Sicherheit und Geborgenheit durch eine feste Bindung, aber der Reiz der Affäre ist weitaus stärker.
Im Laufe der Zeit jedoch stumpfen diese Männer durch das Überangebot an Sex ab, und die Gefahr besteht, dass sich die Reizschwelle immer weiter nach oben verschiebt, ähnlich einem Medikament, das nicht mehr gut wirkt, und dessen Dosis erhöht werden muss.
Um überhaupt noch Sex lustvoll erleben zu können, weichen dann manche auf bizarre Sexpraktiken, BDSM ("Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism"), Sodomie und andere Methoden aus, die irgendwann kein Tabu mehr darstellen, sondern zum sexuellen Alltag gehören.
Die Verbindung mit einem sexsüchtigen und narzisstisch veranlagten Mann ist außerordentlich problematisch, denn echte Intimität, Verbundenheit und emotionale Nähe können von einem promisk veranlagten Partner weder empfunden noch gelebt werden.
Es ist schon später geworden, als ich eigentlich wollte. Ich sehe auf meine Armbanduhr- die Zeiger stehen kurz vor Mitternacht. Er blickt mir tief in die Augen, ein Blick, der Bände spricht, der Verheißung verspricht, der eine intensive Nacht erahnen lässt:" Kommst noch mit zu mir aufs Zimmer, Baby? "
"Nein, ich glaube, das ist keine gute Idee!"
Diesmal zwinkere ich ihm zu, verabschiede mich von ihm und mache mich auf den Weg nach Hause. Ich habe eine neue Erkenntnis gewonnen. Ob Bodybuilder grundsätzlich sexsüchtig sind, kann ich nicht beurteilen, aber eine Großteil der muskelbepackten Kerle scheint sich einen Sport daraus zu machen, möglichst viele Frauen zu verführen , das ist mir nun klar geworden. Schade.