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Sensomotorisches Training (auch propiriozeptives Training) ist ein wesentlicher Bestandteil der Rehabilitation im Anschluss an eine Verletzung. Durch das Training auf unebenen Untergründen soll die Eigenwahrnehmung gestärkt werden und somit dem Körper wieder beigebracht werden, im richtigen Moment die richtigen Muskeln in ausreichendem Maße anzuspannen. Auch präventiv kann das durchaus Sinn machen. Und hier stehen wir auch schon vor dem Problem: Viele Trainer waren so begeistert von dieser Methode, dass sie fortan nahezu alle Übungen auf unebenen Untergründen ausführen ließen. Die Begründung lautet in so einem Fall meist, dass man damit ja die Kernstabilität erhöhen würde, dazu noch die Propriozeption verbessere und auch noch kräftige. Wer so viele Fliegen mit nur einer Klappe schlägt, muss ein unfassbar grandioser Trainer sein, mag man meinen.

Nun ja…

Fakt ist, dass diese Art des Trainings bei den meisten Studiogängern sträflich vernachlässigt wird. Das kann sich negativ auf die Stabilität auswirken, was wiederum die Leistungsfähigkeit einschränkt. Weiterhin ergibt sich möglicherweise ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Wir wären aber nicht bei "No Brain – No Gain", wenn nicht ein großes ABER folgen würde.

Here we go

Wir wissen also, dass diese Art des Trainings durchaus sinnvoll ist und einen Platz im Training einnehmen sollte. Schön und gut, aber wie viel?

Das ist der Punkt, wo viele Trainer einfach maßlos übertreiben. Außerhalb des rehabilitativen Bereiches ist ein einmaliges Training dieser Art in der Woche vollkommen ausreichend. Charles Poliquin vertritt mittlerweile die Auffassung, dass es absolut ausreichend ist, 4-6 Wochen im Jahr auf wackligen Untergründen trainieren zu lassen. Was nun sinnvoller ist, darüber kann man sicher streiten, aber eines ist definitiv festzuhalten: Jede Übung auf Teufel komm raus irgendwie mit Stabilitätstraining zu verbinden, ist nicht zielführend, vielmehr beraubt es einen um die Chance, sich signifikant zu verbessern.

Gerade im Leistungssport hat es sich eingebürgert, in jede Übung einen Gymnastikball, ein Airex-Kissen, ein Posturomed oder sonstige Hilfsmittel einzubauen. Doch was bewirkt das letztendlich? Ich möchte das an Hand zweier Beispiele erläutern. preview

Beispiel #1: Kurzhantelbankdrücken auf dem Gymnastikball

Ich denke die Ausführung sollte auch ohne nähere Erläuterung einleuchtend sein: Man ersetzt die Bank durch einen Ball. Was passiert?

Aufgrund des unebenen Untergrundes muss der Körper sehr massiv Stabilitätsarbeit leisten, tolle Sache für die Kernmuskulatur. Aber wollen wir mit Bankdrücken die Kernmuskulatur trainieren? Oder wollen wir vielleicht unter Umständen eher die Brust trainieren? Ich vermute einmal, 99% werden für die Brust stimmen. Bin ich auf dem Ball leistungsfähiger? Schaffe ich es, meine Brust mehr zu belasten, weil mein Rumpf stabilisieren muss? Eindeutig nein! Ist die Übung also effektiv für den Aufbau massiver Brustmuskeln? Nein!

Beispiel #2: einbeinig stehendes Rudern am Kabel auf dem Posturomed

Bevor Fragen auftreten: Ein Posturomed könnte man banal als Wackelbrett betiteln. An sich ein super Trainingsgerät, da Rumpf und auch die gelenkstabilisierenden Muskeln des Unterkörpers intensiv gefordert werden. Aber machen wir Rudern für die Stabilisierung des Unterkörpers? Oder wollen wir mit dem Rudern einen breiten und dichten Rücken aufbauen? Wie viel Gewicht werde ich in dieser Form nehmen können? Und reicht dieses aus, um meinen Latissimus und meinen Trapezius angemessen zu stimulieren? Wohl kaum!

Ich höre schon die Coaches schreien: "Das ist funktionales Training! Wir sind ja keine stumpfsinnigen Kraftsportler, sondern Football-/Basketball-/Hockey-Trainer (whatever). Unsere Athleten brauchen keine riesigen Muskeln, nicht Unmengen Kraft, aber Stabilität!"

Setzen 6!

Wer so argumentiert, der hat die grundlegenden anatomischen Grundsätze nicht verstanden. Welche Funktion haben Muskeln denn im Körper? Bewegung, Schutz, Stabilität. Helfen starke Muskeln also die Leistungsfähigkeit in verschiedensten Sportarten zu steigern, die Agilität zu verbessern und Verletzungen zu vermeiden? Ja!

Aber warum alles auf einmal? Kein Basketballcoach kommt auf die Idee, während des Ausdauertrainings Distanzwürfe trainieren zu lassen. Warum? Weil beides isoliert sehr viel besser funktioniert? Warum sollte das im Krafttraining anders sein?

Ich bin ein großer Freund von funktionalem Training, aber als Ergebnis von spezialisiertem Training und nicht als Ersatz. Es ist toll, wenn ich einbeinig auf einem Gymnastikball kniend ein Flexibar bedienen kann, aber das allein macht mich nicht zu einem guten Athleten.

Hähnchenbrust ist eine feine Sache, ein leckerer Eiweißshake auch. Beides zusammen im Mixer schmeckt trotzdem scheiße!

Wenn Ihr den Kraftsport nur als Hilfsmittel für Eure eigentliche Sportart betreibt, dann zieht auch den vollen Nutzen daraus. Werdet stärker und schneller, indem Ihr Eure maximale Kraft und Eure Schnellkraft steigert, werdet möglicherweise auch massiver, indem Ihr Eure Muskelmasse erhöht und ja, werdet auch stabiler, indem Ihr Übungen auf unebenem Untergrund ausführt, aber alles zu seiner Zeit.

Hinweis: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!