Auch Essstörungen sind in der heutigen Zeit ein großes Thema im Sportbereich geworden. Noch vor ein paar Jahren wurde diesen Krankheiten in den Medien nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Der Einfluss der Medien und der spezifischen Sportarten, auf den jeweiligen Sportler, ist groß. Viele zeigen jedoch ihren Ehrgeiz an falscher Stelle oder gestalten ihre Ernährung ohne fachliche Kenntnisse - völlig falsch. Auch im Profisport sind Essstörungen der Alltag, obwohl die Begleitung der Nahrungsaufnahme oft überwacht wird, nimmt der Sportler oft bewusst Nahrung und Nahrungsmengen zu sich, welche auf Dauer gesundheitliche Folgen haben können.

Essstörungen im Alltag

Essstörungen haben in den letzten Jahren vor allem in den Industrieländern stark zugenommen. Sie entstehen meist nicht aus einer Ursache heraus, sondern sind immer multifaktoriell und verbinden oft viele Einflüsse und Ansichten. Neben den genetischen Faktoren können auch viele psychische Faktoren ein möglicher Auslöser einer solchen Krankheit sein. Psychologische Elemente, wie zum Beispiel ein Mangel oder gar Fehlen des eigenen Selbstbewusstseins, ein verzehrtes Selbstbild oder ein Perfektionsdrang, sind häufige Ursachen eines fehlerhaften Essverhaltens. Schauen wir die letzten Jahre zurück, sehen wir, dass natürlich auch damals Sportarten bekannt waren, in welchen es vermehrt zu Essstörungen gekommen ist. Sportarten wie Eiskunstlaufen, Langstreckenlauf, Ultraläufer und Kunstturnen sind dafür die besten Beispiele. Heute sind es jedoch unzählige mehr. Besonders bei Sportarten mit Gewichtsklassen, Kampfsportarten, Rudern, Skispringen oder im Bodybuilding (meist bei Frauen), jedoch auch schon im allgemeinen Freizeitsport, treten immer häufiger Essstörungen auf. Auch im Freizeitsport spielt der psychologische Aspekt, vor allem der sozialpsychologische, eine große Rolle. Das soziale Umfeld der Betroffenen ist meist angeschlagen. Oft fehlt es an Autonomie im Leben oder einer leistungsunabhängigen Wertschätzung. Die Aufrechterhaltung des einzigen Wertes, mit welchem sie sich identifizieren können ist die Leistung. Eine Therapie ist folglich schwierig, denn das gesamte soziale Umfeld muss in den meisten Fällen mit einbezogen werden.

Kriterien der Essstörungen

Bulimia nervosa

Der Betroffene beschäftigt sich ständige gedanklich mit der eigenen Figur und dem Gewicht. Die eigene Diät wird nicht eingehalten und es kommt zu sogenannten Kontrollverlusten mit darauf folgenden Heißhungerattacken. Nach diesen Attacken versucht der Betroffene eine kompensatorische Maßnahme durchzuführen wie Erbrechen, Abführen, extreme körperliche Aktivität oder Fastenphasen, um mit dem eignen überschreiten des Verbotes zurecht zu kommen. Oft verbinden die jeweiligen Personen in den Situationen einen Selbstekel und empfinden Schuld- und Schamgefühle, jedoch ist die Krankheit wie ein Kreislauf, welcher vom Betroffenen meist nicht alleine beendet werden kann.

Anorexia nervosa (Magersucht)

Der Betroffene fühlt sich zu dick. Es bestehen selbst herbeigeführte oder aufrechterhaltene Gewichtsverluste. Die Person hat meist Untergewicht mit einem BMI unter 18kg/m². Dies führt meist zur Umstellung des Stoffwechsels. Es besteht oft eine Störung der Körperselbstwahrnehmung mit Angst vor Gewichtszunahme und aktiven Maßnahmen zur Gewichtsreduktion. Durch die weitere Gewichtsabnahme entsteht ein Kontrollgefühl, welches in Selbstbestätigung übergeht. Durch das geringe Gewicht und die geringe Nährstoffaufnahme entstehen viele körperliche Probleme, wie die viel zu geringe Hormonbildung, welche bei Frauen zu Zyklusstörrungen und Ausbleiben des Brustwachstums führt. Ebenso kann es beim Mann zu Potenzproblemen, bis hin zur Unfruchtbarkeit kommen.

Bing Eating (Ess-Sucht)

Der Betroffene leidet an regelmäßigen Essanfällen (Binges), jedoch ohne das kompensatorische Verhalten einer bulimischen Person. In der Regel entsteht oft Übergewicht. Mit diesem Übergewicht entstehen oft Depressionen und Angststörungen. Wenn die Ess-Sucht aus psychischen Faktoren entsteht, wird meist Hilfe benötigt, um die Krankheit in den Griff zu bekommen.

Neben diesen Essstörungen, welche man natürlich auch im Sport antreffen wird, gibt es ein weiteres Fehlverhalten. Es handelt sich um die Anorexia athletica. Diese Krankheit ist wohl einer der häufigsten Essstörungen im Bereich des Sports. Die Anorexia athelica ist dadurch definiert, dass der Betroffene eine bewusste Verringerung des Körpergewichts herbeiführt. Dieses Absenken des Körpergewichts hat das Ziel, die sportliche Leistung zu verbessern. Die Kriterien der Betroffenen sind nicht einheitlich. Meist handelt es sich jedoch um eine übertriebene Angst, übergewichtig zu werden und dadurch an Leistung zu verlieren. Das Bestreben nach Leistung ist für die Personen unersetzlich. Häufig ist zu beobachten, dass die Kalorienaufnahme unter 1200 kcal/Tag liegt, was auch für viele Frauen eine untere Grenze darstellen sollte. Somit liegen die Betroffen meist unter ihrem Energieumsatz. Kriterien sind hier Nutzung von abführenden und stoffwechselaktivierenden Methoden und Substanzen. Auch Heißhungerattacken und der Zwang nach Aktivitäten, bzw. Belastung spielt oft eine Rolle. Wie bei der Anorexia nervosa, kann es zu Körperschemastörungen kommen. Oft wird durch die Krankheit genau das Gegenteil bewirkt, was sich der Betroffene erwünscht. Durch den Gewichtsverlust und den Leistungszwang wird der Körper neben dem Fehlverhalten der Ernährung weiterhin belastet und es kommt zu einer höheren Infekt- und Verletzungsanfälligkeit. Alle Faktoren beeinflussen die Karriere und das Wohlbefinden des Sportlers negativ und führen zum Leistungsabfall, welcher oft zu Depressionen führen kann. Die Behandlung der Krankheit ist oft schwierig, langwierig und erfolgslos. Das Krankheitsbild kommt meist bei Sportarten vor, bei welchen neben der sportlich technischen Leistung auch ein körperliches Idealbild gefordert wird.

Zu diesen Sportarten gehören:

  • Ästhetische oder kompositorische Sportarten, z.B. Kunstturnen, Wasserspringen, Tanz, verschiedene Klassen im Bodybuilding, bei welchen strenge Diäten über zu lange Zeiträume durchgehalten werden.
  • Sportarten mit Gewichtsklassen, z.B. Gewichtheben, Boxen, Rudern
  • Ausdauersportarten, z.B. Langstreckenlauf, Tri- und Biathlon, Radrennen
  • Ballspiel-Sportarten, z.B. Fußball, Tennis, Badminton
  • Technische Sportarten, z.B. Springreiten, Segeln, Fallschirmspringen
Die Krankheit kann sich durch den Verbund von Amenorrhoe (ausbleiben der Menstruation) und Osteoporose, zur sogenannten Female athletes triad (FAT) entwickeln. Untersuchen zeigen das 20-70% der Sportlerinnen, welche im Ausdauerbereich tätig sind, diese Krankheit aufweisen. Durch den meist niedrigen BMI <18 kg/m² ist auch der Hormonspiegel stark reduziert.

Gestörtes Essverhalten tritt nicht nur im Spitzensport, sondern immer häufiger auch im "Fitness- und Gesundheitssport" auf. Die starke Leistungsorientierung und der Körperkult bietet eine breite Angriffsfläche für Essstörungen. Das gestörte Essverhalten ist multifaktorieller Natur und muss somit in die Entwicklung unserer Gesellschaft eingebunden werden. Der ausgeübte Sport und vor allem Leistungssport kann dabei der Auslöser sein oder das Problem verschlimmern, jedoch kann er auch eine heilende Wirkung ausüben. Je nach Krankheitsgrad und individuelle Einstellungen zum Sport und dessen Bedeutung für die eigene Person, lassen sich Aktivitäten auch sehr positiv nutzen.

Das allgemeine Problem aus einem Teufelskreis von Krankheit, Selbstzweifel und Leistungsdrang zu entkommen ist die Tatsache, dass im Leistungs- und Spitzensport Ernährung ein leistungslimitierender Faktor ist und somit unerlässlich für den Erfolg. Genau dieser Faktor ist es oft, welcher den Ausbruch einer Essstörung fördert. Oft tritt eine erhöhte Anfälligkeit im Kindes- und Jugendalter auf, jedoch auch in frühem Erwachsenenalter, was nicht heißen soll, dass Erwachsene von diesen Krankheiten verschont bleiben. Jedoch wird im Pubertätsalter oft der Körper besonders genau begutachtet. So kann eine übermäßige Beschäftigung mit Körpergewicht und Selbstbild zu einer gestörten Körperwahrnehmung führen. Meist fühlen sich Betroffene zu dick, trotz des vorhandenen Untergewichts. Leider ist es in der heutigen Zeit besonders leicht sein Essverhalten zu kaschieren. Im Leistungssport fällt oft ein Untergewicht nicht stark auf, weil andere Sportler oft ähnliche Probleme haben oder an der Grenze zum Untergewicht liegen. Das Gewicht wird im vorhandenen Umfeld "akzeptiert" und Essgewohnheiten toleriert, denn wenn der Erfolg stimmt, wird leider oft über Krankheit hinweg gesehen.

Suchtmittel

Leider ist auch ein Zusammenhang mit Suchtmitteln, wie zum Beispiel Dopingmitteln, bei betroffenen Sportlern oft eine weitere Möglichkeit von Kontrolle. Bei diagnostizierten Sportlern mit gravierenden Essstörungen kam man zu dem Ergebnis, dass mindestens 10-30% der Betroffenen eine Abhängigkeit zu Suchtmitteln aufweisen. Eine Medikamentenabhängigkeit oder Alkoholabhängigkeit macht die Behandlung von solchen Erkrankungen umso schwieriger.

Eine solche Medikamentenabhängigkeit wird besonders oft bei der Bulimie oder Anorexie nachgewiesen. Durch den ständigen Drang nach Gewichtsreduktion sehen viele nur noch den Ausweg "Medikamente" für ihr Dicksein. Die typischen Verhaltensweisen wie Erbrechen, übermäßige körperliche Aktivität und strenges Fasten, lassen sich mit Medikamenten unterstützen oder für Betroffene erleichtern. Die Medikamente welche eingenommen werden, reichen von Abführungs- und Entwässerungsmitteln, bis hin zu Alkohol, Opiaten, Heroin und Kokain. Solche Mittel sollen dem Betroffenen helfen, den Appetit zu zügeln, die Leistungsfähigkeit zu steigern und den Schmerz zu lindern. Komisch ist, dass Brechmittel oft nicht eingenommen werden, wobei die Einnahme naheliegend wäre. Das Thema Sucht wird bei den Behandlungsmethoden meist von Anfang an mit eingebracht, um zu versuchen den Komplikationen vorzubeugen.

Was tun wenn ich einer Person mit einer Essstörung helfen möchte?!

Eines der größten Probleme der Essgestörten ist das Eingestehen der Krankheit. Obwohl die Betroffenen genau wissen, dass ihr Essverhalten nicht normal ist, versuchen sie sich immer wieder das Gegenteil einzureden. Meist können Kontakte und Umwelt der Betroffenen nicht viel ausrichten und verschlimmern die Situation, indem sie ihm die Kontrolle wegnehmen möchten. Durch die hohen Schuldgefühle, die Angst und die Ekelgefühle vor sich selbst, ist es oft schwierig, an die Personen zu heran zu treten. Eine Beobachtung des Fehlverhaltens ist aus diesen Gründen schwer umzusetzen, ohne dass die betroffene Person evtl. Abstand nimmt. Das ohnehin sehr geringe Selbstwertgefühl wird durch konkretes Ansprechen oft an einer empfindlichen Stelle getroffen. Durch die Kontrolle über ihren Körper ist eine gewisse Autonomie entstanden, welche ebenfalls angegriffen werden würde. Also doch lieber nichts sagen? Doch, nur nicht mit einem gut gemeinten Rat, welcher das Gegenteil bewirkt. Viele Essgestörte sind selbst froh, wenn sie fachmännische Hilfe bekommen. Ein einfühlsames Ansprechen ist bei Vermutungen jedoch ein Muss. Je früher solche Krankheiten erkannt werden, desto besser stehen die Chancen auf Heilung. Willst du einer betroffenen Person helfen, so sollte ein individuelles Gespräch gut durchdacht werden.

Wie sieht ein Ansprechen in der Praxis aus?

Tipps:
  • Ansprechen des Betroffenen, wenn möglich immer alleine.
  • Der Person die Beobachtungen mitteilen.
  • Aufzeigen, dass sie sich Sorgen um die Gesundheit des Betroffenen machen.
  • Ansprechen, dass es sich um eine Essstörung handeln könnte, jedoch nicht konkretisieren.
  • Verständnis zeigen, ohne die Essstörung gut zu reden.
  • Geben sie ihren Gefühlen Ausdruck (Angst, Sorge, Unsicherheit).
  • Bieten sie Gespräche und Hilfe an und verweisen sie auf Fachpersonal und Betreuungsmöglichkeiten.

Zusammenfassung

Essstörungen sind und werden immer allgegenwertig. Oft beeinflusst das Schönheitsideal die Anzahl des Auftretens der Krankheiten. Das Ausdehnen in den Sportbereich ist eine logische Schlussfolgerung, der immer ernährungs- und sportbewussteren Bürger. Oft ist der eigene Leistungsdruck von Sportlern so hoch, dass die Betroffenen ihre Ernährungsweise aus den Augen verlieren. Essstörungen sind immer multifaktoriell, was eine Behandlung oft schwierig macht, doch ohne diese können viele Erkrankte nicht aus ihrem Teufelskreis entfliehen. Neben den ohnehin vielen Faktoren, welche sich bei einer solchen Krankheit oft negativ auswirken, können Suchtmittel bis hin zu Heroin, die Essstörungen noch gefährlicher machen. Vor allem im Leistungssportbereich sollten Freunde und Familie der Sportler einen besonderen Blick vorbei an den Trophäen machen und den gesundheitlichen Zustand jederzeit einschätzen können. Eine frühe Diagnostik der Krankheiten kann dem Betroffenen oft helfen sein Leben neu zu sortieren. Ein Ansprechen von Betroffenen sollte mit Fingerspitzengefühl erfolgen und immer den Verweis zu einer Fachperson und Betreuungsmöglichkeiten mit sich bringen. Es sollte nicht vergessen werden, dass hinter der Krankheit ein verletzlicher Mensch steht, welcher die Hilfe nötig hat!

Quellen

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