Quelle: Have Doctors Been Exaggerating the Effect of Steroids on Your Liver?
Autor ist Bryan Haycock

Zusammenfassung

Probanden: Die Teilnehmer der Studie1 waren Bodybuilder, die anabole Steroide in Eigenregie konsumieren (n = 15) und Bodybuilder, die keine Steroide konsumieren (n = 10). Blutproben von Patienten mit viraler Hepatitis (n = 49) und Blutproben trainierender und nichttrainierender Medizinstudenten (592) wurden als Kontrollproben verwendet.

Messungen: Der Fokus bei den Untersuchungen der Blutproben lag bei den Indikatoren der Leberfunktion damit auf den folgenden Werten:
  • Aspartat Aminotransferase (AST)

  • Alanin Aminotransferase (ALT)

  • Gamma Glutamyl Transpeptidase (GGT)

  • Kreatinkinase (CK)

Ergebnisse

In beiden Gruppen der Bodybuilder waren CK, AST und ALT erhöht, wogegen GGT im normalen Bereich lag. Im Gegensatz dazu hatten Patienten mit Hepatitis erhöhte Werte bei allen vier Enzymen: ALT, AST, CK und GGT. CK war bei allen Gruppen erhöht. Patienten mit Hepatitis waren die einzige Gruppe, bei der ein Zusammenhang zwischen den Werten der Aminotransferasen und den GGT Werten festgestellt wurde. preview

Diskussion

Das Ziel dieser Studie war recht einfach. Es sollte festgestellt werden, ob andere Indikatorwerte für die Leberfunktion als die Aminotransferasen (AST und ALT) in Zusammenhang mit dem Konsum anaboler Steroide stehen. Hierfür wurden Blutproben von steroidverwendenden Bodybuildern, steroidfreien Bodybuildern, Medizinstudenten und Hepatitispatienten verglichen. Mehrer Indikatorwerte für die Leberfunktion (AST, ALT, GGT und CK) wurden gemessen. Creatinkinase (CK) ist ein Marker für Muskelschäden und war deshalb bei allen trainierenden Probanden erhöht.
In Tabelle 1 sind die Referenzbereiche für die vier Blutwerte bei gesunden Personen angegeben. Ich habe diese Tabelle als Referenz dafür hinzugefügt, wie die eigenen Werte einzuordnen sind, falls man während einer Kur Bluttests durchführen lassen solltet. Wenn man Glück habt, findet man einen Arzt, der die gesundheitliche Betreuung der Steroidkur übernimmt. In diesem Fall sollte man auf jeden fall Blutuntersuchungen vor, während und nach der Kur durchführen zu lassen.

Tabelle 1

Test

Referenzbereich (International)

Aspartat Aminotransferase

10-30 U/L

Alanin Aminotransferase

8-20 U/L

Gamma Glutamyl Transpeptidase

Männer: 9-50 U/L

Frauen: 8-40 U/L

Creatinkinase

Männer: 38-174 U/L

Frauen: 26-140 U/L


Man sollte aus dieser Studie jedoch nicht herauslesen, dass 17alpha-alkylierte Steroide die Leber nicht stark belasten. Ganz im Gegenteil. Wenn sehr hohe Dosierungen dieser Stoffe über einen längeren Zeitraum verwendet werden, kann es zu Lebergeschwulsten, Leberkrebs und Peliosis Hepatis (Blutzysten) kommen. Viel eher soll die Studie zeigen, dass es auch Forscher gibt, die versuchen die wirklichen Wirkungen und Nebenwirkungen anaboler Steroide im Bereich Bodybuilding zu erforschen. Insbesondere R. Dickerman und seine Kollegen am Department of Biomedical Science des University of North Texas Health Science Center haben in letzter Zeit einige Studien zur Untersuchung verschiedener physiologischer Aspekte anaboler Steroide durchgeführt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Tests, auf die man sich bisher verlassen hat um die Leberschädlichkeit von Anabolika zu bestimmen, nicht geeignet sind, wie die Ergebnisse dieser Studie zeigen. Das Fehlen anormaler GGT Werte bei Bodybuildern, die anabole Steroide verwenden, ist ein Hinweis darauf, dass die erhöhten Werte der anderen Marker irreführend sein können, wenn es darum geht, die Leberfunktion zu beurteilen. Diese Werte werden z.T. durch die Auswirkungen von Mikrotraumata und anderen durch Krafttraining verursachte Muskelschäden beeinflusst. Die Autoren der Studie formulierten dies so:

Frühere Untersuchungen, die aus erhöhten Aminotransferasewerten auf durch Steroide verursachte Leberschäden schlossen, sind wahrscheinlich überbewertet, da keiner unserer Probanden inklusive der Steroidbenutzer überhöhte GGT Werte hatte, welche ein Hinweis für eine Schädigung der Leber sind. Solche Studien haben andere Mediziner dazu verleitet aufgrund erhöhter Aminotransferasewerte eine leberschädigende Wirkung zu diagnostizieren ohne die Auswirkung von Muskelschäden auf diese Werte zu beachten. Aus diesem Grund sollten bei der Bewertung der Auswirkung einer Steroidtherapie (oder eines Steroidmißbrauches) auf die Leber die CK und GGT Werte immer in Kombination mit den ALT und AST Werten betrachtet werden.

Dieses Statement sollte nicht als Freibrief zum Missbrauch anaboler Steroide angesehen werden. Es ist vielmehr eine interessante und logische Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der zitierten Studie. Falls man mit dem Gedanken spielen sollte, Steroide zu verwenden, sollte man sich vorher genau über die Risiken informieren und alle notwendigen Schritte unternehmen um diese Risiken zu minimieren.

Referenz

1Dickerman RD, Pertusi RM, Zachariah NY, et al., Anabolic steroid-induced hepatotoxicity: is it overstated? Clin J Sport Med (United States), Jan 1999, 9(1) p34-9