Im Original findet man diesen Artikel unter Anabolic-Androgenic Steroid Profiles
Autor ist Bill Roberts

Wenn es darum geht, welches anabole Steroid für welche Zielsetzung taugt, wie und warum man verschiedene Steroide kombinieren kann, und wo die Vor- und Nachteile der verschiedenen Wirkstoffe liegen, dann herrscht im allgemeinen eine ziemliche Verwirrung. Von den Punkten, die ich hier anführen werde, sind viele schon in anderen Artikeln behandelt worden, und ich will diese nun erstmalig in einem Artikel zusammenfassen. Einige neue Zusammenhänge werde ich ebenfalls aufzeigen.

Der Vergleich von anabolen Steroiden

Der Vergleich unterschiedlicher Wirkstoffe muss auf eine vernünftige Art und Weise erfolgen. Leider wird dies im Bodybuilding selten getan. Ich musste mir von Leuten anhören: "Winstrol bringt nichts! Wenn ich mir 2 Ampullen Sustanon pro Woche gebe, dann habe ich jedes Mal gute Erfolge. Ich habe 2 Ampullen Winstrol pro Woche probiert und nur wenig davon gehabt. Es bringt nichts."

Sehen wir uns diese Art Vergleich mal genauer an: 2 Ampullen Sustanon sind 500 mg Testosteron-Ester. 2 Ampullen Winstrol sind 100mg Stanozolol. Sollte es jemanden verwundern, dass bei 500mg eines Wirkstoffes mehr rauskommt als bei 100 mg eines anderen? Heisst das, dass der andere Wirkstoff unbrauchbar ist? Natürlich nicht.

Wenn man anabole Steroide sinnvoll miteinander vergleichen will, dann kann das aus 3 Blickpunkten geschehen - da ist einmal ökonomische Aspekt, dann gibt es den medizinisch-chemischen Standpunkt und der drittens die klinische Sicht. preview

Als erstes wollen wir die Wirkstoffe vom Preis her vergleichen. Wenn der Preis unser Hauptanliegen ist, dann ist es vernünftig das Resultat von 27$/Woche für Sustanon gegen 27$/Woche für Winstrol Depot abzuwiegen. Wenn man auf diese Art vergleicht und dem Vergleich typische Marktpreise zugrunde legt, dann verliert Winstrol, vor allem in Massephasen.

Zweitens kann man die Wirkung gleicher Mengen miteinander vergleichen. Wollte man dabei ganz korrekt vorgehen, dann müsste man eigentlich auch noch das Gewicht des Esters berücksichtigen. Aber so kompliziert wollen wir es hier nicht machen und vergleichen stattdessen mg pro mg. Daher also 350 mg Sustanon/Woche mit 350 mg Winstrol Depot/Woche. Hier schneidet Winstrol schon deutlich besser ab und würde sicherlich gewinnen, wenn man die Wirkung im Stack und nicht bei isolierter Anwendung betrachten würde.

Zuletzt könnte man die Nebenwirkungen bei gleich-effizienten Dosierungen vergleichen, wobei die Substanz mit den geringeren Nebenwirkungen bei demselben therapeutischen Nutzen dann der Sieger wäre. Hier würde Winstrol ohne Zweifel gewinnen, wenigstens im moderat dosierten Bereich.

Wenn ich in diesem Artikel Steroide miteinander vergleiche, dann will ich es über die Wirkung gleicher Mengen oder über die Nebenwirkungen gleich effizienter Dosierungen tun. In vielen Büchern über Steroide werden z.B. geringe Dosierungen von Oxandrolon mit 50 mg Anadrol (Anapolon) oder moderate Mengen von Testosteron Propionat mit viel größeren Mengen von Testosteron Enantat verglichen. Auf diese Art werde ich es in diesem Artikel nicht machen, denn das wäre weder informativ noch nützlich.

Testosteron - das Referenzsteroid

Testosteron ist das wichtigste, natürlich vorkommende Androgen und gleichzeitig das am meisten benutzte anabole Steroid. Es wird daher als Referenzmittel genutzt, mit dem alle anderen anabolen Steroide verglichen werden.

Testoviron (Testosteron Enantat)Testosteron hat die besondere Eigenschaft, dass es enzymatisch sowohl zu DHT als auch zu Östrogen konvertiert. Bei einem normalen Testosteronspiegel sind diese Eigenschaften erwünscht, aber bei einem supraphysiologischen Spiegel, hervorgerufen durch die exogene Testosteron-Verabreichung, sind diese weniger erstrebenswert. Die Wirkung von DHT auf den androgenen Rezeptor ist dreimal so stark wie die von Testosteron (pro mg betrachtet). Deshalb sind in den Gewebebereichen, in denen Testosteron zu DHT umgewandelt wird, dreimal mehr Androgene als sonst wo im Körper. Folglich ist der Androgenspiegel in der Haut und in der Prostata dreimal so hoch wie der im Muskel. Damit kann die androgene Wirkung dort sehr stark werden. Proscar könnte eingesetzt werden, um die DHT-Konzentration trotz hoher Testosteron-Dosierung mehr oder weniger zu normalisieren.

Eine übermässige Umwandlung von Testosteron zu Östrogen trägt zur Hemmung der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden Achse bei, kann Gyno sowie Wasserretention verursachen und zu einer Fettverteilung nach weiblichem Muster führen. Sie ist daher ebensowenig wünschenswert. Die Umwandlung zu Östrogen kann durch Einsatz eines Aromatasehmmers wie Cytadren etwas vermindert werden, oder man kann die Wirkung des Östradiols durch einen Reptorenblocker wie Clomid begrenzen. Letzteres gilt für viele Gewebe, einschließlich Hypothalamus und Brust.

Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen den synthetischen anbolen Steroiden und Testosteron ist der, dass man den synthetischen Varinaten die Umwandlung zu DHT und/oder Östrogen "abgewöhnt" hat. Ein anderer Unterschied resultiert daraus, dass nicht alle Androgen-Wirkungen über den androgenen Rezeptor vermittelt werden. Und nicht alle anabolen Steroide haben eine dem Testosteron vergleichbare Wirkung, wenn es um Effekte geht, die mit dem androgenen Rezeptor nichts zu tun haben.

Mit Testosteron alleine kann man schon sehr gute Resultate erzielen - besonders, wenn es in einer Menge über 1 Gramm/Woche verabreicht wird. Aber auch 500 mg/Woche können gute Erfolge bringen. Wenn keine anderen Medikamente begleitend eingesetzt werden, dann sind Nebenwirkungen wie Gynäkomastie allerdings nicht unwahrscheinlich. Im besonderen sind auch Prostatavergrößerung, Akne und Haarausfall (bei genetischer Vorbelastung) zu nennen, denn der Androgen-Spiegel kann in den entsprechenden Geweben aufgrund der lokalen Umwandlung zum potenteren DHT sehr hoch ausfallen. Bei synthetischen anabolen Steroiden dagegen, die nicht zu DHT konvertieren, ergibt sich in diesen Geweben nur der gleiche Androgen-Spiegel wie im restlichen Körper auch. Und kein Androgen-Spiegel, der dreimal so hoch ist. Das ist ein nicht zu vernachlässigender Vorteil.

Eine besonders interessante Eigenschaft des Testosterons ist seine geringe Toxizität, wenn man einmal von den obengenannten Nebenwirkungen absieht. Dosierungen von 2 oder sogar 4 Gramm/Woche sind im Bodybuilding nicht ungewöhnlich, belasten die Leber aber kaum. Und es gibt wohl niemanden, der eine gleich-wirksame Dosis eines anderen (einzelnen) anabolen Steroids würde nehmen wollen. Und wenn doch, dann wäre es zweifellos toxischer. So ist z.B. die Lebertoxizität von Winstrol (aufgrund der 17alpha-Alkylierung) bei einer Dosis von 350 mg/Woche noch nicht so schwerwiegend, sie würde aber bei einer Dosis von 2 Gramm/Woche zu einem ernsthaften Problem werden. Wobei das natürlich Spekulation ist - ich habe noch nie von jemandem gehört, der so hohe Dosen Winstrol genommen hätte. Im Hinblick auf die Toxizität scheint Testosteron bei hohen Dosierungen also Vorteile gegenüber den meisten synthetischen anabolen Steroiden zu haben. Solche Dosierungen findet man freilich nur im Profi-Bodybuilding. Die meisten verwenden deutlich moderatere Dosierungen, und bei denen ist oft das Gegenteil der Fall.

Nandrolon (Deca Durabolin)

Deca Durabolin (Nandrolon)Dieses anabole Steroid ist (soweit ich weiß) darin einzigartig, dass es über das Enzym 5alpha-Reduktase zu einer weniger androgenen Substanz konvertiert. D.h., dass das gleiche Enzym, das Testosteron in das stärker androgene DHT umwandelt, bei Nandrolon genau das Gegenteil bewirkt. Daher wird Deca in Haut, Kopfhaut und Prostata zu einem gewissen Grad deaktiviert, so dass in diesen Geweben der Androgenspiegel geringer ausfällt als im restlichen Körper. Wenn man also mit Nandrolon die gleiche Wirkung wie mit einem anderen Steroid auf den androgenen Rezeptor im Muskelgewebe ausübt, dann ist die androgene Wirkung auf Kopfhaut, Haut und Prostata vergleichsweise geringer. Deca ist daher die beste Wahl für die, bei denen sich leicht Probleme mit androgenen Nebenwirkungen einstellen.

Die Wirkung von Nandrolon auf den androgen Rezeptor im Muskelgwebe ist der von Testosteron überlegen: die Bindefähigkeit ist besser. Betrachtet man allerdings den Zuwachs an Muskulatur je mg Wirkstoff, dann ist die Wirkung von Deca nur halb so stark wie die von Testosteron. Ich denke das liegt daran, dass Nandrolon weniger effektiv oder sogar gänzlich uneffektiv ist, wenn es um Androgenwirkungen geht, die nicht über den androgenen Rezeptor vermittelt werden.

Genauso scheint die Wirkung von Nandrolon auf das Nervensystem gering ausgeprägt oder nicht vorhanden zu sein. Das gilt insbesondere für die Nervenzellen, die beim Zustandekommen einer Erektion eine Rolle spielen. Die alleinige Verwendung von Deca führt oft zu vollständiger sexueller Impotenz.

Solche Probleme kann man allerdings dadurch lösen, dass man Nandrolon mit einem anderen Steroid kombiniert, das die gewünschten Wirkungen besitzt. Z.B. mit Testosteron.

Deca wird zu einem gewissen Grad in Östrogen umgewandelt, und es scheint, dass dieser Prozess auch mit einem Aromatasehemmer nicht unterbunden werden kann. Es könnte sogar sein, dass das Aromataseenzym dabei gar keine Rolle spielt. Aus meiner Sicht ist es eher das Enzym CYP2C11, das hier verantwortlich ist. Auf jeden Fall hat sich gezeigt, dass der Aromatasehemmer Cytadren das Aromatiseren von Nandrolon nicht verhindern kann.

Nandrolon zeigt bei einer Dosis von 400 mg/Woche eine moderate Wirkung. Es besitzt eine lange Halbwertszeit und ist daher für kurze Kuren weniger geeignet. Es passt besser in eine lange Kur und schleicht sich in den Wochen nach der letzten Injektion quasi selbst aus.

Boldenon (Equipoise)

Dieses Steroid scheint in seiner Wirkung mit Nandrolon vergleichbar zu sein, allerdings fehlt ihm der Vorteil der metabolischen Deaktivierung durch das Enzym 5-alpha-Reduktase. Aktuell kann ich nicht sagen, ob seine Wirkung durch eine starke Rezeptorenbindung zustande kommt, oder über Mechanismem, die nicht über den androgen Rezeptor vermittelt werden.

Metenolon (Primobolan)

Primobolan (Metenolon)Dieses Steroid ist in seiner anabolen Wirkung in etwa vergleichbar mit Nandrolon, auch wenn es sich etwas schlechter an den androgenen Rezeptor bindet. Zudem scheint es ähnlich schwach in den anabolen Prozessen zu sein, welche nicht im Zusammenhang mit dem androgenen Rezeptor stehen. Auf der anderen Seite kann man Primobolan deutlich höher dosieren als die Nandrolon-Ester, und es gibt sich immer noch recht angenehm. Voraussetzung ist natürlich, dass man es sich leisten kann. Es scheint, dass Primobolan - gemessen an der anabolen Wirkung - die Achse weniger hemmt als Deca oder Testosteron. Der Grund hierfür könnte sein, dass es nicht zu Östrogen konvertiert. Anders als Deca reagiert Primobolan nicht mit dem Enzym 5alpha-Reduktase und verliert deshalb auch nichts von seiner androgenen Wirkung. Es ist daher nicht ganz so freundlich zu Haut und Haaren wie Deca. Andererseits unterdrückt auch Primobolan die körpereigene Testosteronproduktion, was zum Wegfall des natürlich produzierten DHTs führt. Und das kann dann sogar zur Folge haben, dass sich unter Primobolan das Hautbild verbessert.

Methandriol Dipropionat

Männer sollten dieses Steroid meiden - es sein denn, jemand wollte absichtlich eine östrogen wirkende Substanz benutzen. Denselben Wirkstoff gibt es übrigens unter dem Namen Pentabol in einer oralen Variante. Dann ohne Ester und mit den gleichen östrogen Eigenschaften (von der schlechten Bioverfügbarkeit einmal abgesehen).

Stanozolol (Winstrol)

Ein offensichtlicher Unterschied zwischen Winstrol Depot und anderen injizierbaren Steroiden besteht darin, dass es nicht verestert ist und als wässrige Stanozolol-Lösung verkauft wird (es sollte aber nicht wasserlöslich genannt werden, denn Stanozolol kann nicht wirklich in Wasser gelöst werden). Winstrol Depot hat daher keine Halbwertszeit im klassischen Sinne, und deshalb kann man hier auch kein Modell verwenden, bei dem der Wirkstoffspiegel nach einer Zeit x auf die Hälfte, nach 2 x auf ein Viertel und nach 3 x auf ein Achtel des Startwertes gesunken ist. Stattdessen lösen sich die Kristalle langsam auf, und wenn sie sich alle aufgelöst haben, dann sinkt der Wirkstoffspiegel schnell ab.

Winstrol Depot (Stanozolol)Die Firma Upjohn behauptet, dass in der Veterinärmedizin eine Injektion pro Woche zu einem konstanten Wirkstoffspiegel führt. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich stimmt - möglich, dass dies in Bezug auf die Zweckmäßigkeit im klinischen Gebrauch zutrifft, aber nicht wörtlich zu nehmen ist. Bodybuilder haben ja die Beobachtung gemacht, dass häufigere Injektionen erforderlich sind, wenn man eine merkbare Wirkung mit Winstrol erreichen will. Wenn die Behauptung von Upjohn dennoch wahr sein sollte, dann ließe sich die Beobachtung im Bodybuilding wohl einfach darauf zurückführen, dass eine bestimmte Dosis erforderlich ist (z.B. 350 mg/Woche). Aber nicht unbedingt tägliche Injektionen. Unglücklicherweise vergleichen Bodybuilder die Dinge oft auf eine unlogische Art und Weise. Und die Ansicht, dass tägliche Injektionen nötig sind, könnte auch die Schlußfolgerung daraus sein, dass eine Injektion mit 50 mg pro Woche nicht den gewünschten Erfolg bringt. Das tut sie selbstvertändlich nicht, denn dazu ist die Dosis einfach zu gering. Evtl. werden wir für einen weiteren Artikel einige Urintests machen. Die sollten zu dem Thema dann genauere Informationen liefern - es gibt sicher viele, die das interessieren würde.

Winstrol ist für Frauen weniger geeignet. Es hat Fälle gegeben, bei denen schon 2 mg orales Winstrol pro Tag zu Vermännlichungserscheinungen geführt haben. Man kann also selbst bei nur einer Tablette pro Tag nicht davon ausgehen, dass Winstrol für eine Frau "sicher" ist. Ansonsten drohen Stimmvertiefung, Hirsutismus u.ä.

Stanozolol besitzt einige biochemische Eigenschaften, die sonst kein anaboles Steroid hat. Wir werden diese in einem späteren Artikel aufzeigen.

Methandrostenolon (Dianabol)

Naposim (Methandrostenolon)Im Gegensatz zu dem, was viele wohl erwarten würden, ist dieser Wirkstoff nur ein schwacher Agonist des androgenen Rezeptors, besitzt also nur eine geringe Bindeaffinität. Hieraus folgt, dass seine Wirkung hauptsächlich auf Effekten beruht, die nicht über den androgenen Rezeptor vermittelt werden. Da Dianabol nicht besonders effizient ist, wenn es darum geht den androgenen Rezeptor zu aktivieren, sollte es mit einem anderen anabolen Steroid kombiniert werden, das eine hohe Bindeaffinität besitzt. Bei einer moderaten Dosis (20 - 50 mg/Tag) scheint orales Methandrostenolon je mg Wirkstoff etwa zweimal so stark zu wirken wie die injizierbaren Testosteron-Ester.

Dianabol konvertiert über das Aromatase-Enzym zu Östradiol. Die Menge, die so zu Östradiol umgewandelt wird, kann durch den Aromatasehemmer Cytadren vermindert werden (Dosierung und Anwendungsweise wurden in vorhergehenden Artikeln erläutert).

Nur wenige Tabletten Dianabol haben bei einigen Frauen schon zu einer irreversiblen Stimmvertiefung geführt: eine Tablette/Tag über einen Zeitraum von ein paar Wochen. Das war dann auch der Grund, warum man in den 60er-Jahren die damals übliche Praxis beendete, Dianabol Frauen als "Stärkungsmittel" zu verschreiben (in einer Dosierung von einer Tablette Dianabol/Tag).

Wie bereits erwähnt - die individuellen Unterschiede sind groß, und bei manchen Frauen lässt sich die gewünschte anabole Wirkung erzielen, ohne dass die persönliche Grenze für virilisierende Nebenwirkungen erreicht wird. Bei anderen ist das leider nicht der Fall.

Oxymetholon (Anadrol®, Anapolon)

Wie bei Methandrostenolon, so ist auch bei Oxymetholon die Bindeaffinität gegenüber dem androgenen Rezeptor schlecht, weshalb es vermutlich über Mechanismen wirkt, die nicht durch den androgenen Rezeptor vermittelt werden. Es ist aus meiner Sicht unklar, ob die Effekte durch Oxymetholon die gleichen sind, die auch Dianabol hervorruft. Einen Unterschied scheint es auf jeden Fall zu geben: Ich vermute, dass Oxymetholon Progesteron-Wirkung besitzt - auch wenn es in der wissenschaftlichen Literatur keine Hinweise dafür oder dagegen gibt. Es wurde beobachtet, dass Oxymetholon entzündete Brustwarzen verursachen oder Gynäkomastie auslösen kann. Und das auch bei Gabe von Antiöstrogenen in hoher Dosierung, was einen deutlichen Hinweis gibt, dass diese Symptome nichts mit Östrogenen zu tun haben. Zudem treten die Symptome nicht auf, wenn man gleichzeitig Stanozolol verwendet, das ja eine anti-Progesteronwirkung besitzt. Mir ist noch unklar, ob die anti-gestagene (= anti-Progesteron) Wirkung von Winstrol den Zuwachs an Muskulatur vermindert oder nicht.

Anapolon (Oxymetholon)Oxymetholon wird im Körper nicht in Östrogene umgewandelt. Zumindest gibt es dafür keinerlei Hinweise, und es ist auch kein Mechanismus denkbar, über den dies möglich wäre. Anti-Östrogene sind daher nicht erforderlich, wenn kein anaboles Steroid verwendet wird, das aromatisiert. In Kombination mit Wirkstoffen wie Testosteron ist Oxymetholon jedoch dafür berüchtigt Östrogen-Nebenwirkungen zu verschlimmern. Das tut es möglicherweise, indem es Progesteron-Nebenwirkungen auslöst, die der Bodybuilder dann mit Östrogen-Nebenwirkungen verwechselt. Auch möglich, dass es den Östrogen-Metabolismus beeinflusst, oder eine vermehrte Produktion des Aromatase-Enzyms verursacht.

Im Vergleich zur gängigen Meinung im Bodybuilding ist der Wirkstoff recht mild, wenn er nicht mit anderen anabolen Steroiden kombiniert wird, die aromatisieren. Ich halte ihn in seiner Wirkung für ähnlich stark wie Dianabol.

Oxandrolon

Es scheint so, dass Oxandrolon, anders als Oxymetholon und Methandrostenolon, eine gute Bindefähigkeit an den androgenen Rezeptor besitzt. Dennoch wird es als schwach anabol wirkend eingeschätzt.

Bonavar (Oxandrolon)Das liegt zum Teil daran, dass Bodybuilder die verschiedenen Wirkstoffe meist auf eine etwas unglückliche und auch wenig vernünftige Art und Weise miteinander vergleichen, wenn es darum geht, anabole Steroide in ihrer Wirkung zu beurteilen. Wenn 20 mg Oxandrolon/Tag wenig bringen ("warum, das sind 8 Tabletten, das ist doch eine ganze Menge, oder?"), dann wird verkündet, es sei nutzlos oder schwach in seiner Wirkung. Aber das sind in Summe auch nur 140 mg/Woche. Und sind die Resultate bei 140 mg Testosteron/Woche gewaltig? Nein, natürlich nicht. Nur wenige anabole Steroide bewirken einen dramatischen Zuwachs bei der Dosis.

Wegen seines hohen Preises haben nur wenige Bodybuilder Oxandrolon in einer höheren Dosis probiert. In der medizinischen Fachliteratur (Forbes et al.) wird ein einziger Fall beschrieben, bei dem ein Wettkampfathlet Oxandrolon in einer Dosis von 80 mg/Tag genommen hat und damit bemerkenswerte Ergebnisse erzielen konnte. Ob man dem glauben kann, ist schwer zu sagen. Denn es könnte ja gut sein, dass der Athlet noch ein paar Steroide mehr genommen hat, als an die Mediziner berichtet. Und um da Klarheit zu schaffen, hätte man einen Urintest machen müssen. Bei den aktuellen Preisen für Oxandrolon können es sich auf jeden Fall nur die Wohlhabenden in der Dosierung leisten.

Oxandrolon aromatisiert nicht und konvertiert auch nicht zu DHT. Mit 8 Stunden hat es eine längere Halbwertszeit als Dianabol (4 Stunden). Nimmt man am Morgen eine nicht zu hohe Dosis, dann bewegt sich der Androgenspiegel über den Tag und den frühen Abend hinweg in einem sinnvollen Bereich. Am späten Abend schließlich ist der Wirkstoff nahezu abgebaut.

Es ist aus meiner Sicht schwierig, Oxandrolon in der Stärke seiner Wirkung mit anderen anabolen Steroiden zu vergleichen. Denn ich kenne keinen männlichen Bodybuilder, der mit Oxandrolon alleine einen beachtlichen Zuwachs an Muskulatur erreicht hätte.

Norethandrolon (Nilevar)

Dieses orale Steroid hat eine gestagene Wirkung. Ich habe keine Information darüber, ob man dem mit Winstrol entgegenwirken kann, wie es bei Oxymetholon der Fall zu sein scheint. Aber Norethandrolon ist auf jeden Fall kein Mittel, das sich für männliche Bodybuilder als besonders brauchbar erwiesen hat. Für weibliche Athletinnen ist es wohl ein durchschnittliches synthetisches Steroid, das mit Dianabol vergleichbar ist.

Fluoxymesteron (Halotestin)

Im Gegensatz zu dem, was man wohl erwarten würde, ist die Bindefähigkeit an den androgenen Rezeptor bei Halotestin nur schwach ausgeprägt. Vermutlich wirkt es in erster Linie durch Mechanismen, die nicht über den androgenen Rezeptor vermittelt werden. Es ist auf jeden Fall ein sehr toxisches Steroid und ich halte es für keine gute Wahl. Es mag für den einen Nutzen haben, der sich in der Vorwettkampfphase befindet und bereit ist die hohe toxische Wirkung auf sich zu nehmen. Gleiches gilt für Ausdauerathleten in Wettkämpfen ohne Dopingtest.

Mesterolon (Proviron)

Mesterolon bindet sich gut an den androgenen Rezeptor, jedoch erreicht es diesen im Muskelgewebe so gut wie nie. Das liegt daran, dass es zuvor enzymatisch in die unwirksame Diol-Form umgewandelt wird. Aus diesem Grunde ist es kein wirksames anaboles Steroid. Es besitzt etwas Wirkung als Mittel gegen Gyno und scheint eine östrogenbedingte Wasserretention vermindern zu können, falls dieses Problem auftreten sollte.

Kombination anaboler Steroide (Stacken)

Dies ist ein Thema, das wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal genauer betrachten werden, insbesondere im Hinblick auf die synergistische Wirkung bestimmter Kombinationen. Synergistisch bedeutet dabei, dass 1/2 x mg des Wirkstoffes A plus 1/2 y mg des Wirkstoffes B einen höheren Zuwachs bringen als nur x mg des Wirkstoffes A oder y mg des Wirkstoffes B.

Damit der Leser hier aber einige Informationen zum praktischen Gebrauch erhält, werde ich kurz darstellen, worum es geht. Im Prinzip sollte man anabole Steroide miteinander kombinieren, die sich in ihrer Wirkung ergänzen: jedes Steroid sollte also auf die Art effizient wirken, wie es das andere nicht tut.

Dianabol z.B. hat das Problem, dass es sich nicht allzu gut an den androgenen Rezeptor bindet. Es ist daher offensichtlich, dass es zumindest bei einigen der Wirkungen, die nicht über den androgenen Rezeptor gehen, sehr gut sein muss. Im Gegensatz dazu ist die Bindefähigkeit von Deca an den androgenen Rezeptor sehr gut, wohingegen Deca bei den Wirkungen schlecht abschneidet, die nicht über den androgenen Rezeptor vermittelt werden. Kombiniert man die beiden, dann ergibt sich ein synergistischer Effekt, weil sie sich in ihren Wirkungen ergänzen. Und das ist nicht nur eine theoretische Vorhersage, sondern wird auch in der Praxis so beobachtet.

Bei einem Stack aus Nandrolon und Primobolan wären dagegen keine Synergien zu erwarten, und das zeigt auch die Praxis. Beide wirken auf die gleiche Art und Weise: beide sind gute Agonisten des androgenen Rezeptors und vermutlich wenig effizient, wenn es um Wirkungen geht, die mit dem androgenen Rezeptor nichts zu tun haben. Anstatt die beiden miteinander zu kombinieren, ist es genauso gut nur Nandrolon oder nur Primobolan zu verwenden.

Das gleiche Prinzip gilt auch für die anderen, oben beschrieben Wirkstoffe. Von besonderem Interesse ist die synergistische Wirkung bei Kombinationen aus Testosteron, Trenbolon und/oder Stanozolol. Ich habe in der Literatur Stellen finden können, die das Argument der Wirkungen untermauern, die nicht über den androgenen Rezeptor vermittelt werden. Aber die entsprechenden praktischen Beobachtungen müssen im Bodybuilding erst noch gemacht werden. Erst dann kann dieses Thema verlässlich beantwortet werden. Ich gehe aber davon aus, dass zukünftige Artikel die Antworten bringen werden.