Stress tötet
Stress ist mit Abstand einer der größten Zerstörer der Gesundheit – sowohl der mentalen als auch der körperlichen Gesundheit. Stress erhöht die Kortisolspiegel. Kortisol ist ein Stresshormon, das lebenswichtig ist. Ohne ausreichende Mengen an Kortisol, wird man keine Motivation und keine Energie haben. Exzessive Kortisolspiegel werden jedoch im wahrsten Sinne des Wortes Gewebe des Gehirns und Muskeln auffressen. Mehr und mehr Studien verbinden hohe Kortisolspiegel mit Alzheimer und Demenz. Stress ist eine recht beängstigende Sache und zu viele Menschen gehen mit hohen Stressleveln viel zu sorglos um.
Das Interessante an Stress ist, wie er sich manifestiert und wie häufig er selbst-induziert ist. Seltsamerweise weisen die Menschen, von denen man annehmen würde, dass sie unter der geringsten Menge an Stress leiden, die höchsten Stresslevel auf. Während meiner Weltreisen habe ich häufig beobachtet, dass eine Person umso mehr Stress hat, je weniger Probleme sie hat. So verrückt dies auch klingen mag, kann es stressig sein, keine echten Probleme zu haben! Die meisten Menschen würden es nicht zugeben, doch viele Menschen blühen bei Konflikten und Problemen auf. Probleme und Konflikte zu lösen induziert ein Wachstum. Kein echter Stress bedeutet kein Wachstum und dies kann selbst stressig sein! Im Film "Matrix" spricht ein Computer darüber, dass das initiale computergenerierte Programm für Menschen eine Utopie war, in der es keine Probleme gab. Das Programm war ein Desaster und die Menschen starben wie die Fliegen. Das zweite Programm war mehr wie unsere Welt und umfasste Gewalt und Leiden. Dieses Programm war ein Erfolg. Die Schlussfolgerung im Film war, dass Menschen unter dem Einfluss von Not und Leiden aufblühen, was nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt ist. Ohne Probleme können wir uns nicht vollständig entwickeln und verkümmern. Somit ist das Generieren von Problemen vielleicht ein Selbstschutzmechanismus. Wir brauchen Probleme, um voll aufzuleben und wenn wir keine echten Probleme haben, dann schaffen wir uns welche.
Viel des Stresses hat damit zu tun, wie man eine gegebene Situation interpretiert. Ein Millionär hat Probleme, die Nichtmillionäre nicht haben, wie z.B., wie man sein Geld behält, wie man es vermeidet, exzessive Steuern zu bezahlen und wie man Betrügern und anderen Manipulationen aus dem Weg geht. Dies mag im Vergleich zu anderen Formen des Stresses trivial erscheinen. Stress basiert jedoch darauf, wie die entsprechende Person hiermit umgeht. Ein verarmtes Individuum, das mit einem breiten Lächeln jeden Tag auf dem Gesicht in einer Hütte in Kenia lebt, kann sehr gut weniger Stress als ein arbeitswütiger Millionär haben. Um dies anhand eines anderen Beispiels zu illustrieren, kann ein Soldat im Krieg weniger gestresst, als eine ungeduldige Frau im Restaurant sein, die einen Anfall bekommt, weil ihr Essen fünf Minuten zu spät kommt. Das mag unglaublich klingen, doch genauso wie Schönheit im Auge des Betrachters liegt, liegt auch die Interpretation von Stress im Geiste des Individuums.
Eine faszinierende Facette von Stress ist, dass viele Menschen sich eine erstaunliche Menge an Stress um Probleme machen, die wahrscheinlich nie eintreten werden. Sich Sorgen darüber zu machen, was geschehen oder nicht geschehen könnte, ist bis zu einem gewissen Grad natürlich, da das Unbekannte im Leben stressig sein kann. Davon besessen zu sein, was alles schiefgehen könnte, ist jedoch ein sicherer Weg, sich selbst verrückt zu machen. Die Realität zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die sich außerhalb unserer Kontrolle befinden, bedarf eines gewissen Grades an Vertrauen. Im Gegenzug bekommt man jedoch einen Grad des Seelenfriedens, der mit der Erkenntnis zusammenhängt, dass alles, was man tun kann, sein Bestes zu geben ist und die Würfel so fallen zu lassen, wie sie fallen werden. Zu erkennen, dass das Leben ein kontrolliertes Chaos ist, ist nicht so einfach.
Darüber hinaus, glauben einige Menschen, dass sie umso wichtiger sind, je mehr Probleme sie haben. Ich habe sogar Leute gesehen, die sich mit Freunden einen Wettstreit darum geliefert haben, wer mehr Probleme hat. Egal, was eine Person sagt, wird jemand anderes versuchen, dies noch zu übertreffen. Viele Menschen mögen es, ihre Probleme wie einen Orden zu tragen. "Schau wie toll ich mit all diesen Problemen bin." Auf der anderen Seite sind Menschen mit echten Problemen viel zu beschäftigt damit, sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen oder mit ihnen zu leben, um sich damit zu brüsten. Das Letzte, was sie tun wollen, ist mit ihren Problemen anzugeben. Sie sehen solche Aktionen als beschämend an. preview
Dies bedeutet nicht, dass es außer Frage steht, sich über Probleme auszulassen oder dass über Probleme zu meckern inakzeptabel ist. Ohne Zweifel hat es eine positive reinigende Wirkung, wenn man von Zeit zu Zeit alles raus lässt. Ständig über ein Problem zu reden und nichts Produktives zu tun, um dieses Problem zu lösen, ist jedoch reine Zeitverschwendung. An einem Punkt muss man einige bedeutungsvolle Schritte unternehmen. Anstatt endlos über Probleme zu klagen, sollte man sich eine Scheibe von Viktor Frankl abschneiden und sich selbst fragen, ob sich all das Leiden lohnt. Diese mentale Verschiebung der Paradigmen kann eine völlig neue Perspektive eröffnen, die in einer besseren Beherrschung von Stress resultiert.
Doch der vielleicht größte selbst-induzierte Stresserzeuger ist die Besessenheit von der Meinung anderer. Mich fasziniert es immer wieder, Menschen zu sehen, die sich Gedanken darüber machen, was völlig Fremde über sie denken. Sie leben ihr Leben für die Anerkennung durch andere, was kein Weg zu leben ist. Natürlich ist es nett, Lob von anderen zu erhalten, es ist jedoch sehr stressig, ein künstliches Leben zu leben, nur um anderen zu gefallen. Für gewöhnlich zeigt sich dieser Stress nicht, da sich diese Menschen in der Öffentlichkeit verstellen. In ihrem Inneren werden jedoch erstaunliche Mengen an Kortisol produziert. Kein authentisches Leben zu leben, induziert eine Menge internen Stress, den man nur eine gewisse Zeit lang zurückhalten kann. Irgendwann wird dieser Stress eine kritische Masse mit verheerenden Konsequenzen erreichen.
Man sollte sich nichts vormachen – Stress ist ein Killer und zu lernen, wie man mit Stress umgeht, ist das Wichtigste, was man tun kann. Man sollte damit aufhören, sich über alles Sorgen zu machen und mehr in der Gegenwart leben. Wenn man sich vollständig auf den Moment konzentriert, dann wird sich die Zukunft von selbst ergeben. Als nächstes sollte man damit aufhören, sich übermäßig Gedanken über die Meinung anderer zu machen. Wen kümmert es, was andere Menschen über einen denken. Das Leben ist stressig genug. Man sollte ein authentisches Leben leben und keines, in dem man kontinuierlich die Anerkennung durch andere sucht. Als nächstes sollte man sich etwas Zeit zum Atmen nehmen. Wann immer man gestresst ist, hält man seinen Atem an. Man sollte tief ein- und ausatmen und sich einen Moment für sich selbst nehmen, wann immer man diesen benötigt. Zu guter Letzt sollte man seinen Arzt eine Speichelprobe nehmen und die DHEA und Kortisolspiegel messen lassen.