"Sherman setzte seinen Weg zur First Avenue in einem Zustand der Unruhe fort. Es lag in der Luft! Es war eine Welle! Überall! Unausweichlich!... Sex!... Da, um ihn sich zu nehmen. Es ging die Straße hinunter, so auffallend, wie man es wollte! Es war über alle Geschäfte verteilt! Wenn man ein junger Mann ist und halbwegs lebendig ist, welche Chancen hatte man dann?... Wer konnte bei dieser Welle der Begierde, die über die Welt schwappte, noch monogam bleiben? Guter Gott! Nicht einmal ein Herrscher des Universums könnte ein Heiliger sein... Es war unvermeidlich."
Tom Wolfe, Bonfire of the Vanities


Warum sieht man Frauen in einer Kneipe selten eine Schlägerei anfangen, versuchen mehr auf der Bank zu drücken, als sie bewältigen können oder verirrt herumfahren und sich trotzdem zu weigern, nach dem Weg zu fragen? Die meiste Zeit über bekommen wir gesagt, dass diese Art des Verhaltens damit zusammenhängt, dass es Männern wichtig ist, ihre Stellung unter anderen Männern zu sichern.

Es ist wie im Tierreich, wo Pfauen konkurrierend ihre Federn zeigen, um beim anderen Geschlecht landen zu können. Kurz gesagt kann man es sich als Mann nicht leisten, schwächlich oder weichlich zu sein. Wenn etwas die eigene Position bedroht - die eigene Position unter all den Pfauen - dann muss man etwas dagegen unternehmen. Männer handeln dann, um ihren Platz als Herrscher des Universums zu verteidigen.

Wenn diese Idee zutreffend ist, dann sollten Männer sich auch gegen psychologische Bedrohungen ihres Status zur Wehr setzen. Doch was ist mit Frauen? Wir Frauen drücken nur das Gewicht auf der Bank, das wir auch bewältigen können und immer auch in guter Form; wir verlassen das Haus mit einem klaren Ziel und einer klaren Richtung. Wir fahren die nächste Tankstelle an, wenn wir befürchten uns verfahren zu haben. Was sollten Frauen als Reaktion auf eine psychologische Bedrohung ihres Status tun?

Josephs und Kollegen (2003) erklären, dass auch wenn Wissenschaftler herausgefunden haben, dass Männer mit einem höheren Testosteronspiegel im Vergleich zu Männern mit einem niedrigen Testosteronspiegel ihren Status mit größere Wahrscheinlichkeit erhalten oder verbessern werden, die meisten Wissenschaftler ganz einfach angenommen haben, dass dieselbe Beziehung bei Frauen - welche im Vergleich zu Männern einen sehr niedrigen Testosteronspiegel aufweisen - nicht vorhanden ist. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass es bereits einige Untersuchungen gibt, die nahe legen, dass Status erhaltendes Verhalten (z.B. Unnachgiebigkeit) bei Frauen mit einem höheren Testosteronspiel häufiger als bei Frauen mit einem niedrigen Testosteronspiegel beobachtet werden kann. Somit wird die Behauptung von Frauengruppen, dass Frauen "friedfertige und nette Menschen sind", nicht von der Wissenschaft unterstützt. Natürlich gibt es auch Frauen, die ihre Schwestern eher verprügeln würden, als mit ihnen bei der nächsten Demonstration der Sozialisten Händchen zu halten und zu singen.

Die Beziehung zwischen Status und Geschlecht wurde im Rahmen einer Reihe von Experimenten von Joseph und seinen Kollegen untersucht. Hierbei untersuchten die Wissenschaftler den Einfluss von Status und Geschlecht jedoch nicht im Bezug auf das soziale Verhalten, sondern im Zusammenhang mit der akademischen Leistung.

Sie spekulierten außerdem darüber, dass die wahre Beziehung nicht zwischen Geschlecht und Status per se, sondern zwischen Status und Testosteron besteht. Spezifischer ausgedrückt bedeutet dies folgendes: Wenn man erwartet etwas gut zu tun (einen hohen Status zu erreichen), dann sollte man, wenn man einen hohen Testosteronspiegel aufweist, mehr von den Verhaltensweisen zeigen, die sich positiv auf die Erfüllung der Aufgabe auswirken. Wenn man jedoch erwartet die Aufgabe nicht gut zu erfüllen (niedriger Status), dann wird man, wenn man einen hohen Testosteronspiegel aufweist, mehr von den Verhaltensweisen zeigen, die sich negativ auf die Erfüllung der Aufgabe auswirken. Die Autoren bezeichnen Testosteron als eine Art "Verhaltensverstärker". preview

Josephs und seine Kollegen fanden einige Männer und Frauen, die sagten, dass ihnen ihre mathematischen Fähigkeiten wichtig sind und untersuchten deren Testosteronspiegel vor dem Studienbeginn. Sie teilten anschließend beide Geschlechter ohne deren Wissen nach Geschlecht sortiert in je zwei Gruppen ein, wobei in eine Gruppe jeweils die Probanden mit einem unter dem Studiendurchschnitt liegenden Testosteronspiegel und in die andere Gruppe die Probanden mit überdurchschnittlichem Testosteronspiegel eingeteilt wurden.

Das erste Experiment bestand aus zwei Phasen, einer Manipulationsphase, in der den Probanden bezüglich ihrer mathematischen Fähigkeiten Angst gemacht wurde und einem mathematischen Test.

Während der ersten Phase antwortet die Hälfte der Probanden (Kontrollgruppe) auf Fragen bezüglich ihrer College Erfahrungen (ob sie diese Zeit als lohnend angesehen hatten oder sie sich bei ihren Hauptfächern ausgekannt hatten, usw.). Die andere Hälfte (manipulierte Probanden) antwortete auf Fragen bezüglich ihrer Erfahrungen mit geschlechtsspezifischen Stereotypen und mathematischen Fähigkeiten ("Ich glaube, dass einige Menschen denken, dass ich aufgrund meines Geschlechts über schlechtere mathematische Fähigkeiten verfüge").

Diese Fragen waren so formuliert, dass sie keine Auswirkungen auf Männer mit hohem oder niedrigem Testosteronspiegel hatten (da es keine Vorurteile gibt, die besagen, dass Männer schlecht in Mathe sind), eine gewisse Wirkung auf Frauen mit niedrigem Testosteronspiegel hatten und Frauen mit hohem Testosteronspiegel wirklich aufregten. Da Testosteron ein verhaltenstechnischer Verstärker ist, sollte die Nervosität, zu der Frauen im allgemeinen neigen, wenn es um die mathematischen Fähigkeiten geht, bei Frauen mit hohem Testosteronspiegel zu einer massiven Leistungsangst führen, die in schlechten mathematische Leistungen resultieren sollte.

Während der zweiten Phase versuchte jede Gruppe eine Reihe mathematischer Probleme des GRE zu lösen. Die Probanden mussten außerdem angeben, wie nervös sie waren, denn wenn die mathematischen Fragen wie angenommen wirken sollten, dann dürften sie bei den männlichen Probanden keine Auswirkung auf die Nervosität besitzen, die Nervosität bei Frauen mit niedrigem Testosteronspiegel leicht anheben und bei Frauen mit hohem Testosteronspiegel die größte Wirkung zeigen.

Was fanden die Forscher heraus? Zuerst einmal, dass die Manipulation funktionierte: Die entsprechend vorbereiteten Frauen waren während des Mathetests nervöser als entsprechend vorbereitete Männer. Die manipulierten Frauen mit einem hohen Testosteronspiel waren nervöser als manipulierte Frauen mit einem niedrigen Testosteronspiegel. Doch spiegelte sich diese Nervosität auch in schlechteren mathematischen Leistungen wieder? Mit einem Wort gesagt: JA. Die entsprechend manipulierten Frauen schnitten bei dem Test schlechter als alle anderen Frauen ab. Insgesamt gesehen schnitten Männer besser als Frauen ab, wobei der schulische mathematische Hintergrund für dieses Schema der Resultate nicht verantwortlich gemacht werden konnte.

In Experiment 2 kehrten die Autoren die stereotypische Beeinflussung um. Anstatt weibliche stereotypische Vorurteile zu verwenden, setzten sie stereotypische Vorurteile ein, die auf Männer abzielten. Natürlich gibt es das Vorurteil, dass Männer bezüglich der Lösung mathematischer Probleme besser sind, welches in Männern die Erwartung weckt, bei mathematischen Aufgaben gut abzuschneiden. Josephs und Kollegen gaben einer Gruppe von Männern einen Mathe Test und erzählten einer Hälfte der Männer, dass dieser Test die mathematisch schwächeren Männer identifizieren würde, während sie der anderen Hälfte der männlichen Probanden sagten, dass dieser Test die Männer mit außergewöhnlichen Fähigkeiten identifizieren würde.

Da Männer dazu neigen zu denken, dass sie recht gut in Mathe sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie davon ausgehen bei einem Test schlecht abzuschneiden, niedrig. Als Resultat hiervon sollten weder Männer mit hohem Testosteronspiegel noch Männer mit einem niedrigen Testosteronspiegel einen solchen Test als Bedrohung ihres Status ansehen. Wenn jedoch die Chance besteht als Meister des Matheuniversums identifiziert zu werden, wollen Männer mit hohem Testosteronspiegel dies erreichen.

Aus diesem Grund gingen die Wissenschaftler davon aus, dass sich Männer mit hohem Testosteronspiegel bei dem "Test auf außergewöhnliche Fähigkeiten" (jedoch nicht beim "Test auf unterdurchschnittliche Fähigkeiten") besonders anstrengen und besser als alle anderen abschneiden würden. Anders ausgedrückt sollte der hohe Testosteronspiegel ihr "hart arbeitendes" Verhalten stärker als bei Männern mit niedrigerem Testosteronspiegel verstärken.

Das war auch in der Tat das, was die Wissenschaftler herausfanden. Wenn diese Männer dachten, dass der Mathetest eine wirkliche Herausforderung darstellte (der "Test auf außergewöhnliche Fähigkeiten"), nahmen sie die Herausforderung an und zeigten deutlich bessere Leistungen als Männer mit niedrigem Testosteronspiegel. Sie ließen außerdem weniger Fragen als Männer mit niedrigem Testosteronspiegel aus, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass sie versuchten so viele Punkte wie möglich zu holen.

Als sie jedoch dachten, dass der Test ein Kinderspiel sei, (der "Test auf unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit"), schnitten Männer mit hohem Testosteronspiegel nicht besser als Männer mit niedrigem Testosteronspiegel ab. Sie zeigten sogar die Tendenz etwas schlechter abzuschneiden, auch wenn sie nicht mehr Fragen als Männer mit niedrigerem Testosteronspiegel ausließen.

Es gibt eine Reihe von Dingen, die man aus diesen Untersuchungen lernen kann, doch es gibt zwei Dinge, die für uns von besonderem Interesse sind.

Zum einen könnten diese Resultate erklären, warum es entgegen der öffentlichen Meinung unter Gewichthebern überdurchschnittlich viele akademisch höher begabte Personen zu geben scheint. Einfach gesagt, tun Menschen mit einem hohen Testosteronspiegel alles in ihrer Kraft stehende, um zu brillieren und dies überträgt sich sowohl auf die Leistungen im Kraftraum als auch auf die Anstrengungen im Klassenzimmer.

Da es wahrscheinlich ist, dass Frauen, die gerade erst mit einem Training mit Gewichten beginnen, dazu neigen, sich im Fitnessstudio unwohl zu fühlen, kann es passieren, dass, wenn die Fähigkeit einer Frau mit hohem Testosteronspiegel relativ zu Männer gesehen in Frage gestellt wird, ihre Leistungen hierunter leiden. Wenn ein Dummkopf von Trainer einer Frau z.B. erzählt, dass Frauen aufgrund mit ihrem Geschlecht zusammenhängenden Einschränkungen anders als Männer trainieren sollten, dann kann dies dazu führen, dass ihre Leistungen hierunter leiden oder sie sogar mit dem Training aufhört. Schließlich zeigen Frauen mit hohem Testosteronspiegeln schlechtere Leistungen, wenn ihr Status bedroht wird.

(Hinweis des Herausgebers: Natürlich sind Gefühle und Abneigungen oft unkontrollierbar, doch das Verhalten stellt häufig eine Wahl dar. Wenn wir verstehen, wie unsere Psychologie mit unserem Verhalten verbunden ist, dann sind wir nicht länger Sklaven unserer Psychologie - es sei denn, wir entscheiden uns dafür.)

References

  • Josephs, R.A., Newman, M. L, Brown, R. P., & Beer, J. M. (2003). Status, testosterone, and human intellectual performance: stereotype threat as status concern. Psychological Science, 14, 158-162.