Ein Artikel von Johnberardi.com
Von Dr. John M. Berardi

Ganz gleich, ob es Dir gefällt oder nicht - und ich bin mir sicher, dass es vielen Lesern wirklich gefällt - aber Testosteron ist das Hormon des Jahrzehnts. Dieser Großvater der männlichen Hormone hat während der letzten Jahre mehr Aufmerksamkeit von den Medien bekommen als jedes andere Hormon. Ich hörte sogar von dem Gerücht, dass ein paar verrückte Bodybuilding-Jungs aus der Medienbranche darüber nachdachten, eine Zeitschrift danach zu benennen. Könnt ihr Euch das vorstellen?

Obwohl Testosteron (ich meine an dieser Stelle natürlich das Hormon) das Ziel vieler schlechter Rezensionen war, würde dieses Hormon, wenn man es nach seiner Meinung danach fragen würde, wahrscheinlich etwas in der Art "Was ist schon dabei? Irgendwas muss ja gut an mir sein, wenn sie ständig von mir sprechen!", sagen.

Obwohl die Medien aus Testosteron einen zerstörerischen Bösewicht gemacht haben, begrüßen die Forscher – langsam aber sicher – seine Verwendung. Es wurden bei verschiedenen Gruppen klinische Studien durchgeführt: von HIV geschwächten Patienten und Brandopfern, bis hin zu immungeschwächten Personen und älteren Männern, deren "Testosteron" schon seit Jahren nicht mehr hoch war.

Es gab in der letzten Zeit auch einige Studien, die die Verwendung von Testosteron bei gesunden Männern untersuchten, die Krafttraining ausführen. Wo muss ich unterschreiben, um dort mitzumachen?

Die Ergebnisse zeigten, dass Testosteron nicht der Dämon ist, als den ihn die medizinische Gemeinde einst angesehen hat, und es für bestimmte Personen sogar Vorteile bringen kann und bei bestimmten Patienten mit einem geringen Risiko verbunden ist.

Ich bin aber recht überzeugt davon, dass die Verwendung von Testosteron bei gesunden, krafttrainierenden Männern niemals gebilligt werden wird. Deswegen müssen wir als gesetzestreue US Bürger mit legal verfügbaren Substanzen arbeiten.

Sprechen wir nun aber darüber, wie uns unser eigener Körper mit dem großen T versorgt, und was wir natürlich und mit Supplementen tun können, um unsere T-Spiegel zu maximieren. Die meisten Leute denken beim Thema Steroide an Testosteron. Dies meine Freunde, ist ein weiterer Fakt, weswegen ich glaube, dass Testosteron das Hormon des Jahrzehnts ist. Testosteron ist jedoch nur ein Mitglied aus der Familie der Steroide. Einige andere Steroide diese Familie, die aus Cholesterin bestehen sind Progesteron, die Östrogene, Kortisol und Aldosteron.

Obwohl diese Moleküle zur selben Familie gehören und eine auffallend ähnliche Struktur besitzen, unterscheiden sich ihre Funktionen wie Tag und Nacht. Es ist wichtig das zu erkennen, weil sie ähnlichen Biochemischen und metabolischen Regeln unterstellt sind, obwohl sie dazu tendieren, sehr unterschiedlich zu wirken.

Für eine vereinfachte Betrachtung des Steroidstoffwechsels im Körper, kannst Du annehmen, dass alle Hormone von Cholesterin ausgehen. Ausgehend von Cholesterin, werden Steroidmetaboliten in verschiedenen Geweben des Körpers gebildet. Die Enzyme der Nebennierenrinde sind beispielsweise dafür verantwortlich, Cholesterin in Kortisol umzuwandeln, wohingegen Enzyme der Gonaden für die Umwandlung von Cholesterin in Testosteron verantwortlich sind.

Durch diese vereinfachte Betrachtungsweise, ist es einfach, zu denken, man könnte mehr Testosteron produzieren, wenn man dem Körper einfach mehr Cholesterin zur Verfügung stellt (zwei große Portionen Pommes, bitte!). Dies ist ein Fehler, weil der Körper Regulationsmechanismen hat, welche die Hormonproduktion kontrollieren. Diese Regulationsmechanismen (nicht Deine Abendgebete zu den Eisengöttern) bestimmen letztendlich, welche Steroidmetaboliten gebildet werden.

Die nächsten wichtigen Fragen sind: welche Magie braucht man, um Testosteron aus Cholesterin zu bilden (sei nicht zu gespannt darauf, denn Du kannst das in Deiner Badewanne machen)? Wie wird diese Umwandlung (Konversion) reguliert? Wodurch wird die Produktion von Testosteron reguliert? preview

Damit die Gonaden T produzieren, hat der Körper eine Befehlskette, die abgehandelt werden muss, genau wie das bei jedem gutlaufenden Betrieb der Fall ist.
In einem Betrieb, wird der Maßnahmenplan vom CEO (Geschäftsführer) an das obere Management geleitet, weiter ausgearbeitet, und anschließend an das Produktions-Team delegiert, welches den Job dann erledigt.

Im Körper repräsentiert ein Teil des Gehirns – genannt Hypothalamus – den CEO. Die Hypophyse ist das obere Management und die Hoden stellen die Mitglieder des Produktions-Teams dar. Genau wie in Betrieben, fungiert der CEO/Hypothalamus als "Pulsgenerator", weil er während des Tages Hormonschübe freisetzt, die andere Organe stimulieren können.

Im Hinblick auf T, sendet der Hypothalamus täglich zahlreiche GNRH-Schübe (Gonadotropin releasing hormone ) durch den Blutkreislauf. Diese Schübe sind darauf ausgelegt, die Hypophyse zum Arbeiten zu bringen.

Die Hypophyse nimmt diese GNRH-Schübe wahr und gibt ebenfalls einen Arbeitsauftrag auf, der aus LH (Luteinisierendes Hormon) besteht. Die LH-Nachricht wandert bis zu den Leydig-Zellen der Hoden, um dort die enzymatische Umwandlung von Cholesterin in Testosteron zu stimulieren.

Die Umwandlung von Cholesterin in T ist kein einfacher Prozess und ich werde hier keine Details nennen (teilweise deshalb, weil niemand alle Details kennt). Eine Tatsache, die Du allerdings verstehen solltest, ist, dass dieser Weg hochkomplex ist und Cholesterin auf viele Enzyme und Intermediate treffen muss, um T zu bilden.
Einige dieser Intermediate sind Pregnenolon, DHEA, Androstendion und andere, gut bekannte Androgene. Selbst wenn der Hypothalamus also gut funktioniert, die Hypophyse alles richtig macht und die Hoden den "Ball" ins Rollen bringen, so bestimmen letztendliche die Enzyme in den Leydig-Zellen, ob Du massenhaft muskelaufbauendes T produzierst, oder einfach nur andere Intermediate auf Kosten von T produzierst.

Als Resultat des oben beschriebenen Prozesses, schwanken die T Spiegel stark. Du wärst wahrscheinlich erstaunt, wenn Du die Testosteronspiegel über den Tag hinweg messen würdest. In der einen Minute hast Du das Hormonprofil eines übermuskulösen Bullen, der bereit ist, eine Herde Rinder zu befruchten, in der nächsten Minute ist Dein Blutprofil wie das einer menstruierenden Martha Stewart, bereit die Farbwahl Deiner Toilette zu bestimmen.

Diese merkwürdigen Schwankungen schwanken treten aufgrund der pulsatilen Natur der Hormonausschüttung auf.

Nochmals: dies beginnt mit der GNRH-Ausschüttung durch den hypothalamischen Impulsgenerator. Übrigens glauben Forscher heute, dass es die physiologische Pulsatilität ist, die das Testosteron anabol macht. Wenn Du das Muster der Hormonausschüttung nachahmen kannst, so kannst Du Muskelwachstum stimulieren.

Behält man diese hormonelle Kaskade im Hinterkopf, dann ist es wichtig zu erkennen, dass jeder Schritt dieser Signalkaskade einen Regulationspunkt hat, der darauf ausgelegt ist, die Impulsfreisetzung zu hemmen oder zu aktivieren.
Insofern ist der Körper ein kleiner Kontroll-Freak, da er dazu tendiert, mehr als nur einen Kontrollpunkt zu wollen.

In diesem speziellen Fall hier gibt es drei Kontrollpunkte: den Hypothalamus, die Hypophyse und die Hoden. Mit dieser Art von Kontrolle, kann der Körper die Testosteron-Homöostase aufrechterhalten (eine Art hormoneller Status Quo) und damit abnormale Änderungen der Muskelentwicklung und Kraft verhindern.

Steigen unsere Testosteronspiegel beispielsweise an, bemerkt der Körper dies, woraufhin der Hypothalamus und die Hypophyse weniger GNRH und LH produzieren, um die T-Produktion zu verlangsamen. Dies ist natürlich die berühmte negative Rückkopplung - Verdammte Homöostase!

Da ich nun weiß, dass ihr alle Experten bezüglich der Testosteronproduktion seid (am Schluss wird es einen Test geben, ernsthaft!), würde ich gerne ein weiteres wichtiges Thema ansprechen, welches später im Artikel aufkommen wird und auch mit Testosteron im Körper zu tun hat.

Nachdem Testosteron in den Leydig-Zellen der Hoden aus Cholesterin gebildet wird, wird es in den Blutkreislauf freigegeben und macht sich auf, zu einem anabolen Abenteuer.

Im Blut angekommen, werden jedoch 60% des bei den Jungs untenrum freigesetzten T von dem Protein SHBG oder sex-hormone binding globulin (Sexualhormon bindendes Globulin) gebunden. SHGB wird in der Leber produziert und dort auch freigesetzt.

Der wichtige Punkt jedoch ist, dass das SHGB-gebundene Testosteron biologisch inaktiv ist, weswegen es eine wichtige Abgrenzung zwischen dem Gesamttestosteron und dem bioverfügbaren Testosteron gibt.

Das Gesamttestosteron repräsentiert die gesamte Menge von Testosteron im Blut, wohingegen das bioverfügbare Testosteron nur den nicht SHGB gebundenen Anteil darstellt.

Im Blut gibt es auch andere Proteine die Testosteron binden, aber deren Bindung ist eher schwach. Dies ist also der bioverfügbare Anteil des Testosterons, und die Proteine können noch immer in die Zellen eindringen, um all die Dinge zu produzieren und zu beeinflussen, an denen wir interessiert sind.

Wie ich bereits sagte, das bioverfügbare T repräsentiert das nicht SHGB-gebundene Testosteron, wohingegen das freie T den Testosteronanteil repräsentiert, der überhaupt nicht an irgendwelche Proteine im Blut gebunden ist. Es ist etwas schwierig, ich weiß, aber ich hoffe dass es jetzt einleuchtet, dass eigentlich nur ungefähr 2% des T im Blut als freies T betrachtet werden, es aber einen viel größeren Anteil bioverfügbares T gibt (ungefähr 40% oder so), welches nur schwach an nicht-SHGB Proteine im Blut gebunden ist.

Es gibt einen guten Grund, wieso ich Euch diese komplexen Zusammenhänge erkläre. Versucht man die T-Spiegel im Blut zu erhöhen, muss man versuchen, nicht nur das Gesamttestosteron zu erhöhen. Viel wichtiger ist es, zu versuchen, das bioverfügbare T zu erhöhen. Erhöhst Du das SHGB stärker als das Gesamttestosteron, so wirst Du sogar weniger bioverfügbares Testosteron für den Muskelaufbau zur Verfügung haben!

Ein großartiges Beispiel hierfür ist die Kombination von Schilddrüsenmedikamenten und Tamoxifen (Novaldex). Beide können den T-Spiegel im Körper erhöhen, aber beide erhöhen auch SHGB in großem Ausmaß.

Obwohl Du vielleicht durch beide einen kleinen Anstieg des Testosterons erfahren wirst (Hurra!), wird das ansteigende SHGB das zusätzliche T binden und dadurch sogar das bioverfügbare T reduzieren (Boo!).

Da die Klasse nun bezüglich unserer Physiologie und Endokrinologie auf dem neuesten Stand ist (kann bitte jemand Mr. Luoma aufwecken, er schläft während meinen Physiologie-Vorlesungen immer ein), können wir volle Kraft voraus in das Thema Lebensstil (Ernährung, Training, Medikamente, freiverschreibliche Medikamente, Höhe) eintauchen, und besprechen, wie diese und die psychische Stimmungslage die T-Spiegel beeinflussen.

Es gibt eine Fülle von Literatur zum Thema Testosteron. Ein Teil davon ist für uns anwendbar, wohingegen das für Einiges auch nicht der Fall ist. Für einen Wissenschafts-Streber wie mich, der Fakten mag und breit und schlank sein möchte, ist das dennoch alles interessant. Oh Moment, fast hätte ich etwas vergessen: Ich habe Euch doch einen Test versprochen, oder? Setzt Euch!

Auch wenn es bei diesem Test keine Noten geben wird, hoffe ich, dass ihr einige grundlegende Dinge durch diesen Artikel gelernt habt.

Falls Du diese Fragen beantworten kannst, bist Du für den Artikel von nächster Woche bereit, in welchem ich einige Faktoren der Umwelt und des Lebensstils besprechen werde, die die Spiegel Deines freien Testosterons, Gesamttestosterons und des bioverfügbaren Testosterons beeinflussen können.

Beruhigt Euch! Der Artikel nächste Woche wird an das gelernte dieser Woche anknüpfen und einige Empfehlungen geben, wie man seine T-Spiegel erhöht. Nächste Woche wird es auch keinen Test geben!

Frage #1 – Wahr oder falsch: John Berardi ist der intelligenteste Mann der Welt (ich dachte mir, ich fange mit einer leichten Frage an).

Die Antwort ist natürlich "wahr".

Frage #2 - Kurze Antwort: Welche drei Hauptorgane/Drüsen regulieren die T Produktion und welche Hormone setzen sie frei?

Frage #3 – Wahr oder falsch: Testosteron wird direkt aus Cholesterin synthetisiert.

Frage #4 – Kurze Antwort: Welche Zellen produzieren Testosteron und wo befinden sie sich?

Frage #5 – Kurze Antwort: Das gesamte Testosteron im Körper, gebunden oder ungebunden, wird wie bezeichnet?

Frage #6 – Kurze Antwort: Wie bezeichnet man das Testosteron, das nicht an SHBG gebunden ist?

Frage #7 – Kurze Antwort: Wie heißt das Testosteron, das an keine Proteine im Blut gebunden ist?

Frage #8 – Wahr oder falsch: Wenn Du an den anabolen Effekten von Testosteron interessiert bist, dann ist es am besten, den Gesamttestosteronspiegel zu erhöhen und SHGB zu reduzieren.

Hiermit endet der erste Teil von "The Big T". Nächste Woche wird John interessante und anwendbare Forschung zum Thema Testosteron besprechen und damit den Artikel beenden.