Wie auch immer. Letzte Woche habe ich mich mit einem der anderen Eisschnellläufer angefreundet (die meisten Eisschnellläufer sind, sagen wir, unfreundlich. Wenn ich das sage, dann bedeutet das wirklich etwas. Ich persönlich denke, dass sie dasselbe elitäre Gen wie Radrennfahrer in sich tragen, doch ich schweife ab). Er ist jung und groß und ich werde ihn für diesen Artikel The Big Kid (TBK) nennen.
TBK und ich sitzen also beim Essen und reden über das Eisschnelllaufen. Er erzählt mir, dass er hier her gezogen ist, um zu versuchen, in die Nationalmannschaft zu kommen. Doch immer wenn ich ihn auf der Eisbahn sehe, verbringt er für gewöhnlich mehr Zeit damit, Mädels anzugraben, als mit dem Training.
TBK denkt außerdem der er praktisch davon überzeugt ist, dass die Top Eisschnellläufer ein Geheimnis haben müssen. Aha, da liegt der Hund begraben, er sucht immer noch nach Geheimnissen anstatt zu erkennen, dass das Einzige Geheimnis in harter Arbeit über einen langen Zeitraum besteht. Und das ist genau das, was diesen Artikel inspiriert hat.
Ich bekomme immer noch E-Mails, sehe Einträge im Forum, usw. von Leuten, die nach schwer fassbaren Trainings- oder Diätgeheimnis suchen. Etwas Schnelles und Einfaches, vorzugsweise in Tablettenform, das man einnehmen kann und das einen hervorragend macht, ohne dass man über einen langen Zeitraum hart arbeiten muss.
Nun, das ist der amerikanische Weg – die Suche nach einem Geheimnis zur schnellen Lösung aller Probleme anstatt zu erkennen, dass der einzige Weg zum Erfolg in langer, harter Arbeit besteht. Gib mir eine Pille, das entsprechende Equipment, ein Kleidungsstück (UndeAmour ist die neue Kleidung für Fitnessstudio Poser überall auf der Welt). Alles ist recht, so lange es keine harte Arbeit über einen langen Zeitraum ist.
Alles. Supplement Firmen, Zeitschriften, Equipment Firmen, usw. nutzen dies zu ihrem Vorteil. Man muss sich nur eine Bodybuildingzeitschrift, eine Anglerzeitschrift, eine Frauenzeitschrift oder was auch immer ansehen – alle verwenden dieselben Standardklauseln auf ihrem Cover, die Trainings-, Angel- oder Sexgeheimnisse versprechen. Es sind immer dieselben Formulierungen.
- 10 Trainingsgeheimnisse für den Muskelaufbau.
- 10 Bassmaster Geheimnisse, um einen großen Hecht zu fangen.
- 10 Sexgeheimnisse, die Sie heute Nacht verwenden können.
Dann bekam ich meinen Arsch (zumindest teilweise) hoch. preview
Im Lauf Zeit, während ich Erfahrungen sammelte (und den Schrecken aller Schrecken erreichte: Reife), erkannte ich, dass es keine Geheimnise gibt. Die Gleichung ist einfach: harte Arbeit + Zeit = Erfolg. Es gibt keine Abkürzungen, keine Geheimnisse und keine einfachen Lösungen (abgesehen von Steroiden).
Natürlich muss man intelligent trainieren, man muss gute Prinzipien auf seine Ernährung und sein Training anwende und manches ist relativ gesehen effektiver als anderes. Doch sobald man die Grundlagen einmal verstanden hat, kann man nichts weiter tun, als sich eine lange Zeit lang den Arsch aufreißen. Oder Steroide verwenden. Beides – harte Arbeit und Pharmazeutika/Steroide – machen das ganze natürlich leichter (Siehe z.B. mein Bromocriptin Büchlein).
Nachdem dies gesagt wurde, werde ich den Leser in die Trainings- und Ernährungsgeheimnisse einweihen, die im Lauf des letzten Jahrzehnts entwickelt habe (Anmerkung: dies ist der Grund dafür, dass ich nie ein Bestseller Autor sein werde).
Trainingsgeheimnisse für Masse- und Kraftzuwächse (für steroidfreie Trainierende)
- Wenn man steroidfrei ist, dann muss man stärker werden, um muskulöser zu werden. Wenn man im Lauf der Zeit kein zusätzliches Gewicht auf die Stange packt, dann wird man nicht wachsen.
- Wenn man eine Muskelgruppe seltener als zweimal wöchentlich trainiert, dann wird man keine optimalen Zuwächse erzielen. Ein Oberkörper/Unterkörper Splitprogramm, das Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags durchgeführt wird, ist für die meisten optimal, doch auch zwei Ganzkörpertrainingseinheiten pro Woche können gut funktionieren. Einmal alle 5 Tage ist die niedrigste Trainingsfrequenz, die ich einem steroidfreien Trainierenden je empfehlen würde. Man wird jedoch weniger Muskelkater verspüren und besser aufbauen, wenn man häufiger trainiert. Das einmal wöchentliche Training einer Muskelgruppe sollte man den Profibodybuildern (sprich Steroidanwender) und der genetischen Elite überlassen.
- Wenn man sich unsicher ist, sollte man lieber ein geringeres anstatt ein höheres Volumen verwenden. Man braucht entgegen dem Müll, der in Bodybuildingzeitschriften geschrieben wird, keine Millionen von Sätzen, um eine Hypertrophie anzuregen. Wenn man das Ganze nicht mit 4 bis 8 Sätzen (manchmal weniger, selten mehr) schafft, dann sollte man damit aufhören, wie ein kleines Mädchen zu trainiere. Ich hatte einmal einen Freund, der eine Zeit lang Supplements verkaufte und der mich ständig darum bat, ihm einen Trainingsplan zusammenzustellen, der wirklich funktioniert. Ich sagte ihm im Gegenzug, dass er ein Supplement entwickeln solle, dass die Leute dazu bringt, im Fitnessstudio hart zu trainieren und auf ihre Ernährung zu achten. Er dachte, dass dies als Witz gemeint war.
- Im Allgemeinen sind Grundübungen/grundlegende Mehrgelenksübungen am besten, doch auch Isolationsübungen haben ihr Einsatzgebiet. Die Maschinen vs. freie Gewichte Diskussion sollte man sich sparen: beide haben ihre Berechtigung und Einsatzbereiche. Jeder, der einem sagt, dass man eine bestimmte Übung ausführen MUSS, argumentiert von einem emotionalen Standpunkt ausgehend und nicht von einem physiologischen.
- Wenn man denkt, dass man Muskeln aufbauen kann, ohne ausreichende Mengen an Nahrungsmitteln oder Kalorien zu sich zu nehmen, dann sollte man das Bodybuilding an den Nagel hängen und mit etwas leichterem, wie z.B. Golf anfangen. Man kann Muskeln ganz einfach nicht magisch aus nichts herstellen, sondern braucht Kalorien und Protein, um zu wachsen. Wenn man es nicht schafft auf konsistenter Basis genug zu essen, dann wird man kein Gramm Muskeln aufbauen. Und die Ausreden, dass man nicht hungrig ist, oder der Zeitplan es nicht erlaubt, kann man sich gleich sparen. Es dreht sich alles um Prioritäten: entweder man isst mehr, oder man bleibt dürr.
- Die meisten Hardgainer trainieren wie die Idioten und essen nicht genug.
- Die Ernährung sollte in erster Linie auf vollständigen Nahrungsmitteln basieren und Supplements sollten erst an zweiter Stelle kommen. Erinnert sich der Leser noch an den ganzen Rummel um Zink, Testosteron und ZMA von Balco (Hi Victor, ich hoffe, dass Du die erzwungene Sodomie im Knast genießt)? Rotes Fleisch ist eine hervorragende Quelle für Zink, Eisen, Vitamin B12 und Protein – ganz zu schweigen von wer weiß wie vielen anderen Spurenelemente, die an der menschlichen Physiologie beteiligt sind, Man sollte es jeden Tag essen. Erinnert man sich noch an den ganzen Müll über Indol 3 Carbinol? Genau dieses Zeugs findet man in Gemüse wie Brokkoli und Blumenkohl wieder. Jedes mal, wenn man etwas über eine neue magische Verbindung hört, wird sich diese in 99 von 100 Fällen in irgendeinem vollwertigen Nahrungsmittel wiederfinden, das man wahrscheinlich nicht isst. Deshalb sollte man jeden Tag vollwertige Nahrungsmittel mit einer Unmenge an Gemüse essen.
- Es gibt keine einzige beste Proteinquelle – jede hat ihre Vor und Nachteile. Im Allgemeinen bin ich der Ansicht, dass Casein während einer Diät, Wheyprotein rund um das Training und vollwertige Proteine für den Rest des Tages am besten geeignet sind. Milch ist einfach unschlagbar (und das in Milchprodukten enthaltene Kalzium wirkt sich positiv auf das Körperfett aus). Ich glaube, dass das Mischen unterschiedlicher Proteinquellen bei einer gegebenen Mahlzeit eine gute Idee darstellt, um jegliche Defizite einer gegebenen Proteinquelle zu eliminieren. Ich glaube auch, dass das gezielte Kombinieren von Nahrungsmitteln (oder eine Proteinrotation) eine Menge hipper holistischer Müll ist.
Diätgeheimnisse für den Fettabbau
- Man kann nicht auf magische Art und Weise Gewicht verlieren, so lange man nicht weniger isst oder mehr Kalorien durch körperliche Aktivitäten verbrennt – oder aber Pharmazeutika verwendet, welche jedoch ihrerseits zur Folge haben, dass man weniger isst oder mehr Kalorien verbrennt.
- Man sollte nicht herumjammern, wie sehr man Diäten oder Training hasst. Man kann entweder seine Ernährungs- und Aktivitätsschemata verändern oder fett bleiben. Dies sind die beiden Optionen, die man hat – abgesehen von Pharmazeutika.
- Um Gewicht zu verlieren und das neue Gewicht zu halten, muss man einige Aspekte des Trainings und der Ernährung verändern. Man muss diese Veränderungen für immer beibehalten.
- Alle Diätbücher verwenden unabhängig von dem Müll, den sie dem Leser verkaufen möchten, das, was in Punkt 3 beschrieben wurde. Wenn man alle Kohlenhydrate aus der Ernährung eliminiert, wird man für gewöhnlich weniger essen. Selbiges gilt für die Eliminierung von Fett. Diese Diäten verändern also die Ernährungsgewohnheiten auf die eine oder andere Art und Weise. Einige Bücher verwenden auch die Aktivitätsroute. Am Ende des Tages werden alle Diäten, selbst wenn sie dem Diätenden erzählen, dass er nicht weniger essen muss, um Gewicht zu verlieren, den Diätenden auf die eine oder andere Art und Weise dazu bringen, genau dies zu tun.
Alles andere, dem man begegnen wird – inklusive dem Kauderwelsch in meinen Büchern – stellt lediglich Details vom oben beschriebenen dar. Doch auf einer fundamentalen Ebene – wenn man es nicht gerade mit dem einen Prozent des einen Prozents der Trainierenden (Elitesportler, Bodybuilder, die einen Körperfettanteil von 5% ohne Muskelverlust erreichen möchten) zu tun hat – sind diese Geheimnisse alles, was man wissen muss.
Die Gleichung ist die Folgende:
Harte Arbeit + Konsistenz + Zeit = Resultate.
Dies sollte man sich in sein Gehirn einbrennen und damit aufhören, nach schnellen Lösungen und Geheimnissen zu suchen.
Denn diese schnellen Lösungen und Geheimnisse existieren nicht.