| Handelsnamen | Trenabol®, Trenbolan® |
| Gattung | Nor-Derivat (also ein Nandrolon-Abkömmling) |
| Bezeichnung | Trenbolon -acetat, -enantat und -cyclohexylmethylencarbonat |
| Nomenklatur | 17beta-hydroxyestra-4,9,11-trien-3-one |
| Östrogenbildung | sehr gering (~1,9 %) |
| Androgenlevel | niedrig |
| Anabollevel | sehr hoch |
| Halbwertszeit | 4,5 Tage (-enantat) |
Chemische Kennzahlen Trenbolon
| Chemische Formel | C18H22O2 |
| Molekulargewicht | 270,4 g/mol |
| Schmelzpunkt | 183-186 °C |
| Chemische Formel (mit Ester) | C20H24O3 (-acetat), C26H34O4 (-cyclohexylmethylencarbonat) |
| Molekulargewicht (mit Ester) | 312,4 g/mol (-acetat), 410,5 g/mol (-cyclohexylmethylencarbonat) |
| Schmelzpunkt (mit Ester) | 96-97 °C (-acetat) |
| Kohlenstoffatome (Ester) | Enantat: 7, Acetat: 3 |

Eigenschaften
Trenbolon kann zum Acetat, zum Enantat oder zum Cyclohexylmethylencarbonat (=Hexahydrobenzylcarbonat) verestert werden.Trenbolon Handelsprodukte sind das Acetat in Finaplix®, Finajet®, bis 1997 das Hexahydrobenzylcarbonat in Parabolan® (Negma Laboratoires). Meines Wissens ist es in einem einzigen Arzneibuch aufgeführt, nämlich in der United States Pharmacopoeia USP25 (S. 1738-1739) als Trenbolon-Acetat. Wer sich also bei irgendeinem Trenbolon-Acetat mit dem Label USP XXV schmückt, drückt damit aus, dass sein Wirkstoff den Anforderungen des besagten Arzneibuchs entspricht. Trenbolon ist wegen seines Trienonsystems (siehe unten) empfindlich gegen Licht und Wärme.
Trenbolon gehört zu den Nor-Steroiden, wie
- Nandrolon (Deca-Durabolin)
- Ethylestrenol (Orgabolin)
- Norethandrolon (Nilevar)
- Bolandiol (Anabiol)
- Bolasteron (Anagen)
- Calusteron (Methosarb)
- Chlordrolon (SKF 6612)
- Chloroxydienon
- Chloroxymesteron
- Metribolon (RU 1881)
- Miboleron (Cheque)
- Normethandrolon (Methylnortestosteron)
- Norclostebol (Lentabol)
- Oxabolon
- Trestolon
- Gestrinon und Tetrahydrogestrinon

Am oberen Verknüpfungskohlenstoffatom von A- und B-Ring (Stellung 10) ist bei den testosteronähnlichen Steroiden eine Methylgruppe (CH3). Alle Steroide mit dieser Methylgruppe gehören zu den Androstanen. Fehlt die Methylgruppe, so spricht man von den nor-Androstanen oder eben den Östranen (engl. Estrane).
So ist also demnach Nandrolon das Nor-Testosteron.
Bei Trenbolon, Metribolon, Gestrinon und Tetrahydrogestrinon findet man im Molekül ein sog. Trienon-System, ausgehend vom A zum C-Ring. Dieses Trienonsystem, eine Aufeinanderfolge von Doppel- und Einfachbindungen, ist konjugiert, was dem Molekül eine flache Struktur, einem Brett vergleichbar, verleiht.
Offensichtlich behindert (!) ein solches System die Aromatisierung des Steroids - Trenbolon - zu einem Östradiol (engl. Estradiole). Ganz unterdrückt wird die Aromatisierung indes nicht, wie aus einer WHO-Studie hervorgeht [1]. Die Aromatisierung erfolgt zu 1,9 % des Gesamttrenbolons und ist damit als sehr gering einzustufen.
Trenbolon ist - wie auch Testosteron - ein starker Igf-1-Aktivator und wohl deshalb so potent in seiner Wirkung beim Einsatz in Masse- wie auch Cuttingzyklen. Trenbolon wirkt überaus kräftig auf die CP-Speicher unserer Muskeln, und dies zeigt sich deutlich in einem Kraftzuwachs, der übermässig hoch ausfällt. Aus meiner Sicht wirkt Trenbolon sogar noch etwas besser als bei Testosteron selbst (vor allem bei hohen Dosierungen ab 1 Gramm/Woche). Die Stickstoffretentionen bei Trenbolon ist annährend so hoch wie bei Testosteron.
Meist wird behauptet, Trenbolon sei stark androgen. Zu dem Thema Trenbolon und Androgenität haben wir erst küzlich unter "Wie androgen wirkt Trenbolon wirklich?" einen Artikel veröffentlicht. Der Text beruht auf der Studie von Wilson et. al (2003), in der das sogenannte Hershberger-Assay durchgeführt wird. Dabei werden anabole und androgene Wirkung von Testosteron-Propionat und Trenbolon nach einem standardisierten Verfahren im Tiersuch miteinander verglichen. Quintessenz ist die folgende Grafik.

Im linken Teil der Grafik wird die anabole Wirkung gezeigt (LABC weight). Die durchgezogene Linie zeigt die anabole Wirkung von Testosteron-Propionat, die gestrichelte Linie die von Trenbolon.
Man erkennt, dass Testosteron-Propionat und Trenbolon ähnlich stark anabol wirken.
Im rechten Teil ist dagegen die androgene Wirkung dargestellt. Demnach wirkt Trenbolon um ein Vielfaches weniger androgen als Testosteron-Propionat.
Wer es immer noch nicht glauben mag, der soll sich in der Praxis selbst davon überzeugen. Meine Erfahrungen mit Trenbolon bzgl. Nebenwirkungen wie Akne oder Haarausfall sind durchweg positiv. Und auch die Prostata lässt es in Ruhe. Für mich besteht daher kein Zweifel, dass Trenbolon ein sehr geringes androgenes Potential besitzt.
In der folgenden Tabelle werden verschiedene AAS hinsichtlich ihres anabolen und androgenen Potentials miteinander verglichen. Das jeweilige Potential wird durch eine Zahl von 1 bis 6 ausgedrückt, also ähnlich wie bei Schulnoten (1 = niedrig / 6 = hoch)
| AAS | anabol | androgen |
| Methenolon | 3 | 6 |
| Testosteron | 6 | 5 |
| Nandrolon | 4 | 1 |
| Stanozolol | 2 | 5 |
| Methandienon | 4 | 5 |
| Trenbolon | 5 | 2 |
Erstmalig synthetisiert (also hergestellt) wurde Trenbolon übrigens von Velluz und Mitarbeitern Anfang der 60er Jahre.
1967 wurde die Wirkung von Trenbolon und dem parallel dazu synthetisierten 17alpha-Methyltrenbolon (Metribolon, EU1881) von Krüskemper et al. am Menschen untersucht [6]. Sie schrieben:
"... In orientierenden klinischen Bilanzuntersuchungen fanden Tremolières und Velluz (Tremolières J. und Velluz I., Séances de l’Académie de Médecine, Paris, 29 janvier 1965), daß eine oral verabfolgte Dosis von 3,0 mg 17alpha-Methyltrienolon pro Tag ausreichte, um eine deutliche Stickstoff- und Kaliumretention bei erwachsenen Patienten hervorzurufen, welche unter verschiedenen Typen von Ernährungsschwierigkeiten litten.
Da 1. diese Dosis im Vergleich zur wirksamen Menge anderer klinisch verwendeter anaboler Steroide relativ niedrig liegt, und 2. die biologische Aktivität dieser Steroidgruppe noch unbekannt ist, sahen wir uns veranlaßt, das Wirkungsmuster noch geringerer Dosen genauer zu analysieren ...
Der Wirkungseintritt war unterschiedlich rasch ... Ein Maximum wird offenbar zwischen dem 6. und 15. Tag erreicht. Bereits mit einer Dosis von 0,5 mg Methyltrienolon pro Tag war eine deutliche anabole Wirkung auszulösen. Diese Dosis liegt erheblich unter der effektiven Menge der am stärksten wirksamen Verbindungen unter den bisher bekannten oral anzuwendenden anabolen Steroiden. ...
Zusammenfassung
1. Methyltrienolon (17a-Methyl.... = Metribolon) ist im Dosisbereich von 0,5 bis 2,0 mg täglich (oral verabreicht) bei erwachsenen Versuchspersonen anabol stark wirksam (Retentionsquotient 10,0). Trienolon-17beta-acetat wirkt bei einer Dosis von 5,0 mg (i.m. zweitägig) ebenfalls Stickstoff-retinierend."
Nebenwirkungen
Unter Trenbolon kommt es häufiger zu Schlafstörungen, die aber nicht bei allen Anwendern auftreten. Auch übermässiges Schwitzen gehört zu den unangenehmen Eigenschaften von Trenbolon. Die Lipidwerte (also HDL und LDL) verschlechtern sich gerne merkbar (HDL runter, LDL rauf). Probleme mit Akne sind nicht so häufig, können aber auftreten. Haarausfall und Prostatabeschwerden sind unter Trenbolon sehr selten.Und der Vollständigkeit wegen gehören natürlich auch noch die ganz normalen, AAS-üblichen Nebenwirkungen aufgezählt. Wie z.B.
- Herzvergrößerung und Herzwandverdickung
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko
- Blutgerinnungsstörungen und gelegentliches Nasenbluten
- Nierenstörungen
- Libidoverlust
- Immunglobulinspiegelsenkungen
- Depressionen
- Stimmvertiefungen
- verstärkter Haarwuchs
- markantere Gesichtszüge
Anwendung
Trenbolon eignet sich sowohl für Aufbau- als auch für Definitionsphasen. In Aufbauphasen speichert der Körper enorm Stickstoff in den Muskelzellen, wohingegen in den Definitionsphasen ein möglicher Stickstoffverlust aufgehalten wird.Trenbolon Acetat sollte mit mindestens 100 mg eod dosiert werden. So richtig deutlich wird seine Wirkung aber erst ab 100 mg ed. Und bei Dosierungen von 150-200 mg ed Trenbolon geht es dann richtig zur Sache. Erst in diesem Bereich zeigt Trenbolon sein wahres Gesicht - genialer Kraftzuwachs, gepaart mit deutlich sinkendem Körperfett und ausgeprägter Muskelhypertrophie.
Meine eigenen Erfahrungen reichen bis etwa 500 mg Trenbolon Acetat pro Tag - die Wirkung, das muss ich sagen, war da einfach phänomenal.
Trotzdem steht die Wirkung in keinem guten Verhältnis zu den dann möglichen Nebenwirkungen. Ich würde es sogar als sehr fahrlässig ggü. sich selbst ansehen, denn man kann bereits mit deutlich weniger Trenbolon super Ergebnisse erzielen und sollte das auch tun.
Trenbolon sollte nicht eingeschlichen werden. Die Acetatform sollte in konstanten Abständen injiziert werden (ed - eod), bei der Trenbolon Enantat-Variante hingegen kann man ruhig mit einem Frontload arbeiten, wie es auch bei Testosteron-Enantat gemacht wird. Ein entsprechendes Beispiel mit Testosteron-Enantat findet ihr z.B. unter Taschengeldkur.
Die Dauer der Anwendung sollte ruhig üppig ausfallen. 14-24 Wochen sind in der Praxis weit verbreitet und machen die Potenz von Trenbolon sehr gut sichtbar. Stacken sollte man Trenbolon primär mit Testosteron, also Testosteron-Enantat, -Propionat oder einem anderen Ester/-mix (Sustanon, Omnadren, Testex ...).
Je nach Stand entweder mehr zur Substitution im Bereich von 250 mg alle 7-10 Tage, aber auch gerne als 2. Stacksteroid in Dosierungen bis 750 mg/Woche.
Absetzen
Trenbolon besitzt (genauso wie auch Nandrolon, also Deca) eine gewisse gestagene Wirkung und hat daher die besondere Eigenschaft, unsere Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse stark zu plätten. Um möglichst viel von der neugewonnen Muskelmasse zu halten, sollte deshalb das Absetzen von Trenbolon gut durchdacht werden.Trenbolon hemmt die Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse (HHH-A) auf lange Sicht - mitunter sogar über weitaus mehr als 6 Monate. Die Schwere der Hemmung scheint dem AAS Nandrolon (Deca "Durabolin") zu gleichen.
Es empfiehlt sich daher, mit einem kurzen Testosteronester auszuschleichen und anschließend mit Clomifen oder auch Nolvadex (wenn Clomifen schlecht vertragen wird) abzusetzen. Am besten man geht man vor wie folgt.
| Ausschleichwoche | Wirkstoff | Dosierung |
| Woche 1 - 3 | T-Propionat | 100 mg eod |
| Woche 4 - 5 | T-Propionat | 50 mg eod |
| Woche 6 - 8 | T-Propionat | 25 mg eod |
| Arimidex | 0,5 mg eod |
Direkt im Anschluß daran beginnt man dann mit Clomifen. Auch hier empfiehlt sich der Start mit einer Initialdosis, am besten 200 mg (4 Tabs zu je 50 mg) am ersten Tag. Am zweiten Tag dann 150 mg (3 Tabs) und am dritten Tag 100 mg (2 Tabs). Dann weitere 6 Wochen mit 50 mg/Tag. Parallel nimmt man Arimidex in einer Dosierung von 0,5 mg eod. Das Ganze zeigt nochmal die Tabelle.
| Zeitpunkt | Wirkstoff | Dosierung |
| Tag 1 | Clomifen | 200 mg (4 Tabs) |
| Tag 2 | Clomifen | 150 mg (3 Tabs) |
| Arimidex | 0,5 mg | |
| Tag 3 | Clomifen | 100 mg (2 Tabs) |
| Weitere 6 Wochen | Clomifen | 50 mg/Tag (1 Tab) |
| Arimidex | 0,5 mg eod |
Zum Absetzen mit Tamoxifen dosiert man in den ersten 7 Tagen mit 60 - 80 mg ed. Ab Woche 2 dann 30 mg ed. So weiter fortfahren bis zum Ende von Woche 6. Parallel nimmt man über die erste Woche und die 6 Folgewochen Arimidex mit 0,5 mg eod. Dann Tamoxifen reduzieren auf 20 mg und weitere 2 Wochen einnehmen. Auch hier noch einmal die Darstellung in Tabellenform.
| Woche | Wirkstoff | Dosierung |
| Woche 1 | Tamoxifen | 60 - 80 mg/Tag |
| Arimidex | 0,5 mg eod | |
| Woche 2 - 7 | Tamoxifen | 30 mg/Tag |
| Arimidex | 0,5 mg eod | |
| Woche 8 - 9 | Tamoxifen | 20 mg/Tag |
Zink sollte man während der Ausschleich- und Absetzphase generell nicht vergessen! Ideal sind 3 x 50 mg ed, und auch nach dem Absetzen tun 1 x 50 mg ed der endogenen Testobiosynthese recht gut. Dabei aber bitte von 3 x 50 mg nicht gleich auf 1 x 50 mg reduzieren ...
Handelsware Trenbolon
Es gibt in China zahlreiche Firmen, die Trenbolonacetat und Trenbolonenantat als Rohstoff anbieten. Rohstoff bedeutet, dass Trenbolon dann in einer Art Pulverform daherkommt und erst noch in eine injizierbare Form zu bringen ist, bevor es verwendet werden kann.Ich muss annehmen, dass es aber nur einen Betrieb gibt, der die Synthese durchführt und die anderen bloß Zwischenverkäufer sind. Jedenfalls teilte mir ein Pharmabetrieb offiziell mit, dass sie quartalsweise Synthesen im kg-Maßstab durchführen (es ging aber nicht um Trenbolon).
Die Preise bewegen sich um die 1000 - 1100 Euro für 100 g. Der Rohstoff für eine Injektion mit 100 mg kostet demnach 1 EUR - 1,10 EUR. Das scheint wenig, doch ist das gut zehnmal so viel, wie z.B. Testosteron als Rohstoff kostet.
Die Qualität des Tren-Rohstoffes aus chinesischer Produktion ist gut bis zufriedenstellend.
Der ambitionierte Chemie-Freund findet übrigens unter Home Brewing einen Artikel, in dem steht, wie man den Rohstoff in eine injizierbare Form bringen kann. Nicht-Chemikern ist von solchen Experimenten jedoch dringendst abzuraten!
Sollte man fertige Varianten bevorzugen, so muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen.
- British Dragon (BD) bietet Trenbolon Acetat für 60 - 80 € pro 10 ml zu je 75 mg Trenbolon an (= 8 € bis 10,67 € für 100 mg).
- Das Trenabol Depot von BD liegt mit etwa 80 - 100 € pro 10 ml Trenbolon zu je 100 mg im Preis (= 8 € bis 10 € für 100 mg).
- Tri-Trenabol von BD, welches alle 3 Trenester beinhaltet (A, C und E) liegt bei etwa 100 - 130 € für 10 ml zu je 150 mg Trenbolon(= 10 € bis 13 € für 100 mg).
- Trenol (WDV Pharma Myanmar) mit 6 ml und 50 mg/ml Trenbolon um die 50 € (= 16,67 € für 100 mg).
- Danaboloan kommt in Ampullen zu je 75 mg Trenbolon daher und 2 Ampullen kosten ca. 15 - 20 € (= 10 € bis 13,33 € für 100 mg).
Synthese
Vorausgeschickt sei, dass sich eine Totalsynthese von Steroiden in kleinem Maßstab nicht lohnt. Meistens wird die Synthese über 6 - 10 Stufen durchgeführt. Wenn - angenommen - jeder Syntheseschritt mit 90 %-iger Ausbeute verläuft, dann beträgt die Gesamtausbeute etwa 31 %. Üblicherweise liegen die Ausbeuten der Einzelschritte aber tiefer.In der Industrie werden Steroide daher in periodischen Batches (im kg-Maßstab hergestellt) das zählt natürlich auch für Trenbolon.
Für die Synthese gibt es grundsätzlich mehrere Zugänge. Die einen fangen mit den Ringen A und B an, andere wieder mit C und D [2].
Trenbolon wurde erstmals 1963 in den Forschungslaboratorien von Roussel Uclaf (heute Hoechst Roussel) synthetisiert [3], [4], [5]. Dort wurde von einem Molekül, welches die Ringe B, C und D enthielt in 5 Reaktionsschritten das Trenbolon aufgebaut.
Auf der heutigen Trenbolonsynthese bzw. auf einer Molekülvorstufe liegen mehrere Patente:
- FR2745291 von Roussel Uclaf (F) (Publikationsdatum 29.8.1997): Preparation of 17-hydroxy-4,9,11-oestratrien-3-one, trenbolone, from 17-hydroxy-4,9-oestradien-3-one.
- US2004087785 von Hessler and Rheenen (Publikationsdatum 5.6.2004): Process for making estra-4,9(10)-diene-steroids.
Zur Analyse
Zuerst muß Trenbolon aus der Matrix (d.i. das Lösemittel abgetrennt werden). Dies geschieht heute fast ausschließlich durch Hochdruck-Flüssigchromatografie (HPLC) an einer unpolaren Säule (z.B. ODS) mit Mischungen von Acetonitril, Methanol und Wasser. Einzelheiten dazu finden sich z.B. bei [7].Die Detektion erfolgt über die Absorption bei 340 nm (siehe unten).
UV/VIS-Spektroskopie
Ein konjugiertes System im Molekül wie bei Trenbolon hat die Eigenschaft, einfallende Energie aufzunehmen, zu absorbieren. Dabei werden die Elektronen des Trienonsystems in einen angeregten Zustand übergeführt.
Die Stärke und die energetische Lage der Absorption sind ziemlich typisch für die Strukturbesonderheiten vor Ort. Testosteron hat im Molekül ein einfaches Enon-System (eine C-O-Doppelbindung und dazu konjugiert eine C-C-Doppelbindung) und absorbiert bei höherer Energie, nämlich bei 240 nm. Metandienon (Dianabol) hat, ebenso wie Boldenon, zusätzliche zu Testosteron eine C-C-Doppelbindung mehr (ebenfalls konjugiert) und absorbiert bei 248-250 nm. Nandrolon und Methyltestosteron haben das Enonsystem von Testosteron und absorbieren bei 240 bzw. 241 nm. Man sieht also, dass man mit dieser Methode nur Trenbolon von Metandienon und den anderen Steroiden unterscheiden kann.
Diese Methode wird meistens herangezogen, um die Konzentration zu messen. Zwischen der Absorption und der vorhanden Menge des Stoffes gibt es eine einfache Beziehung der Art
A = k • c
Wo A die Absorption, c die Konzentration und k eine stoffspezifische Konstante ist, die nebst dem stoffspezifischen molaren Absorptionskoeffizienten auch die Dicke der Meßschicht enthält (oft wird der Begriff Extinktion synonym zu Absorption verwendet).
Kennt man die Konstante k, könnte man problemlos die Konzentration berechnen. Dieses Verfahren ist aber stark von der Genauigkeit aller gemessen Größen abhängig. Daher geht man anders vor. Man wiegt exakt drei Proben des garantiert echten Stoffes (sog. Referenzsubstanz), löst diese in einem exakt bekannten Lösemittelvolumen und mißt die Absorption. Diese Absorptionen, gegen die eingewogen Menge aufgetragen, ergeben eine Gerade durch den Nullpunkt, die sog. Eichgerade. Diese muss für ein vorgebenes Lösemittel nur einmal gezeichnet werden.
Was nun zu tun ist, ist die Absorption der unbekannten Lösung zu messen und sie mit der Eichgeraden zu vergleichen.
Diese Methode steht und fällt mit dem Vorhandensein einer echten Referenzprobe. Und an dieser Referenz sind sämtliche im Web vorgebrachten Analysen zu bewerten. Ich behaupte mal, dass die meisten dieser Analysen eine solche Referenz schlicht nicht besitzen. Anders ließe sich nicht erklären, warum soviel Geheimniskrämerei um diese Analysen gemacht wird. Es gibt da kein Berufsgeheimnis. Die Methode ist seit über 100 Jahren bekannt und gehört zum Rüstzeug eines jeden Analytikers.
IR-Spektroskopie
Bei dieser Methode nützt man die Tatsache aus, dass man mittels Energie aus dem Infrarotbereich gewisse Atomgruppen dazu bringen kann, entlang ihren Bindungen Schwingungen auszuführen (ähnlich einer Feder, die gespannt wird).
Mit dieser Methode erkennt man die sehr typische Esterabsorption bei etwa 1650 Wellenzahlen. Die C-O-Doppelbindung (die Ketogruppe) erzeugt in der Nähe ebenfalls ein Signal. Bei Trenbolon sind Ester und Ketogruppe schön voneinander getrennt (nicht aber bei Testosteron und Nandrolon). Vermutlich eine Folge des Trienonsystems. So findet man bei Trenbolonacetat drei ausgeprägte Signale bei 1740, 1650 und 1570 Wellenzahlen. Bei Trenbolonenantat 1725, 1650 und 1570 Weellenzahlen [8].
Massenspektrometrie MS
Bei der Massenspektrometrie beschießt man den Stoff im Hochvakuum mit Elektronen, wodurch die Moleküle ionisiert ("aufgeladen") werden und sich so beschleunigen lassen. Während der Beschleunigung können die Moleküle zerbrechen und man misst durch die Methode sämtliche Ionen. Leider gibt diese Methode bei den Steroiden außer der Molekülmasse keine weitere Information her.
Bei der Dopinganalyse wird die Gaschromatografie mit der Massenspektrometrie gekoppelt (es besteht auch die Möglichkeit, HPLC und MS zu koppeln; darüber werde ich im Dezember 2006 berichten können).
Dumm ist nur, dass die Gaschromatografie die Verdampfbarkeit der Inhaltsstoffe voraussetzt. Und das ist bei Steroiden nichts zu wollen. Doch die Chemie bietet da ein paar Taschenspielertricks. Die beiden Gruppierungen im Molekül, die eine Verdampfbarkeit des Stoffes unmöglich machen, werden entweder mit Siliciumreagentien flüchtig gemacht (Methode von Donicke, DSHS) oder mit perfluorierten Reagentien (z.B. Pentafluorpropionanhydrid) ebenfalls flüchtig gemacht. Sobald sie aus dem GC treten, werden sie automatisch durch die MS erfaßt [9], [10].
Das ist die Standarmethode. Ihr Nachteil ist der hohe Preis der Geräte. Bei einem Dopingtest mit großem Probendurchsatz (z.B. bei den olympischen Spielen) können die Analysekosten auf etwa 200 Euro pro Probe gedrückt werden.
Als Vergleich: Wenn ich als Privatperson an der Hochschule ein Massenspektrum eines Reinstoffes (also nicht einer vorgängig zu reinigenden Urinprobe!) messen lassen will, bezahle ich etwa 400 Euro. Deshalb wird eine Prüfung eines Produktes nicht durch diese Methode durchgeführt [12].
Fazit
Trenbolon ist nicht irgendein Steroid, es ist eines der am meisten mythenbehafteten Steroide in der Geschichte des Bodybuildings! Die Gerüchte über Trenbolon reichen von stark nierentoxischem Verhalten - bis hin zu einer starken androgenen Komponente ...Trenbolon ist wohl neben Testosteron eines der effektivsten AAS, die es zu erwerben gibt. Es hat gegenüber Testosteron sogar noch einen Vorteil - Trenbolon aromatisiert nur in Spuren zu Östrogenen. Diese Eigenschaft macht Trenbolon aus meiner Sicht potenter als Testosteron
Fazit -> sehr gut!
Referenzen
[1] WHO Food Additives Series 23, No. 645. Trenbolone Acetate;[2] International Review of Science, Organic Chemistry, Series Two, Volume 8, Steroids, W. F. Johns (Ed.), Butterworths, 1976, London, darin: R. Bucourt, Roussel-UCLAF, total synthesis of steroids;
[3] L. Velluz, G. Nominé, R. Bucourt & J. Matthieu, Comptes rendus, 257, 569 (1963), Un analogue triénique de la méthyltestosterone;
[4] L. Velluz, G. Nominé, R. Bucourt, L. Nédélec, M. Vignau & J.-C. Gasc, Comptes Rendus, 264, 1396 (1967), Agencements stéroïdes triéniques et activité anabolisante;
[5] M. Heller, R. H. Lenhard and S. Bernstein, Steroids, 10,211-217 (1967), An Unusual Dehydrogenation of Steroidal D5(10),9(11)-Dienes;
[6] Krüskemper H. L., Morgner K. D. & Noell G., Arzneimittelforsch. 17, 449-454, 1967, Klinische Pharmakologie von Trienolonen, einer Gruppe neuartiger anabol wirksamer Östran-Derivate (4,8,11-Östratrien-17b-ol-3-on = Trenbolon);
[7] Clarke’s Analysis od Drugs and Poisons;
[8] Eigene Messungen;
[9] W. Schänzer, Chem. uns. Zeit, 31, 218-228 (1997), Doping und Dopinganalytik;
[10] W. Schänzer, Dopinganalytik, herunterladbar beim Biochemischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln,
[11] W. Schänzer, M. Thevis, Chem. uns. Zeit, 38, 230-241(2004), Doping und Dopinganalytik;
[12] H. Schludi, Deutsche Apotheker Zeitung DAZ, 143/49, 6281-6286 (2003), Anabolika auf dem Schwarzmarkt