Von Lyle McDonald
Wenn man die Ernährungs- und Diätliteratur liest, dann scheint es eine unbegrenzte Anzahl von Diät- und Ernährungsansätzen zu geben. Wenn man jedoch damit beginnt, sich die allgemeingültigen Regeln anzusehen, dann findet man heraus, dass dies nicht wirklich der Fall ist. Die Anzahl der unterschiedlichen Diät- und Ernährungsansätze ist in Wirklichkeit recht klein.
Ich werde hierbei das wirklich seltsame Zeugs ignorieren. Dinge wie Nahrungsmittelkombinationen und Stoffwechseltypbestimmungen betrachte ich als Voodoo Ernährung. Wenn solche Ansätze bei einem funktionieren, dann ist das toll, doch ich möchte bezweifeln, dass sie aus den Gründen funktionieren, von denen man denkt, dass sie der Grund sind.
Im Allgemeinen haben sich die Diätanhänger in drei unterschiedliche Lager aufgeteilt, wenn es um Diäten geht. All diese Gruppen neigen dazu, lautstark zu behaupten, dass ihr Ansatz der Beste ist und sie sind alle dazu in der Lage, wissenschaftliche Untersuchungen vorzubringen, die ihre Diät bis zu einem gewissen Grad unterstützen.
Für jede Diät gibt es immer Berichte von Anwendern im Überfluss, die beschreiben, welche fantastischen Dinge diese Diät bewirkt hat. Ein Zyniker könnte zur Schlussfolgerung kommen, dass alle Diäten funktionieren (so lange sie einige grundlegende Bedürfnisse erfüllen) und bis zu einem gewissen Grad liegt in dieser Folgerung eine gewisse Wahrheit. So lange eine Diät einen dazu bringt weniger zu essen, sollte man zumindest etwas Gewicht verlieren.
Zur gleichen Zeit kann man immer Menschen finden, die mit einem gegebenen Ansatz nur schlechte Resultate erzielt haben. Es ist einfach, den Diätenden selbst hierfür verantwortlich zu machen und es gibt Situationen, in denen eine gegebene Diät ganz einfach unpassend (oder weniger als ideal) ist. Ein Diätender kann bei einer Diät aus dem einfachen Grund versagen, dass diese Diät nicht seinen Bedürfnissen entspricht – ein Thema, das ich im Artikel "How Dieters Fail Diets" behandle.
Doch dies verändert die recht lauten Proklamationen der unterschiedlichen Diätlager nicht, dass ihre Diät die EINZIG WAHRE DIÄT™ ist. Dies ist in vielerlei Hinsicht nicht weit von den Behauptungen entfernt, dass die eigene Religion die einzig wahre Religion ist.
Was einige wenige dieser Gruppen gewillt zuzugeben oder anzuerkennen sind und was ich in diesem Buch immer wieder hervorhebe ist, dass unterschiedliche Diäten abhängig von der Situation mehr oder weniger angemessen sind. Jede der unterschiedlichen Diäten kann zu bestimmten Zeiten bei einem bestimmten Satz von Umständen der "korrekte" Ansatz sein.
Anstatt eine spezifische Diät als optimal für jede Situation anzupreisen, vertrete ich den Standpunkt, dass die Wahl der Diät (z.B. kohlenhydratreich vs. kohlenhydratarm) kontextspezifisch ist – unterschiedliche Diäten sind in einer gegebenen Situation mehr oder weniger angemessen. Natürlich könnte ich mehr Bücher verkaufen, wenn ich dem Leser erzählen würde, dass ich die eine wahrte Diät hätte, doch das ist Schwachsinn, da ich nicht denke, dass dies wahr ist.
Offen gesagt bin ich der Ansicht, dass dies ein großer Teil davon ist, dass man immer jemanden findet, der mit einer gegebenen Diät fast magische Resultate erzielt – geplant oder zufällig stolpern diese Menschen über die Diät, die ihre spezifischen Bedürfnisse erfüllt. Zur gleichen Zeit ist es leicht Menschen zu finden, die nicht so glücklich sind, weil sie geplant oder zufällig die absolut falsche Diät für ihre Situation ausgewählt haben. Die Resultate werden dann, wie zu erwarten ist, mager ausfallen.
Wie ich oben angemerkt habe, wird einem vielleicht auffallen, dass die Diätgurus fast nie von ihren Misserfolgen berichten (oder sie schieben das Versagen der Diät auf den Diätenden) und sich ausschließlich auf die Personen konzentrieren, die erstaunliche Resultate erzielt haben. Zu sagen, dass dies intellektuell unehrlich ist, wäre eine Untertreibung.
Ich werde in diesem und den nächsten beiden Artikeln drei unterschiedliche ernährungstechnische Ansätze vorstellen, beschreiben und diskutieren: kohlenhydratreich/fettarm, moderate Kohlenhydratzufuhr/moderate Fettzufuhr und kohlenhydratarm/fettreich. Wenn man Dan Duchains Bodyopus gelesen hat, sollten einem diese Ansätze vertraut erscheinen, da er dort eine Standard kohlenhydratreiche/fettarme Diät, die isokalorische Diät und schließlich seine Version der ketogenen Diät – Bodyopus – beschrieben hat.
Die Art und Weise, auf die Dans Buch geschrieben war, schien fast nahezulegen, dass Diätende sequentiell alle diese Diäten durchlaufen sollten: zu Beginn die Standard kohlenhydratreiche/fettarme Diät, danach die isokalorische Diät und schließlich Bodyopus. Da er der Ansicht war, dass die meisten Menschen den Standard Ansatz gewöhnt waren, beschrieb er diesen zuerst. Er gab den psychologischen Blockierungen von Diätenden nach.
Ich werde in dieser Artikelserie einen anderen Ansatz verwenden. Anstatt die Leute zufällig ein Programm auswählen zu lasen, sie herausfinden zu lassen, dass dieses für sie nicht angemessen ist und sie dann die nächste Diät ausprobieren zu lassen, bevorzuge ich einen breiteren Ansatz.
Als erstes möchte ich diese drei Diäten im Bezug auf ihre Vor- und Nachteile und den Situationen und Umständen, bei denen sie ideal oder weniger ideal sind, besprechen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Leser hierbei eine Beschreibung seiner spezifischen Situation (oder etwas, das zumindest in die Nähe kommt) finden wird. Dies gibt ihm einen Hinweis darauf, welcher Ansatz für ihn ideal sein könnte und er kann sich diesen Ansatz dann im Detail ansehen, um spezifisch herauszufinden, wie er die Diät optimieren kann. Natürlich kann ich nicht jede mögliche Situation vorhersagen. In einigen Fällen muss man einen der Diätansätze wählen und diesen anschließend gemäß der eigenen Bedürfnisse modifizieren.
Ich wiederhole es noch einmal für die etwas langsameren Leser: keine der in diesen Artikeln beschriebenen Diäten ist in jeder Situation die beste – weder die kohlenhydratreiche noch die mit moderater Kohlenhydratzufuhr noch die kohlenhydratarme (man sollte also aufhören, mich als den Keto Guru zu bezeichnen). Anders ausgedrückt bin ich absolut kein Fürsprecher für irgendeinen gegebenen Diätansatz – außer im Bezug darauf, inwiefern er den individuellen Bedürfnissen einer Person entspricht. Ich werde hierüber ein letztes Mal im nächsten Kapitel schimpfen.
Noch einmal: Die Proteinzufuhr
Bevor ich fortfahre, möchte ich mir noch einmal das Thema der Proteinzufuhr vornehmen – ein Thema, auf das ich detaillierter im Artikel "Is A Calorie A Calorie?" eingehe. In dieser Artikelserie werde ich mich hauptsächlich auf Manipulationen der Kohlenhydrat- und Fettzufuhr konzentrieren. Ich gehe davon aus, dass die Proteinzufuhr bei allen drei Diäten, die ich besprechen werde, adäquat und identisch gewählt wurde. Im Grunde genommen ist dies keine Diskussion darüber, dass kohlenhydratarme Diäten besser sind – aber nur deshalb, weil die Leute bei diesen Diäten mehr Protein essen. Man sollte verstehen, dass die Proteinzufuhr unabhängig vom Rest der Diät ausreichend und identisch ausfallen sollte.Diese Annahme bedeutet eine Proteinzufuhr von 1,8 bis 3 Gramm pro Kilogramm oder etwas in diese Richtung. Dies bedeutet, dass ich mich, wie bereits erwähnt wurde, bei der Besprechung der unterschiedlichen Diätansätze primär auf Variationen des Kohlenhydrat- und Fettgehalts konzentrieren werde, da dies im Allgemeinen die Nährstoffe sind, bei denen es zu Verschiebungen bezüglich der Mengen kommt.
Definition von Begriffen
Auch wenn ich oben mit den Begriffen hoch, moderat und niedrig/arm im Bezug auf die Kohlenhydrat und Fettzufuhr um mich geworfen habe, bin ich mit diesen Begriffen nicht glücklich. Wie ich im Artikel "Diet Percentages" gezeigt habe, neigen solche Begriffe dazu, im Allgemeinen bedeutungslos zu sein. Eine Diät, die nichts außer 50 Gramm Protein pro Tag umfasst, könnte als proteinreich bezeichnet werden, da sie 100% Protein enthält, sie ist jedoch im Vergleich zu dem, was der Körper benötigt, proteinarm. So sehr ich auf Prozentsätzen basierende Diäten nicht mag, benötige ich einen Weg, die unterschiedlichen Diätlager voneinander zu unterscheiden. Ich sage nicht, dass meine Begriffe notwendigerweise korrekt sind, sie sind ganz einfach das, was ich verwenden werde. Ich werde im weiteren Verlauf dieser Artikelserie folgende Terminologie verwenden:- Fettarm: alles unter 30% der Gesamtkalorien (dies ist die Standarddefinition).
Hinweis: Für Diätende und Diätbesessene bedeutet fettarm in der Regel 10% oder "so wenig wie möglich". - Moderate Fettzufuhr: 30-40% der Gesamtkalorien.
Hinweis: Manche Wissenschaftler sehen 25-35% als moderate Fettzufuhr an. - Fettreich: alles oberhalb von 40% der Gesamtkalorien.
- Kohlenhydratarm: weniger als 20% der Gesamtkalorien
Hinweis: Eine echte ketogene Diät umfasst per Definition weniger als 100 Gramm Kohlenhydrate pro Tag. Während alle ketogenen Diäten kohlenhydratarm sind, sind nicht alle kohlenhydratarmen Diäten ketogen. - Moderate-Kohlenhydratzufuhr: 20-45% der Gesamtkalorien
- Kohlenhydratreich: 45% der Gesamtkalorien oder mehr
Unter Verwendung diese Zahlen würde eine traditionelle fettarme Diät für Sportler 60% Kohlenhydrate, 30% Protein und 10% Fett umfassen. Diäten mit moderater Fettzufuhr wie The Zone – Dans isokalorische Diät – und andere enthalten durchschnittlich 30 bis 33% Protein, 33 bis 40% Kohlenhydrate und 30 bis 33% Fett. Eine typische kohlenhydratarme/fettreiche Diät würde 30% Protein, 20% Kohlenhydrate oder weniger und 50% Fett oder mehr enthalten.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass solche Prozentsätze nicht notwendigerweise eine Relevanz für die tatsächlichen menschlichen Bedürfnisse besitzen, welche besser in Gramm pro Kilogramm ausgedrückt werden können. Ich verwende Prozentsätze in dieser Artikelserie lediglich aus Gründen der Bequemlichkeit. Wenn man sich nicht im Klaren darüber ist, was ich meine, dann sollte man sich den Artikel "Diet Percentages" durchlesen.