Rehabilitative Maßnahmen

...kann man ohne ärztlichen Befund nicht genau ausmachen. Deshalb eignet es sich, zum Arzt zu gehen. Selbst Ärzte, die Kraftsport betreiben, müssen sich bildgebenden Verfahren ergeben, da ohne diese Technik auch kein wegweisendes Urteil erwartet werden kann. Wenn keine abnormalen Einschränkungen zu erwarten sind, kann im Falle von akuten Schmerzen im Lendenwirbelbereich wie folgt vorgegangen werden:

Grundsätzlich eigenen sich alle Liegevarianten, bei denen ein Zug auf die Wirbelsäule ausgeübt wird. Beispielsweise können die Beine angezogen und mit den Armen umklammert werden, um den Druck auf die Lendenwirbelsäule zu verringern. Zugvorrichtungen oder ein mäßiges Ziehen durch eine zweite Person kann den Druck auch vermindern. Dies sollte aber bei sofort eintretenden Schmerzen abgebrochen werden. Hier kann in dem Fall eine Vorschädigung der Wirbelsäule zu Tage treten, welche möglichst noch vor dem Testen durch einen Arzt ausgeschlossen werden sollte.

Alternierendes Beugen eines Knies, währenddessen das andere gestreckt und entspannt liegen bleibt, kann als Entlastung herangezogen werden. Dabei wird der Fuß, während sich das gebeugte Bein wieder streckt, langsam über einen möglichst glatten Boden gezogen.

Ein Wärmekissen unterhalb des Rückens während des Liegens hilft den verspannten unteren Rücken zu "lockern", dabei sollten die Knie leicht gebeugt werden aber ohne Abheben der Füße. Dies nimmt den Zug der inneren Hüftmuskulatur auf die Lendenwirbelsäule weg, und zusätzlich zum entspannenden Rückenstrecker ermöglicht die Wärme eine stärkere lokale Durchblutung.

Dies kann auch bäuchlings liegend ausgeführt werden, wobei das Wärmekissen auf dem Rücken platziert wird und man selbst unterhalb des Bauches noch ein etwas dickeres Schlafkissen positioniert. Dadurch wird der Bauchrauminnendruck verstärkt, die Lumbarlordose abgeschwächt und der Zug auf die Zwischenwirbelscheiben gedrosselt.

Zusätzlich eigenen sich heiße Duschen. Je nach Platzangebot kann eine langsame Krümmung der Wirbelsäule und die Wiederherstellung des geraden Standes realisiert werden, um den Rückenstrecker damit zu ent- und belasten und die Durchblutung gezielt mit dem heißen Strahl der Dusche zu fördern.

Falls das Training nach einer angemessenen Pause wiederaufgenommen wird, kann und sollte ein Gewichthebergürtel, je nach Übung auch eher der Kraftdreikampfgürtel, als Unterstützung in das Training involviert werden.

Auch wenn man sich besser fühlt, muss ein langfristiger Trainingsprozess zur Wiederherstellung des Niveaus vor der Trainingspause erarbeitet und durchgeführt werden (insofern die Schmerzen stärker waren und der Trainingsprozess unterbrochen werden musste). Nichts ist schlimmer, als der halb-rehabilitierten Wirbelsäule sofortige Maximalbelastungen auszusetzen und so eventuell vergangene Beschwerden wieder zu ermöglichen, beziehungsweise sogar zu erweitern.

Es sollte auch ohne bestehende Schmerzen auf ein Wiederherstellungsprogramm geachtet werden. Dies kann unmittelbar nach dem Training oder auch zwischen zwei Trainingseinheiten erfolgen.

Aushängen an der Klimmzugstange aktiviert bei vielen reflektorisch die Rücken- und Bauchmuskulatur, sodass man im ausgehängten Zustand eine geringere Körpergröße hat als im normalen Stand. Dies weist auf einen starken Druck auf die Zwischenwirbelscheiben, ausgelöst durch die nicht entspannende Muskulatur.

Die wichtigste rehabilitative Maßnahme ist immer noch die Beibehaltung der natürlichen Krümmung der Wirbelsäule während des Hebens und Beugens und auch während ähnlichen Übungen - immer da eingesetzt, wo es definitiv vermeidbar ist und ohne eine natürliche Krümmung die Kraftspitzen definitiv zu hoch ausfallen könnten (mal abgesehen von Wettkämpfen).

Auch sei als anschließender Punkt erwähnt, dass man denken könnte, man hätte eine natürliche Haltung der Wirbelsäule, dies aber nicht der Fall sein muss. Und deshalb verweise ich auf den Punkt Die natürliche Haltung während des Hebens und Beugens.

Bei Hebevarianten sollte immer die Kniebeuge-ähnliche Technik angewandt werden. Je aufrechter die Wirbelsäule je geringer die Belastung der Zwischenwirbelscheiben. Wettkampfkreuzheben ist hier eine Ausnahme, das Training folgt der Wettkampfübung. Wenn man hier in der rumänischen Variante am stärksten ist, muss verstärkt auf die Technik selber geachtet werden.

Zusammenfassung

Ihr habt nur einen groben Überblick über die Anatomie der Wirbelsäule, der Wirbel und Zwischenwirbelscheiben, sowie die biomechanischen Abläufe im Training und Alltag erfahren. Einen kurzen Umrisse möchte ich hiermit präsentieren:

Grundsätzlich wirken immer und überall statische oder stoßartige Kräfte auf die Lendenwirbelsäule, speziell die Zwischenwirbelscheiben. Es gibt keine direkte axiale Kraft, also wird sich der gallertartige Kern, immer in irgend eine Richtung verschieben.

Stöße treten vermehrt bei Landungen auf und können durch eine weiche Landetechnik minimiert werden.

Statische Belastungen auf die Wirbelsäule können durch geschicktes Einsetzen des intraabdominellen Druckes bis zu 40 % herabgesetzt werden. Je ausgereifter der Athlet ist, umso mehr Bauchrauminnendruck vermag er entwickeln. Nichtsdestotrotz steigt bei einem 1RM von 200 kg und 300 kg Kreuzheben die quantitative Belastung auf die Zwischenwirbelscheiben bei gleicher Technik.

Es gibt verschieden Hebe und Beugetechniken. Je weiter das Hantelgewicht horizontal von den Lendenwirbeln entfernt ist, desto höher das Drehmoment und damit die Belastung. (Vergleich Kniebeuge und gestrecktes Kreuzheben)

Extrema der Beweglichkeit und Belastungen sollten nicht vereint werden, da eine starke Beugung oder Rotation abnormale Belastungen auf die Zwischenwirbelscheibe so generieren können.

Ein massiges und starkes Muskelkorsett erhöht den Bauchrauminnendruck und sichert vor Fehlhaltungen und Fehlbelastungen der Wirbelsäule ab.

Dabei sollte auf eine gleichmäßige Entwicklung aller beteiligten Muskelgruppen geachtet werden. (Bauch-; obere Rücken-; untere Rücken-; Brust-; Po- und Hüftmuskulatur)

Ein Kraftgürtel sollte bei Maximalversuchen angewandt werden, nicht aber bei allen Trainingssätzen. Die Fähigkeit "maximalen Druck aufzubauen" sollte regelmäßig ohne Gürtel geschult werden.

Es sollte immer auf die Haltung im Alltag und während des Trainings geachtet werden. Die natürliche Lumbarlordose soll immer geben bleiben: ein Extrem, Hyperlordose oder Beugung der Lendenwirbelsäule, darf nicht zur Gewohnheit werden und muss stetig der Korrektur unterliegen.

Nach jedem Training und zwischen zwei Trainingseinheiten sind neben dem Schlafen auch andere rehabilitative Maßnahmen zur Rehydrierung der Zwischenwirbelscheiben sinnvoll.

Quellen: