Von Jonny Bowden, PhD, CNS
Am Mittwoch, den 30 November 2010, veröffentlichte das Institute of Medicine’s Food and Nutrition Board einen Bericht, der prinzipiell aussagte, dass eine Vitamin D Supplementierung von mehr als 800 IUs unnötig sei und sogar schädlich sein kann (dazu gleich mehr).
Solltest Du diesen Bericht ignorieren?
Ja, und ich sage Dir auch wieso.
Das Komitee untersuchte nur die Menge an Vitamin D, von der bekannt ist, dass sie für starke Knochen benötigt wird. Das ist in etwa so, als würde man ein iPhone nur aufgrund der Fähigkeiten des Taschenrechners, Additionen und Subtraktionen auszuführen zu können, bewerten. Der Taschenrechner ist nur ein kleines Leistungsmerkmal des iPhones, aber er liefert kein vollständiges Bild dessen, was ein gutes Smart-Phone leisten kann. Ebenso ist es auch mit Vitamin D – Vitamin D ist wichtig für die Stärkung der Knochen, aber das ist nur eine der zahleichen, wichtigen Dinge, die dieser wunderbare und "kluge" Nährstoff bewirken kann.
Der Vitamin D Experte, William Grant (PhD), drückt es folgendermaßen aus:
- "Die gesundheitlichen Vorteile von Vitamin D treffen auf mindestens 100 verschiedene Krankheiten zu, wobei es die stärksten Hinweise bezüglich vieler Krebsarten (Brust, Colon, Ovarien, Pankreas, Prostata, Rektal), kardiovaskulärer Erkrankungen, Diabetes Typ I und II, respiratorischer Infektionen (Typ A Influenza und Lungenentzündung) und anderen Infektionen, wie Sepsis und Autoimmunerkrankungen (Multiple Sklerose), gibt."(1)
Damit kommen wir zur Frage der "optimalen" Spiegel, sowie zur zugehörigen Frage der Toxizität. preview
Ernährungswissenschaftler und Mediziner stecken in einem Denken fest, welches den Vitaminbedarf nur dahingehen betrachtet, was benötigt wird, um Mangelerkrankungen zu verhindern. Die “empfohlene Tagesdosis“ für Vitamin C ist diejenige Menge, die benötigt wird, um Skorbut zu verhindern. Die empfohlene Tagesdosis für Vitamin B1 (Thiamin) ist diejenige Menge, die benötigt wird, um Beriberi zu verhindern. Ich nenne dies die Minimal-Ernährung und sehe sie als absolut irrelevant für Personen an, die an einem optimalen Gesundheitszustand und Wohlbefinden interessiert sind.
Wenn Du genug Vitamin D in Deinem Körper hast, dann wirst Du durch zusätzliches Vitamin D nicht notwendigerweise schneller oder stärker werden. Es wird Dir auch nicht unbedingt Energie geben, um einen Marathon zu laufen. Das Problem an der Sache ist, dass viele Leute weit davon entfernt sind, “genug“ davon zu haben. Falls Du nicht genug davon hast, kann es Dich, bezüglich Energie, Gesundheit und körperlicher Leistungsfähigkeit teuer zu stehen kommen.
Uns fiel die Verbindung zwischen Vitamin D und der körperlichen Leistungsfähigkeit erstmals auf, als zwei Studien – eine veröffentlicht im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism(3) und die andere in Gerontological Society of Amercia(4) – über eine Beziehung zwischen Vitamin D, körperlicher Leistungsfähigkeit und Invalidität bei älteren Menschen berichteten. In einer dritten Studie präsentierten holländische Forscher (beim American Society of Mineral and Bone Research Jahrestreffen, 2005), dass geringe Vitamin D Spiegel mit schlechter körperlicher Leistungsfähigkeit einhergehen. Ihre Studie zeigte(5), dass 1238 ältere Männer und Frauen, die geringe Vitamin D Spiegel im Serum hatten, signifikant schlechter als eine Kontrollgruppe bei einfachen Tests abschnitten, welche das Gleichgewicht und die Kraft (z.B. einfache Geh-Tests, aufstehen von einem Stuhl, stehen auf einem Bein) untersuchten.
Die Bewertung zeigte bei allen drei Tests eine signifikante Verbesserung, mit ansteigenden Vitamin D Spiegeln. "Leute mit geringen Vitamin D Spiegeln haben ein höheres Risiko für schlechte körperliche Leistungsfähigkeit", sagte Ilse Wicherts (PhD) damals gegenüber Medscape Medical News. "Die stärksten Effekte wurden bei Personen mit einem starken Mangel gefunden."
Diese Mängel könnten allerdings häufiger sein als angenommen. Einige Jahre später, im Jahr 2007, entdeckten Forscher der Wake Forest Universtiy of Medicine, dass unter 976 Erwachsenen über 65 Jahre, ganze 75% der Frauen und 51% der Männer, unzureichende Vitamin D Spiegel aufwiesen.(6) Indem sie die körperliche Leistungsfähigkeit der Probanden durch Maßnahmen wie das Messen der Griffkraft untersuchten, bestätigten sie erneut, dass diejenigen mit geringeren Vitamin D Spiegeln viel schlechter abschnitten, als diejenigen, die keinen Mangel aufwiesen.
Es gibt enorm viel Literatur zum Thema Vitamin D und die oben genannten Studien sind nur die Spitze des Eisbergs. Drei weitere Studien betreffen das Immunsystem, kognitiven Abbau und Gewichtsabnahme.
Laut Forschern der Oregon State University, bewirkt Vitamin D die Expression eines Gens, das antimikrobiell wirkt. Das Gen heißt Cathelicidin, und die Forscher glauben, dass es für die Fähigkeit des Vitamin D verantwortlich ist, als Hauptmediator der Immunantwort zu wirken. Sie nannten das Cathelicidin “Das Antibiotika der Natur“ und glauben, dass es in der Zukunft die Grundlange für neue Immun-basierende Therapien bilden wird. Vitamin D schaltet dieses Gen an.
Da ungefähr 70% der Amerikaner suboptimale Vitamin D Spiegel aufweisen und fast eine Milliarde Menschen weltweit einen Vitamin D Mangel haben, warnen die Oregon State Forscher vor einem drohenden Gesundheitsproblem, sowohl in bereits entwickelten Ländern, als auch in Entwicklungsländern.
Das zweite Beispiel betrifft den kognitiven Abbau. Kürzlich zeigte eine Studie im prestigeträchtigen Archives of internal Medicine, dass Erwachsene mit den geringsten Vitamin D Spiegeln, mit hoher Wahrscheinlichkeit einen stärken kognitivem Abbau im Alter aufweisen.(8) Bedeutet dies, dass eine Supplementierung mit Vitamin D vor Gedächtnisschwund schützt? Das wissen wir nicht genau, allerdings wissen wir, dass das Risiko für solche Probleme durch zu wenig Vitamin D erhöht wird.
Das dritte Beispiel stellt eine Verbindung zwischen optimalen Vitamin D Spiegeln und besseren Erfolgen bei Gewichtsabbau her. Die Forscher untersuchten die im Blut zirkulierenden Vitamin D Spiegel bei übergewichtigen Frauen und Männern, vor und nachdem sie einen 11-wöchigen Diätplan befolgt hatten, der aus einer extremen Kalorienreduktion bestand (750 kcal pro Tag). Man würde erwarten, dass jeder bei einer solchen Kalorienbegrenzung abnimmt, was auch bei den meisten der Fall war. Die Forscher fanden allerdings, dass die Vitamin D Spiegel vor der Diät, den Erfolg beim Gewichtsabbau vorhersagte. Für jeden Anstieg von 1ng/ml (eine kleine Menge) Vitamin D im Blut, verloren die Personen fast ein halbes Pfund mehr, während der kalorienbegrenzten Diät.(9) Zusätzlich sagten höhere Ausgangsspiegel von Vitamin D im Blut einen größeren Abbau von Bauchfett vorher!
Was ist nun eigentlich ein optimaler Vitamin D Spiegel? Es ist nicht überraschend, dass es einige Unstimmigkeiten zu diesem Thema gibt. Der oben zitierte Experte, Dr. William Grant, sagt, es sollten mindestens 40-60 ng/ml sein. Laut seinen Forschungsergebnissen(10), könnte eine Erhöhung der Vitamin 25(OH)D Spiegel, auf mindestens 40-60 ng/ml, die Mortalitätsrate in den USA um 15% senken, was einer 2-jährigen Verlängerung der Lebenserwartung entspricht.
Das Vitamin D Gremium denkt, dass Spiegel über 50 ng/ml akzeptabel sind und optimale Spiegel im Bereich von 50-80 ng/ml liegen*. Dies steht im Einklang damit, was die meisten mir bekannten Experten glauben – Viele von ihnen sehen 70-80ng/ml als das optimale Ziel an.
Vorzüge von Vitamin D3
Ohne Supplemente ist es unmöglich, auch nur annähernd diese Zahlen zu erreichen. Und mit den armseligen 600Ius pro Tag, die von der FNB empfohlen werden, besteht quasi keine Chance, das zu schaffen.Das Food and Nutrition Board gibt zu, dass 97% der Amerikaner Vitamin D Spiegel aufweisen, die im Bereich von 20-30ng/ml liegen. Die Zufuhr von 600 IUs pro Tag erhöht die Vitamin D Spiegel im Blut um mickrige 6 ng/ml. Jemand mit einem “durchschnittlichen“ Vitamin D Spiegel von 25 ng/ml, müsste mindesten 2000 IUs pro Tag zu sich nehmen, um sie auf 45 ng/ml anzuheben. Laut dem Vitamin D Komitee – das diese Angelegenheit viel besser im Griff hat, als das Food and Nutrition Board der Regierung – bringen es diese 45 ng/ml noch immer nicht. Die meisten Leute, die sich gut auskennen, sehen 60-80 ng/ml als optimale Spiegel an.
Laut dem Vitaminexperten, Zoltan Roma (MD, MSc, Autor von "Vitamin D: The Sunshine Vitamin"), "deuten die Forschungserkenntnisse nun darauf hin, dass der Mindest-Tagesbedarf bei 4000 IUs liegt." Er fügt noch hinzu, "dass es wahrscheinlich ein weiteres Jahrzehnt dauern wird, bis die für die Ernährung zuständigen Regierungsbehörden diese Tatsche anerkennen und der Bevölkerung höhere Dosen Vitamin D empfehlen."
Damit wären wir nun wieder beim Thema Toxizität
Die FNB berichtet auch, dass eine Vitamin D Toxizität bei einer täglichen Aufnahme von 10000 IUs (250 Microgramm/Tag) auftritt, obwohl sie niemals reproduzierbare Beweise liefern konnten, dass 10000 IUs/Tag jemals beim Menschen toxisch gewirkt haben. Nur eine schlecht durchgeführte Studie besagt, dass 20000 IU/Tag zu leichten Erhöhungen des Plasma-Kalziums führte, was aber keine klinische Toxizität bewirkte.In einem exzellenten Review (Übersichtsartikel) über die Vitamin D Literatur, sagte Reinhold Vieth, PhD, Professor am Department of Nutritional Sciences, Laboratory Medicine and Pahtobiology der University of Toronto:
- "Während ich diese Review vorbereitet hatte, war ich erstaunt über den Mangel an Beweisen, die die Aussagen zur Toxizität von moderaten Vitamin D Dosen unterstützen." Er fügte noch hinzu: "Falls es veröffentlichte Beweise dafür gibt, dass eine Einnahme von 250 ug/Tag (10000 IU) bei einem Erwachsenen toxisch wirkt und dies durch die 25(OH)D Konzentrationen bestätigt ist, so muss ich diese erst noch finden."(11)
Es ist sehr traurig, dass dieser Bericht, welcher von den Massenmedien mit schrecklichen Überschriften, wie "Vitamin D kann gefährlich sein" wiedergegeben wurde, wahrscheinlich viele Leute verschrecken wird, die enorme Nutzen davon tragen würden, wenn sie diesen wichtigen Nährstoff supplementieren würden.
*Erinner Dich daran, dass es zwei verschiedene Arten gibt, das Vitamin D im Blut zu messen und verwechsle diese Maßeinheiten nicht. In den USA messen wir für gewöhnlich in ng/ml, aber die internationale Maßeinheit ist nmol/mL. Falls Dir also jemand erzählt, seine Spiegel seien "50", dann frage welche Maßeinheit sie verwenden (50 ng/ml entsprechen 124,8 nmol/L)
Quellen:
- 1) Vitamindcouncil
- 2) ama-assn.org
- 3) Endojournals
- 4) Ncbi.nlm.nih.gov
- 5) Medscape
- 6) Ncbi.nlm.nih.gov
- 7)Medscape
- 8) Ama-assn.org
- 9) Medicalnewstoday
- 10) Grant, WB, "In defense of the sun: An estimate of changes in mortality rates in the United States if mean serum 25-hydroxyvitamin D levels were raised to 45 ng/mL by solar ultraviolet-B radiance", Dermato-Endocrinology, 2009; 1(4): 207-14
- 11)Ajcn.org