Als ich mit der High School fertig war, bestand ich nur aus Haut und Knochen und wog nicht mal 45 Kilogramm. Ich hatte es satt, wie ein Skelett auszusehen und setzte meine ganze Energie in den Aufbau von so viel Muskelmasse wie möglich. Ich war voll entschlossen, mein Knochengerüst von 1,65 m mit Muskeln zu füllen.
Durch viel harte Arbeit, hatte ich bis Mitte 20 ganze 34 Kilo zugenommen. Mein Erfolg rührte zum Teil daher, dass ich, in den frühen Achtzigern, im World Gym und Gold's Gym trainieren konnte, wo mich das Training von Legenden wie Arnold, Franco und Tom Platz inspirierte.
Ich trainierte 20 Jahre lang in diesen großartigen Studios und konnte dort jede existierende Bodybuilding-Technik und -Methode ausprobieren, auch wenn ich nie daran dachte, selbst an einem Wettkampf teilzunehmen. Der Gedanke, in einem Tanga auf einer Bühne zu stehen, war für mich erschreckend. Trotzdem waren das Training im Bodybuildingstil und der Aufbau von Masse meine Leidenschaft.
Ich führte bis Mitte 30 ein Split-Programm für jede einzelne Muskelgruppe durch und unternahm während dieser Zeit einige Änderungen. Ich hörte eigentlich komplett damit auf, Kniebeugen und Kreuzheben auszuführen, oder generell irgendetwas schweres vom Boden hochzuheben. Mein Bein- und Rückentraining fand komplett an Maschinen statt. Außerdem trainierte ich meine Bauchmuskeln fast nie. In meinem Kopf war ich immer noch der Hautständer, der kaum 45 Kilo wog und so verlor ich ans definiert sein keinen einzigen Gedanken.
Bizepscurls und viele verschiedene Variationen des Bankdrückens, dominierten mein Training. Dicke Arme und eine breite Brust zu haben, stand ein ganzes Jahrzehnt lang in meinem Fokus und wurde schließlich zur Quintessenz meiner Identität.
Um die Zeit als ich 40 wurde, hatte mein Training größtenteils stagniert. Tatsächlich war ich nicht gelangweilt. Ich liebte es, trainieren zu gehen, aber ich hatte ein Plateau erreicht. Bis auf meinen Bauch, hatte alles andere aufgehört zu wachsen.
Ich war fett, schlaff, unglaublich konditionslos und musste plötzlich Medikamente gegen Bluthochdruck nehmen. Als ich endlich aufhörte, meine Situation zu verleugnen, wusste ich, dass ich einige große Veränderungen vornehmen musste. Bodybuilding war mein Leben, aber ich wusste, dass mein Training mich nicht mehr weiter bringen würde.
Ich fing nicht direkt damit an, auf Kraft und Kondition zu trainieren. Alles, was nichts mit den altmodischen Bodybuilding-Splits zu tun hatte, machte mich skeptisch und auch etwas unsicher. Mit der Zeit begann ich, zu experimentieren und verschiedene Trainingsprogramme auszuprobieren. Es fiel mir schwer, doch ich hielt durch. Diese neuen Methoden, machten mich zu dem, der ich heute bin.
Der Übergang vom Bodybuilder zum konditionierten Athleten fiel mir nie leicht. Die folgenden Tipps habe ich verfasst, da ich weiß, wie einsam die Reise sein kann, falls Ihr Euch entscheidet, sie anzutreten.
Ich habe den Übergang geschafft und kann mir nicht mehr vorstellen, zu meinem früheren Training zurückzukehren. Mit der wachsenden Popularität von MMA, wollen immer mehr Menschen aussehen und trainieren wie Georges St. Pierre, anstatt so breit zu sein wie Arnold. Für Jene, die bereit sind den ersten Schritt zu machen, oder die zumindest ein gewisses Interesse an einer Veränderung haben, folgen nun einige Ratschläge. . preview
1. Ändert Eure ästhetischen Ziele
Gewöhnt Euch an den Gedanken, dass Ihr nie den Mr. Olympia gewinnen werdet. Seid dankbar für all die Jahre an Bodybuilding Training und dafür, Euer Wachstumspotential ausgereizt zu haben. Seid ehrlich zu Euch selbst und akzeptiert, dass Ihr unter Umständen übergewichtig und speckig seid und einige Gesundheitsprobleme habt.Ihr braucht die Veränderung. Sucht Euch ein Vorbild, einen Körperbau, den Ihr erreichen wollt. Anstatt also aussehen zu wollen wie Arnold, könntet Ihr Euch für den Körper eines verdammt harten Kerls, wie zum Beispiel GSP, entscheiden. Vor allem müsst Ihr daran denken, dass Weiber auf Typen mit Bauchmuskeln stehen. Ihr könnt die beste Form Eures Lebens erreichen, wenn Ihr Euch dafür den Arsch aufreißt. Es wird nicht einfach, aber mit harter Arbeit und einem anderen Trainingsstil, ist es definitiv machbar. Offen für Neues zu sein, ist hierbei eine Voraussetzung.
2. Ganzkörpertraining
Nachdem ich über die Alternativen zum Split-Training gelesen hatte, war ich alles andere als überzeugt. 20 Jahre lang, glaubte ich mit Inbrunst an das separate Training jeder Muskelgruppe und nie habe ich an diesem System gezweifelt. Ich wies trotzig den Gedanken von mir, dass Ganzkörpertraining ebenso effektiv darin sein könnte, Muskelmasse aufzubauen.Es gibt viele gute Gründe, den ganzen Körper in einer Einheit zu trainieren. Was mich aber davon überzeugte, es mal auszuprobieren, war mein Bedürfnis, meinen Körper wieder als Einheit bewegen zu können. Ich war nicht nur schlecht in Form, meine Athletik hatte ebenfalls schwer gelitten.
Ich will die Abnutzung von Modewörtern wie "unfunktionell" jetzt nicht noch weiter vorantreiben, aber ich war definitiv nicht sportlich. Ein kleines Softball Spiel mit meinen Freunden, an einem schönen Sonntagnachmittag, konnte sehr schnell, sehr peinlich für mich werden. Auch ein größerer Spaziergang, mit einem meiner Dates von Matchmaker.com, war keine gute Idee, außer meine Partnerin hatte einen Sauerstofftank dabei.
Die Erkenntnis kam für mich aber, als ich einem Nachbarn beim Umstellen eines schweren Sofas helfen sollte. Ich habe mich sehr schwer getan und irgendwann ist es auf meinem Fuß gelandet. Für einen Kerl mit großen Muskeln, war ich definitiv nicht sehr stark.
20 Jahre lang habe ich mich hinter meinen Muskeln versteckt und so getan, als wäre ich ein "Athlet". Aber nun war ich entblößt. Die vielen Jahre, in denen ich meine Muskeln isoliert bearbeitet und nicht als kraftvolle, kinetische Kette trainiert habe, hatten mich schließlich eingeholt. Meine großen Muskeln, wie mein Lat und Gluteus, waren quasi inaktiv.
Ich war unglaublich schwach.
Der Wechsel zum Ganzkörpertraining erschien mir nun um einiges attraktiver. Ich konzentrierte mich auf Mehrgelenksübungen, merkte im ersten Monat aber nicht viel. Jahrelang hatte ich kein Kreuzheben, Kniebeugen oder schweres Rudern gemacht, ich hatte also keine Ahnung, wie meine Form war oder was es mit dem Zentralen Nervensystem auf sich hatte.
Aber ich machte weiter. Hatte ich früher vielleicht einmal alle paar Wochen ein Ganzkörpertraining durchgeführt, waren es jetzt zwei Einheiten pro Woche und später dann drei. Die Motivation packte mich recht schnell, da ich immer schwerere Gewichte bewegen konnte. Die schnellen Verbesserungen faszinierten mich.
Hatte ich früher versucht, dicke Muskeln aufzubauen, wollte ich nun lernen, mein ZNS dazu zu bringen, so viele Muskelfasern wie möglich zu rekrutieren. Ich wurde stärker und meine Körperzusammensetzung veränderte sich. Zu meiner Überraschung, wurde ich insgesamt muskulöser.
Jenen von Euch, die einen Krafttrainings-Zyklus in Ihr Training einbauen wollen, rate ich, große Mehrgelenksübungen wie Kreuzheben, Kniebeugen, Schulterdrücken, Langhantelrudern, Hip Thrusts, Klimmzüge, Pushups und Good Mornings zu verwenden. Haltet Euch an große Übungen, die möglichst viele Muskeln beanspruchen.
Denkt daran, dass Ihr jetzt auf Kraft trainiert, Ihr müsst also schwere Gewichte verwenden. Ein einfaches Programm wäre, 4 Übungen zu wählen, von jeder Übung 5 Sätze durchzuführen und die Wiederholungen im niedrigen Bereich, zwischen 4 und 6 zu halten (Klimmzüge und Pushups solltet Ihr bis kurz vorm Versagen trainieren).
Beachtet aber, dass ich kurz vorm Versagen gesagt habe, also nicht bis zum totalen Kollaps. Als ich noch nach Bodybuilding-Standards trainierte, schien es für mich logisch, zu trainieren, bis ich das Gewicht keinen Zentimeter mehr bewegen konnte. Bei Eurem neuen Plan solltet Ihr lernen, ein paar Wiederholungen vorm Versagen aufzuhören und damit Energie zurückzuhalten.
Wie man hart trainieren kann, ohne alles zu geben? Ich weiß, dass es ein schmaler Grad ist. Ich habe ein wenig nachgeforscht und herausgefunden, dass viele respektable Coaches gegen ein Training bis zum Versagen sind. Also genau das Gegenteil zu dem, was ich früher machte, als ich meist noch mit Teilwiederholungen und Dropsätzen über das Versagen hinausging.
Es schien mir einfach nicht genug zu sein, wenn ich nicht bis zum Versagen trainierte. Es fiel mir schwer, dieses Konzept aufzugeben, bis ich immer neue Bestleistungen bringen konnte. Sobald man seine Kraftwerte durch die Decke schießen sieht, wird man erkennen, dass das Training bis zum Versagen nicht gut für die Entwicklung maximaler Kraft ist.
Es dauerte eine Weile, aber irgendwann erkannte ich die Verbindung zwischen dem Aufbau von Kraft und dem von Muskelmasse. Ich könnte mir noch heute in den Hintern treten, dass ich unzählige Trainingseinheiten damit verbrachte, viele Wiederholungen mit leichtem Gewicht auszuführen.
3. Hört auf, Euch auf den "Pump" zu konzentrieren
In meiner Zeit als Bodybuilder, fand ich kaum etwas besser, als den ultimativen Pump. Er zeigte mir, dass meine Arbeit Erfolge brachte. Zudem liebte ich es, wenn meine Arme aufgeblasen waren und man die ganzen Adern sehen konnte. Als ich mich also mehr auf Kondition konzentrierte, musste ich diesen unwiderstehlichen Teil des Trainings aufgeben. Ich musste mich vom Pump verabschieden. Stattdessen, musste ich mehr auf meinen Stoffwechsel achten.Was das Training der Kondition angeht, solltet Ihr euer Kardiovaskuläres System verbessern. Anstatt aber langweiliges, aerobes Training durchzuführen, konzentriert Euch lieber auf Cardiotraining mit Kraftkomponenten, wie Langhantel-Complexes, intensives Zirkeltraining und Tabata.
Nochmal: Ihr werdet Euch nicht mehr auf den Pump fokussieren, sondern Euren Stoffwechsel antreiben. Den Pump merkt man recht einfach, aber wie könnt Ihr feststellen, ob Ihr nun Euren Stoffwechsel erhöht oder nicht?
Wenn Euer Herz fast aus dem Brustkorb springt, Ihr nicht mehr gerade stehen könnt und nur noch einzelne Wörter hervorbringt, habt Ihr wahrscheinlich intensiv genug gearbeitet, um Euren Stoffwechsel anzutreiben. Ich wette, dass nicht sehr viele Leute bei Euch im Studio auf dem Boden kriechen und nach Luft schnappen. Tatsächlich wird man dieses Verhalten vor allem bei professionellen Athleten auf dem Feld, der Laufbahn und im Ring beobachten können.
Durch die Erhöhung Eurer Stoffwechselrate, werdet Ihr Hormone aktivieren, die als Katalysator für die Fettverbrennung und den Muskelaufbau dienen, indem sie die Freisetzung von Testosteron und HGH antreiben.
Hormone sind der Schlüssel zur Veränderung Eurer Körperzusammensetzung. Je nachdem, welches Hormon aktiviert wird, wird es Eurem Körper entweder mitteilen, dass er Fett speichern soll, oder aber, dass er Fett zur Energiegewinnung heranziehen soll (Letzteres passiert u. a. durch den Anstieg der EPOC- Rate). Der tolle Pump wird allerdings kaum Auswirkungen auf Euren Stoffwechsel haben. Warum? Studien zeigen, dass das Training einzelner Muskelgruppen kaum Effekt auf den Ruhestoffwechsel hat. Intensives Ganzkörpertraining dagegen, wird die nötigen neuro-endokrinen Reaktionen herbeiführen, die so wichtig für die Veränderung der Körperzusammensetzung sind.
Ich vermisse den Pump schon lange nicht mehr. Sobald Ihr seht, wie Euer Fett hinweg schmilzt, werdet auch Ihr ihn vergessen.
4. Trainiert explosiv
Als ich primär für Hypertrophie trainierte, war mein Tempo während der Übungen meist langsam, manchmal sogar extra langsam, so dass die konzentrische Phase bis zu 10 Sekunden dauern konnte. Ich dachte, dass die Muskeln so besser wachsen würden, da ich sie mehr fühlte, wenn ich langsam trainierte.Nachdem ich anfing, mehr wie ein Athlet zu trainieren, als ein Bodybuilder, musste ich auch die Geschwindigkeit meiner Bewegungsausführung ändern. Ich musste schneller werden. Warum? Wenn man ein schweres Gewicht mit hohem Tempo bewegt, werden dabei die schnell zuckenden Muskelfasern rekrutiert. Diese Fasern haben das größte Wachstumspotential und sollten deswegen in Eurem Fokus liegen, wenn Ihr zu einem muskulösen Athleten werden wollt.
Als ich wie ein Bodybuilder trainierte und vor allem Isolationsübungen ausführte, trainierte ich vorrangig meine langsam zuckenden Muskelfasern. Die langsam zuckenden Fasern sind kleiner und haben ein geringeres Wachstumspotential.
Wenn ich sage, dass Ihr das Gewicht schnell bewegen sollt, meine ich damit nicht, dass Ihr eine schlechte Ausführung oder leichte Gewichte verwenden sollt. Eine strikte Ausführung und ein volles Bewegungsausmaß sind von essentieller Bedeutung. Es ist nicht die tatsächliche Geschwindigkeit, die wichtig ist, sondern die Intention, ein Gewicht so schnell wie möglich zu bewegen. Hierdurch werden vor allem die schnell zuckenden Muskelfasern rekrutiert, was zu einer positiven Veränderung der Körperzusammensetzung führt.
Jahrelang war "Schwung" ein Schimpfwort in meinem Bodybuilding Vokabular. Eine schwere Kurzhantel mit Schwung nach oben zu befördern, galt als Schummeln. Allerdings muss man bei manchen explosiven Bewegungen auch ein wenig Schwung benutzen. Zu lernen, ein Gewicht mit Schwung zu beschleunigen, kann Euch helfen, mehr explosive Kraft zu entwickeln.
Führt Ihr zum Beispiel eine Kombinationsbewegung aus Frontkniebeugen und Schulterdrücken aus, solltet Ihr den Schwung benutzen, den Eure Beine erzeugen, um die Hantel so schnell wie möglich nach oben zu drücken. Dadurch lernt Ihr, Euren Körper als eine kraftvolle Einheit zu beanspruchen, anstatt als eine Ansammlung einzelner Muskeln.
Falls einige von Euch schon Erfahrung mit den olympischen Übungen haben, könnt Ihr diese in Euer Programm integrieren. Falls nicht, bleibt einfach bei den klassischen Mehrgelenksübungen und konzentriert Euch darauf, das Gewicht so schnell wie möglich zu bewegen.
Eine weitere Angewohnheit, derer Ihr Euch entledigen solltet, wenn Ihr anfangt, explosiv zu trainieren, ist das Beobachten Eurer Übungsausführung im Spiegel. Euch selbst zu beobachten, führt zu einer Verringerung Eurer Geschwindigkeit.
5. Holt Eure Laufschuhe aus dem Schrank
So ziemlich jeder Bodybuilder den ich kenne, hasst es, laufen zu gehen. Ich war einer von ihnen. Als ich mit Konditionstraining anfing, war langes Laufen mit niedriger Intensität die Norm. Neue Studien zeigen jedoch, dass Langstreckenläufe nicht die beste Wahl zur Verbesserung der Kondition sind. Regelmäßiges Laufen auf 8 Kilometer oder mehr, kann die Kraft verringern und zu vermehrtem Muskelabbau führen.Denkt daran, dass Eure Hormone die Körperzusammensetzung kontrollieren und ein Übertraining durch das Laufen, wird den Körper veranlassen, das falsche Hormon auszuschütten, nämlich Cortisol.
Die meisten von Euch, werden nun wahrscheinlich hörbar ausatmen und denken, Ihr bräuchtet nie mehr zu laufen. Falsch gedacht! Ihr müsst stattdessen sprinten.
Sprinten ist eine der besten Ganzkörperübungen für die Kondition. Ihr werdet Fett verbrennen und starke, muskulöse Beine entwickeln. Und da es eine explosive Bewegung des gesamten Körpers ist, werdet Ihr zudem noch Fett verbrennende und anabole Hormone aktivieren.
Schaut Euch den Artikel von Lee Boyce übers Sprinten an. Sprinten ist anstrengend, aber es muss sein. Das Beste daran ist, dass es nicht lange dauert: 30 Sekunden maximale Anstrengung, oder sogar weniger. Wenn Ihr nicht sprinten gehen wollt, weiß ich nicht, ob Ihr in der Lage sein werdet, eine außergewöhnliche Kondition zu entwickeln.
Wenn Ihr eine gute Stelle gefunden habt, sprintet auf einer Strecke von 90 Metern oder weniger. Die Strecke ist nicht so wichtig wie die Intensität. Gebt alles! Denkt daran, dass Ihr es auf Euren Stoffwechsel abgesehen habt, Ihr wollt also Eure Herzfrequenz weit nach oben treiben.
Wenn Ihr damit anfangt, regelmäßig zu sprinten, arbeitet Euch langsam auf 10 Runden hoch. Jene, die sich kaum mit dem Sprinten anfreunden können, sollten es für sich nicht als Cardio oder Laufen klassifizieren, sondern als Teil des Trainings. Vertreibt den Gedanken an endloses Cardio und das Bild eines ausgehungerten Läufers aus Euren Köpfen und werdet Euch bewusst, dass Ihr durch Sprinten muskulöse Beine entwickeln könnt.
Wer ähnlich wie ich unter Muskelabbau-Phobie leidet, sollte sich anschauen, wie muskulös Weltklasse Sprinter tatsächlich sind. Sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Ihr durch Sprinten einen schlankeren, muskulöseren Körper aufbauen werdet, wird Eure Motivation sicherlich erhöhen.
6. Nie wieder Maschinen!
Während der letzten Jahre meiner Bodybuilding Karriere, fand ein Großteil meiner Workouts an Maschinen statt. Kein Wunder also, dass in dieser Zeit nur noch mein Bauch breiter wurde!Maschinen sind aus mehreren Gründen schlecht. Mal davon abgesehen, dass sie nur eine festgelegte Bewegung zulassen und die ROM beschränken, verhindern sie eine optimale Rekrutierung der stabilisierenden Muskeln, vor allem derer des Kerns.
Die stabilisierenden Muskeln zu trainieren und zu entwickeln ist sehr wichtig, nicht nur für Kniebeugen und Kreuzheben, sondern auch für das Sprinten und so ziemlich jede athletische Bewegung, die es gibt. Je stärker der Kern, desto mehr Kraft kann man in großen Mehrgelenksübungen übertragen.
Einer der besten Wege, einen kräftigen Kern zu entwickeln, ist die Durchführung von Ganzkörper Workouts mit bestimmten Tools. Außerdem solltet Ihr Euch von Maschinen fern halten, die ein volles Bewegungsausmaß einschränken. Es gibt viele verschiedene, tolle Tools, die man für sein Training erstehen kann. Ihr solltet es allerdings nicht so machen wie ich und auf einen Schlag Euer Konto leer räumen!
Fangt klein an und lasst Euch Zeit, bei der Wahl neuer Gimmicks. Ich würde es Euch ans Herz legen, in Eurem Budget zu bleiben und höchstens ein neues Tool pro Monat zu erstehen. Ein Medizinball, ein Hüpfseil und ein Vorschlaghammer sind günstig zu bekommen. Kettlebells sind günstiger, wenn man sie nicht im Internet bestellt, wo man für die Lieferung zahlen muss.
Ihr könnt Euch Reifen zum Werfen besorgen und größere zum Flippen. Abgenutzte Reifen gibt es oft für wenig Geld, auf dem Schrottplatz oder bei Reifenhändlern. Im Internet findet Ihr einfache Anleitungen zum Eigenbau eines Bulgarian Bag und eines Sandsacks, sowie Alternativen oder Bauanleitungen für Schlitten und Prowler.
Mit all diesen Tools solltet Ihr explosive Übungen ausführen, die den gesamten Körper belasten und euren Kern in die Pflicht nehmen. Im Gegensatz zu Maschinen, in denen man oft im Sitzen oder Liegen fest steckt, trainiert Ihr mit diesen Hilfsmitteln in allen Bewegungsebenen.
Haltet Euch also von nutzlosen Maschinen fern, mit dem Auto als einziger Ausnahme. Autos eignen sich wahnsinnig gut zum Schieben oder Ziehen, was ebenfalls eine sehr stabile Körpermitte erfordert. Auf meinem derzeitigen Stand, reicht mir ein japanischer Kleinwagen. Ein richtig harter Kerl, gibt sich allerdings mit nichts Geringerem, als einem großen Geländewagen zufrieden.
7. Nahrung als Treibstoff
Ohne Frage, ist der beste Teil beim Erlangen eines Bodybuilding Körpers die Massephase. Ich persönlich war immer in der Massephase, hatte also immer eine Ausrede um viel zu essen. Es gab Zeiten, da stopfte ich mir alle 2 bis 3 Stunden ca. 100 Gramm Protein in die Birne. Ich aß jahrelang kiloweise Hackfleisch. 12 Eier am Tag waren die Regel. Alle 3 Stunden, nahm ich 20 Aminotabletten aus Leber zu mir. Ihr wisst, wie es läuft.Wenn ich nicht jeden Tag einen Haufen Protein verschlang, hatte ich das Gefühl, meine Shirtgröße wäre um eins kleiner geworden. Meine Selbstwahrnehmung war tatsächlich dermaßen gestört und riesige Mengen an Essen, waren wie ein Heroinschuss für mich.
Ich denke immer noch, dass ein Athlet zu jeder Mahlzeit ein wenig Protein zu sich nehmen sollte. Aber nicht die Mengen, die ich damals verschlang.
Befreit Euch von dem Joch, ein Sklave Eures Proteinkonsums zu sein. Hört es sich nicht verführerisch an, nie wieder eine Dose trockenen Thunfisch extra essen zu müssen, um den "Proteinbedarf" zu stillen? Wenn Euch dieser Gedanke nicht gefällt, seid Ihr schon verrückter, als ich es damals war.
Wenn ihr anfangt, für einen gesunden und starken Körper zu essen, anstatt für große Muskeln, versucht, Euch an gesündere Lebensmittel zu halten. Im Streben nach überragender Athletik und Leistungsfähigkeit, werdet Ihr schnell sehen, wie stark Eure Nahrungswahl Euer Leistungsniveau beeinflusst.
Nach einem intensiven Langhantel Complex, werdet Ihr die Auswirkungen des Transfettes aus der Tüte Chips vom letzten Abend merken, wenn Ihr röchelnd auf dem Boden kriecht. Wenn Ihr nach ein paar Sprints anfangt zu kotzen, werdet Ihr es Euch zweimal überlegen, bevor Ihr nächstes Mal Chicken Nuggets als Pre-Workout Snack esst.
Ich habe bemerkt, dass sowohl meine Klienten, als auch ich selbst, von ganz alleine nach Obst und Gemüse lechzen, wenn am nächsten Tag ein hartes Konditionstraining ansteht. Zudem haben wir gelernt, instinktiv unsere Glykogenspiegel zur richtigen Zeit zu erhöhen, so dass wir eine harte Trainingseinheit auch durchhalten.
Wenn Ihr Euch selbst dabei erwischt, wie Ihr automatisch den Schrott, den Ihr normalerweise esst, links liegen lasst, könnt Ihr stolz auf Euch sein. Eure mentale Disziplin entwickelt sich. Mentale Disziplin ist eine Schlüsselkomponente und Ihr solltet Eure Mahlzeiten als Treibstoff für Euren athletischen Körper betrachten, nicht als Befriedigung Eurer Gelüste.
8. Nehmt es als Kompliment!
Bodybuilder sind allseits dafür bekannt, auf Komplimente aus zu sein. Eine normale Konversation in einem Studio, läuft folgendermaßen ab:Schrank #1: "Alter, bist du breit."
Schrank #2: "Du auch man. Deine Arme sind riesig."
Schrank #1: "Danke Kumpel. Wie trainierst du deine Beine? Die sind gigantisch!"
Hört sich vertraut an? Diese traurige Unterhaltung macht ca. 75% der Dialoge in einem Bodybuilding Studio aus. Ich weiß das, da ich früher selbst so war. Ich wollte immer von meinen Kumpels bestätigt werden. Ich log sogar andere an, wie unglaublich muskulös sie wären, selbst wenn sie nur aus Haut und Knochen bestanden. Diese Worte "Du bist verdammt breit", haben mich jedes Mal wieder durch ein weiteres Armtraining gebracht.
Als ich dann anfing schlanker zu werden und in bessere Form zu kommen, war ich nicht darauf vorbereitet, plötzlich nicht mehr zu hören, wie breit ich wäre. Es war schwer für mich. Gesagt zu bekommen, dass ich unglaublich breit wäre, war 20 Jahre lang meine Identität. Das war ich und so wollte ich sein.
Als also die Komplimente über meine unglaublichen Ausmaße langsam abebbten, als ich anfing zu hören "Du bist total definiert", oder "Du siehst gut aus", nahm ich das als Hinweis, dass ich langsam aussah wie ein abgemagertes Skelett.
Ich will Euch nicht belügen: diese Veränderung war ein harter Schlag für mein Selbstwertgefühl, Ihr solltet Euch also darauf vorbereiten. Einige werden sich vielleicht vor der Außenwelt verschließen und alles dafür tun, um wieder zu hören, wie breit sie sind.
Nehmt es nicht zu schwer. Es ist nur ein Teil der Reise, auf dem Weg zum Dasein als starker und konditionierter Athlet. Ich verlor zwar viel Gewicht, verbrannte aber auch einiges an Fett. Mein Körper sah muskulöser aus. Ich war nicht so breit wie vorher, aber auch lange nicht so fett.
Man konnte langsam sehen, wie muskulös und schlank ich war. Ich hörte auf, nach Komplimenten zu heischen und erzählte stattdessen meinen Kollegen und alltäglichen Bekanntschaften im Studio, wie ich nun anders trainierte. Je mehr ich über meinen Wechsel vom Training einzelner Muskelgruppen, hin zu schweren Grundübungen und intensivem Konditionstraining, erzählte, desto mehr fühlte ich mich damit wohl.
Meine Fixierung auf pure Masse war endlich vorbei. Stattdessen wollte ich stark und fit werden.
Letztens habe ich gehört, wie mich jemand als "durchtrainiert" bezeichnet hat. Es ist zwar nicht das Gleiche wie "verdammt breit", aber ich freue mich trotzdem darüber.
Letzte Gedanken
Ein Freund von mir versuchte vor einiger Zeit, seinen Lebensstil als Bodybuilder aufzugeben und stattdessen in eine athletischere Form zu kommen, wie ein MMA Kämpfer. Nachdem er es einen Monat lang probiert hatte, gab er auf und konzentrierte sich wieder darauf, breiter zu werden.Damit habe ich kein Problem. Ich will hier keine Anti-Bodybuilding Stimmung verbreiten. Wenn Ihr das Potential habt noch breiter zu werden, freue ich mich für Euch. Nehmt es in Angriff!
Dieser Artikel ist für Jene bestimmt, die Ihr Training grundsätzlich verändern wollen, oder nur nach einer kleinen Abwechslung suchen. Ihr müsst deswegen nicht gleich alles aufgeben, was Ihr momentan macht. Im Gegenteil, probiert einfach ein bisschen was aus und übernehmt das, was Euch Euren momentanen Zielen näher bringt.
Werft immer mal eine kleine Einheit Konditionstraining ein. Versucht, beide Welten zu verbinden, oder konzentriert Euch nur auf das Konditionstraining, ganz wie Ihr wollt.
Mein größtes Problem mit der Fitnesswelt ist, dass wir unbedingt alles bennenen, kategorisieren und bewerten müssen. Im Endeffekt gibt es kein System oder Tool, welches allen anderen überlegen ist.
Alles lässt sich auf eine Sache reduzieren.....
Ihr müsst hart trainieren!