Spricht man von Metamorphose, so spricht man von Verwandlung und Umgestaltung. In der Tierwelt beschreibt man so das Übergehen vom Jugendstadium in den Adultzustand. Mit meinen fast 19 Jahren kann ich mich zwar noch nicht komplett als erwachsen beschreiben, jedoch ist die Verwandlung, welche ich durchgemacht habe, für mich eine Art komplette Metamorphose.

Man stelle sich einen Jungen vor, welcher seit seinem sechsten Lebensjahr liebend gern Fußball spielt und glaubt, es sei sein Sport beziehungsweise sein Ziel etwas in diesem Sport zu erreichen. Meine körperlichen Voraussetzungen dafür waren fast optimal. Ich stamme aus einer schlanken Familie und bin von daher auch sehr schlank. Ich erinnere mich an meine letzte Saison: Ich war 15 Jahre, wog um die 64kg auf 177cm. preview

Benny


Auf Grund ständiger Verletzungen und mannschaftlicher Schwierigkeiten beschloss ich mit dem Fußball aufzuhören. Ein Freund nahm mich stattdessen mit zum Kraftsport, um genauer zu werden zum Verein des SV Motor Barth. Ich wusste weder, was Kraftsport ist, noch dass es diesen Verein in Barth überhaupt gibt. Erst später bemerkte ich, dass ich die Ehre hatte, bei einem der stärksten Kraftdreikampfvereine Deutschlands zu trainieren.

Wie bei vielen war die erste Übung, welche ich machen durfte, das Bankdrücken. Bankdrücken war mir aus dem Schulsport ein Begriff, also legte ich mich auf die Bank und brachte 40kg einmal zur Hochstrecke. Damit war ich an diesem Abend der Schlechteste in der Trainingsbude und selbst in meiner Schulklasse war dies nicht die Topleistung.

In den kommenden Wochen trainierte ich nach Anweisung meines Trainers und beobachtete nebenbei die anderen Jugendlichen. Der Beste von ihnen konnte 80kg drücken. Da ich von Natur aus ein ehrgeiziger Typ bin, hatte ich nun ein Ziel:Ich wollte ihn besiegen.

Nach drei Monaten konnte ich 115kg beugen, 95kg drücken und 135kg ausheben. Leider schlief die vereinsinterne Konkurrenz nicht und ich war immer noch nicht der stärkste Jugendliche.

Benny


Ich musste also was tun. Ich begann mich zu belesen, machte mir selber Trainingspläne, aß anders und trainierte mehr als die anderen in meiner Trainingsgruppe. Nach 6 Monaten wog ich 70kg und konnte 120kg drei Mal beugen, 105kg drücken und 150kg drei Mal ausheben. Mein Trainer meinte, dass dies schon ganz gut sei und meldete mich auf der alljährlichen Landesmeisterschaft im Bankdrücken an. Ich war extrem aufgeregt. Mein Ziel war es 100kg an diesem Tag in die Wertung zu bringen. Doch leider wurde es nichts. Ich begann mit 95kg, konnte diese auch sicher in die Wertung bringen. Im zweiten Versuch wollte ich dann die 100kg schaffen, doch auf Grund irgendeiner Sache, welche mir heute noch unerklärlich ist, viel mir das Gewicht nach halber Hochstrecke aus der Hand und mitten aufs Kinn. Ich war schockiert und habe den dritten Versuch ausgelassen. Na Klasse, erster Wettkampf und sofort ein dickes Kinn, meine Eltern waren auch alles andere als begeistert und sind bis heute dafür, dass ich wieder Fußball spiele. Den Wettkampf an diesem Tag habe ich allerdings gewonnen und meine Lust auf weitere Medaillen begann.



Der folgende Wettkampf war die Norddeutsche Meisterschaft im Bankdrücken, welche ich in der Klasse bis 75kg Jugend mit 102,5kg gewann. Danach folgende der Usedom Cup im Bankdrücken, welchen ich ebenfalls gewann, allerdings nur mit 100kg in der Wertung.



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Die darauf folgende Deutsche Meisterschaft IPF Jugend/Junioren Bankdrücken konnte ich aufgrund eines Mittelhandbruchs nicht mitmachen. Es begannen fürchterliche 12 Wochen ohne Sport. Meine Leistungen bis dahin waren 140kg in der Kniebeuge, 110kg im Bankdrücken und 160kg im Kreuzheben - alles bei einem Gewicht von 69kg und 17Jahren. Als ich nach meiner Verletzung wieder mit dem Sport anfing konnte ich lediglich 75kg drücken und wog nur noch 63kg. Ich war zu tiefst schockiert und hätte am liebsten alles hingeschmissen. Aber ich blieb am Ball, trainierte härter und nun sogar fünf Tage die Woche. Ich wollte meine verlorenen Wochen aufholen. Mittlerweile war ich der stärkste Jugendliche in meiner Gruppe und konnte auf meinem ersten Kraftdreikampf Ende 2007 155kg in der Kniebeuge , 102,5kg in der Bank und 172,5kg im Kreuzheben bezwingen. Mein Gewicht lag zu diesem Zeitpunkt bei 73kg auf 177cm.

Ende Oktober war es dann soweit, meine erste Deutsche Meisterschaft im Kraftdreikampf stand an und das ausgerechnet in meiner Heimatstadt Barth. Freunde und Familie waren da und ich wollte es allen beweisen. Von vornherein wusste ich, dass ich mit Wladimir Jordan einen starken Konkurrenten aus Jena hatte. In der Kniebeuge konnte ich 145kg in die Wertung bringen, Wladimir hingegen 155kg. Ich war enttäuscht. Im Bankdrücken lief es dann mehr als perfekt für mich, mit 112,5kg konnte ich meine persönliche Bestleistung um 10kg steigern, Wladimir brachte 92,5kg in die Wertung. Ich führte also mit 10kg, doch nun stand Wladimir seine Paradedisziplin das Kreuzheben an. Er konnte alle Versuche von 190kg, 202,5 und 210kg in die Wertung bringen. Ich begann mit 170kg welche locker kamen, gefolgt von 185kg. Nun ließ ich siegbedeutende 200kg auflegen, welche fast 30kg über meiner bisherigen, persönlichen Bestleistung waren.

Wie schon erwähnt, hätten diese 200kg den Sieg bedeutet, da ich mit 73,2kg 700g leichter war als Wladimir. Ich war extrem angespannt und aggressiv, leider dadurch auch unkonzentriert. Ich zog das Gewicht mit hängen und würgen hoch, die Technik, welche ich dabei an den Tag legte, sah mehr als furchteinflößend aus. Als ich mit dem Gewicht stand und mich innerlich schon total freute, legte ich es ab. Als plötzlich drei rote Lichter kamen, war ich schockiert. Erst später auf einem Video sah ich, dass ich die Hantel abgelegt hatte, bevor der Kampfrichter das Ab-Signal gab. Ich war enttäuscht und die ein oder andere Träne floss auch.

Meine erste Deutsche Meisterschaft war für mich also eine Lehrveranstaltung. Ein paar Tage später stand für mich jedoch fest, dass ich im kommenden Jahr Wladimir schlagen werde und endlich Deutscher Meister werde. Ende 2007 bekam ich dann sogar einen Vertrag der Deutschen Nationalmannschaft Kraftdreikampf Jugend für die Gewichtsklasse bis 75kg. Ich war stolz und beschloss die ein Jahr spätere Weltmeisterschaft in Südafrika mit bravour zu meistern. Zeit verging, der Winter kam und ruck zuck hatten wir April 2008.

Die Norddeutsche Meisterschaft Bankdrücken stand an und mit 78kg wog ich mehr als jemals zu vor. Ich konnte 120kg, 125kg und 127,5kg in die Wertung bringen, welche nicht nur Sieg in meiner Gewichtsklasse, sondern auch sowohl den Relativsieg als auch einen neuen Norddeutschen Rekord bedeuteten. Es folge die Landesmeisterschaft Bankdrücken, bei der ich mit 120kg in der Wertung ebenfalls meine Gewichtsklasse als auch die Relativwertung aller Jugendlichen gewann.



Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen Trainingsstand von 150kg drei Mal in der Kniebeuge, 120kg drei Mal im Bankdrücken und 160kg acht Mal im Kreuzheben. Ich wog 76kg auf 177cm. Die kommende Deutsche Meisterschaft im Bankdrücken sollte endlich meine Meisterschaft werden, jedoch war mit Michel Köhler aus Wolfen ein neuer auf der Meldeliste, welcher mit 140kg in der 82,5kg Gewichtsklasse mehr als eine Bedrohung darstellte.

Ich beschloss in die 75kg Klasse zu wechseln und machte meine erste Diät- eine Tortur. Ich hatte Hunger und schlechte Laune, meine Freundin beschrieb mich als unerträglich. Pünktlich zur Deutschen Meisterschaft im Mai 2008 wog ich 73kg. Es ging nach Coburg und ich fuhr mit einem sicheren Gefühl dorthin, da ich trotz Diät im Training kaum Krafteinbußen hatte. Ich spielte sogar mit dem Gedanken den Deutschen Rekord von 132,5kg anzugreifen. Doch es kam alles anders:

Ich begann mit 115kg, diese gingen auch wunderbar zu drücken, jedoch waren sie nur 2:1 gültig, da angeblich meine Füße schief standen. Im zweiten Versuch nahm ich 122,5kg welche den Sieg bedeutet hätten. Wieder habe ich die Langhantel hochgeschossen und erneut habe ich mich innerlich gefreut, jedoch zu früh, wie sich herausstellen sollte. Der Versuch war 2:1 ungültig - wieder wegen den Füßen. Im dritten Versuch ließ ich 127,5kg auflegen. Ich beschloss die Spannung komplett aus meinem Körper zu nehmen, damit die Füße auch ja gerade stehen. Allerdings habe ich vorher nie so gedrückt und das Gewicht war zu schwer. Fazit: Die schlechteste Platzierung meiner bisherigen Laufbahn, eine Menge Streit und Stress wegen der Diät und ein verdammter dritter Platz. Ich hatte die Nase wirklich voll. Wieder eine Blamage auf einer Deutschen Meisterschaft. Monate vergingen und ich bereitete mich für die anstehende Weltmeisterschaft Kraftdreikampf Jugend/Junioren in Südafrika vor. Trainingsleistungen im September waren 170kg in der Kniebeuge, 127,5kg im Bankdrücken und 205kg im Kreuzheben, bei einem Gewicht von 78kg. Da die Weltmeisterschaft mit Equipment stattfinden sollte (Kniebeugeanzug, Kreuzhebeanzug, Bandagen, Bankdrückhemd) begann ich mich an die Ausrüstung zu gewöhnen und trainierte nun damit.

Für alle Unwissenden: In der IPF ist dieses Equipment für Jugendliche untersagt, dort werden alle Leistungen raw abgelegt. Auf Grund der Tatsache, dass die Weltmeisterschaft mit Equipment stattfindet, ist jeder Jugendliche dazu verpflichtet einen nationalen Wettkampf mit Equipment abzulegen, also einen Leistungsnachweis sozusagen. Ich habe mir dafür die 2. Runde Bundesliga in Klötze ausgesucht.

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Zusammen mit meinen Teamkameraden des SV Motor Barth gelang mir am 16.02.2008 mit 17 Jahren und 72,6kg eine Leistung von 180kg Kniebeuge, 110kg Bankdrücken und 190kg Kreuzheben. Allerdings ist anzumerken, dass ich einen viel zu großen Kniebeugeanzug anhatte und auch das Bankdrückhemd saß nicht optimal. Des Weiteren war es das erste Mal, dass ich Equipment anhatte. Doch all das war egal, ich hatte meine Leistung abgelegt und konnte mich nun in Ruhe auf die Weltmeisterschaft in Südafrika vorbereiten.

Wie bereits erwähnt waren meine Trainingsleistungen im September 170kg in der Kniebeuge, 127,5kg im Bankdrücken und 205kg im Kreuzheben, bei einem Gewicht von 78kg. Ich war so stark wie noch nie zu vor, die WM konnte kommen.

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Allerdings sollte dem ganzen ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Wie einige eventuell verfolgt haben, gab es im vergangenen Jahr heftige Rassenunruhen in Südafrika. Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung. Nach ewigen Überlegungen und ständigem Hin und Her entschied sich der Deutsche Verband für Kraftdreikämpfer, dass die komplette Deutsche Nationalmannschaft nicht nach Südafrika reist, da es einfach zu gefährlich sei. Uns wurde allerdings angeboten einen Ausgleichswettkampf, den Western European Cup in Dänemark mitzumachen. Ich war total enttäuscht und stinksauer, erst recht nachdem ich gesehen hatte, dass ich auf der WM vermutlich den vierten Platz belegt hätte.

Ich habe also den Western European Cup abgesagt und wollte mich stattdessen auf die 8 Wochen spätere Deutsche Meisterschaft Kraftdreikampf Jugend/Junioren in Döbeln vorbereiten. Diese fand am 24.10.2008 statt. Den Meldelisten zufolge sollten meine stärksten Konkurrenten wiedermal Wladimir Jordan aus Jena, als auch Michel Köhler aus Wolfen sein. Am Tag des Wettkampfs betrug mein Gewicht 76,3kg. Damit hätte ich genau wie Wladimir und Michel in der 82,5kg Gewichtsklasse starten müssen. Kurzschlüssig entschied ich mich in die -75kg Klasse zu wechseln. Ich zog mir alle Klamotten an, welche ich an diesem Tag mit hatte, stellte mich in die Sonne und begann die fehlenden Kilo auszuschwitzen.

Nach einer gewissen Zeit und ein paar Klobesuchen betrug mein Gewicht 74,9kg, das erste Ziel war also geschafft. 150kg und 160kg waren an diesem Tag in der Kniebeuge kein Problem, 170kg gingen auch noch, wurden mir allerdings 2:1 ungültig gegeben. Mit 152,5kg in der Kniebeuge stand ebenfalls mein stärkster Konkurrent an diesem Abend fest: Es war Vincent Curth aus Eilenburg. Im Bankdrücken konnte ich 120kg in die Wertung bringen und somit meinen Vorsprung auf 22,5kg ausbauen. Im anschließenden Kreuzheben ließ ich nichts mehr anbrennen und konnte alle meine Versuche (170kg, 190kg und 200kg) in die Wertung bringen. Mit 480kg im Total und 342,3 Relativpunkten war ich stärkster Starter des Tages. Ich hatte einen Vorsprung von 32,5kg auf Vincent, mein Traum war in Erfüllung gegangen und ich wurde Deutscher Meister.

Benny


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Am folgenden Tag kam heraus, dass ich sogar in der Relativwertung aller Jugendlichen auf den dritten Platz gekommen war. Dieser Wettkampf lief perfekt, ich habe nicht nur mein Ziel erreicht, sondern konnte auch noch meinen Konkurrenten vom Vorjahr, Wladimir Jordan, um 15kg schlagen.

Infolge dessen wurde mir wieder ein Nationalmannschaftsvertag für 2009 überreicht und ich war damit einer von lediglich zwei Jugendlichen, welche einen Vertrag für das kommende Juniorenjahr 2009 erhalten hatten. - Als kleine Erklärung: Ab dem 19. Lebensjahr ist man in der IPF Junior, was bedeutet, dass es nun erlaubt ist, mit Equipment zu starten.

Mit 190kg in der Kniebeuge, 150kg im Bankdrücken und 220kg im Kreuzheben bei 83kg ist meine momentane Verfassung mehr als gut und das Juniorenjahr, als auch die Weltmeisterschaft in Brasilien 2009 können kommen.

Benny


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Fazit:
  • Landesmeister Bankdrücken 2x
  • Landesmeister Kraftdreikampf 2x
  • Norddeutscher Meister Bankdrücken 2x
  • Usedom Cup Sieger Bankdrücken 2x
  • Deutscher Meister Kraftdreikampf 1x
  • Deutscher Vize Meister Kraftdreikampf 1x
  • 1.Bundesliga Kraftdreikampf Starter 2x
  • 80% der Wettkämpfe gewonnen